Kategorie: Allgemein

Der Beef erzeugt reichlich Buzz

Hä? In den sozialen Medien entstehen ständig solche neuen Begriffe, über die man trefflich ranten könnte. Aber sprechen Sie überhaupt Social-Slang? Testen Sie es mit 20 Vokabeln in unserem Quiz! In 5 Minuten lernen Sie zum Beispiel, was Creeps sind und was Triage bedeutet …

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Memes bestehen aus viel Bild mit wenig Text. Oder umgekehrt …

Die Dinger sind meist quadratisch, lustig, bunt: Memes oder Bildkacheln verbreiten sich im Netz sehr gut, wenn sie die Gemüter irgendwie bewegen. Regeln gibt’s zwar nicht viele, aber eine ist essentiell: Lange Texte sind hier fehl am Platz. Wir zeigen mal Gegenbeispiele des Hamburger Oberbürgermeisters!

Überspringen Sie gern den ersten Absatz, wenn Sie schon genau wissen, was „Memes“ oder „Bildkacheln“ oder „Social Cards“ sind! Wir sprechen hier von diesen modischen Medienformaten, bei denen auf einen Hintergrund oder ein Bild Texte geschrieben werden, die dann von anderen in Social Media weitergegeben werden. Fast jeder kennt sie inzwischen von Facebook, Instagram, Twitter und Whatsapp, nur hat sich noch kein einheitlicher Name dafür durchgesetzt. So sieht’s aus, am Beispiel des Autovermieters Sixt:

 

Also: viel Bild, wenig Text.

Er nimmt’s uns hoffentlich nicht krumm, aber der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher ist uns aufgefallen als jemand, der sich ungern kurzfasst in seinen Bildkacheln, zum Beispiel hier:

Oder hier:

Oder hier:

So, jetzt ist‘s aber auch gut. Es ist ja auch eine simple Moral von der Gschicht: Überfrachte Deine Kacheln nicht!

Alle verdammen das Unterstreichen. Das ist ungerecht!

In der modernen Typografie gilt das Unterstreichen als Sünde. Killerargument ist die Verwechslungsgefahr mit Links. Es gibt aber Fälle, da ist die Unterstreichung durchaus eine Option. Wir zeigen Ihnen das an einem Beispiel.

Die Argumente, die gegen das Unterstreichen ins Feld geführt werden, sind im Wesentlichen folgende:

• Man braucht es nicht! Mit Schriftgrößen, Farben, Fettsatz und Kursivsatz gibt es bessere Hervorhebungen.
• Auf Internetseiten sind Unterstreichungen den Links vorbehalten.
• Die Kringel, die Korrekturprogramme bei Fehlern machen, kollidieren optisch mit Unterstreichungen.
• Unterstreichungen sind hässlich, wenn sie bei Unterlängen durchgezogen werden.

An all diesen Argumenten ist was dran. Aber: In manchen Fällen sind Unterstreichungen trotzdem eine Option, zum Beispiel hier:

Es gibt zwei Arten von Dreisatz, den proportionalen Dreisatz und den antiproportionalen Dreisatz.

Beim proportionalen Dreisatz wachsen oder schrumpfen die Werte immer im gleichen Verhältnis.

Beim antiproportionalen Dreisatz hingegen wachsen die gegebenen Größen eben nicht im gleichen Verhältnis.

Wenn man also andere Hervorhebungen wie den Fettsatz schon für einen Zweck verbraucht hat, dann kann eine Unterstreichung schon mal sinnvoll sein. Das „nicht im gleichen Verhältnis“ in unserem Beispiel wird niemand für einen Link halten. Allerdings bestätigt eine solche Ausnahme die Regel: Unterstreichungen sind meist die schlechtere Option gegenüber den oben genannten Möglichkeiten.

Dɔnəld Dʌk oder Doːnald Dʊk? Eine sehr ernste Frage!

Viele Donald-Duck-Fans kann man auf die Palme treiben, indem man den Namen englisch ausspricht: Dɔnəld Dʌk. Seit vielen Jahren wehren sich die Fans in ihren Foren mit allerlei Argumenten gegen die englische Aussprache. Wir listen die wichtigsten Argumente der Kriegsparteien kurz auf und plädieren auf Waffenpause.

Von Stefan Brunn und Sonja Lamers

Donald Ducks Erfinder waren Amerikaner. Damit scheint die Aussprache eigentlich geklärt, nämlich: Dɔnəld Dʌk. So wie eben „Ente“ auf Englisch ausgesprochen wird. Doch was passiert mit dem Namen, wenn der Comic-Held plötzlich nicht mehr auf Englisch schnattert, sondern Deutsch spricht?

