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Wahr wirkt, was oft wiederholt wird

Kommt uns eine Aussage bekannt vor, halten wir sie schneller für wahr. Dabei kann dieser Effekt erstaunlicherweise sowohl bei richtigen als auch bei falschen Aussagen auftreten. Psychologen der Universität Marburg zeigen, warum bloße Wiederholung unser Urteil so stark beeinflusst.

Von Hannah Molderings

Was haben die Forschenden untersucht?
In drei Experimenten zeigte man Versuchsteilnehmern kurze Aussagen und ließ sie entscheiden, ob diese wahr oder falsch sind. Einige Aussagen sahen die Teilnehmer zum ersten Mal, andere kannten sie schon. Beispiel: die Behauptung, der Name der russischen Raumstation MIR bedeute „Frieden“ (wahr). Entscheidend war allerdings nicht nur, ob es stimmt, sondern auch, ob die Aussage den Teilnehmern bekannt vorkam.

Was war das Ergebnis?
In einem der drei Experimente zeigt sich das Ergebnis am stärksten. Hier hielten die Teilnehmer neue Aussagen zu 50 Prozent für wahr. Aussagen, die sie schon einmal gesehen hatten, hielten sie dagegen zu 67 Prozent für wahr. Allein das vorherige Sehen reichte aus, um eine Aussage glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Der Effekt zeigte sich in allen drei Experimenten. Und er war deutlich stärker als der untersuchte Einfluss der sprachlichen Schwierigkeit der Sätze. Überspitzt könnte man sagen: Die Wiederholung von Aussagen sorgt eher dafür, dass etwas geglaubt wird, als die leichte Verständlichkeit von Texten.

Gilt die Wiederholungs-These auch für falsche Aussagen?
Ja, und genau das ist ein zentraler Befund der Studie: Wiederholung macht falsche Behauptungen fast so glaubwürdig wie wahre. Oder, anders ausgedrückt: Vertrautheit macht eine Aussage glaubwürdiger, unabhängig davon, ob sie stimmt. Allerdings fanden die Forschenden keinen statistisch nachweisbaren Unterschied darin, wie stark die Wiederholung  wirkte.

Warum wirkt Wiederholung?
Eine wichtige Erklärung liegt in der sogenannten processing fluency. Was uns bereits bekannt ist, verarbeiten wir leichter. Diese Leichtigkeit kann unser Urteil beeinflussen und dazu beitragen, dass uns etwas eher richtig erscheint – frei nach dem Motto: Das kommt mir bekannt vor, also wird es wohl stimmen! Entsprechend beurteilten die Teilnehmenden wiederholte Aussagen auch schneller als neue.

Was bedeutet das für uns?
Wenn man etwas häufig hört, ist das kein Beleg für Qualität oder Richtigkeit, auch wenn es sich so anfühlt. Man sollte also auch bei häufig gehörten Aussagen immer schön skeptisch bleiben. Der Zweifel, hat ein berühmter Journalist mal gesagt (ich erinnere mich bloß nicht, wer das war 😉), sei der Schmuck des Intellektuellen. Für die eigene Kommunikation gilt das Gegenteil: Eine wichtige Botschaft nur einmal zu verbreiten, reicht oft nicht aus. Durch Wiederholung kann sie vertrauter werden – und diese Vertrautheit kann dazu beitragen, dass man uns mehr Glauben schenkt.


Hier gibt’s die Original-Studie zum Nachlesen.

 


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Alternativen zu „Damen und Herren“ gesucht

Kaum eine Formel steht so oft über Briefen und klingt so wenig nach Mensch: „Sehr geehrte Damen und Herren“ wirkt distanziert und teilt die Welt in Frauen und Männer. Aber welche Anrede ist besser? Wir nennen ein paar Alternativen.

Von Stefan Brunn

Den einen klingt „Sehr geehrte Damen und Herren“ nach Serienbrief. Die anderen stört, dass sie Menschen in zwei Gruppen teilt und andere ausschließt. Aber viele alternative Begrüßungsformeln haben auch Nachteile, viele wie „Guten Tag allerseits“ sind einfach zu informell. Aber es geht auch anders!

„Sehr geehrt“ bleibt, die Damen und Herren gehen!

Die förmlichste Alternative behält „Sehr geehrt“ und benennt die Empfänger konkreter. Das geht auf zwei Arten.

