Kategorie: Allgemein

Lorem ipsum – was heißt das eigentlich?

Bei Blindtexten ist es ja egal, was die Wörter heißen. Aber interessiert hat es uns doch: Was bedeutet Lorem ipsum überhaupt und warum hat man ausgerechnet diesen Text dafür gewählt?

Von Hannah Molderings

Hat der Lorem-ipsum-Text überhaupt eine Bedeutung?
Einerseits natürlich nicht: Der Text soll ja gerade nichts bedeuten, nicht von der Gestaltung ablenken, ein reiner Platzhalter sein. Andererseits ist der Text nicht völlig bedeutungslos: Es ist ein leicht abgewandelter Auszug eines Textes von Cicero aus der Zeit um 45 v. Chr. Es geht, kurz gesagt, um Schmerzen. Das Wort „lorem“ ist offenbar eine Abkürzung von „dolorem“, lateinisch für „Schmerz“. „Ipsum“ wiederum ist ein Demonstrativpronomen („selbst“).

Was besagt der ursprüngliche lateinische Absatz von Cicero?
Wir haben den Text mal mit DeepL übersetzt: „Aber ich muss Ihnen erklären, wie diese irrige Idee, das Vergnügen zu verurteilen und den Schmerz zu preisen, entstanden ist, und ich werde Ihnen eine vollständige Darstellung des Systems geben und die tatsächlichen Lehren des großen Erforschers der Wahrheit, des Meisters des menschlichen Glücks, darlegen. Es gibt niemanden, der das Vergnügen an sich ablehnt, nicht mag oder vermeidet, weil es Vergnügen ist, sondern weil diejenigen, die nicht wissen, wie man dem Vergnügen auf vernünftige Weise nachgeht, auf äußerst schmerzhafte Konsequenzen stoßen. Es gibt auch niemanden, der den Schmerz an sich liebt, verfolgt oder sich wünscht, ihn zu erlangen, weil er Schmerz ist, sondern weil gelegentlich Umstände eintreten, in denen ihm Mühsal und Schmerz ein großes Vergnügen bereiten können. Um ein triviales Beispiel zu nennen: Wer von uns unternimmt jemals eine mühsame körperliche Betätigung, außer um daraus einen Vorteil zu ziehen? Aber wer hat das Recht, einen Menschen zu tadeln, der sich für ein Vergnügen entscheidet, das keine unangenehmen Folgen hat, oder einen, der einen Schmerz vermeidet, der kein Vergnügen nach sich zieht?“

Warum hat man ausgerechnet diesen Text gewählt?
Das wissen wir auch nicht! Denn ausgewählt hat ihn offenbar ein Schriftsetzer des 16. Jahrhunderts. Allerdings dauerte es dann noch mal 400 Jahre, bis in den 1980er Jahren ein US-amerikanischer Latein-Professor namens Richard McClintock den Zusammenhang zwischen dem Blindtext und Ciceros Werk entdeckte …

Wie komme ich im Web an einen passenden Blindtext?
Es gibt dafür viele Generatoren im Netz, zum Beispiel unter Loremipsum.de oder Blindtextgenerator.de. Hier kann man genau definieren, wie viele Absätze, Wörter oder Zeichen man haben möchte.

Drei nutzerfreundliche KI-Adressen für Anfänger

Wir nennen Ihnen drei Seiten, auf denen Sie kostenlos und ohne jede Anmeldung mit künstlicher Intelligenz arbeiten können. Für simple Aufgaben reicht das oft völlig aus.

Von Stefan Brunn

Künstliche Intelligenz schnell mal ohne Anmeldung nutzen zu können, ist nicht nur für Anfänger interessant: Manchmal nutzt man ja fremde Rechner oder braucht Hilfe bei so simplen Aufgaben, dass sich eine Anmeldung gar nicht lohnt. Am besten merken Sie sich dafür imkis.de/schnellki, dann haben Sie folgende Links immer parat:

Ecosia

Eine sehr aufgeräumte Seite mit einfacher Usability, um ChatGPT in der kostenlosen Variante zu nutzen. Hier erklärt sich eigentlich alles von selbst.  Die Seite ist immer erreichbar und enthält keine Werbung.