Dr. Erika Fuchs hat Donald Duck die deutsche Sprache gegeben. Sie ist sozusagen seine Übersetzer-Mutter. Und sie hat ihn nicht nur Deutsch sprechen lassen, sondern auch seinen Namen eingedeutscht, nämlich: Doːnald Dʊk.

Die Aussprache des Namens hängt also eigentlich bloß davon ab, ob man Donald von der väterlichen Seite aus betrachtet oder von der mütterlichen. In Comic-Foren entzündet sich an dieser Frage trotzdem immer wieder Streit. Solche Foren gibt’s im Netz etliche, zum Beispiel das offizielle Donaldisten-Forum, das Forum Fieselschweif oder den Donald-Club. Wer jetzt glaubt, hier seien nur Kindsköpfe unterwegs, der irrt: Zwar werden die Diskussionen im Ton scharf und zum Teil auch bitterernst geführt, aber von Leuten, die meist intellektuell weit oberhalb des Bildungsdurchschnitts stehen.

Wir haben uns die Grabenkämpfe als neutrale Beobachter angesehen und Argumente eingesammelt, hier sind die wichtigsten:

Pro Dɔnəld Dʌk, also englische Aussprache:
• „Duck“ [Dʌk] ist das englische Wort für Ente, im Deutschen gibt’s „Duck“ nicht.
• Ausländische Namen sollte man generell nicht eindeutschen. „Lucki Luke“ oder „Doːnald Trʊmp“ wären Beispiel dafür, dass eine allzu eingedeutschte Aussprache lächerlich wirkte.
• Die bequemere Aussprache gegenüber „Duck“ ist „Dack“.
• Offenbar spricht man den Namen in den Verlagshäusern und auch in den TV-Cartoons englisch aus: Zum Beispiel hieß es in „Micky Maus“ früher: „Jeden Donnersduck neu“ – was sich nur reimt, wenn man „Donners-Dʌk“ voraussetzt.

Pro Doːnald Dʊk, also deutsche Aussprache:
• Dagobert Duck selbst habe einmal einem Briefträger erklärt, wie man seinen Namen ausspricht: „Duck, wie man es schreibt.“
• In Interviews habe Erika Fuchs, vielbewunderte Übersetzerin und deutsche Namensgeberin vieler Entenhausener Bürger, selbst die rein deutsche Aussprache bevorzugt.
• Die anderen Eigennamen in Entenhausen seien ganz offensichtlich auch deutsche, zum Beispiel Gustav, Düsentrieb, Gitta, Klaas, Henriette Huhn etc.
• Der Verlag sei offenbar wenigstens früher davon ausgegangen, dass die Leser es deutsch aussprechen (sollen), man reimte dafür Werbesprüche wie „Ruck, zuck – kauf bei Duck!“ oder „Anzüge von Duck, für jeden ein Schmuck!“

Welche Aussprache empfiehlt Ihnen unterm Strich nun also Ihr Zeilen|hacker? Wir plädieren für Inkonsequenz: Vorname deutsch, Nachname englisch, also

Doːnald Dʌk

Diese Form spricht sich am natürlichsten, wirkt nicht lächerlich und trägt Argumenten beider Parteien Rechnung!

Der Deppenbindestrich, das unbekannte Wesen …

Das Deppenleerzeichen („Totes Meer Salz“) kennt man, den Deppenapostroph („aktuelle Info’s“) sieht man jeden Tag – aber den Deppenbindestrich findet man in freier Wildbahn nur selten. Wir haben in dem kleinen Örtchen Rheurdt im westlichsten Winkel Deutschlands mal wieder einen entdeckt!

„Döner-Pizza-Salate“. So unscheinbar dieses Rezept daherkommt, so ungewöhnlich ist es, auf einer Leuchtreklame eines Restaurants nur ein einziges Rezept zu bewerben.

Aber Scherz beiseite: Natürlich sind hier nicht Salate gemeint, die aus Döner- und Pizzateilen bestehen. Allein die Vorstellung vergällt einem ja schon die nächste Mahlzeit. Der Besitzer wollte ja wohl eher ausdrücken, was es alles bei ihm gibt, nämlich: Döner, Pizza, Salate und womöglich vieles mehr. Kommata wären bei einer Aufzählung also der richtige Griff gewesen.