Nummer 1: Man schreibt an eine Stelle:

  • Sehr geehrtes Team der Stadtbibliothek,
  • Sehr geehrte Redaktion,
  • Sehr geehrter Kundenservice,

Nummer 2: Man schreibt an einen Personenkreis:

  • Sehr geehrtes Kollegium,
  • Sehr geehrte Mitglieder des Fördervereins,
  • Sehr geehrte Führungskräfte,

Das wirkt persönlicher als „Damen und Herren“ und schließt alle ein.

Einfach „Guten Tag“ sagen!

Die Formel ist höflich, teilt niemanden ein und klingt trotzdem nicht zu locker. Sie eignet sich für die Anfrage an eine Behörde ebenso wie für die Antwort an einen Kunden. Allein kann „Guten Tag“ allerdings sehr knapp wirken. Am besten gleicht man das mit einem zugewandten ersten Satz etwas aus:

  • Guten Tag,

vielen Dank für Ihre Anfrage zum Herbstseminar. Gern beantworte ich Ihre Fragen.

Schreibt man an eine Gruppe, ergänzt man: Guten Tag zusammen! Oder man verbindet „Guten Tag“ mit der angeschriebenen Stelle oder dem Personenkreis:

  • Guten Tag, liebes Team der Stadtbibliothek,

Übrigens: Darf man anstelle des Kommas auch ein Ausrufezeichen benutzen? Ja, beides ist richtig. Das Komma ist der Standard, und alle Beispiele der DIN 5008 setzen es, aber das Ausrufezeichen ist nicht falsch. Im Geschäftsbrief wirkt das Ausrufezeichen allerdings ein wenig laut.

Vertraut grüßen, wo man sich kennt!

Für Gruppen, mit denen man regelmäßig zu tun hat, gibt es Formeln, die sehr vertraut wirken:

  • Hallo zusammen,
  • Liebe alle,
  • Liebes Projektteam,

Für den Erstkontakt mit einer Behörde oder einem Unternehmen sind diese Formeln natürlich zu locker. 

Und wie löst man das in anderen Sprachen?

Wir haben uns mal international umgesehen. Ergebnis: Das Problem kennen viele Sprachen. Die Lösungen sind teils elegant, teils erstaunlich.

  • Niederlande: Unternehmen schreiben an ihre Kunden gern „Geachte relatie“. Wörtlich heißt das „Sehr geehrte Beziehung“. Romantisch wird die Geschäftspost dadurch aber nicht.
  • Italien: Hier beginnt der Brief mit „Spettabile Ditta“, also „Achtbare Firma“. Da fühlt sich die Buchhaltung doch sofort stärker respektiert!
  • Dänemark: „Til rette vedkommende“ bedeutet etwa „An die richtige betreffende Person“. Wer das ist, soll der Brief unterwegs selbst herausfinden …
  • England: „To whom it may concern“ heißt ungefähr „An wen immer es betreffen mag“. Klingt nach Flaschenpost.
  • Japan: Förmliche Briefe beginnen mit „Haikei“, sinngemäß „Ehrerbietig beginne ich“. Danach folgt traditionell ein Satz über die Jahreszeit. Am Schluss steht das Gegenstück „Keigu“, etwa „Ehrerbietig“.

Tja, zwar helfen uns diese Formeln im Deutschen nicht wirklich weiter. Für den Schluss dieses Beitrags leihen wir uns trotzdem etwas aus Japan:

Der Herbst hat begonnen, und wir wünschen Ihnen gute Briefe! 😉

 


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Wer entscheidet über die Regeln unserer Sprache?

„Wandalismus“ durfte man lange mit W schreiben. Dann erklärte ein Gremium von 41 Ehrenamtlichen aus 7 deutschsprachigen Ländern diese Schreibweise für falsch. Wer sind eigentlich diese Leute vom Rechtschreibrat und wie kommen sie an ihre Position?

Von Katrin Liffers

Wer gibt dem Rat die Macht?
Die Vollmacht stammt von sechs Staaten und Regionen, die den Rat 2004 einrichteten: Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Südtirol und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. Der Rat soll die Einheitlichkeit der Rechtschreibung bewahren und das Regelwerk pflegen. Gesetze macht er nicht. Er schlägt Anpassungen der Regeln an unseren aktuellen Sprachgebrauch vor.

