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Der eigene Name unter fremden Sätzen – in der Presse ganz normal!

Wenn Pressestellen gut arbeiten, übernehmen Redaktionen die Texte manchmal komplett. Oft schreibt auch ein Redakteur ein bisschen was dazu – und setzt seinen eigenen Namen drunter, ohne der Leserschaft die Quelle der Informationen zu nennen. Die wenigsten Journalisten wissen, dass das gegen den Pressekodex verstößt und auch teuer werden kann …

Von Stefan Brunn

Oft fehlt einfach die Zeit: Anstatt eine Sache selbst zu recherchieren, hievt die Redaktion eine gute Pressemitteilung ins Blatt. Hier zum Beispiel die „Niederrhein-Nachrichten“ den Zweispalter rechts oben:

Der Text kam, praktisch wortgleich, von der Pressestelle des Landkreises. Das ist ein absolut normaler Vorgang bei Wochenblättchen und inzwischen selbst bei Tageszeitungen. Ein Redakteur der lokalen Tageszeitung „Rheinische Post“ entlieh sich vom Text einige Sätze und Zitate und setzte seinen Namen als Autor darunter. Auch das ist keineswegs ungewöhnlich und auch nicht verboten.

Die wenigsten Journalistinnen und Journalisten wissen allerdings, dass sie damit gegen die Richtlinien des Deutschen Presserats verstoßen. Darin heißt es unter Ziffer 1.3.:

Pressemitteilungen müssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion veröffentlicht werden.

Bei dem Wochenblättchen wäre das also eindeutig ein Verstoß, denn es wird nirgendwo erwähnt, dass der komplette Text eine Pressemitteilung der Behörde ist. Aber selbst das Vermischen von selbstgeschriebenen Sätzen und Teilen der PM ist nicht legitim, wenn man nur den eigenen Namen nennt und die ursprüngliche Quelle verschweigt.

Um das klarzustellen, hat jüngst die Vereinigung der Medien-Ombudsleute (VDMO) einen „Leitfaden für den redaktionellen Umgang mit Pressemitteilungen“ herausgegeben. Darin sieht man auch, welche durchaus gravierenden Probleme für die Redaktion entstehen können, wenn Quellen verschwiegen werden. Werden nämlich Inhalte von Pressemitteilungen ungeprüft übernommen und erweisen sie sich nachträglich als falsch, können Journalist:innen dafür haftbar gemacht werden, heißt es in dem Leitfaden. Das Stichwort dazu lautet „Verbreiterhaftung“: Wer verbreitet, der haftet.

Urheberrechtlich sind Zitate aus Pressemitteilungen natürlich erlaubt, so der Leitfaden, allerdings nur dann, wenn die Quelle angegeben wird. Anderenfalls muss man darauf hoffen, dass die ursprünglichen Verfasser ihr Recht nicht einklagen – immerhin dürfte diese Hoffnung in den allermeisten Fällen berechtigt sein.

Die Spruchpraxis des Deutschen Presserats ist jedenfalls eindeutig: Es muss immer klar werden, woher die Informationen stammen – und zwar bei jeder einzelnen Information im Text. So lästig das auch ist.

Laptop oder Notebook: Welches Wort wird häufiger benutzt?

Wann kam welches Wort im Deutschen auf? Wie schreiben die meisten Leute dieses oder jenes Wort meistens? Um so etwas herausfinden, nimmt man am besten ein recht unbekanntes Google-Tool: den Ngram-Viewer. Wir zeigen kurz und klar, wie man ihn bedient.

Von Hannah Molderings

Der Ngram-Viewer ist mit der riesigen Bücherdatenbank „Google Books“ verknüpft. Ausgangspunkt für die Auswertung ist also die Verwendung der einzelnen Wörter in gedruckten Büchern der letzten 200 Jahre. Anhand dieser Statistiken kann man gut ableiten, wie sich die Sprache in den letzten Jahren entwickelt hat.

Das Ganze funktioniert so: Zunächst gibt man einen oder mehrere Suchbegriffe ein. Möchte man mehrere Begriffe miteinander vergleichen, trennt man diese mit Kommas voneinander ab. Zusätzlich kann man den durchsuchten Zeitraum sowie die Sprache bestimmen. Anschließend spuckt die Maschine einen Zeitstrahl aus, auf dem man genau sehen kann, zu welcher Zeit welche Wörter am häufigsten verwendet wurden. Wie oft ein Wort verwendet worden ist, lässt sich anhand der Diagramme leider nicht herausfinden, Google gibt die Ergebnisse lediglich in Prozent an.