Aber hätten die Kommata auf der Leuchtreklame gut ausgesehen? Eher nicht! Vermutlich also aus ästhetischen Gründen hat sich der Inhaber dagegen entschieden. Nebenbemerkung: Der Rest des Schildes und des Ladens deuteten allerdings nicht darauf hin, dass hier sonst allzu große ästhetische Maßstäbe angesetzt werden.

Übrigens wäre es auch möglich gewesen, statt des Bindestrichs einen Gedankenstrich zu setzen, umgeben jeweils von einem Leerzeichen: Döner – Pizza – Salate. Das wäre auch ästhetisch ein denkbarer Kompromiss gewesen.

Am Ende sind es also nur die Strichlänge und ein paar Leerzeichen, die den Unterschied ausmachen … der Begriff „Depp“ ist hier also schon ziemlich hart, zugegeben!

Fettgedrucktes glaubt man eher!

Psychologen erforschen ja manchmal wunderbare Fragen. Zum Beispiel die, welchen Aussagen man mehr und welchen man weniger glaubt. Und ob Sie es glauben oder nicht: Unser Vertrauen in Aussagen hängt von den kuriosesten Faktoren ab!

Durch den Nobelpreisträger Daniel Kahneman („Schnelles Denken, langsames Denken“) haben die Sphären Psychologie und Typografie eine spannende Schnittmenge bekommen, die vorher kaum existierte. In jedem Fall aber sind einige Beispiele und Experimente aus dieser Schnittmenge zuletzt richtig berühmt geworden. Bestimmt kennen Sie den Versuch mit den zwei Sätzen über Adolf Hitler? Falls nicht, hier ist es: Welcher Satz ist wahr?

Adolf Hitler wurde 1892 geboren.
Adolf Hitler wurde 1887 geboren.

Beide sind falsch, Hitler wurde 1889 geboren. Statistisch dürfte aber eine Mehrheit von Ihnen auf 1892 getippt haben. Warum? Weil die Aussage fett gedruckt ist!

Kahneman stellte in seinem Bestseller gleich eine ganze Reihe solcher Experimente vor. Allen gemeinsam ist eine Erkenntnis: Wenn Sie es den Leuten leichtmachen, Ihre Texte zu lesen (oder zu hören), dann werden Sie Ihnen eher glauben. „Kognitive Leichtigkeit“ nennt Kahneman das. Fettsatz erhöhe demnach die Glaubwürdigkeit. Auch wirkten bestimmte Farben vertrauenerweckender als andere. Hellem Blau und Rot etwa werde eher vertraut als blassem Blau, Gelb oder Grün.

In die Schnittmenge Typo-Psychologie fallen im letzten Jahrzehnt einige weitere spannende Forschungsergebnisse. Einen alternativen Nobelpreis etwa heimste Daniel Oppenheimer für seinen Aufsatz „Consequences of Erudite Vernacular Utilized Irrespective of Necessity: Problems with Using Long Words Needlessly” (Link=PDF) ein. Der Titel zeigt selbst schon Humor, denn er ist zweigeteilt: vorne unnötig komplizierte Sprache, hinten leicht verständliche Sprache.

Die inhaltliche Quintessenz des Aufsatzes kann man so ausdrücken: Viele glauben ja, man schätze einen Autor intelligenter ein, wenn er sich kompliziert ausdrücke. Oppenheimer stellte aber das genaue Gegenteil fest: Man stuft jemandes Intelligenz niedriger ein, wenn er sich geschwollen ausdrückt, obwohl er eigentlich einfachen Inhalt vorträgt.

Um seine Befunde empirisch abzusichern, experimentierte Oppenheimer auch mit solch banalen Faktoren wie schwachem Druckbild (Toner fehlt) oder schlecht lesbaren Schriftarten. Dabei konnte er die Thesen Kahnemans zur Kognitiven Leichtigkeit bestätigen: Machen Sie den Leuten das Lesen leicht und sie werden Ihnen mehr vertrauen!

Und was ist dann wohl die Schriftart, die am meisten Vertrauen erweckt? Das wollte die New York Times herausfinden und startete online ein Experiment dazu. 45.000 Probanden klickten auf eine Seite, auf der die These vertreten wurde, Asteroiden stellten für uns Menschen keine Gefahr dar. Veranstalter Errol Morris setzte den Text in ganz verschiedene Schriftarten: Comic Sans, Helvetica (ähnlich Arial), Georgia, Trebuchet, Baskerville und die Proportionalschrift Computer Modern.