Worüber genau wird entschieden?
Meist geht es um Feinheiten. 2017 ließ der Rat zum Beispiel das große ẞ neben ss zu. Im selben Zuge erlaubte er bei festen Fügungen Groß- und Kleinschreibung, etwa „goldene Hochzeit“ und „Goldene Hochzeit“. Und im Wörterverzeichnis räumte er unter den eingedeutschten Fremdwörtern auf: „Komplice“ und „Frotté“ etwa fielen dabei weg.

Wie viele Fachleute entsendet jedes Land?
Deutschland stellt 18 Mitglieder, Österreich und die Schweiz je 9, Liechtenstein, Südtirol und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens je eines. Luxemburg ist mit einem nur beratenden Mitglied vertreten. Von den 41 Mitgliedern sind also 40 stimmberechtigt.

Wer schickt diese Leute dorthin?
Die Sitze gehören Einrichtungen. Für Deutschland entsenden unter anderem das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, die Dudenredaktion, die Gesellschaft für deutsche Sprache, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Journalistenverbände und das PEN-Zentrum ihre Vertreter. Mit Froben Homburger (Nachrichtenchef der dpa) ist auch ein Vertreter der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen Teil des Rats. Österreich und die Schweiz besetzen ihre Plätze nach Bereichen wie Schule, Didaktik, Wörterbuch, Verlage und Autorenschaft.

Was bekommen die Mitglieder dafür?
Kein Honorar. Die Arbeit im Rat ist ein Ehrenamt, für die Kosten kommen die entsendenden Staaten auf. Getagt wird mindestens zweimal im Jahr, in der Regel am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, wo auch die Geschäftsstelle des Rats sitzt. Die Sitzungen sind nicht öffentlich. Gelegentlich reist das Gremium, etwa nach Eupen, Mainz oder Brixen.

Wie lange bleibt man im Rat?
Eine Amtsperiode dauert sechs Jahre, eine erneute Berufung ist möglich. Die laufende vierte Periode reicht von 2024 bis 2029. Da der Sitz der Einrichtung gehört und nicht der Person, bleibt er beim vorzeitigen Ausscheiden eines Mitglieds nicht leer: Die entsendende Institution benennt jemand anderen.

Wie wird aus einem Vorschlag eine Regel?
Im Plenum genügt eine Zweidrittelmehrheit, abweichende Positionen kommen als schriftliches Sondervotum dazu. Danach müssen die staatlichen Stellen aller beteiligten Länder zustimmen, in Deutschland die Kultusministerkonferenz. Erst dann veröffentlicht die Geschäftsstelle die neue Fassung des Amtlichen Regelwerks, verbindlich für Schulen und Behörden. Die Wörterbuchverlage legen sie danach aus und bringen sie unter die Leute. Nachzulesen ist alles beim Rat für deutsche Rechtschreibung.

 


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Verständlichkeit messen auf die schnelle und schlanke Art

Mit dem Textometer bietet IMKIS schon seit einiger Zeit ein Tool, das die Verständlichkeit von Texten bewertet. Neu ist, dass der Textometer jetzt auch lange Wörter und lange Sätze einfärbt.  Probieren Sie es mal mit eigenen Texten aus!

Von Hannah Molderings

Was ist der Textometer und wofür wird er genutzt?
Der Textometer ist ein kostenloses Tool von IMKIS, mit dem Sie die Verständlichkeit von Texten schnell bewerten können.

Wie funktioniert der Textometer?
Sie fügen Ihren Text in das Tool ein und erhalten sofort eine Bewertung der Verständlichkeit. Grundlage ist eine spezielle Formel (BLIX), die unter anderem Satzlänge und Wortlänge berücksichtigt. Pressetexte zum Beispiel sollten einen BLIX-Wert von unter 20 haben, Texte fürs bloße Hören (Statements, Reden etc.) müssen einen noch niedrigeren Wert aufweisen.

Welche Ergebnisse zeigt der Textometer an?
Sie erhalten drei einfache Rückmeldungen:
• einen Kennwert (BLIX)
• eine Einschätzung in Schuljahren
• eine Bewertung der Textverständlichkeit von „sehr einfach“ bis „sehr schwierig“

Was ist neu am Textometer?
Der Textometer markiert jetzt automatisch lange Sätze und lange Wörter. So erkennen Sie auf einen Blick, wo Ihr Text schwer verständlich ist.

Was bringen mir die Markierungen für lange Sätze und Wörter?
Sie helfen Ihnen, problematische Stellen gezielt zu überarbeiten.

