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Der Deppenbindestrich, das unbekannte Wesen …

Das Deppenleerzeichen („Totes Meer Salz“) kennt man, den Deppenapostroph („aktuelle Info’s“) sieht man jeden Tag – aber den Deppenbindestrich findet man in freier Wildbahn nur selten. Wir haben in dem kleinen Örtchen Rheurdt im westlichsten Winkel Deutschlands mal wieder einen entdeckt!

„Döner-Pizza-Salate“. So unscheinbar dieses Rezept daherkommt, so ungewöhnlich ist es, auf einer Leuchtreklame eines Restaurants nur ein einziges Rezept zu bewerben.

Aber Scherz beiseite: Natürlich sind hier nicht Salate gemeint, die aus Döner- und Pizzateilen bestehen. Allein die Vorstellung vergällt einem ja schon die nächste Mahlzeit. Der Besitzer wollte ja wohl eher ausdrücken, was es alles bei ihm gibt, nämlich: Döner, Pizza, Salate und womöglich vieles mehr. Kommata wären bei einer Aufzählung also der richtige Griff gewesen.

Aber hätten die Kommata auf der Leuchtreklame gut ausgesehen? Eher nicht! Vermutlich also aus ästhetischen Gründen hat sich der Inhaber dagegen entschieden. Nebenbemerkung: Der Rest des Schildes und des Ladens deuteten allerdings nicht darauf hin, dass hier sonst allzu große ästhetische Maßstäbe angesetzt werden.

Übrigens wäre es auch möglich gewesen, statt des Bindestrichs einen Gedankenstrich zu setzen, umgeben jeweils von einem Leerzeichen: Döner – Pizza – Salate. Das wäre auch ästhetisch ein denkbarer Kompromiss gewesen.

Am Ende sind es also nur die Strichlänge und ein paar Leerzeichen, die den Unterschied ausmachen … der Begriff „Depp“ ist hier also schon ziemlich hart, zugegeben!

Fettgedrucktes glaubt man eher!

Psychologen erforschen ja manchmal wunderbare Fragen. Zum Beispiel die, welchen Aussagen man mehr und welchen man weniger glaubt. Und ob Sie es glauben oder nicht: Unser Vertrauen in Aussagen hängt von den kuriosesten Faktoren ab!

Durch den Nobelpreisträger Daniel Kahneman („Schnelles Denken, langsames Denken“) haben die Sphären Psychologie und Typografie eine spannende Schnittmenge bekommen, die vorher kaum existierte. In jedem Fall aber sind einige Beispiele und Experimente aus dieser Schnittmenge zuletzt richtig berühmt geworden. Bestimmt kennen Sie den Versuch mit den zwei Sätzen über Adolf Hitler? Falls nicht, hier ist es: Welcher Satz ist wahr?

Adolf Hitler wurde 1892 geboren.
Adolf Hitler wurde 1887 geboren.

Beide sind falsch, Hitler wurde 1889 geboren. Statistisch dürfte aber eine Mehrheit von Ihnen auf 1892 getippt haben. Warum? Weil die Aussage fett gedruckt ist!

Kahneman stellte in seinem Bestseller gleich eine ganze Reihe solcher Experimente vor. Allen gemeinsam ist eine Erkenntnis: Wenn Sie es den Leuten leichtmachen, Ihre Texte zu lesen (oder zu hören), dann werden Sie Ihnen eher glauben. „Kognitive Leichtigkeit“ nennt Kahneman das. Fettsatz erhöhe demnach die Glaubwürdigkeit. Auch wirkten bestimmte Farben vertrauenerweckender als andere. Hellem Blau und Rot etwa werde eher vertraut als blassem Blau, Gelb oder Grün.

In die Schnittmenge Typo-Psychologie fallen im letzten Jahrzehnt einige weitere spannende Forschungsergebnisse. Einen alternativen Nobelpreis etwa heimste Daniel Oppenheimer für seinen Aufsatz „Consequences of Erudite Vernacular Utilized Irrespective of Necessity: Problems with Using Long Words Needlessly” (Link=PDF) ein. Der Titel zeigt selbst schon Humor, denn er ist zweigeteilt: vorne unnötig komplizierte Sprache, hinten leicht verständliche Sprache.

Die inhaltliche Quintessenz des Aufsatzes kann man so ausdrücken: Viele glauben ja, man schätze einen Autor intelligenter ein, wenn er sich kompliziert ausdrücke. Oppenheimer stellte aber das genaue Gegenteil fest: Man stuft jemandes Intelligenz niedriger ein, wenn er sich geschwollen ausdrückt, obwohl er eigentlich einfachen Inhalt vorträgt.