Perplexity

Diese kostenlose KI-Maschine ist ganz anders aufgebaut, eher wie eine Suchmaschine, die Antworten liefert statt Trefferlisten und mit der man drüber sprechen kann. Aber sie ist ähnlich übersichtlich gestaltet wie der Ecosia-Chat und lässt sich ähnlich niedrigschwellig nutzen.

Llama

Auch diese Seite ist sehr schlicht und sie kommt auch von Perplexity – aber hier nutzt man eine völlig andere KI, nämlich die der Mutter von Facebook und WhatsApp: Sie nennt sich Llama. In der Version 3 (rechts unten anwählbar) liefert sie bei manchen Aufgaben ähnlich gute oder sogar bessere Ergebnisse als ChatGPT.

Unsere Blutgruppen kennen sie alle!

Wie oft passiert es Dialog-KI, bei einfachen Wissensfragen falsche Antworten zu liefern? Wir haben das bei den bekanntesten KI-Chatbots anhand von 100 zeitlosen Fakten geprüft.

Von Stefan Brunn

Die Ergebnisse unseres Tests im Überblick.

Welche Dialog-KI macht die wenigsten Fehler, wenn man nach zeitlosen Fakten fragt? Das wollten wir wissen und haben deshalb einen kleinen Vergleich auf der Grundlage von 100 Fragen angestellt – solchen wie „Wie viele Rippenpaare hat der Mensch“ oder „Wer überflog als erstes den Nordpol?“ Unsere Fragen aus unterschiedlichen Wissensbereichen der Kultur- und Naturwissenschaften haben wir ausschließlich aus einem Buch geschöpft, es heißt: „Das große Humboldt-Quizbuch“. Alle 100 Fragen dokumentieren wir hier zusammen mit unserem Prompt. Unser Vergleich hält sicherlich keinen wissenschaftlichen Ansprüchen stand. Dazu hätten wir, unter anderem, jede Frage ganz oft stellen müssen. Die KI-Chatbots liefern nämlich nicht jedes Mal dasselbe Ergebnis, sondern die Ergebnisse können durchaus variieren. Trotzdem erwartet natürlich, wer diese KI nutzt, jedes Mal ein richtiges Ergebnis.

Ziel unseres Experiments war zu messen, wie viele falsche Antworten bei einfachen Wissensfragen gegeben werden. Geprüft haben wir sechs Dialog-KI: Bing, Chat-GPT (Version 4), Gemini, Llama (Version 3), Mistral und You.com. Keine Maschine lieferte alle Antworten fehlerfrei. Am Ende waren die Unterschiede aber überraschend gering: Der Sieger Llama geht mit nur 8 falschen Antworten vom Platz. Knapp dahinter folgen dann schon ChatGPT (9 Fehler) und You.Com (10). Man sieht also insgesamt, dass alle KIs bei einfachen Wissensfragen ganz gut abliefern. Vor allem bei feststehenden Fakten liefern alle ab: So nennen alle zuverlässig die vier Hauptblutgruppen des Menschen, wissen, wer „Die Buddenbrooks“ geschrieben hat und dass ein Tarockspiel 78 Karten enthält.

Bei einigen Fragen hatte man aber fast den Eindruck, hier wurden die KIs richtig kreativ: Hinter dem Begriff „Achtender“ zum Beispiel vermutete Llama einen „Jäger, der acht Hirsche erlegt hat“. Gemini wiederum nannte „Ein acht Jahre alter Rothirsch“ als Antwort. Große Schwierigkeiten hatten die KIs auch dabei, ein bestimmtes Straßenschild richtig zu benennen. Ein blaues rundes Schild mit rotem Rand und Querbalken steht natürlich für eingeschränktes Halteverbot. Die Antworten reichten hier allerdings von „Autobahn“ über „Einfahrt verboten“ bis hin zu „Vorfahrt achten“.

Eine einzige Frage konnte keine KI beantworten, nämlich: „Wie nennen Typografen Buchstaben aus einer fremden Schrift, die sich eingeschlichen haben?“ Hier reichten die Antworten von „Glyphen“ über „Fremdkörper“ bis hin zu „Bastarde“. Alles falsch! Die richtige Antwort wäre gewesen: „Zwiebelfische“. Dieses Versagen ist zugleich eine Spur, die wir bei künftigen Vergleichen weiterverfolgen wollen: Je spezieller eine Frage ist (also je weniger Trainingsdaten vorhanden), desto weniger wahrscheinlich die richtige Antwort. Fragt man nämlich andersherum: Was ist ein „Zwiebelfisch“?, kriegen alle die richtige Antwort sofort hin.