Warum sind die Messwerte aussagekräftig?
Die Forschung zeigt: Ein einfacher Stil hängt stark mit guter Verständlichkeit zusammen. Also: kürzere Sätze, verständliche Wörter, weniger Substantive. Blindstudien kommen dabei zu ähnlichen Ergebnissen wie solche Messverfahren.

Ist die Nutzung des Textometers sicher?
Ja. Ihre Texte werden nur im Browser verarbeitet und nicht gespeichert oder weitergegeben. Sie können den Textometer sogar herunterladen und ganz ohne Internetverbindung lokal benutzen.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Werte sind umso verlässlicher, je länger der Text ist. Bei extrem kurzen Texten machen Kleinigkeiten eben viel aus.

Ersetzt der Textometer das Gegenlesen von Texten?
Nein. Das Tool bewertet vor allem Stilmerkmale wie Satz- und Wortlänge. Für Inhalt, Logik und Zielgruppenansprache bleibt menschliches Feedback wichtig.

Wer hat den Textometer gebaut und für wen ist er da?
Der Textometer ist eine Gemeinschaftsentwicklung der beiden Germanisten Katrin Liffers und Stefan Brunn mit der Kognitionswissenschaftlerin Hannah Molderings und dem Datenjournalisten Sebastian Mondial.

Wo findet man den Textometer?
www.textometer.de


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Selber, selber, lachen alle Kälber!

Wann sagt man „selbst“, wann „selber“? In geschriebenen Texten sollte es fast immer „selbst“ heißen. Es gibt aber Ausnahmen.

Von Stefan Brunn

Falls Sie sich manchmal fragen, wo eigentlich der Unterschied zwischen „selbst“ oder „selber“ liegt, dann seien Sie beruhigt: Semantisch gibt es gar keinen, die Wortbedeutungen sind gleich. Allerdings finden Sie in einschlägigen Stilratgebern den Rat, schriftlich immer nur „selbst“ zu schreiben. „Selber“ klingt umgangssprachlich und kommt manchem deshalb zu informell vor.

So weit, so gut. Es gibt aber einige wenige Ausnahmen, wir nennen hier mal zwei:

1. In feststehenden Kompositionen
In einigen Kompositionen ist „selber“ geläufiger als „selbst“ – etwa beim „Selbermachen“. Warum das so ist? Keine Ahnung! Aber so wie „Selbstgemachtes“ geläufiger ist als „Selbergemachtes“, ist „Selbermachen“ einfach verbreiteter als „Selbstmachen“.
2. In Kurzantworten
Es kommt fast nur im Mündlichen vor, dass wir jemandem auf eine Bemerkung mit so etwas antworten wie „Selber“ oder „Das musst Du schon selber machen“ oder „Merkste selber, oder?“. Aber wenn uns jemand beschimpft, dann passt die Ein-Wort-Antwort „selbst“ nicht, es muss „selber“ heißen!

Kurzum: Sie machen nichts falsch, wenn Sie schriftlich immer „selbst“ schreiben. Die beiden Ausnahmen fallen Ihnen garantiert ein, wenn Sie mal zufällig im Begriff sind, jemandem patzig zu antworten. 😉


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Kann KI unsere Texte redigieren?

Wir stehen vor einer weiteren Revolution des Schreibens, so viel ist seit der Veröffentlichung von ChatGPT klar. Aber wie gut kann die KI schon jetzt unsere Texte redigieren? Wir haben ein qualitatives Experiment gewagt.

Von Stefan Brunn

Alle Welt überbietet sich derzeit darin, die Leistungen Künstlicher Intelligenz mit menschlichen Leistungen zu vergleichen. Wir haben das natürlich auch getan. Das erste Experiment (richtige Informationen liefern) ergab ein klägliches Scheitern: Wir haben drei der neuen Bots gefragt, wer 1978 Deutscher Meister im Handball war. Da sollte ja eine richtige Antwort eigentlich drin sein. Aber alle drei Bots gaben fälschlich den VfL Gummersbach an, richtig ist aber der TV Großwallstadt. Woher die Bots ihre falsche Info hatten – intransparent!

