Kategorie: Allgemein

DIESE Sprachmarotte findest Du nur in Klickportalen!

„Anwohner flippt bei DIESEM Anblick komplett aus!“ Auf dem Boulevard werden Demonstrativpronomen oft missbraucht. Wenn Sie DIESE Marotte irgendwo sehen, machen Sie sich am besten schnell aus dem Staub. Wir zeigen drei Beispiele einer einst seriösen Tageszeitung.

Von Stefan Brunn

Es war einmal eine Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) unter der Adresse derwesten.de zu finden. Es fanden sich darin viele seriöse Inhalte für die Menschen des Ruhrgebiets und darüber hinaus. Heute findet man unter dieser Adresse ein erbärmliches Klickportal der Funke-Mediengruppe, die nach wie vor die Zeitung WAZ herausgibt. Gekennzeichnet ist das Portal von Überschriften wie dieser:

Wenn Sie DIESES großgeschriebene Demonstrativpronomen sehen, dann wissen Sie bereits: Hier ist der Boulevard des Internets! Hereinspaziert, erwarten Sie nichts Seriöses mehr!

Dabei ist dieses grammatikalische Mittel eigentlich ziemlich feines Florett: Es handelt sich um einen sogenannten Vorwärtsverweis im Text („Forward Referencing“). Wer es benutzt, verweist mithilfe der Deixis (Hinweisfunktion der Wörter) auf etwas, was gleich erst noch gezeigt werden wird: So entsteht Neugierde. Man macht es also kurz und mit extrem wenig sprachlichem Aufwand spannend. Siehe hier:

Scrennshot Headline von DerWesten.de

Wer nun wissen will, für wen andere Regeln gelten, muss klicken. Hinzu kommt: Demonstrativpronomen kann man schlecht von bestimmten Artikeln unterscheiden: Auch „der“, „die“ und „das“ können Demonstrativpronomen sein. So wie hier:

Screenshot von Headline aus DerWesten.de
Den Unterschied erkennt man vor allem an der anderen Betonung: Demonstrativpronomen werden stärker betont! Indem DerWesten sie versal setzt (in Großbuchstaben), erleichtert er nicht nur die Aussprache, sondern akzentuiert den Neugierde-Faktor noch.

Trotzdem ist das Murks! Warum: Weil so ein Kunstgriff irgendwann durchschaubar und dann auch lästig und nervig wird. In diesem Fall ist das großgeschriebene Demonstrativpronomen sogar schon zum Signum des Clickbaiting geworden.

Zugestehen muss man den Machern allerdings eines: Es muss noch genug Leute geben, die sich dadurch zum Klicken verführen lassen. Sonst würde man dieses angestaubte Florett sicher sofort fallenlassen …

Welche Verben waren mal Namen?

Merkeln, södern, röntgen: Manchmal stammen Verben von Eigennamen ab. Bei einigen würde man es heute aber nicht mehr vermuten. Welche Begriffe erkennen Sie als Eigennamen wieder? Testen Sie sich in unserem Quiz!

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Hurra, die neuen Emojis sind da!

Elch, Esel, Erbsen – das Unicode-Konsortium hat die neuen Emojis vorgestellt, die uns bald in Apps zur Verfügung stehen. Auch Flügel und Flöte sind dabei. Wir zeigen, nach welchen Kriterien das Konsortium über neue Zeichen entscheidet.

Von Katrin Liffers

Wenn wir uns mit Emojis austauschen, muss es dafür einen gemeinsamen Zeichensatz geben. Whatsapp zum Beispiel benutzt wie die meisten anderen Apps den Unicode, das wichtigste Set dieser Art – und setzt dessen Zeichen nach eigenem Gusto grafisch um.

Welche Zeichen überhaupt in den Unicode aufgenommen werden, wird vom internationalen Unicode-Konsortium entschieden. Es handelt sich bei dem Konsortium um eine gemeinnützige Organisation, die ihren Sitz in den USA hat. Das Konsortium arbeitet laufend an einem standardisierten digitalen Code, der eben auch eine Vielzahl an Emojis enthält.

