Schlagwort: Verständlichkeit

Verständlichkeit messen auf die schnelle und schlanke Art

Mit dem Textometer bietet IMKIS schon seit einiger Zeit ein Tool, das die Verständlichkeit von Texten bewertet. Neu ist, dass der Textometer jetzt auch lange Wörter und lange Sätze einfärbt.  Probieren Sie es mal mit eigenen Texten aus!

Von Hannah Molderings

Was ist der Textometer und wofür wird er genutzt?
Der Textometer ist ein kostenloses Tool von IMKIS, mit dem Sie die Verständlichkeit von Texten schnell bewerten können.

Wie funktioniert der Textometer?
Sie fügen Ihren Text in das Tool ein und erhalten sofort eine Bewertung der Verständlichkeit. Grundlage ist eine spezielle Formel (BLIX), die unter anderem Satzlänge und Wortlänge berücksichtigt. Pressetexte zum Beispiel sollten einen BLIX-Wert von unter 20 haben, Texte fürs bloße Hören (Statements, Reden etc.) müssen einen noch niedrigeren Wert aufweisen.

Welche Ergebnisse zeigt der Textometer an?
Sie erhalten drei einfache Rückmeldungen:
• einen Kennwert (BLIX)
• eine Einschätzung in Schuljahren
• eine Bewertung der Textverständlichkeit von „sehr einfach“ bis „sehr schwierig“

Was ist neu am Textometer?
Der Textometer markiert jetzt automatisch lange Sätze und lange Wörter. So erkennen Sie auf einen Blick, wo Ihr Text schwer verständlich ist.

Was bringen mir die Markierungen für lange Sätze und Wörter?
Sie helfen Ihnen, problematische Stellen gezielt zu überarbeiten.

Warum sind die Messwerte aussagekräftig?
Die Forschung zeigt: Ein einfacher Stil hängt stark mit guter Verständlichkeit zusammen. Also: kürzere Sätze, verständliche Wörter, weniger Substantive. Blindstudien kommen dabei zu ähnlichen Ergebnissen wie solche Messverfahren.

Ist die Nutzung des Textometers sicher?
Ja. Ihre Texte werden nur im Browser verarbeitet und nicht gespeichert oder weitergegeben. Sie können den Textometer sogar herunterladen und ganz ohne Internetverbindung lokal benutzen.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
Die Werte sind umso verlässlicher, je länger der Text ist. Bei extrem kurzen Texten machen Kleinigkeiten eben viel aus.

Ersetzt der Textometer das Gegenlesen von Texten?
Nein. Das Tool bewertet vor allem Stilmerkmale wie Satz- und Wortlänge. Für Inhalt, Logik und Zielgruppenansprache bleibt menschliches Feedback wichtig.

Wer hat den Textometer gebaut und für wen ist er da?
Der Textometer ist eine Gemeinschaftsentwicklung der beiden Germanisten Katrin Liffers und Stefan Brunn mit der Kognitionswissenschaftlerin Hannah Molderings und dem Datenjournalisten Sebastian Mondial.

Wo findet man den Textometer?
www.textometer.de


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Selber, selber, lachen alle Kälber!

Wann sagt man „selbst“, wann „selber“? In geschriebenen Texten sollte es fast immer „selbst“ heißen. Es gibt aber Ausnahmen.

Von Stefan Brunn

Falls Sie sich manchmal fragen, wo eigentlich der Unterschied zwischen „selbst“ oder „selber“ liegt, dann seien Sie beruhigt: Semantisch gibt es gar keinen, die Wortbedeutungen sind gleich. Allerdings finden Sie in einschlägigen Stilratgebern den Rat, schriftlich immer nur „selbst“ zu schreiben. „Selber“ klingt umgangssprachlich und kommt manchem deshalb zu informell vor.

So weit, so gut. Es gibt aber einige wenige Ausnahmen, wir nennen hier mal zwei:

1. In feststehenden Kompositionen
In einigen Kompositionen ist „selber“ geläufiger als „selbst“ – etwa beim „Selbermachen“. Warum das so ist? Keine Ahnung! Aber so wie „Selbstgemachtes“ geläufiger ist als „Selbergemachtes“, ist „Selbermachen“ einfach verbreiteter als „Selbstmachen“.
2. In Kurzantworten
Es kommt fast nur im Mündlichen vor, dass wir jemandem auf eine Bemerkung mit so etwas antworten wie „Selber“ oder „Das musst Du schon selber machen“ oder „Merkste selber, oder?“. Aber wenn uns jemand beschimpft, dann passt die Ein-Wort-Antwort „selbst“ nicht, es muss „selber“ heißen!