Ergebnis: Die Comic Sans hatte die niedrigste Zustimmungsrate und eine der höchsten Raten beim Misstrauen. Klarer Sieger wurde dagegen die Schrift Baskerville – zur Überraschung des Veranstalters. Aber weder Morris noch ein eigens dazu befragter Psychologie-Professor konnten sich einen Reim darauf machen.

Dass allerdings Schriftarten Images mittransportieren, wissen wir in Deutschland seit Martin Liebigs tollen „Untersuchungen zur Lesbarkeit von Schrift im World Wide Web“. In seiner Dissertation hatte der heutige Journalismus-Professor wichtige Erkenntnisse über das Lesen im Internet erzielt. Mit der Wahl einer Schrift, fand Liebig heraus, lassen sich kaum Tempogewinne beim Lesen erzielen – genau das hatte mancher Professor früher gern behauptet. Aber Liebig stellte in einem Nebenergebnis der Studie etwas noch Spannenderes fest: Leserinnen und Leser erwarten bei Antiqua-Schriften (die mit den Serifen/Füßchen) eher belletristische Inhalte, während sie bei Grotesk-Schriften (Arial, Calibri etc.) eher Sachtexte vermuten …

Zu seiner Studie hat Martin Liebig übrigens eine sehr lesenswerte Zusammenfassung geschrieben (Link=PDF).

Tracing statt Tracking: Was heißt das?

Die App, die bald gegen das Corona-Virus helfen soll, soll uns nicht tracken. Dafür setzt sie auf sogenanntes „Contact-Tracing“. Ein Buchstabe weniger und der Datenschutz ist gerettet! ☺ Wir erklären kurz und schmerzlos, was die beiden Wörter und die Folgen bedeuten.

Ans „Tracking“ (deutsch: Verfolgung) haben wir uns in manchen Bereichen gewöhnt. Es hat ja seine Vorteile, wenn man die Bewegungen von etwas oder jemanden digital nachvollziehen kann. Zum Beispiel kann man damit seinen Schlüsselbund wiederfinden oder sein geklautes Fahrrad. Manche Leute tracken auch ihre Kinder, damit die nicht vom rechten Schulweg abkommen. Und wir Redakteure haben über die Jahre das Tracking richtig liebgewonnen, weil wir so viel besser wissen, was und wie die Leute lesen.

Inzwischen haben aber selbst wir Redakteure das Tracking auch hassen gelernt: Alle möglichen Online-Shops schicken uns kundenspezifische Angebote, weil wir irgendwann mal nach etwas Ähnlichem gesucht haben …

Die weitverbreitete Abneigung gegen das Tracking war es auch, die dieses Mittel im Kampf gegen Corona verhindert hat. Nach diversen Protesten lässt das Gesundheitsministerium jetzt eben keine Tracking-, sondern nur eine Tracing-App entwickeln.

Tracing kommt von „trace“, also „Spur“, die man allerdings auch nachverfolgen will. Wo also ist jetzt der Unterschied, mal abgesehen von der Wortbedeutung?

Die Tracing-App wird vor allem keine Bewegungsdaten nachvollziehen. Stattdessen erfasst sie über Bluetooth, wie nah sich zwei Geräte kommen. Kommen sich zwei oder mehr Smartphones für längere Zeit nahe (vermutete Ansteckungsgefahr), dann registriert die App das. Stellt sich jemand als infiziert heraus und meldet das seiner App, werden alle benachrichtigt, die ihm kürzlich nahe waren. Wo genau diese Begegnung stattgefunden hat, ist nicht nachvollziehbar. Auch, wer genau die infizierte Person war, wird nicht kommuniziert. Und entgegen den ersten Tracking-Planungen der Bundesregierung sollen die Daten überhaupt nicht Dritten zugänglich gemacht werden. Es handele sich um ein komplett dezentrales System, heißt es. Außerdem werde niemand gezwungen, die App zu installieren.

Bei Corona nehmen wir kein Blatt mehr vor den Mund!

Anlässlich der Corona-Lockerungswelle können auch viele Redewendungen wieder benutzt werden, die in der Krise unpassend waren. Wir klären auf, welche Idiome wieder erlaubt sind und welche nicht!

1. Fass Dir da mal lieber an die eigene Nase!
Erlaubt: Eigenkörperkontakt ist jetzt wieder möglich, wenn man sich gründlich die Hände wäscht.