6 Emojis im Bild

6 von 20 neuen Emojis: Flöte, Esel, Amsel, Kamm, Flügel, Elch.

In regelmäßigen Abständen stellt das Konsortium neu integrierte Zeichen vor. In diesem Jahr etwa kommen 20 neue Emojis sowie neue Varianten bereits bekannter Bilder hinzu: So können wir neben Ingwerknolle, Esel und Flöte nun auch Herzen in rosa, grau und hellblau verwenden.

Das Konsortium kommt mit diesen Neuerungen den Wünschen vieler Emoji-Nutzer*innen nach. Denn auf der Website der Organisation hat jeder die Möglichkeit, eigene Vorschläge für neue Zeichen einzureichen. Diese werden dann gesichtet und ihre Eignung anhand unterschiedlicher Kriterien überprüft. Dazu gehören unter anderem folgende Fragen:

  • Funktioniert das Bild in der Größe, in der Emojis normalerweise verwendet werden?
  • Drückt das Emoji etwas Neues aus, das nicht durch bereits bestehende Emojis ausgedrückt werden kann?
  • Ist es wahrscheinlich, dass viele Menschen das Emoji benutzen?

Bis wir Ingwer, Esel und Flöte endlich überall verwenden können, dürfte es nicht mehr lange dauern: Bis zum Ende des Jahres sollen die neuen Emojis auf allen gängigen Plattformen verfügbar sein.  🎉

Wer nicht mehr so lange warten möchte, kann sich die vollständige Aufstellung aller neuen Emojis auf https://emojipedia.org/emoji-15.0/ anschauen.

Wann darf der Schrägstrich atmen?

Wer beim Schreiben einen Schrägstrich setzt, hat sich sicher auch schon mal gefragt: Gehört da noch ein Leerzeichen hin? Davor und danach? Eins davor, keins danach? Es gibt eine Regel dazu – aber auch gute Gründe, davon abzuweichen.

Von Andrea Rayers

Befragt man die beiden Regelwerke DIN 5008 und den Duden, erhält man ziemlich übereinstimmend die Antwort: Vor und nach einem Schrägstrich wird kein Leerzeichen verwendet. Aber: Ausnahmen sind gestattet!

Ohne Leerzeichen:
Die Regel lautet: Steht jeweils nur ein Wort vor und nach dem Schrägstrich, setzt man KEIN Leerzeichen.
Zum Beispiel: Herbst/Winter, Ein-/Ausgang, Rhein/Main

Mit Leerzeichen:
Von dieser Regel darf man aber abweichen, wenn mehrere Wörter oder Wortgruppen zueinander in Beziehung gesetzt werden. Dann kann man vor UND nach dem Schrägstrich ein Leerzeichen setzen, um das Ganze übersichtlicher zu gestalten und Missverständnisse zu vermeiden.
Zum Beispiel: Ende August / Anfang September, 60 Prozent / 40 Prozent

Die Regeln haben sich gegendert

Das Gesellschaftsspiel Scrabble hat einen neuen Stein eingeführt: Mit dem Genderstein, beschriftet mit *IN, will Hersteller Mattel ein Zeichen für gendergerechte Sprache setzen. Wie man an den Stein kommt und wie er im Spiel eingesetzt werden darf, erklären wir kurz und politisch korrekt.

Von Hannah Molderings

© Mattel Deutschland

Künftig lassen sich bei Scrabble also auch Wörter wie Forscher*in oder Leiter*in legen. Wird der Genderstein verbaut, bringt er 10 Punkte – genauso viel wie ein Q oder Y. Für besonders ehrgeizige Spieler:innen kann sich das Gendern also auszahlen.

Passend zum neuen Stein hat Mattel auch gleich eine Erweiterung des Regelwerks veröffentlicht: Der neue Stein darf nur bei personenbezogenen Substantiven verwendet werden, die in der Grundform auf –er oder –e enden. Auch für Berufe, Bewohner:innen oder Mitglieder von Gruppen kann er genutzt werden. Das Wort „Bindung“ beispielsweise darf demnach nicht mit dem *IN-Stein gelegt werden – hierzu braucht es weiterhin ein einzelnes I und N.