Um seine Befunde empirisch abzusichern, experimentierte Oppenheimer auch mit solch banalen Faktoren wie schwachem Druckbild (Toner fehlt) oder schlecht lesbaren Schriftarten. Dabei konnte er die Thesen Kahnemans zur Kognitiven Leichtigkeit bestätigen: Machen Sie den Leuten das Lesen leicht und sie werden Ihnen mehr vertrauen!

Und was ist dann wohl die Schriftart, die am meisten Vertrauen erweckt? Das wollte die New York Times herausfinden und startete online ein Experiment dazu. 45.000 Probanden klickten auf eine Seite, auf der die These vertreten wurde, Asteroiden stellten für uns Menschen keine Gefahr dar. Veranstalter Errol Morris setzte den Text in ganz verschiedene Schriftarten: Comic Sans, Helvetica (ähnlich Arial), Georgia, Trebuchet, Baskerville und die Proportionalschrift Computer Modern.

Ergebnis: Die Comic Sans hatte die niedrigste Zustimmungsrate und eine der höchsten Raten beim Misstrauen. Klarer Sieger wurde dagegen die Schrift Baskerville – zur Überraschung des Veranstalters. Aber weder Morris noch ein eigens dazu befragter Psychologie-Professor konnten sich einen Reim darauf machen.

Dass allerdings Schriftarten Images mittransportieren, wissen wir in Deutschland seit Martin Liebigs tollen „Untersuchungen zur Lesbarkeit von Schrift im World Wide Web“. In seiner Dissertation hatte der heutige Journalismus-Professor wichtige Erkenntnisse über das Lesen im Internet erzielt. Mit der Wahl einer Schrift, fand Liebig heraus, lassen sich kaum Tempogewinne beim Lesen erzielen – genau das hatte mancher Professor früher gern behauptet. Aber Liebig stellte in einem Nebenergebnis der Studie etwas noch Spannenderes fest: Leserinnen und Leser erwarten bei Antiqua-Schriften (die mit den Serifen/Füßchen) eher belletristische Inhalte, während sie bei Grotesk-Schriften (Arial, Calibri etc.) eher Sachtexte vermuten …

Zu seiner Studie hat Martin Liebig übrigens eine sehr lesenswerte Zusammenfassung geschrieben (Link=PDF).

Tracing statt Tracking: Was heißt das?

Die App, die bald gegen das Corona-Virus helfen soll, soll uns nicht tracken. Dafür setzt sie auf sogenanntes „Contact-Tracing“. Ein Buchstabe weniger und der Datenschutz ist gerettet! ☺ Wir erklären kurz und schmerzlos, was die beiden Wörter und die Folgen bedeuten.

Ans „Tracking“ (deutsch: Verfolgung) haben wir uns in manchen Bereichen gewöhnt. Es hat ja seine Vorteile, wenn man die Bewegungen von etwas oder jemanden digital nachvollziehen kann. Zum Beispiel kann man damit seinen Schlüsselbund wiederfinden oder sein geklautes Fahrrad. Manche Leute tracken auch ihre Kinder, damit die nicht vom rechten Schulweg abkommen. Und wir Redakteure haben über die Jahre das Tracking richtig liebgewonnen, weil wir so viel besser wissen, was und wie die Leute lesen.

Inzwischen haben aber selbst wir Redakteure das Tracking auch hassen gelernt: Alle möglichen Online-Shops schicken uns kundenspezifische Angebote, weil wir irgendwann mal nach etwas Ähnlichem gesucht haben …

Die weitverbreitete Abneigung gegen das Tracking war es auch, die dieses Mittel im Kampf gegen Corona verhindert hat. Nach diversen Protesten lässt das Gesundheitsministerium jetzt eben keine Tracking-, sondern nur eine Tracing-App entwickeln.

Tracing kommt von „trace“, also „Spur“, die man allerdings auch nachverfolgen will. Wo also ist jetzt der Unterschied, mal abgesehen von der Wortbedeutung?