Kurzum: Sie machen nichts falsch, wenn Sie schriftlich immer „selbst“ schreiben. Die beiden Ausnahmen fallen Ihnen garantiert ein, wenn Sie mal zufällig im Begriff sind, jemandem patzig zu antworten. 😉


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Wissenschaft auf dem Niveau von Heftchenromanen

Wirkt es nicht inkompetent oder grenzdebil, wenn man allzu kurze Sätze und Wörter schreibt? Diesen Zweifel hören wir oft, aber er ist unberechtigt. Wir heben einmal eine mehrfach ausgezeichnete Autorin heraus, die vorbildlich verständlich schreibt – und zugleich spannend und abwechslungsreich.

„Heftchenroman“. Das ist eine Stufe in der Verständlichkeits-Prüfmaschine Textinspektor.de. Aber soll das wirklich ein erstrebenswertes Niveau sein, so zu klingen wie ein Heftchenroman?

Ja, zumindest dann, wenn es darum geht, leicht verständliche Texte zu schreiben. Gibt man etwa eine Reportage der freien Journalistin Anke Sparmann in den Textinspektor ein, dann wirft er als Bewertung meist „Roman“ oder wirklich „Heftchenroman“ aus. Die Journalistin schreibt nämlich lauter kurze Sätze mit lauter kurzen Wörtern. Zu einfach? Nö. Anke Sparmann schreibt ganz großartige Reportagen für GEO, Zeit oder PM und ist dafür schon mehrfach ausgezeichnet worden.

Aber machen Sie sich selbst ein Bild! Wir verlinken hier einmal zwei ihrer Reportagen – für alle, die sehen wollen, wie man Wissenschaftsthemen in einer völlig unwissenschaftlichen Sprache spannend aufbereiten kann:

Arche oder Freizeitpark? Ein Blick hinter die Kulissen der neuen Zoos
Viele moderne Zoos setzen auf eine Kreuzung aus Freizeitpark und Schutzstation. Besucher gehen auf Expedition in Attrappen von Dschungel oder Savanne, Wildtiere dienen als Statisten. GEO
Pestizide und das Ende unserer Insekten
In Gärten und auf Feldern vollzieht sich ein Massensterben: Die Bestäuber verenden, Bienen, Käfer und Schmetterlinge, auf die unsere Nahrungspflanzen angewiesen sind. Als Täter unter schwerem Verdacht: Pestizide namens Neonicotinoide. Warum wurden sie überhaupt zugelassen? Warum sind sie nicht längst verboten? Ein Bericht über die Mühen, Unheil zu verhindern. GEO

Was macht Bücher optimal lesbar? Zwei Forscher zeigen es auf einer Seite!

Das Buch „What makes a book readable“ von 1935 gilt als Meilenstein der Verständlichkeitsforschung. Noch heute werden William S. Gray und Bernice E. Leary von Wissenschaftlern zitiert. Wir haben mal reingeguckt und unseren Spaß gehabt …

So sieht die erste Text-Seite des Buches aus, das Vorwort nämlich:

Hier wird, nach heutigen Maßstäben, ja wohl eher gezeigt, was Bücher schlecht lesbar macht:

• keine richtige Überschrift
• viel zu wenige, dafür viel zu lange Absätze
• Schriftgröße zu gering
• schlecht lesbare Schriftart
• Zeilenabstand zu klein
• und vieles mehr …

Inhaltlich ist es übrigens absolut berechtigt, dass das Buch noch heute zitiert wird, vor allem wegen seines interessanten theoretischen Ansatzes: der Kategorisierung von Verständlichkeits-Kriterien. Für Gray und Leary kristallisierten sich in der Studie vier Faktoren heraus, die für die Lesbarkeit von Büchern entscheidend sind:

Der Faktor Inhalt erklärt sich von selbst, unter Stil verstehen die beiden vor allem Wortwahl, Satzbau und dergleichen, Organisation steht für solche Dinge wie Kapiteleinteilung, Überschriften, Zwischenüberschriften etc., während Format die Größe des Buches meint, Schriftgrößen, Druckqualität oder Papierbeschaffenheit.

Diese Kategorien sind aus heutiger Sicht immer noch plausibel. Es sind nach 80 Jahren der Forschung bloß einige weitere Faktoren hinzugekommen, nämlich Zielgruppenangemessenheit, Leseanreize, Verständlichkeitshilfen und die Prägnanz der Darstellung.

Außerdem liegt zwischen dem, was Gray und Leary Organisation und Format nennen, ein damals offenbar unterschätzter Faktor: die optische Logik. Und genau auf diesem Feld sehen das Buch und vor allem dessen erste Seite wirklich aus wie Ironie!