Download: die 7 wichtigsten Kommaregeln (PDF)

Kommas richtig zu setzen ist nicht immer ganz einfach. Deshalb haben wir uns einmal die Mühe gemacht und die 7 kniffligsten Fälle der Kommasetzung präzise und an einfachen Beispielen erklärt. Die übersichtliche PDF gibt es jetzt hier zum Download. Einfach aufs Bild klicken, dann öffnet sich die Datei.

Wann brauchen Infinitivgruppen ein Komma?

Formulierungen, die aus „zu“ und einem Infinitiv bestehen, stellen uns immer wieder vor die gleiche Herausforderung: Muss hier ein Komma gesetzt werden oder nicht? Wir fassen die Regeln dazu verständlich zusammen.

Von Katrin Liffers

Zu keiner anderen sprachlichen Konstruktion bekommen wir so häufig Kommafragen gestellt wie zu den Infinitivgruppen. Damit sind Kombinationen aus dem Wort „zu“ und einem Infinitiv (der Verbgrundform) gemeint, wie in dem Satz: „Er liebt es, wandern zu gehen.“ Die Frage, die sich hier stellt: Muss hier ein Komma gesetzt werden oder kann man es auch weglassen?
Die kurze Antwort: Es kommt drauf an. Für die lange Antwort haben wir die die Regeln (und leider auch Ausnahmen) zu den drei Fällen zusammengefasst, die man unterscheiden kann.

Fall 1: Die Infinitivgruppe wird von einer Konjunktion eingeleitet

Regel: Wird die Infinitivgruppe mit einer Konjunktion eingeleitet, etwa „um“, „ohne“, „statt“, „anstatt“, „außer“ oder „als“, muss ein Komma zwischen Haupt- und Nebensatz gesetzt werden.

Beispiel: Sie versuchte alles, um die Kommaregeln zu verstehen.

Fall 2: Die Infinitivgruppe bezieht sich auf ein anderes Element im Satz

Regel: Ist die Infinitivgruppe von einem Substantiv oder einem anderen Bezugswort („es“, „daran“, „das“ etc.) im Satz abhängig, muss die Infinitivgruppe durch ein Komma vom Hauptsatz abgetrennt werden. Wenn die Infinitivgruppe mitten im Hauptsatz steht, muss das Komma davor und danach gesetzt werden.

Beispiel 1: Er hatte schon immer den Wunsch, die Welt zu bereisen.
→ Die Infinitivgruppe „die Welt zu bereisen“ bezieht sich auf das Substantiv „Wunsch“ im Hauptsatz.

Beispiel 2: Sie hasst es, auf den Bus zu warten.
→ Die Infinitivgruppe „auf den Bus zu warten“ bezieht sich auf das Bezugswort „es“ im Hauptsatz.

Ausnahme: Wenn bei diesem Fall die Infinitivgruppe nur aus „zu“ und einem Infinitiv besteht, kann man das Komma jedoch weglassen.

Beispiel 1: Sie hatte die Pflicht(,) zu schweigen.

Beispiel 2: Er schaffte es nicht(,) zu kündigen.

Fall 3: Die Infinitivgruppe wird nicht von einer Konjunktion eingeleitet und bezieht sich nicht auf ein Element im Hauptsatz

Regel: Infinitivgruppen, die weder mit einer Konjunktion eingeleitet werden (Fall 1) noch sich auf ein Element im Hauptsatz beziehen (Fall 2), können durch ein Komma abgegrenzt werden – müssen aber nicht. Gerade bei komplexen Satzstrukturen kann das Komma aber deutlich die Lesbarkeit des Satzes erhöhen.

Beispiel 1: Sie überlegen(,) sich ein neues Haus zu kaufen.

Beispiel 2: Du versuchst immer(,) dich aus der Verantwortung zu ziehen(,) und schiebst die Schuld deshalb auf andere.