Wir haben das Ganze mal an einem Beispiel durchgespielt: Laptop oder Notebook, wann kam welches Wort auf und wie häufig werden die beiden Begriffe im Schnitt genutzt? Heraus kam dieser Graph:

Es fällt auf: Der Begriff Notebook kam zuerst auf und nahm in den 1980ern Jahren langsam an Häufigkeit zu. Der Laptop hingegen stieg erst etwas später richtig an, ist aber mittlerweile weit vor dem Begriff des Notebooks.

Unter https://books.google.com/ngrams können Sie den Ngram-Viewer selbst einmal ausprobieren.

Ist Präteritum gleich Imperfekt?

„Sie schrieb mir gestern.“ In welcher Zeitform steht dieser Satz? Die einen nennen sie Imperfekt, die anderen Präteritum. Aber sind diese beiden Formen identisch und warum existieren dafür zwei Begriffe? Eine kurze Erklärung zu einer Zeitform, die in der gesprochenen Sprache beinahe ausgestorben ist.

Von Andrea Rayers

Wenn Sie gefragt werden: Welche Zeitform ist „ging“? Dann reicht es völlig aus, wenn Sie antworten: Imperfekt oder Präteritum. Im Alltag können Sie diese beiden Begriffe getrost synonym verwenden, wie es auch etliche Nachschlagewerke tun – Hauptsache, Sie grenzen sie von der zweiten Vergangenheitsform, dem Perfekt, ab. Fragen Sie hingegen einen Linguisten, wird der Ihnen in aller Regel antworten: „Wir sagen lieber Präteritum.“ Warum?

Imperfekt
Der Begriff Imperfekt stammt aus den romanischen Sprachen und bedeutet „unvollendete Vergangenheit“. Im Französischen zum Beispiel passt der Name „Imparfait“ gut: Damit werden sich wiederholende und andauernde Handlungen beschrieben, die noch nicht abgeschlossen sind und bis in die Gegenwart reichen. Im Deutschen ist das anders: „Ich ging über die Straße“ heißt nun mal, dass das Ereignis schon abgeschlossen ist und keineswegs „unvollendet“.

Präteritum
Das Präteritum entstammt dem Lateinischen und bedeutet schlicht „vergangen“. Und das drückt eben viel besser aus, was das Präteritum soll: eine Handlung skizzieren, die nicht unvollendet ist und bis in die Gegenwart reicht, sondern abgeschlossen hinter uns liegt.

Ob Präteritum oder Imperfekt: In der gesprochenen Sprache wird diese Vergangenheitsform heute ohnehin kaum noch gebraucht – höchstens bei Modal- und Hilfsverben wie „war“, „musste“, „hatte“ oder „sollte“. Nicht umsonst lernen Kinder den Unterschied so: Das Präteritum ist die schriftliche Vergangenheitsform, das Perfekt die mündliche.

Mit verwechselten Fremdwörtern steht man dumm da!

Bei Tippfelhern ist jedem klar: Wer sie geschrieben hat, kennt die richtige Schreibweise trotzdem. Das ist bei fehlerhaft geschriebenen Fremdwörtern anders. Vor allem dann, wenn ein oder zwei Buchstaben einen ganz anderen Sinn ergeben …

Von Stefan Brunn

Natürlich weiß Gabor Steingart, in dessen Newsletter dieser Klops erschien, was ein Ressort ist. Er war ja selbst mal Ressortleiter beim Spiegel. Und selbst der Spiegel hat kein eigenes Ressort fürs Skifahren.

Bei den meisten anderen Leuten würde man aber schon daran zweifeln, dass sie diese Wörter auseinanderhalten können. Oft lächeln wir ja still in uns hinein, wenn jemand Rezension und Rezession, Präsens und Präsenz, Referenz und Reverenz verwechselt. Bastian Sick hat sich in seiner Spiegel-Kolumne Zwiebelfisch einmal köstlich darüber amüsiert, dass seine Nachbarin Frau Jackmann und seine Freundin Sibylle solche Fremdwörter wie „Dispositionsfarbe“ konstruieren und „integrieren“ mit „intrigieren“ verwechseln. Da schwingt immer auch Schadenfreude mit: Geschieht ihnen ganz recht, wenn sie unbedingt Fremdwörter benutzen wollen, aber dafür zu ungebildet sind! Das sind halt echte Koniferen, kicher!

