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Gepuscht, gelikt, gefakt: Anglizismen richtig schreiben

„Mein Post wurde schon 900 Mal gelikt!“ Manchmal überrascht uns die korrekte Schreibweise von Anglizismen. Auch englische Wörter müssen sich eben an die deutsche Grammatik halten – und das sieht manchmal fremd aus. Wir zeigen Beispiele und nennen die Regeln dazu.

Von Stefan Brunn

Unser Wortschatz verändert sich laufend. Viele neue Wörter sind Anglizismen, also Wörter, die aus dem Englischen ins Deutsche übernommen wurden. Dazu zählen zum großen Teil technische Begriffe, die für jede Sprache neu sind und aufgrund mangelnder Alternativen englisch bleiben.

Wenn man Anglizismen verwendet, muss man wissen, wie man sie richtig in die deutsche Sprache überträgt. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Zunächst die Grundlagen:

Substantive werden anders als im Englischen groß geschrieben: Download
Pluralformen werden mit -s gebildet, nicht mit -ies: Babys
Endet das Wort auf -er, dann gibt es keine Pluralendung: Newsletter

Kommen wir zu zusammengesetzten Anglizismen. Hier gilt meist: Zusammenschreiben! Entweder in einem Wort oder gekoppelt durch Bindestrich.

bei zwei Substantiven: Fulltimejob (Fulltime-Job)
bei Adjektiv und Substantiv: Hotspot (Hot Spot)
bei Adjektiv und Partizip: hardwareabhängig (Hardware-abhängig)
bei Prädikat und Partikel: Knowhow oder Know-how

Letzter Punkt: die Schreibweise von Eigennamen und Fachbegriffen.

Eigennamen, wie etwa Tower Bridge, werden nicht verändert! Das gilt aber wirklich nur für Eigennamen, damit sind nicht Fachwörter wie Collapse-Zone oder dergleichen gemeint. Will man diese unbedingt in der ursprünglichen Schreibweise belassen, verwendet man Anführungszeichen wie hier: „collapse-zone“.

Wortmonster: Wenn die Giraffe ihren Wal-Head shaked

Sie adden und sie posten, sie haten und sie tweeten – modische Lehnwörter bringen ja manche zur Weißglut. Aber es gibt Anglizismen, die viel schlimmer sind. Wir führen mal ein paar Monster vor …

Wir wollen Sie nicht mit Kritik an importierten Wörtern aus anderen Sprachen langweilen, Sie kennen die Leier der Denglisch-Hasser ja bestimmt auch. Was wir viel hässlicher finden: wenn diese Wörter zu unaussprechlichen Kombinationen gefügt werden.

„Unser Healthy-Campus-Projekt“ wollte in einem unserer Statement-Seminare eine Teilnehmerin vor der Kamera sagen – vergeblich, das hässliche Wort wollte einfach nicht über ihre Lippen! Derartige Sprachungetüme mit einem Kopf aus der einen Sprache, einem Bauch aus der zweiten und einem Hintern aus der dritten sind leider keine Seltenheit. Hier ein paar Monster aus der Praxis samt Kommentar:

Mehr Follows in einem Satz geht wirklich nicht, bestes SEO-Schreib!

Was ist bloß aus dem guten alten Stabreim geworden?!

Industrie 4.0? Da sollte man mal wenigstens faven und zwiften, docken ist doch total out!

Respekt: eine herrlich abschreckende Mischung aus Amtsdeutsch und Anglizismus!

Für uns der Favorit dieser kleinen Auswahl: unfreiwillig komische Poesie von einem echten Könner. Für Loriot wäre es sicher eine Inspiration gewesen!