Ausnahme: Wenn das Verb des Hauptsatzes ein Modalverb (Hilfsverb) darstellt, auf das sich die Infinitivgruppe bezieht, setzt man kein Komma. Man erkennt Modalverben daran, dass sie nicht den Sachverhalt des Satzes selbst versprachlichen, sondern die Einstellung der sprechenden Person zu dem Sachverhalt widerspiegeln. Sie machen also eine Aussage dazu, ob der Sachverhalt erwünscht, möglich etc. ist. Das kann zum Beispiel bei den Verben „haben“, „sein“, „brauchen“, „pflegen“, „scheinen“ der Fall sein.

Beispiel 1: Er scheint heute nicht zu kommen.
→ „Scheinen“ wird hier nicht in seiner Bedeutung als „Licht ausstrahlen“ verwendet, sondern modifiziert nur das Verb „kommen“ in seiner Wahrscheinlichkeit.

Was ist warme, was kalte Sprache?

Drei US-amerikanische Marketing-Professoren haben kürzlich eine Studie vorgelegt, die einer bisherigen Annahme widerspricht: Warme Sprache wirkt nicht inkompetent, sondern steigert die Zufriedenheit von Kundinnen und Kunden. Aber was ist das überhaupt: warme Sprache?

Von Stefan Brunn

In dem wissenschaftlichen Journal of Consumer Research stellen die drei Professoren Grant Packard, Yang Li und Jonah Berger die Ergebnisse ihrer Studie „When Language Matters“ vor. Für die Studie hatten sie Hunderte von Servicegesprächen aus zwei Unternehmen untersucht. Kern der Studie: Wie wirkt es sich aus, wenn die Mitarbeitenden der Unternehmen die Kund:innen mit „warmer“ oder „kalter“ Sprache konfrontieren?

Unter „warmer Sprache“ verstehen es Marketingleute, wenn die Sprache affektive Elemente enthält. Beispiel: „Mit wem habe ich das Vergnügen?“ hat eine andere Anmutung als „Wie kann ich Ihnen helfen?“ Warme Sprache zielt darauf ab, eine positive emotionale Verbindung herzustellen, Empathie zu zeigen und ein Gefühl von Wertschätzung und Fürsorge zu vermitteln. Ähnlich hier: „Schön, dass ich Ihnen helfen konnte. Melden Sie sich wieder, wenn ich mich um etwas kümmern soll!“ Diese Formulierung ist eindeutig einladender und drückt eine fürsorglichere Haltung aus als etwa „Kein Problem. Melden Sie sich, wenn Sie wieder irgendetwas brauchen.“

Bislang galt es im Marketing als gesetzt, dass warme Sprache inkompetent wirken kann. Aber offenbar ist eine rein kognitiv-kompetenzorientierte Sprache allein nicht ideal. Unterm Strich sind Kund:innen zufriedener, wenn sie sowohl eine warme als auch eine kalte Sprache erfahren, jedoch zu spezifischen Zeiten während der Interaktion. Zu Beginn und am Ende von Gesprächen ist, so das Ergebnis der Studie, eine warme Sprache förderlich für die Zufriedenheit, während in der Mitte der Interaktion eher eine kalte Sprache bevorzugt wird – dann nämlich, wenn es um den Kern der Sache geht.

Die Professoren sehen diese Ergebnisse durch verschiedene andere Studien bestätigt. Das Ergebnis legt einen nuancierten Ansatz für effektive Kundenkommunikation nahe, bei dem eine Kombination aus warmen und kalten Formulierungen zu strategischen Zeitpunkten das Kund:innenerlebnis verbessern kann.

Selber, selber, lachen alle Kälber!

Wann sagt man „selbst“, wann „selber“? In geschriebenen Texten sollte es fast immer „selbst“ heißen. Es gibt aber Ausnahmen.

Von Stefan Brunn

Falls Sie sich manchmal fragen, wo eigentlich der Unterschied zwischen „selbst“ oder „selber“ liegt, dann seien Sie beruhigt: Semantisch gibt es gar keinen, die Wortbedeutungen sind gleich. Allerdings finden Sie in einschlägigen Stilratgebern den Rat, schriftlich immer nur „selbst“ zu schreiben. „Selber“ klingt umgangssprachlich und kommt manchem deshalb zu informell vor.