Klar ist aber auch, dass es immer Leute gibt, die schlauer sind als man selbst. Und im Eifer des Gefechts verwechselt man dann selbst ja auch schon mal „empathisch“ mit „emphatisch“.

Wer sich aufbläst, dem kann man auch die Luft rauslassen, indem man mit der Nadel hineinsticht: Dieses Bild hat uns der große Stilist Kurt Tucholsky hinterlassen. Den zitiert übrigens auch Gabor Steingart sehr gern.

Gut ausgebildete Lügner

Was denken Sie über jemanden, der sich selbst als „Storyteller“ bezeichnet? Viele Journalist:innen glauben, dass sie mit diesem Etikett besonders realitätsnah wirken. Eine neue Studie zeigt, wie es wirklich ist …

Von Hannah Molderings

Journalist:innen, die sich in ihren Profilen als „Storyteller“ beschreiben, werden als unglaubwürdig oder sogar voreingenommen eingeschätzt. Vermutlich also genau das Gegenteil von dem, was sie sich erhoffen. Eigentlich wollen sie mit diesem Begriff deutlich machen, wie nah an der Realität sie ihre Themen aufbereiten, glaubt Brian Calfano, einer der drei Autoren der US-amerikanischen Befragung über 2.000 Erwachsener.

Und so lief die Befragung genau ab: Die Proband:innen wurden in zwei Gruppen geteilt. Beiden Gruppen wurde der identische Zeitungsartikel gezeigt. Die Proband:innen aus der einen Gruppe erhielten aber eine zusätzliche Info über den Autor des Artikels: die Profilbeschreibung aus seinem LinkedIn-Profil. Dort bezeichnete er sich selbst als „Storyteller“. Die Ergebnisse waren eindeutig: Diese Gruppe bewertete den Artikel signifikant häufiger als unglaubwürdig, sensationsgierig oder schlecht recherchiert.

Bei der offenen Frage „Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie den Begriff ‚Storyteller‘ in der Biografie eines Journalisten sehen?“ wurde es dann fast schon persönlich: „Klingt für mich wie ein gut ausgebildeter Lügner“ oder „Ich habe das Gefühl, dass seine Geschichten erfunden sind“. Insgesamt enthielten von den 1.733 Antworten zwei Drittel solche negativen Beurteilungen. In nur 13 Prozent positiven Antworten hieß es dagegen, diese Journalist:innen „können eine Geschichte gut beschreiben“ oder „erzählt so gut, dass es einen hineinzieht“.

Das Niemanlab der Universität Harvard hat ausführlich über die Studie berichtet.

Die komplette Studie zum Nachlesen:
Bad Impressions: How Journalists as “Storytellers” Diminish Public Confidence in Media, Brian Calfano, Jeffrey Layne Blevins, Alexis Straka

Wann kommt zwischen Adjektive ein Komma?

Was gefällt Ihnen besser: das historische, prunkvolle Schloss oder die bekannte italienische Brücke? Als Weltenbummler:in haben Sie die Wahl, als Redakteur:in nicht: Ob ein Komma zwischen die Adjektive kommt, dafür gibt es klare Regeln. Wir verraten Ihnen eine Faustformel, mit der Sie sich den Unterschied leicht merken können.

Von Andrea Rayers

Ob zwei Adjektive durch ein Komma voneinander getrennt werden, richtet sich nach der Frage: Sind diese Adjektive gleichrangig oder nicht?

Mit Komma
Ein Komma brauchen wir bei gleichrangigen Adjektiven. Gleichrangig bedeutet, dass sich alle Adjektive in gleichem Maß auf das Substantiv beziehen, wie in einer Aufzählung. In diesem Fall darf das Komma nicht fehlen: ein historisches, prunkvolles, verwunschenes, … Schloss.

Ohne Komma
Kein Komma hingegen braucht man in folgendem Fall: wenn eine feste Verbindung aus Substantiv und Adjektiv vorliegt („italienische Brücke“), die durch ein weiteres Adjektiv näher bestimmt wird („bekannt“).

Als Faustregel können Sie den folgenden Test machen: Versuchen Sie, das Wörtchen „und“ zwischen die beiden Adjektive zu setzen. Klingt das noch sinnvoll? Dann sind die Adjektive gleichrangig und brauchen unbedingt ein Komma.

Nein, kryptische Texte machen nicht neugierig!