Jeder, der sich für den neuen Stein interessiert, kann kostenlos 4 Stück bei Mattel anfordern. Wir haben es auch mal probiert – aktuell muss man allerdings mit einer Wartezeit von bis zu 4 Wochen rechnen.

Weitere Infos: https://www.mattel.de/unsere-marken/scrabble-genderstein/

Einen wunderbaren Loriot-Sketch zum korrekten Anlegen bei Scrabble sehen Sie hier:

Ein Puma ist keine Großkatze!

In der Schule haben wir gelernt: Wortwiederholungen sind langweilig. Also greifen wir nach Wörterbüchern und suchen Synonyme. Das erhoffte Ergebnis: abwechslungsreiche Texte. Die mögliche Gefahr: inhaltliche Fehler und Verwirrung bei den Leser:innen!

Von Katrin Liffers

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) schilderte kürzlich das immer häufigere Auftauchen von Pumas in Großstädten, unter anderem in Los Angeles. Besonders ging es um den Umgang der Leute dort mit diesen „Großkatzen“. Großkatzen sind Pumas aber gar nicht, wie ein Leser des AP-Textes bemängelte: Zwar handele es sich um große Katzen, aber nach biologischer Klassifikation eben nicht um „Großkatzen“. Stattdessen gehörten sie zur Gruppe der Kleinkatzen. Für die Zuordnung in die Unterfamilien sei nämlich nicht ihre Größe ausschlaggebend, sondern ihr Verwandtschaftsverhältnis.

Ein Einzelfall, könnte man meinen. Tatsächlich passiert es jedoch häufig, dass ein Wort durch ein anderes ersetzt wird, das in seiner Bedeutung nicht mit dem ursprünglichen übereinstimmt. Der Text verliert dadurch an Genauigkeit oder, wie in unserem Beispiel, sogar an Korrektheit. Der Grund: Im Deutschen gibt es nur wenige Wörter, deren Bedeutung wirklich vollkommen deckungsgleich ist. Sogenannte „Vollsynonyme“ sind sogar äußerst selten.

Die Verwendung von Synonymen birgt aber auch noch eine andere Gefahr. Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Ausdrücken kann die Leser:innen verunsichern und so das Textverständnis unnötig erschweren: Ist mit Bücherei und Bibliothek wirklich das Gleiche gemeint oder möchte mich die Verfasserin auf einen Bedeutungsunterschied aufmerksam machen?

Was lernen wir daraus? Natürlich sind abwechslungsreiche Texte angenehm zu lesen. Leiden dadurch jedoch Korrektheit oder Verständlichkeit, ist das übergeordnete Ziel der gelingenden Kommunikation fehlgeschlagen: Der Inhalt wird nicht mehr klar und korrekt vermittelt.
Sollte Ihnen in der Stadt nun einmal ein Puma begegnen, können Sie immerhin beruhigt ein: Es ist nur eine Kleinkatze! 😉

Warum Keks ein Lehnwort ist und kein Erbwort

„Cooles Shirt!“ Jeder im deutschen Sprachraum versteht diese Aussage, auch wenn die Wörter so gar nicht deutsch klingen. Aber was sind sie dann? Entlehnt, eingedeutscht? Fremdwort, Anglizismus? Wir räumen für Sie im Begriffs-Wirrwarr auf.

Von Andrea Rayers

Um zu beschreiben, woher unsere Wörter kommen, sortieren wie sie in drei Schubladen: Erbwörter, Lehnwörter, Fremdwörter. In welche Kategorie ein Wort gehört, erkennt man daran, wie stark es an die deutsche Sprache angepasst ist. Hier sind die drei Schubladen im Überblick:

Erbwörter
Erbwörter unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt von den beiden anderen Kategorien: Sie sind nicht aus einer fremden Sprache übernommen worden, sondern haben ihre Wurzeln im Deutschen selbst – in der Sprache der Germanen. Allerdings stammen sie aus einer sehr alten Sprachstufe und haben sich über eine Sprachgeschichte von über 5.000 Jahren gehalten.