2. Da müssen wir Hand in Hand arbeiten!
Erlaubt, aber nur mit einer Armlänge Abstand.

3. Dem werde ich aber was husten!
Erlaubt, aber natürlich nur mit Atemschutzmaske.

4. Das musst Du ihr ja nicht gleich unter die Nase reiben!
Nicht erlaubt. Besser auf die nächste Lockerungswelle warten.

5. Er hat seine Maske fallenlassen …
Erlaubt. Zwar sollten auch Schauspieler*innen etwas mehr Abstand zu den Kolleg*innen halten, aber sie müssen nicht mit Mundschutz spielen.

6. Und wenn die sich wieder in die Haare kriegen?
Erlaubt. Sowohl Friseursalons als auch der Deutsche Bundestag haben die Arbeit komplett wieder aufgenommen.

7. Das werden wir mit offenem Visier auskämpfen!
Teilweise erlaubt, nämlich in den kontaktlosen Sportarten.

8. Du willst denen das doch nicht einfach in den Rachen werfen?
Teilweise erlaubt. Tatsächlich bisher nur in der Auto- und Luftfahrtindustrie.

9. Mit dem muss man mal richtig auf Tuchfühlung gehen!
In NRW erlaubt, in anderen Bundesländern nicht! Grund ist die Systemrelevanz von Möbelhäusern in Nordrhein-Westfalen.

10. Das ist immer noch besser als in die hohle Hand geschissen!
Nicht erlaubt! Bitte verzichten Sie in den nächsten Monaten auf alles, was weitere Ansteckungen hervorrufen könnte.

Wer ist eigentlich dieser Herr Koch-Institut?

Bei Eigennamen richtet man sich nicht nach Rechtschreib-Regeln! Das wissen die meisten Journalisten und übernehmen zum Beispiel das R K-I-Deppenleerzeichen in ihre Berichte. Manchmal geht’s aber auch ganz schön durcheinander …

Wortzusammensetzungen schreibt man im Deutschen entweder zusammen oder mit Bindestrich: Garagentor oder Garagen-Tor. Das ist semantisch wichtig, denn es gibt einen Zusammenhang: Die Wörter hängen logisch zusammen, indem das hintere Grundwort vom vorderen Bestimmungswort näher bestimmt wird.

Viele Unkundige machen das falsch, was oft Anlass zu Spott bietet: „24 Monate ohne Grund Gebühr“ oder „Trink Wasser für Hunde“ sind beliebte Beispiele, um gegen das sogenannte Deppenleerzeichen anzukämpfen. Weitere Beispiele unter www.deppenleerzeichen.info.

Sogar Ämter halten sich nicht immer an die amtlichen Rechtschreibvorgaben, meist wohl aus Unwissenheit:
Schild aus Wuppertal, das von Halle über 400 Kilometer entfernt ist … Gemeint ist: Uni-Halle.

Aber was ist mit den Journalisten großer Nachrichtenanstalten, bei denen Rechtschreibung zum Beruf gehört? Selbst die Tagesschau schreibt kontinuierlich Robert Koch-Institut, obwohl es sich ja nicht um ein Koch-Institut mit dem Vornamen Robert handelt!

Nun, die Tagesschau fügt sich den amtlichen Regeln. Diese Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung lauten so:

„Die Schreibung mit Bindestrich bei Eigennamen entspricht nicht immer den folgenden Regeln, so dass nur allgemeine Hinweise gegeben werden können. Zusammensetzungen aus Eigennamen und Substantiv zur Benennung von Schulen, Universitäten, Betrieben, Firmen und ähnlichen Institutionen werden so geschrieben, wie sie amtlich festgelegt sind.“

Amtlich festgelegt wiederum sind beim Robert-Koch-Institut zwei Schreibweisen, einmal eben „Robert Koch-Institut“ als Wortmarke und sogar „Robert Koch Institut“ als Bildmarke. Insofern handelt die Tagesschau amtlich korrekt und auch konsequent. Sie schreibt ja zum Beispiel auch „Mercedes-Benz Museum“. Das machen auch Spiegel und Zeit so.

Ganz konsequent sind die deutschen Redaktionen aber auch wieder nicht, wie dieses Zusammenspiel von Süddeutscher Zeitung und Deutscher Presse-Agentur zeigt:


Oben pfui, unten hui: Es kennen eben auch nicht alle Journalisten die Eigennamen-Ausnahme von der Regel. Andere halten sich einfach nicht dran, vielleicht weil das Leerzeichen sie stört. Das hat durchaus Tradition. Schon das große Journalisten-Vorbild Kurt Tucholsky (1890–1935) hatte sich über das Deppenleerzeichen lustig gemacht: „Welch ein Bock Mist.“