So weit, so gut. Es gibt aber einige wenige Ausnahmen, wir nennen hier mal zwei:

1. In feststehenden Kompositionen
In einigen Kompositionen ist „selber“ geläufiger als „selbst“ – etwa beim „Selbermachen“. Warum das so ist? Keine Ahnung! Aber so wie „Selbstgemachtes“ geläufiger ist als „Selbergemachtes“, ist „Selbermachen“ einfach verbreiteter als „Selbstmachen“.
2. In Kurzantworten
Es kommt fast nur im Mündlichen vor, dass wir jemandem auf eine Bemerkung mit so etwas antworten wie „Selber“ oder „Das musst Du schon selber machen“ oder „Merkste selber, oder?“. Aber wenn uns jemand beschimpft, dann passt die Ein-Wort-Antwort „selbst“ nicht, es muss „selber“ heißen!

Kurzum: Sie machen nichts falsch, wenn Sie schriftlich immer „selbst“ schreiben. Die beiden Ausnahmen fallen Ihnen garantiert ein, wenn Sie mal zufällig im Begriff sind, jemandem patzig zu antworten. 😉

Alles im grünen Bereich?

Mit dem Textometer hat IMKIS ein neues Tool entwickelt, das die Verständlichkeit von Texten bewertet – in Schuljahren und fünf Stufen von sehr einfach bis sehr schwierig. Das Tool kann kostenlos auf unserer Website oder lokal auf dem eigenen PC verwendet werden.

Von Hannah Molderings

Ausprobieren können Sie den Textometer direkt unter diesem Artikel oder auf textometer.de!

Möchte man die Verständlichkeit eines Textes überprüfen, kann man das unter anderem mit Verständlichkeits-Tools machen. Auf der Basis von mathematischen Formeln bewerten sie, wie (un)verständlich ein Text geschrieben ist. Der Vorteil dieser Tools: Ihre Ergebnisse sind objektiv und die Arbeit mit ihnen lässt sich ohne großen Aufwand in Arbeitsprozesse integrieren. Das hilft dabei, einen festgelegten Qualitätsstandard zu etablieren.

Bisher existierende Tools haben allerdings so ihre Schwachstellen. Manche sind nicht zuverlässig erreichbar, andere liefern unzuverlässige Verständlichkeitswerte und bei wieder anderen findet man das Eingabefeld vor lauter Werbung nicht.

Deshalb hat IMKIS in den letzten Monaten mithilfe Künstlicher Intelligenz ein eigenes Verständlichkeits-Tool entwickelt – den Textometer. Er liefert zuverlässig schlüssige Ergebnisse, ist intuitiv bedienbar und komplett werbefrei. Man kann sogar die Seite auf dem eigenen Rechner abspeichern und die Maschine lokal benutzen – das ist ein großer Vorteil für alle, die ihre Texte nicht im Internet eingeben wollen oder dürfen. Die Datenmenge des Downloads ist verschwindend gering, zuletzt lagen wir bei unter 50 Kilobyte!

Im Folgenden beantworten wir weitere wichtige Fragen:

Wie funktioniert der Textometer?
Der Textometer misst die Verständlichkeit von Texten auf der Basis einer Formel, die wir von IMKIS entwickelt haben. Ihr Ergebnis haben wir Brunn-Liffers-Index (BLIX) genannt. Die Formel selbst ähnelt klassischen Verständlichkeitsformeln, vereinfacht aber die Wortzählung (nur in Buchstaben) und bewertet lange Wörter erst ab einer Länge von 15 Buchstaben als schwer verständlich. Dieser Unterschied hat zur Folge, dass ein Text auch dann noch als einfach bewertet wird, wenn er unvermeidbar sperrige Wörter enthält. Die genaue Formel des BLIX ist kein Geheimnis – sie lautet: [Anzahl aller Wörter/Anzahl aller Sätze] + [Anzahl langer Wörter x 100/Anzahl aller Wörter]

Wie kommen die Einstufung nach Schuljahren und das beurteilte Verständlichkeitsniveau zustande?
In der Praxis hat es sich als sinnvoll erwiesen, den Benutzenden möglichst einfache Rückmeldungen zu ihren Texten zu geben. Der eine Wert, die Schuljahre, erleichtert die Zuordnung zu Niveaus aus dem realen Leben. Er gibt an, wie viele Schuljahre eine Person absolviert haben muss, damit sie den vorliegenden Text versteht. Der andere Wert, das Niveau in Worten, erleichtert es, sich selbst oder anderen Personen Zielvorgaben zu machen. Wir benutzen in unseren Seminaren sehr häufig eine der beiden Größen, um Texte besser zu machen. Zustande kommen die Rückmeldungen durch eine Einstufung nach dem gemessenen BLIX-Wert.