Beispiele für Erbwörter: Vater, Sonne, Hund, Huhn, Haustier, Nase

Lehnwörter

Lehnwörter stammen ursprünglich aus einer anderen Sprache, sind also entlehnt. Wir nehmen sie aber gar nicht als fremd wahr, weil sie sich in Aussprache, Schreibung und Flexion komplett an die deutsche Sprache angepasst haben. Man findet sie daher auch nicht im Fremdwörterbuch.

Beispiele für Lehnwörter: Fenster, Pferd, Keks, Tanz, Mauer, Küche, Frucht

Fremdwörter

Fremdwörter sind aus einer fremden Sprache nahezu unverändert übernommen worden. Sie haben sich also nicht – oder nur wenig – an die Aussprache, Schreibweise und Flexion des Deutschen angepasst. Viele Fremdwörter sind beispielsweise Anglizismen.

Beispiele für Fremdwörter: Baby, Computer, Internet, surfen, Thema, Portemonnaie, Ratatouille

Wozu Akkordeons auf Webseiten gut sind

Lange Texte auf Webseiten schrecken ab. Im Internet unternimmt man deshalb einiges, um Texte kürzer und übersichtlicher zu gestalten.  Neben sogenannten Akkordeons werden dazu auch Cluster-Techniken wie das Schichtkuchen-Prinzip oder der Lazy-Load verwendet. Wir zeigen sie im Bild!

Von Hannah Molderings

Akkordeons


Akkordeons (auch Spoiler genannt) sind dazu gedacht, Informationen hinter einer Schaltfläche zu verstecken – so lange, bis Nutzer*innen sich entscheiden, diesen Text auszuklappen und lesen zu wollen. Durch sprechende Überschriften gibt man einen guten Überblick über die Themenfelder, überfrachtet die Seite aber nicht. Es muss nicht endlos gescrollt und gelesen werden – gerade für kleinere Endgeräte ein großes Plus. Nachteile: etwas mehr Arbeit und angeblich schlechtere Position der weggeklappten Texte in Suchmaschinen.

Tabs


Tabs funktionieren ganz ähnlich wie Akkordeons. Der Unterschied: Hier werden die Oberthemen nebeneinander statt untereinander angeordnet. Im Grunde sind auch die Vorteile die gleichen: leicht konsumierbare Inhalte, mundgerecht vorbereitet. Nachteil: Auf schmalen Geräten passen die einzelnen Tabs oft nicht nebeneinander und rutschen dann in die nächste Zeile – einige Plugins wandeln die Tabs aber auf mobilen Geräten in Akkordeons um.

Infokästen

Durch Infokästen werden zwar keine Inhalte versteckt – sie helfen trotzdem dabei, Informationen leichter konsumierbar zu machen. Der Clou: Bestimmte Infos werden gezielt aus dem Haupttext herausgezogen und ausgelagert. Der Kasten hebt diese Infos gestalterisch vom Rest des Textes ab. Infokästen eignen sich also vor allem für Inhalte, die inhaltlich besser nicht Teil des Haupttextes sein oder besonders hervorgehoben werden sollen.

Schichtkuchen-Prinzip

Wenn Sie den Zeilenhacker fleißig verfolgen, sind Ihnen diese bunten Kästen sicher schon aufgefallen. Häufig bauen wir unsere Artikel nach dem sogenannten Schichtkuchen-Prinzip auf. Das heißt: Infos werden in kleinere Bereiche aufgeteilt und dann Schicht für Schicht präsentiert. Häufig wird dieses Prinzip auch für FAQ-Seiten genutzt. Der Vorteil dieser kleinen Info-Häppchen:  Jede/r kann sich die Infos rauspicken, die er/sie braucht. Wichtig: Das Schichtkuchen-Prinzip bringt nur einen Vorteil, wenn man sprechende Überschriften nutzt und sich auf kurze Texte beschränkt.

