Schlagwort: Grammatik

Der Fernseher oder das Radio muss leise sein!

Muss es hier in der Überschrift nicht „müssen“ heißen? Oder stimmt der Satz so? Wir erklären die Faustregel dazu.

Von Hannah Molderings

Zunächst müssen wir unterscheiden, ob das „oder“ im Satz ein ausschließendes oder ein einschließendes ist. Das bedeutet: Kommt nur eine der beiden Möglichkeiten in Betracht oder sind beide möglich? Danach richtet sich, ob das Verb im Singular oder im Plural stehen muss.

1. Es kann nur einen geben …

Es ist klar, dass es nur einer sein kann! Werden die Subjekte mit einem ausschließenden „oder“ verbunden, steht das Verb in der Regel im Singular.

Beispiele:

  • Ich weiß nicht, ob Tim oder Jens es getan hat.
  • Entweder die Spülmaschine oder die Waschmaschine wird jetzt ausgeräumt!
  • Die Chefin beziehungsweise ihr Stellvertreter wird Stellung nehmen.

Es kommt hier jeweils nur eine der beiden Möglichkeiten in Betracht, deshalb steht das Verb im Singular. Die Wörtchen „entweder“ und „beziehungsweise“ deuten übrigens schon deutlich an, dass es sich hier um eine ausschließende (exklusive) Bedeutung handelt. So ist es auch bei dem Titel-Beispiel: „Der Fernseher oder das Radio muss leise sein!“ Gemeint ist hier ein ausschließendes „entweder“ – der Singular „muss“ ist also korrekt.

2. Es können beide sein …

Es ist NICHT klar, dass es nur einer von beiden ist! Beide Möglichkeiten kommen in Betracht. Werden die Subjekte mit einem einschließenden „oder“ verbunden, steht das Verb in der Regel im Plural.

Beispiele:

  • Ich nehme an, dass deine Lehrerin oder dein Bruder dir helfen können.
  • Zahnschmerzen oder Bauchschmerzen sind die Folge vom Genuss vieler Süßigkeiten.

Hier kommen jeweils beide Möglichkeiten in Betracht, deshalb steht das Verb im Plural.

Übrigens ist diese Zweiteilung wirklich nur eine Faustregel. Man kommt mir ihr ganz gut durchs Leben. Wer sich aber ein bisschen einfuchst in die Materie „Kongruenz bei oder“, der stößt auf viele Ausnahmen, Widersprüche und Zweifelsfälle. Der Teufel ist halt doch ein 🐿️!

Gepuscht, gelikt, gefakt: Anglizismen richtig schreiben

„Mein Post wurde schon 900 Mal gelikt!“ Manchmal überrascht uns die korrekte Schreibweise von Anglizismen. Auch englische Wörter müssen sich eben an die deutsche Grammatik halten – und das sieht manchmal fremd aus. Wir zeigen Beispiele und nennen die Regeln dazu.

Von Josephine Döhler

Unser Wortschatz verändert sich laufend. Viele neue Wörter sind Anglizismen, also Wörter, die aus dem Englischen ins Deutsche übernommen wurden. Dazu zählen zum großen Teil technische Begriffe, die für jede Sprache neu sind und aufgrund mangelnder Alternativen englisch bleiben.

Wenn man Anglizismen verwendet, muss man wissen, wie man sie richtig in die deutsche Sprache überträgt. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Zunächst die Grundlagen:

Substantive werden anders als im Englischen groß geschrieben: Download
Pluralformen werden mit -s gebildet, nicht mit -ies: Babys
Endet das Wort auf -er, dann gibt es keine Pluralendung: Newsletter

Kommen wir zu zusammengesetzten Anglizismen. Hier gilt meist: Zusammenschreiben! Entweder in einem Wort oder gekoppelt durch Bindestrich.

bei zwei Substantiven: Fulltimejob (Fulltime-Job)
bei Adjektiv und Substantiv: Hotspot (Hot Spot)
bei Adjektiv und Partizip: hardwareabhängig (Hardware-abhängig)
bei Prädikat und Partikel: Knowhow oder Know-how

Letzter Punkt: die Schreibweise von Eigennamen und Fachbegriffen.

Eigennamen, wie etwa Tower Bridge, werden nicht verändert! Das gilt aber wirklich nur für Eigennamen, damit sind nicht Fachwörter wie Collapse-Zone oder dergleichen gemeint. Will man diese unbedingt in der ursprünglichen Schreibweise belassen, verwendet man Anführungszeichen wie hier: „collapse-zone“.

Geschmacklos durch Dativ

Schon kleine grammatikalische Fehler können die Aussage böse verdrehen. Das erfuhr Ralf Stegner (SPD) kürzlich am eigenen Leib. In einem Tweet hatte er den Islam – ganz versehentlich – als Geschmacklosigkeit bezeichnet …

Zigtausende Twitter-Meldungen hat Ralf Stegner schon abgesetzt. Ein paar waren dabei, die er bereut hat – kürzlich kam wieder eine hinzu, anlässlich des Sarrazin-Parteiausschlusses:

Tweet von Ralf Stegner (SPD) zum Parteiausschluss von Thilo Sarrazin

Jedem ist klar: Diese Geschmacklosigkeit ist ein grammatikalisches Versehen. Stegner wollte natürlich ausdrücken, dass Thilo Sarrazin außer seinen „Ergüssen“ zu Flüchtlingen oder dem Islam auch noch andere Geschmacklosigkeiten von sich gebe. Hier reiht aber Stegner selbst den Islam und die Flüchtlinge als Geschmacklosigkeiten ein. Schwamm drüber, so etwas passiert eben auch studierten Germanisten, ehemaligen Pressesprechern und sogar Harvard-Absolventen – Stegner ist alles in einer Person!

Wo genau lag nun der Fehler?
Die Präposition „für“ fordert den Akkusativ, während „zu“ den Dativ verlangt – Ergüsse „zu wem oder was?“ Stegner setzt, indem er „anderen“ schreibt, die Flüchtlinge und den Islam in eine Reihe mit „anderen“ Geschmacklosigkeiten. Stattdessen hätte er „für wen oder was?“ fragen und demzufolge „andere“ schreiben müssen. Oder einfach einen klareren Satz bilden!