Wenn schlechte Autoren sich für unverständliche Passagen rechtfertigen wollen, greifen sie seit Menschengedenken zu folgender Ausrede: „Aber das macht doch neugierig!“ Das war und ist aber Unsinn. Wir liefern ein eindrucksvolles Beispiel und eine geniale Studie dazu …

Von Stefan Brunn

Wir verraten nicht, wer es ist. Aber der Autor des folgenden Reportage-Beginns ist ein preisgekrönter Journalist, der regelmäßig Lesungen seiner Texte veranstaltet:

„Eine Geschichte ist kein Abstraktum. Das wäre wie ein Film ohne Darsteller. Die Gefahr: Manchmal identifiziert man den Inhalt mit den Darstellern: Eine irgendwie untrennbare Verquickung entsteht.“

Sicherheitshalber haben wir mal herumgefragt, aber niemand versteht, was das heißen soll. Man nennt so einen Stil „kryptisch“, abgeleitet vom griechischen Wort „kryptikós“, was so viel wie „verborgen“, „rätselhaft“ oder eben „unverständlich“ heißt.

Die Annahme, dass wir so etwas gerne lesen oder es uns neugierig macht oder dass wir die Verfasser:in für intelligent halten, ist aber nachweislich falsch.

Eine Forschungsarbeit des amerikanischen Psychologie-Professors Daniel M. Oppenheimer (unter anderem tätig in Princeton und Stanford) zeigt eindeutig, dass man bei gleichem Informationsgehalt einfachere Texte lieber liest und deren Verfasser:innen auch für intelligenter hält.

Um es noch einmal zu betonen: Die Hoffnung, wegen unverständlicher Äußerungen für schlau gehalten zu werden, ist wissenschaftlich widerlegt. Oppenheimer, übrigens ein wirklich genialer Forscher, hat für seine Studie immerhin den alternativen Nobelpreis erhalten.

What? So what? What now?

Wenn amerikanische Manager:innen sich von ihrem Stab für Entscheidungen informieren lassen, geschieht das oft nach dem gleichen Schema. Dahinter steht ein einfaches, aber sehr intelligentes Reflexions-Modell. Wir erklären, woher es stammt und wie es funktioniert.

Von Andrea Rayers

What? So what? What now?“ – wer sich beim Schreiben diese drei Fragen stellt, schafft dadurch saubere Prüfroutinen für Texte aller Art. Die Fragen gehören zu einem Reflexions-Modell, das der amerikanische Lehrer Terry Borton 1970 aufgestellt hat. Man reflektiert damit auf den drei wichtigsten Ebenen:

  • Um was geht es eigentlich? Beschreibung
  • Was geht uns das an? Interpretation, Analyse, Bewertung, Handlungsoptionen
  • Was ist jetzt zu tun? Entscheidung und Vorschlag

Wir stellen Ihnen die einzelnen Dimensionen einmal anhand eines ganz fiktiven Beispiels vor:

What?
Die Wissensdimension. Zunächst einmal muss geklärt werden: Worum geht es überhaupt? Zum Beispiel, wenn wir unser Firmengebäude gegen Überflutung schützen müssen. Welche Probleme kämen dann auf uns zu, wie ist unsere derzeitige Ausgangslage?

So what?
Die Interpretationsdimension. Nun ist es Zeit zu bewerten: Was bedeutet diese Ausgangslage oder dieses Problem für mich? Wie hoch ist zum Beispiel die Chance, dass der Standort überflutet wird, was würde das finanziell und organisatorisch bedeuten? Welche weiteren Konsequenzen ergäben sich daraus? Und natürlich: Welche Optionen stehen uns zur Verfügung, wie teuer sind sie, wie effizient werden sie funktionieren?

What now?
Die Handlungsdimension. Abschließend lautet die Frage: Welche Empfehlung ergibt sich daraus, was sollten wir jetzt tun? Bauen wir einen Wall, ziehen wir um, schließen wir eine Versicherung ab?

„What? So What? What now?“ hilft zum Beispiel bei der Gliederung von Entscheidungsvorlagen oder Positionspapieren. Aber diese Reflexionsdimensionen helfen auch bei allen anderen Texten, in denen Entscheidungen getroffen, vorbereitet oder auch nur dargestellt werden sollen.

Was ist ein Gedanke und wann werden daraus zwei?

Pro Satz nur ein Gedanke! Diese Grundregel des Satzbaus gilt auch für unsere Gesetze. Darauf hat sich Deutschland offiziell festgelegt. Aber was ist eigentlich ein Gedanke, woran erkennt man einen zweiten im Satz? Wir haben dazu eine übersichtliche Liste erstellt.