Lazy-Load

Auf Nachrichtenseiten wie dieser findet man diese Technik recht häufig. Zunächst lädt die Seite nur einen Teil der Inhalte. Scrollt man dann herunter, bilden sich weitere Inhalte aus. Das mag zunächst verwirrend erscheinen: Man glaubt, dass man bereits alle Inhalte überblicken kann und plötzlich wird die Seite immer länger und scheint gar kein Ende zu haben. Man simuliert also, dass das Ende der Seite schnell erreicht ist. Und man präsentiert seine Informationen in kleinen Portionen. Haben die Leser*innen den ersten Bereich gelesen, können sie selbst entscheiden, ob sie auch die nächsten Inhalte noch lesen wollen. Genervt vom Lazy-Load sind allerdings Leute, die auf einer Seite auch gern mal ein Ende erreichen. 😉

Ich möchte im Boden versinken!

In den sozialen Medien krakeelen viele anonyme Leute, was das Zeug hält. Wenn es zu einer Anzeige kommt, ändert sich der Ton schon mal erheblich. Wir zeigen das Beispiel eines Entschuldigungsbriefs, gerichtet an einen Arzt.

Von Stefan Brunn

Der Brief an ihn, den der oberbayrische Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde Dr. Christian Lübbers auf Twitter veröffentlicht hat, bedarf eigentlich keines langen Kommentars. Zum Hintergrund nur so viel: Dr. Lübbers schreibt kritisch über Aspekte der Homöopathie und der alternativen Medizin und hat bei Twitter über 70.000 Follower. Besonders viele Hassnachrichten erhält er, seitdem er Kinder gegen Covid impft und darüber auf Twitter berichtet. Den besagten Entschuldigungs-Brief kommentierte er auf Twitter nur mit den Worten: „Kaum klopft die Staatsanwaltschaft an …“

Streckverben ziehen alles in die Länge und sind schlecht. Meistens.

Der Beamte kann eine Kalkulation vornehmen – oder kalkulieren. Der Sturm kann Verwüstungen anrichten – oder verwüsten. Meist sind die längeren Konstrukte stilistischer Murks. Manchmal sind sie aber auch notwendig. Das gesteht ihnen sogar Stilpapst Wolf Schneider zu …

Von Andrea Rayers

„Wir werden es in Erwägung ziehen und Verzicht leisten müssen“ – merken Sie was? In diesem Beispiel haben es sich zwei Streckverben bequem gemacht und geben dem Satz einen umständlichen, behördlichen Klang. Dabei kann man sie doch durch viel einfachere, schönere Verben ersetzen: erwägen, verzichten.

Streng genommen ist das Streckverb auch nicht nur ein Verb – darauf lässt schon der linguistisch korrekte Ausdruck „Funktionsverbgefüge“ schließen: Es ist eine Kombination aus Substantiv und Verb. Die eigentliche Bedeutung aus dem ursprünglichen Verb („beschließen“) geht dabei auf das Substantiv über („Beschluss“), und das nachfolgende Verb trägt keine eigene Bedeutung („fassen“).

Jedes Streckverb ist also ein Gefängnis für ein Verb, das Sie nach Möglichkeit befreien sollten. Denn, da sind sich alle Deutsch-Stilistiken einig, je mehr Substantive ein Text hat, desto hölzerner und schwerer zu verstehen wird er.

Doch selbst einer der kritischsten Sprachstil-Lehrer, der nahezu hundertjährige Wolf Schneider, verteufelt nicht per se alle Streckverben. In seinem Buch „Deutsch für Profis“ ruft er zur Differenzierung auf: „Für ‚Erfolg haben‘ besitzen wir kein Verb, und ‚jemanden zur Verzweiflung bringen‘ ist etwas anderes als ‚verzweifeln‘.“ Man muss also von Fall zu Fall Überlegungen anstellen – äh, überlegen.