Die Tracing-App wird vor allem keine Bewegungsdaten nachvollziehen. Stattdessen erfasst sie über Bluetooth, wie nah sich zwei Geräte kommen. Kommen sich zwei oder mehr Smartphones für längere Zeit nahe (vermutete Ansteckungsgefahr), dann registriert die App das. Stellt sich jemand als infiziert heraus und meldet das seiner App, werden alle benachrichtigt, die ihm kürzlich nahe waren. Wo genau diese Begegnung stattgefunden hat, ist nicht nachvollziehbar. Auch, wer genau die infizierte Person war, wird nicht kommuniziert. Und entgegen den ersten Tracking-Planungen der Bundesregierung sollen die Daten überhaupt nicht Dritten zugänglich gemacht werden. Es handele sich um ein komplett dezentrales System, heißt es. Außerdem werde niemand gezwungen, die App zu installieren.

Bei Corona nehmen wir kein Blatt mehr vor den Mund!

Anlässlich der Corona-Lockerungswelle können auch viele Redewendungen wieder benutzt werden, die in der Krise unpassend waren. Wir klären auf, welche Idiome wieder erlaubt sind und welche nicht!

1. Fass Dir da mal lieber an die eigene Nase!
Erlaubt: Eigenkörperkontakt ist jetzt wieder möglich, wenn man sich gründlich die Hände wäscht.

2. Da müssen wir Hand in Hand arbeiten!
Erlaubt, aber nur mit einer Armlänge Abstand.

3. Dem werde ich aber was husten!
Erlaubt, aber natürlich nur mit Atemschutzmaske.

4. Das musst Du ihr ja nicht gleich unter die Nase reiben!
Nicht erlaubt. Besser auf die nächste Lockerungswelle warten.

5. Er hat seine Maske fallenlassen …
Erlaubt. Zwar sollten auch Schauspieler*innen etwas mehr Abstand zu den Kolleg*innen halten, aber sie müssen nicht mit Mundschutz spielen.

6. Und wenn die sich wieder in die Haare kriegen?
Erlaubt. Sowohl Friseursalons als auch der Deutsche Bundestag haben die Arbeit komplett wieder aufgenommen.

7. Das werden wir mit offenem Visier auskämpfen!
Teilweise erlaubt, nämlich in den kontaktlosen Sportarten.

8. Du willst denen das doch nicht einfach in den Rachen werfen?
Teilweise erlaubt. Tatsächlich bisher nur in der Auto- und Luftfahrtindustrie.

9. Mit dem muss man mal richtig auf Tuchfühlung gehen!
In NRW erlaubt, in anderen Bundesländern nicht! Grund ist die Systemrelevanz von Möbelhäusern in Nordrhein-Westfalen.

10. Das ist immer noch besser als in die hohle Hand geschissen!
Nicht erlaubt! Bitte verzichten Sie in den nächsten Monaten auf alles, was weitere Ansteckungen hervorrufen könnte.

Wer ist eigentlich dieser Herr Koch-Institut?

Bei Eigennamen richtet man sich nicht nach Rechtschreib-Regeln! Das wissen die meisten Journalisten und übernehmen zum Beispiel das R K-I-Deppenleerzeichen in ihre Berichte. Manchmal geht’s aber auch ganz schön durcheinander …

Wortzusammensetzungen schreibt man im Deutschen entweder zusammen oder mit Bindestrich: Garagentor oder Garagen-Tor. Das ist semantisch wichtig, denn es gibt einen Zusammenhang: Die Wörter hängen logisch zusammen, indem das hintere Grundwort vom vorderen Bestimmungswort näher bestimmt wird.

Viele Unkundige machen das falsch, was oft Anlass zu Spott bietet: „24 Monate ohne Grund Gebühr“ oder „Trink Wasser für Hunde“ sind beliebte Beispiele, um gegen das sogenannte Deppenleerzeichen anzukämpfen. Weitere Beispiele unter www.deppenleerzeichen.info.

Sogar Ämter halten sich nicht immer an die amtlichen Rechtschreibvorgaben, meist wohl aus Unwissenheit:
Schild aus Wuppertal, das von Halle über 400 Kilometer entfernt ist … Gemeint ist: Uni-Halle.

Aber was ist mit den Journalisten großer Nachrichtenanstalten, bei denen Rechtschreibung zum Beruf gehört? Selbst die Tagesschau schreibt kontinuierlich Robert Koch-Institut, obwohl es sich ja nicht um ein Koch-Institut mit dem Vornamen Robert handelt!