In unserem zweiten kleinen Experiment ging es um die Sprache, genauer: ums Redigieren. Wir haben den Chatbot von You.com gefragt, ob er uns helfen kann:

Sowas hören wir natürlich immer gern! 😉 Also gaben wir ihm einen ziemlich verschachtelten Text, den wir auch in unseren Seminaren gelegentlich redigieren lassen:

Hm, so hatten wir uns das allerdings nicht gedacht, die Inhalte waren ja regelrecht verstümmelt worden! Wir insistierten sofort:

Immerhin: Der Bot hat nun überhaupt die Aufgabe verstanden und versucht, den Text zu redigieren. Gut redigiert ist er aber keinesfalls – vor allem sind die Gedanken darin nicht sauber strukturiert. Da wären wir viel schneller gewesen, wenn wir Gedanken und Sätze selbst neu arrangiert hätten!

Wir glauben trotzdem, dass uns Künstliche Intelligenz zukünftig beim Redigieren viel Arbeit abnehmen kann. Bis das aber sauber klappt, wird man sich noch ein bisschen aneinander gewöhnen müssen …

Ist Präteritum gleich Imperfekt?

„Sie schrieb mir gestern.“ In welcher Zeitform steht dieser Satz? Die einen nennen sie Imperfekt, die anderen Präteritum. Aber sind diese beiden Formen identisch und warum existieren dafür zwei Begriffe? Eine kurze Erklärung zu einer Zeitform, die in der gesprochenen Sprache beinahe ausgestorben ist.

Von Andrea Rayers

Wenn Sie gefragt werden: Welche Zeitform ist „ging“? Dann reicht es völlig aus, wenn Sie antworten: Imperfekt oder Präteritum. Im Alltag können Sie diese beiden Begriffe getrost synonym verwenden, wie es auch etliche Nachschlagewerke tun – Hauptsache, Sie grenzen sie von der zweiten Vergangenheitsform, dem Perfekt, ab. Fragen Sie hingegen einen Linguisten, wird der Ihnen in aller Regel antworten: „Wir sagen lieber Präteritum.“ Warum?

Imperfekt
Der Begriff Imperfekt stammt aus den romanischen Sprachen und bedeutet „unvollendete Vergangenheit“. Im Französischen zum Beispiel passt der Name „Imparfait“ gut: Damit werden sich wiederholende und andauernde Handlungen beschrieben, die noch nicht abgeschlossen sind und bis in die Gegenwart reichen. Im Deutschen ist das anders: „Ich ging über die Straße“ heißt nun mal, dass das Ereignis schon abgeschlossen ist und keineswegs „unvollendet“.

Präteritum
Das Präteritum entstammt dem Lateinischen und bedeutet schlicht „vergangen“. Und das drückt eben viel besser aus, was das Präteritum soll: eine Handlung skizzieren, die nicht unvollendet ist und bis in die Gegenwart reicht, sondern abgeschlossen hinter uns liegt.

Ob Präteritum oder Imperfekt: In der gesprochenen Sprache wird diese Vergangenheitsform heute ohnehin kaum noch gebraucht – höchstens bei Modal- und Hilfsverben wie „war“, „musste“, „hatte“ oder „sollte“. Nicht umsonst lernen Kinder den Unterschied so: Das Präteritum ist die schriftliche Vergangenheitsform, das Perfekt die mündliche.

Wann kommt zwischen Adjektive ein Komma?

Was gefällt Ihnen besser: das historische, prunkvolle Schloss oder die bekannte italienische Brücke? Als Weltenbummler:in haben Sie die Wahl, als Redakteur:in nicht: Ob ein Komma zwischen die Adjektive kommt, dafür gibt es klare Regeln. Wir verraten Ihnen eine Faustformel, mit der Sie sich den Unterschied leicht merken können.

Von Andrea Rayers

Ob zwei Adjektive durch ein Komma voneinander getrennt werden, richtet sich nach der Frage: Sind diese Adjektive gleichrangig oder nicht?

Mit Komma
Ein Komma brauchen wir bei gleichrangigen Adjektiven. Gleichrangig bedeutet, dass sich alle Adjektive in gleichem Maß auf das Substantiv beziehen, wie in einer Aufzählung. In diesem Fall darf das Komma nicht fehlen: ein historisches, prunkvolles, verwunschenes, … Schloss.

Ohne Komma
Kein Komma hingegen braucht man in folgendem Fall: wenn eine feste Verbindung aus Substantiv und Adjektiv vorliegt („italienische Brücke“), die durch ein weiteres Adjektiv näher bestimmt wird („bekannt“).

Als Faustregel können Sie den folgenden Test machen: Versuchen Sie, das Wörtchen „und“ zwischen die beiden Adjektive zu setzen. Klingt das noch sinnvoll? Dann sind die Adjektive gleichrangig und brauchen unbedingt ein Komma.