BLIX und Textometer insgesamt sind eine Gemeinschaftsentwicklung der beiden Germanisten Katrin Liffers und Stefan Brunn mit der Kognitionswissenschaftlerin Hannah Molderings und dem Datenjournalisten Sebastian Mondial.

Ausprobieren kann man den Textometer hier:

Der Klempner und die Mimose

Zum Handwerk der Presse gehört das Rosinenpicken. In Reden, Pressemitteilungen oder Interviews ragt oft eine einzelne Formulierung heraus – genau die wird natürlich in den Medien zitiert. Neue Metaphern zum Beispiel sind oft unwiderstehlich …

Stefan Brunn

In unseren Redenschreiben-Seminaren besprechen wir mit den Teilnehmenden regelmäßig Strategien, wie man etwas im Text platziert, das beim Publikum garantiert hängen bleibt. Dazu gehören neue Metaphern. Wolfgang Bosbach zum Beispiel beherrscht es meisterhaft, solche Bilder in den Köpfen zu konstruieren. „Ich will nicht immer die Kuh sein, die quer steht im Stall“, sagte er einmal, als es darum ging, dass er im Parlament nicht mehr gegen die eigene Fraktion stimmen wolle. Natürlich griffen die Medien tags darauf diese Metapher gern auf, viele machten sie auch zur Überschrift.

Hat man diesen Mechanismus einmal kapiert, steckt man natürlich gern etwas Mühe in das Ausdenken solch rhetorischer Perlen. Am Ende sind sie es, die hängen bleiben – und eben nicht die zehn anderen Manuskriptseiten, die man sorgfältig argumentativ gegliedert und formuliert hat.

Einige im Politikbetrieb denken sich also regelmäßig schöne Sprachbilder aus, um Aufmerksamkeit für eigene Themen und Positionen zu bekommen. Aber selten ist in den letzten Jahrzehnten im Deutschen Bundestag die rhetorische Kreativität so aufgefallen wie in der vergangenen Woche bei der Generaldebatte. Für uns mit dem Blick auf Rhetorik war das natürlich außergewöhnlich spannend.

Friedrich Merz hatte zur Debatte etwa folgendes Bild mitgebracht, gerichtet an Olaf Scholz: „Wenn Sie die Jacke unten falsch einknöpfen, dann diskutieren wir nicht mit Ihnen, wie groß der Knopf im letzten Loch sein sollte.“ Scholz reagierte darauf mit einer Bemerkung, die – bewusst oder intuitiv – in der Modebranche blieb, indem er die Schuldzuweisungen von Merz als „in dieser Situation ganz kleines Karo“ bezeichnete.

Scholz hatte aber auch eigene Metaphern aus anderen Bereichen mitgebracht. Eher floral war sein inzwischen viel zitierter Satz: „Wenn Sie dann mal kritisiert werden, dann sind Sie eine Mimose.“ Rhetorisch auch nicht übel, aber aus einem ganz anderen Bereich (dem Sport) entliehen war sein Vorwurf: „Wer gerne boxt, sollte kein Glaskinn haben. Aber Sie haben ein ganz schönes Glaskinn, Herr Merz.“

In der Presse wurde nach dem Schlagabtausch gemutmaßt, Scholz habe Merz im Bundestag mit den eigenen Waffen schlagen wollen. Mutmaßlich wollte Scholz einen Konter setzen gegen Merz‘ Attacke vom November, bei der er Scholz mit einem planlosen Handwerker verglichen hatte. Bekanntlich hatte Merz seinen Kontrahenten einen „Klempner der Macht“ genannt, der „es einfach nicht könne“.