Von Andrea Rayers

Die Bundesregierung lässt sämtliche Gesetze und Verordnungen auf verständliche Sprache hin prüfen und verbessern. Das erledigt ein Team aus Sprachwissenschaftlern namens „Redaktionsstab Rechtssprache“, angesiedelt beim Justizministerium. Für deren Textprüfung gibt es klare Regeln: Beispielsweise darf nur ein Gedanke pro Satz geäußert werden. Vorbild ist die Schweiz, die bereits seit 40 Jahren eine intensive Gesetzesredaktion macht.

Nun wollen Linguisten natürlich gern genau wissen, was das denn heißt: ein Gedanke pro Satz. Der Leiter des deutschen Sprachdienstes der Schweizerischen Bundeskanzlei, Stefan Höfler von der Universität Zürich, hat sieben Indikatoren identifiziert, die einen Gedanken kennzeichnen. Anders ausgedrückt: An welchen Kennzeichen erkennen Linguisten, dass es sich wohl um zwei Gedanken handelt?

1. Satz
Ein Punkt oder ein Strichpunkt („Semikolon“) kennzeichnet nicht nur das Ende eines Satzes, sondern auch das eines Gedankens. Hier stimmt: ein Gedanke, ein Satz.
Beispiel: Die Amtsdauer der Rektorin beträgt vier Jahre. Die Amtsdauer der Prorektoren beträgt zwei Jahre.

2. Satzreihe
Sind zwei aufeinanderfolgende Hauptsätze lediglich durch ein Komma, einen Gedankenstrich oder eine Konjunktion (zum Beispiel und, oder) abgetrennt, zählen wir sie als separate Gedanken. Hier spricht man von einer sogenannten Satzreihe: mehrere Gedanken in einem Satz.
Beispiel: Die Amtsdauer der Rektorin beträgt vier Jahre, die Amtsdauer der Prorektoren beträgt zwei Jahre.

3. Zusammengezogene Sätze
Manchmal müssen wir unterscheiden: Ist das eine Aufzählung zu ein und demselben Thema? Oder sind hier zwei Sätze zusammengezogen worden, die jeweils eine eigene Aussage und deshalb einen eigenen Satz verdient haben?
Beispiel: Das Grundstudium dient der Vermittlung der Grundlagen und bildet die Voraussetzung für das Hauptstudium.
Diese Sätze haben zwar das geiche Subjekt („Grundstudium“), aber sie machen Aussagen zu unterschiedlichen Themen. Zwei Gedanken in einem Satz!

4. Schaltsatz bzw. Parenthese
Alsbald wir einen Satz in einen anderen einschieben, haben wir zwei eigenständige Aussagen. Dieser Einschub heißt Schaltsatz oder Parenthese. Er wird meist von Gedankenstrichen, Kommata oder Klammern umgeben.
Beispiel: Laut Unfallstatistik des Bundesamtes – sie ist vor wenigen Tagen erschienen – sind Unfälle im letzten Jahr weiter zurückgegangen.

5. Weiterführende Nebensätze
Wird ein Nebensatz zum Beispiel mit was, wobei, womit, wohingegen, weshalb oder wodurch eingeleitet, kann man davon ausgehen: Hier folgt ein zweiter Gedanke. Man spricht dabei von sogenannten weiterführenden Nebensätzen, die man ohne Probeme als eigenständigen Satz formulieren kann:
Beispiel: Die berufliche Vorsorge wird durch die Beiträge der Versicherten finanziert, wobei die Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Beiträge bezahlen.

6. Attribute
Sobald ein Substantiv durch ein Attribut näher beschrieben wird, müssen wir aufpassen: Oft ist das Attribut (etwa in Form eines Adjektivs oder Relativsatzes) ein eigener Gedanke – aber eben nicht immer.
Ein eigener Gedanke ist das Attribut, wenn es Informationen trägt, die nicht zwingend zur Hauptsaussage gehören und die sich in einen separaten Satz auslagern lassen:
Beispiel: Die Universitätsleitung setzt eine Berufungskommission ein, der mindestens zwei externe Expeten angehören.
Anders sieht es aus, wenn das Attribut inhaltlich unbedingt zur Hauptaussage gehört – dann ist es kein eigener Gedanke. In dem Fall wäre der Hauptgedanke ohne das Attribut unvollständig.
Beispiel: In das Berufungsverfahren können auch Personen einbezogen werden, die sich nicht beworben haben.