Nein, kryptische Texte machen nicht neugierig!

Wenn schlechte Autoren sich für unverständliche Passagen rechtfertigen wollen, greifen sie seit Menschengedenken zu folgender Ausrede: „Aber das macht doch neugierig!“ Das war und ist aber Unsinn. Wir liefern ein eindrucksvolles Beispiel und eine geniale Studie dazu …

Von Stefan Brunn

Wir verraten nicht, wer es ist. Aber der Autor des folgenden Reportage-Beginns ist ein preisgekrönter Journalist, der regelmäßig Lesungen seiner Texte veranstaltet:

„Eine Geschichte ist kein Abstraktum. Das wäre wie ein Film ohne Darsteller. Die Gefahr: Manchmal identifiziert man den Inhalt mit den Darstellern: Eine irgendwie untrennbare Verquickung entsteht.“

Sicherheitshalber haben wir mal herumgefragt, aber niemand versteht, was das heißen soll. Man nennt so einen Stil „kryptisch“, abgeleitet vom griechischen Wort „kryptikós“, was so viel wie „verborgen“, „rätselhaft“ oder eben „unverständlich“ heißt.

Die Annahme, dass wir so etwas gerne lesen oder es uns neugierig macht oder dass wir die Verfasser:in für intelligent halten, ist aber nachweislich falsch.

Eine Forschungsarbeit des amerikanischen Psychologie-Professors Daniel M. Oppenheimer (unter anderem tätig in Princeton und Stanford) zeigt eindeutig, dass man bei gleichem Informationsgehalt einfachere Texte lieber liest und deren Verfasser:innen auch für intelligenter hält.

Um es noch einmal zu betonen: Die Hoffnung, wegen unverständlicher Äußerungen für schlau gehalten zu werden, ist wissenschaftlich widerlegt. Oppenheimer, übrigens ein wirklich genialer Forscher, hat für seine Studie immerhin den alternativen Nobelpreis erhalten.

What? So what? What now?

Wenn amerikanische Manager:innen sich von ihrem Stab für Entscheidungen informieren lassen, geschieht das oft nach dem gleichen Schema. Dahinter steht ein einfaches, aber sehr intelligentes Reflexions-Modell. Wir erklären, woher es stammt und wie es funktioniert.

Von Andrea Rayers

„What? So what? What now?“ – wer sich beim Schreiben diese drei Fragen stellt, schafft dadurch saubere Prüfroutinen für Texte aller Art. Die Fragen gehören zu einem Reflexions-Modell, das der amerikanische Lehrer Terry Borton 1970 aufgestellt hat. Man reflektiert damit auf den drei wichtigsten Ebenen:

  • Um was geht es eigentlich? Beschreibung
  • Was geht uns das an? Interpretation, Analyse, Bewertung, Handlungsoptionen
  • Was ist jetzt zu tun? Entscheidung und Vorschlag

Wir stellen Ihnen die einzelnen Dimensionen einmal anhand eines ganz fiktiven Beispiels vor:

What?
Die Wissensdimension. Zunächst einmal muss geklärt werden: Worum geht es überhaupt? Zum Beispiel, wenn wir unser Firmengebäude gegen Überflutung schützen müssen. Welche Probleme kämen dann auf uns zu, wie ist unsere derzeitige Ausgangslage?

So what?
Die Interpretationsdimension. Nun ist es Zeit zu bewerten: Was bedeutet diese Ausgangslage oder dieses Problem für mich? Wie hoch ist zum Beispiel die Chance, dass der Standort überflutet wird, was würde das finanziell und organisatorisch bedeuten? Welche weiteren Konsequenzen ergäben sich daraus? Und natürlich: Welche Optionen stehen uns zur Verfügung, wie teuer sind sie, wie effizient werden sie funktionieren?

What now?
Die Handlungsdimension. Abschließend lautet die Frage: Welche Empfehlung ergibt sich daraus, was sollten wir jetzt tun? Bauen wir einen Wall, ziehen wir um, schließen wir eine Versicherung ab?

„What? So What? What now?“ hilft zum Beispiel bei der Gliederung von Entscheidungsvorlagen oder Positionspapieren. Aber diese Reflexionsdimensionen helfen auch bei allen anderen Texten, in denen Entscheidungen getroffen, vorbereitet oder auch nur dargestellt werden sollen.