Im Nachgang des Duells fanden übrigens etliche andere Politikerinnen und Politiker ihren Spaß daran, noch Metaphern hinterherzuschieben. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Dürr verteidigte etwa die Politik der Ampel-Koalition mit dem Hinweis darauf, dass „wir den Scherbenhaufen nicht schnell genug zusammenkehren, den Sie hinterlassen haben“. Oder Tilman Kuban, der ehemalige Vorsitzende der Jungen Union: „Olaf Scholz hat mit seinen Tricks und seinem Auftritt nicht nur das Tischtuch zerschnitten, sondern den ganzen Tisch zersägt.“

Wenn es nach uns geht, kann’s so weitergehen. Metaphern machen die Sprache schön anschaulich. Ihr Nachteil ist allerdings, dass man sich mit ihnen nicht konkret verständigt, was Deutschland vielleicht auch nicht schaden würde.

Unser Seminar: Einführung in das Schreiben mit KI

Künstliche Intelligenz verändert unsere Schreibprozesse in zunehmendem Maße. Unser Seminar legt die Verständnisgrundlagen, gibt einen Einblick in unterschiedliche KI-Tools und übt Schreibaufgaben ein. Nächster Termin: 9. Mai.

In unserem Seminar schaffen wir einen Überblick über die Möglichkeiten des Schreibens mit Künstlicher Intelligenz. Dazu blicken wir in einzelne Apps hinein und probieren sie aus, sehen uns viele Anwendungsfälle an und hinterfragen sie kritisch. Zudem vermitteln wir die wichtigsten Grundkenntnisse darüber, wie Inhalte und Sprache von der KI geformt werden und was das für die so entstandenen Texte bedeutet.

Wenn wir mit KI Texte verfassen, geht es nicht nur um Sprache – die ja mit KI in der Regel gut klingt. Das ist auch der Grund für den berühmten Eliza-Efekt, den wir im Seminar erklären. Es geht auch um Informationen und den Kontext der Schreibaufgabe. Beides ist für Maschinen, und nichts anderes sind ChatGPT & Co., viel schwieriger zu bewerkstelligen. Das hat für einen professionellen Umgang mit KI vielfältige Konsequenzen, die wir in unserem Seminar an vielen praktischen Beispielen aufzeigen.

Ein anderer wichtiger Aspekt in unserem Seminar ist die kritische Reflexion von KI-Apps. Manche Jobs erledigen sie unglaublich gut – IMKIS stellt das in Vergleichen immer wieder fest, zum Beispiel bei Korrektoraten, bei Transkripten oder bei Protokollen. In anderen Bereichen ist die KI (noch) unglaublich fehleranfällig oder sogar komplett unbrauchbar. Hier ein einziges Beispiel, stellvertretend für viele:

Die allermeisten Dialog-KIs versagen bei Rechercheaufgaben und können nicht mal einfachste Fragen wie die oben gezeigte richtig beantworten: Der VfL Gummersbach war in der fraglichen Saison nicht Deutscher Meister. Aber er war in den Jahren davor und danach oft Deutscher Meister. Und das erklärt, warum die KI auf diese Antwort kommt: Denn sie ist ein Wahrscheinlichkeitsautomat. Wenn wir uns aber derart wenig auf die von KI generierten Informationen verlassen können, warum sollten dann andere Fakten stimmen, die viel schwieriger als Fehlinformationen zu entlarven sind? Dieser und ähnlichen Fragen gehen wir in unserem Seminar intensiv nach.

Hier einige der Inhalte in Bulletpoints:

•   Überblick und Differenzierung: Wie wirkt sich der Einsatz von KI auf Texte aus?
•   Was ist Natural Language Processing, was sind Large Language Models?
•   Woher stammen die von einer Dialog-KI verwendeten Informationen?
•   Wo werden die Anfragen und Antworten gespeichert?
•   Potenziale einer besseren Information durch KI
•   Debunking, Debugging und Risikoreduktion
•   Überblick über Copywriting-Tools
•   Prompts: Wie formuliert man sinnvolle Anfragen?
•   Beispielhafte Anwendungen für Wirtschaft, Medien, Verwaltung und Politik
•   Ausblick: Was sind mögliche nächste Entwicklungsschritte für das Schreiben mit KI?

Das Seminar wird online mit Zoom durchgeführt und dauert einen Tag (9 bis 17 Uhr). Zu buchen ist es ganz unkompliziert über unsere Buchungsseite.