Nun, die Tagesschau fügt sich den amtlichen Regeln. Diese Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung lauten so:

„Die Schreibung mit Bindestrich bei Eigennamen entspricht nicht immer den folgenden Regeln, so dass nur allgemeine Hinweise gegeben werden können. Zusammensetzungen aus Eigennamen und Substantiv zur Benennung von Schulen, Universitäten, Betrieben, Firmen und ähnlichen Institutionen werden so geschrieben, wie sie amtlich festgelegt sind.“

Amtlich festgelegt wiederum sind beim Robert-Koch-Institut zwei Schreibweisen, einmal eben „Robert Koch-Institut“ als Wortmarke und sogar „Robert Koch Institut“ als Bildmarke. Insofern handelt die Tagesschau amtlich korrekt und auch konsequent. Sie schreibt ja zum Beispiel auch „Mercedes-Benz Museum“. Das machen auch Spiegel und Zeit so.

Ganz konsequent sind die deutschen Redaktionen aber auch wieder nicht, wie dieses Zusammenspiel von Süddeutscher Zeitung und Deutscher Presse-Agentur zeigt:


Oben pfui, unten hui: Es kennen eben auch nicht alle Journalisten die Eigennamen-Ausnahme von der Regel. Andere halten sich einfach nicht dran, vielleicht weil das Leerzeichen sie stört. Das hat durchaus Tradition. Schon das große Journalisten-Vorbild Kurt Tucholsky (1890–1935) hatte sich über das Deppenleerzeichen lustig gemacht: „Welch ein Bock Mist.“

Verlogener schreiben mit der Sparkasse

Die Sparkasse schließt Filialen, vor allem auf dem Dorf. Das drückt sie in Briefen an ihre Kunden aber so aus, als würde sie etwas ganz Großartiges tun. Man nennt das „Framing“. Früher hatte man dafür einen anderen Begriff.

Was lernen wir vom Autor dieser Zeilen?

1. Es ist nicht immer klug, mit der Tür ins Haus zu fallen. Hier zum Beispiel wird es bewusst vermieden. Folgende Überschrift würde ja wirklich nicht gut klingen: „Wir gehen mit der Zeit. Und Sie lassen wir zurück!“ Wenn man etwas verbergen möchte, sollte man erst mal lang reden und erst dann mit der Sache rausrücken, wenn schon keiner mehr zuhört.
2. Positive Worte erzeugen zwei Gefühle: Wohligkeit und Langeweile. Beides ist hier gewollt. Der Text färbt die Nachricht (Ihre Filiale schließt, Sie müssen jetzt zur Sparkasse ins Nachbardorf) mit viel floskelhaftem Selbstlob ein und dreht die Argumentation um: Wir verändern viel, damit Sie morgen überhaupt noch persönliche Services genießen können, wenn auch nicht mehr in jedem Dorf. Wer diesen Text liest, der hat am Ende vor lauter Geschwafel längst auf Durchzug gestellt und bekommt womöglich gar nicht mehr mit, dass er demnächst vor geschlossenen Türen steht. Aber der Ton, der war schön. Und der Ton macht bekanntlich die Musik!
3. Es gibt aber einen großen Haken an der Sache: Wenn wir merken, dass ein Text etwas verstecken will, dann wird uns der Absender unsympathisch, er verliert unser Vertrauen. Dann klingen die Worte auf einmal höhnisch in unserer Übersetzung:

„Auch die Finanzbranche […] muss mit neuen Konzepten antworten.“

Tolles, sehr modernes Konzept: Wir schließen Filialen.

„Was zählt, ist der persönliche Draht zu echten Menschen vor Ort.“

Sind da die Menschen gemeint, die entlassen werden?

„Bei der Sparkasse Krefeld haben Sie alles in Ihrer Hand.“

Vor allem können Sie jetzt die Füße in die Hand nehmen, um zu uns zu kommen!

Aus dieser höhnischen Perspektive sieht man den Brief der Sparkasse in einer Linie zu Verlautbarungen der DDR-Staatsregierung. Die Wahrheit entdeckt man nur zwischen den Zeilen. Wir sind sicher, dass die Sparkasse genau weiß, wie sie rhetorisch ihre Filialschließungen abfedert. „Framing“ nennt man das heute. Früher hat man es „Vertuschen“ oder „Verarschen“ genannt.

Wir empfehlen 5 schöne Schriften, die nichts kosten

Mit viel Fleiß und Fachkenntnis hat die Grafikdesignerin Jill M. Sheehan Dutzende kostenlose Schriftarten zusammengestellt, die man auch kommerziell verwenden darf. Wir zeigen 5 davon.