7. Präsupposition
Ein zweiter Gedanke kann in einem Satz mitschwingen, ohne dass er explizit ausformuliert wird – er wird einfach als gegeben vorausgesetzt. In dem Fall spricht man von einer Präsupposition.
Beispiel: Die Mitarbeiterin prüft, ob die Forschungsstätte nicht kommerziell ausgerichtet und ob sie beitragsberechtigt ist, nach folgenden Kriterien: …
In diesem Beispiel wird nicht gesagt, sondern lediglich impliziert, dass nur Forschungsstätten beitragsberechtigt sind, die nicht kommerziell ausgerichtet sind.

Slappen entwickelt sich zur Landplage

Im Koalitionsvertrag taucht erstmals das Wort SLAPP auf – dieses Akronym steht für eine wirklich hässliche juristische Strategie. Wir verraten in aller Kürze, um was es dabei geht und nennen drei Beispiele von Opfern.

Von Stefan Brunn

Auf Seite 124 des Koalitionsvertrags hat sich die deutsche Ampel-Regierung festgelegt:

„Wir werden europaweit Maßnahmen gegen Einschränkungen der Freiheitsrechte wie z. B. durch missbräuchliche Klagen (Strategic Lawsuits against Public Participation, SLAPP) unterstützen.“

Aber was heißt das, worum geht’s eigentlich?

Man könnte SLAPP ganz gut mit „Einschüchterungsklage“ übersetzen. Aber weil es inzwischen so viele davon gibt, hat sich hier schon eine internationale Fachbezeichnung etabliert. Es geht um oft völlig aussichtslose Klagen, die aber einen hohen Streitwert haben und deshalb das Potenzial, kleine Akteure einzuschüchtern.

Diese kleinen Akteure sind meist Journalist:innen oder Aktivist:innen, denen bei fünf-, sechs- oder siebenstelligen Beträgen, mit denen sie bedroht werden, mulmig wird. Manchmal gelingt es mithilfe dieser Klagen, die Kritiker mundtot zu machen. Manchmal auch nicht. Meist jedenfalls sind die Summen völlig unverhältnismäßig und die Absicht dahinter leicht ersichtlich.

Natürlich muss es jederzeit möglich sein, legitime Ansprüche gegen Kritiker durchzusetzen. Und es ist sicherlich nicht einfach, berechtigte von unberechtigten Ansprüchen zu unterscheiden. Der Punkt ist aber: Der Charme dieser Klagen liegt darin, dass sie schon wirken, ohne dass etwas bewiesen werden muss – der Kläger also kaum ein Risiko hat, der Beklagte aber ein zum Teil existenzgefährdendes. Und deshalb ist es sehr sinnvoll, dass die Bundesregierung dieser Asymmetrie einen Riegel vorschiebt.

Damit man das Problem besser versteht, folgen hier drei Fälle von Betroffenen, über die sich SLAPP-Gegner empören:

Der Umweltaktivist
Nach einer Plakataktion gegen den Pestizideinsatz in den Apfelplantagen Südtirols war der Umweltaktivist Karl Bär vom Umweltinstitut München von Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe bedroht. Er war von mehr als 1.370 Landwirten wegen übler Nachrede und Markenfälschung angezeigt worden.

Bericht des Bayerischen Rundfunks

Der Karikaturist
Der Zeichner Renato Aroeira hatte es gewagt, den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro mit Farbtopf und Pinsel in der Hand zu zeigen – nachdem dieser das Rote Kreuz in ein Hakenkreuz verwandelt hatte. Das Justizministerium leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Zeichner wegen Verleumdung des Präsidenten ein. Für Aroeira hätte dies eine mehrjährige Haftstrafe bedeuten können.

Bericht im Tagesspiegel

 Die Investigativjournalistin
Das bekannteste SLAPP-Opfer lebt nicht mehr: Als die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia 2017 durch eine Autobombe ermordet wurde, waren ihre Bankkonten eingefroren und eine Schadensersatzforderung wegen Rufschädigung über 40 Millionen Dollar stand im Raum.  Zum Zeitpunkt ihrer Ermordung war sie mit 47 verschiedenen zivil- und strafrechtlichen Verleumdungsklagen konfrontiert, die in verschiedenen Gerichtsbarkeiten weltweit eingereicht wurden.

Bericht im Deutschlandfunk