Sheehans tolle Liste mit 70 freien Fonts führt auch viele Schmuck- und reine Headline-Schriften auf, charakterisiert jede Schrift ein bisschen und gibt allgemeine Hinweise zur Verwendung. Wir beschränken uns auf wenige schicke Fonts, die sich auch als Brotschriften eignen und zeigen die wichtigsten Buchstaben in einem Pangramm. Unten drunter nennen wir die Links für den Download. Alle Schriften haben wir ohne jede Anmeldung selbst herunterladen und erfolgreich installieren können. Viel Spaß damit!


Download Blogger Sans


Download Cabin


Download Elaine


Download Noto


Download Vollkorn

Wortmonster: Wenn die Giraffe ihren Wal-Head shaked

Sie adden und sie posten, sie haten und sie tweeten – modische Lehnwörter bringen ja manche zur Weißglut. Aber es gibt Anglizismen, die viel schlimmer sind. Wir führen mal ein paar Monster vor …

Wir wollen Sie nicht mit Kritik an importierten Wörtern aus anderen Sprachen langweilen, Sie kennen die Leier der Denglisch-Hasser ja bestimmt auch. Was wir viel hässlicher finden: wenn diese Wörter zu unaussprechlichen Kombinationen gefügt werden.

„Unser Healthy-Campus-Projekt“ wollte in einem unserer Statement-Seminare eine Teilnehmerin vor der Kamera sagen – vergeblich, das hässliche Wort wollte einfach nicht über ihre Lippen! Derartige Sprachungetüme mit einem Kopf aus der einen Sprache, einem Bauch aus der zweiten und einem Hintern aus der dritten sind leider keine Seltenheit. Hier ein paar Monster aus der Praxis samt Kommentar:

Mehr Follows in einem Satz geht wirklich nicht, bestes SEO-Schreib!

Was ist bloß aus dem guten alten Stabreim geworden?!

Industrie 4.0? Da sollte man mal wenigstens faven und zwiften, docken ist doch total out!

Respekt: eine herrlich abschreckende Mischung aus Amtsdeutsch und Anglizismus!

Für uns der Favorit dieser kleinen Auswahl: unfreiwillig komische Poesie von einem echten Könner. Für Loriot wäre es sicher eine Inspiration gewesen!

Wissenschaft auf dem Niveau von Heftchenromanen

Wirkt es nicht inkompetent oder grenzdebil, wenn man allzu kurze Sätze und Wörter schreibt? Diesen Zweifel hören wir oft, aber er ist unberechtigt. Wir heben einmal eine mehrfach ausgezeichnete Autorin heraus, die vorbildlich verständlich schreibt – und zugleich spannend und abwechslungsreich.

„Heftchenroman“. Das ist eine Stufe in der Verständlichkeits-Prüfmaschine Textinspektor.de. Aber soll das wirklich ein erstrebenswertes Niveau sein, so zu klingen wie ein Heftchenroman?

Ja, zumindest dann, wenn es darum geht, leicht verständliche Texte zu schreiben. Gibt man etwa eine Reportage der freien Journalistin Anke Sparmann in den Textinspektor ein, dann wirft er als Bewertung meist „Roman“ oder wirklich „Heftchenroman“ aus. Die Journalistin schreibt nämlich lauter kurze Sätze mit lauter kurzen Wörtern. Zu einfach? Nö. Anke Sparmann schreibt ganz großartige Reportagen für GEO, Zeit oder PM und ist dafür schon mehrfach ausgezeichnet worden.

Aber machen Sie sich selbst ein Bild! Wir verlinken hier einmal zwei ihrer Reportagen – für alle, die sehen wollen, wie man Wissenschaftsthemen in einer völlig unwissenschaftlichen Sprache spannend aufbereiten kann:

Arche oder Freizeitpark? Ein Blick hinter die Kulissen der neuen Zoos
Viele moderne Zoos setzen auf eine Kreuzung aus Freizeitpark und Schutzstation. Besucher gehen auf Expedition in Attrappen von Dschungel oder Savanne, Wildtiere dienen als Statisten. GEO
Pestizide und das Ende unserer Insekten
In Gärten und auf Feldern vollzieht sich ein Massensterben: Die Bestäuber verenden, Bienen, Käfer und Schmetterlinge, auf die unsere Nahrungspflanzen angewiesen sind. Als Täter unter schwerem Verdacht: Pestizide namens Neonicotinoide. Warum wurden sie überhaupt zugelassen? Warum sind sie nicht längst verboten? Ein Bericht über die Mühen, Unheil zu verhindern. GEO