Kategorie: Allgemein

Setzen Sie Ihrem Text keine Hörner auf!

Der erste Eindruck zählt – das gilt auch für Texte. Gefällt uns ein Text optisch gut, überzeugt uns auch der Inhalt eher. Grund dafür ist ein Phänomen, das ursprünglich aus der Sozialpsychologie stammt.

Von Hannah Molderings

Der sogenannte Halo-Effekt besagt zusammengefasst folgendes: Die äußeren Eigenschaften einer Person überstrahlen oft andere Faktoren. „Halo“ kommt aus dem Griechischen und steht für „Heiligenschein“. Dieser Schein, der alles andere überstrahlt, führt häufig dazu, dass unsere Urteilskraft außer Kraft gesetzt wird. Studien haben zum Beispiel gezeigt: Attraktive Menschen haben oft mehr Erfolg im Beruf, weil ihnen aufgrund ihres Aussehens automatisch höhere Intelligenz zugeschrieben wird. Umgekehrt funktioniert es genauso: Dann spricht man vom „Teufelshörner-Effekt“.

Dieses Bild stellt den Halo- und den Teufelshörner-Effekt gegenüber.

Links oder Rechts? Sie müssen nicht lesen, um zu wissen, was Sie lieber lesen …

Überträgt man dieses sozialpsychologische Phänomen auf die Arbeit an Texten, zeigt sich: Auch hier setzen äußere Merkmale einen Anker für unser erstes Urteil: Ein ansprechendes und professionelles Layout sorgt dafür, dass uns auch der Inhalte eines Textes eher überzeugt. Und umgekehrt: Ein schlechtes Layout nimmt uns schon in der ersten Sekunde die Lust daran, mit dem Lesen überhaupt anzufangen.

Fazit: Es lohnt sich immer, einen Text nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ansprechend zu gliedern. Damit machen Sie es nicht nur den Leser*innen leichter. Sie setzen auch gleich zu Beginn einen positiven Anker und werden mit Ihrem Text eher überzeugen.

Die Datenbank der einzigartigen Wörter

Wie nennt man jemanden mit einer neuen Idee, die alles nur noch schlimmer macht? In Indonesien gibt’s dafür ein bestimmtes Wort: Neko-Neko. Für solche Begriffe, die nur in einer einzigen Sprache existieren, gibt es jetzt eine tolle Datenbank.

Von Josephine Döhler

Es gibt Wörter, die sich nicht übersetzen lassen. Sie beschreiben Gefühle und Dinge, die zwar jeder kennt, in seiner Sprache aber nicht in Worte fassen kann. Hier einige Beispiele:

Abbiocco (italienisch)
→ das Gefühl von Müdigkeit direkt nach dem Mittag- oder Abendessen
Gula (spanisch)
→ aus reinem Appetit essen, weil das Essen so lecker ist, und nicht, weil man Hunger hat
Jayus (indonesisch)
→ wenn man über einen schlechten Witz lachen muss, eben weil er so schlecht ist
Trepverter (jiddisch)
→ das unwahrscheinlich gute Gegenargument, das einem immer erst viel zu spät einfällt
Tretår (schwedisch)
→ wenn man seine Kaffeetasse zum zweiten oder dritten Mal auffüllt

Diese und viele weitere solcher Wörter hat die kanadische Autorin und Entwicklerin Steph Smith auf Reisen gesammelt. Sie hat daraus ein wachsendes Online-Lexikon gemacht. Das Lexikon liefert seinen Usern die Bedeutungen von über 500 unübersetzbaren Wörtern aus über 70 Sprachen.

Aus dem Deutschen findet man dort zum Beispiel das „Fingerspitzengefühl“, mit dem man bestimmte Dinge angehen muss. Oder das „Abendrot“ beim Sonnenuntergang. Auch die Sehnsucht nach fernen Orten können nur Deutsche in ein Wort fassen: Wir nennen es „Fernweh“.

Der Name der Website lautet übrigens Eunoia. Eunoia ist selbst eines dieser besonderen Wörter ohne Übersetzung: Es ist griechisch und bedeutet so viel wie schönes Denken oder guter Wille.

Roarr! Fauch! So könnte menschliches Sprechen entstanden sein …

Wie ist der Mensch zur Sprache gekommen? Die Forschung nahm bisher an, dass am Anfang das ikonische Gestikulieren stand – mit weit ausgebreiteten Armen symbolisierte man einen Vogel. Berliner Forscher glauben, dass es auch anders gewesen sein könnte.

Von Hannah Molderings

Ein internationales Team unter der Leitung des Leibniz-Zentrums Allgemeine Sprachwissenschaft und der University of Birmingham glaubt an die Entstehung des Sprechens ausgehend von Lautmalereien. Jedenfalls beweise ihre Studie, so Studienleiterin Dr. Susanne Fuchs, „dass Sprache auch aus Lautmalereien entstanden sein kann.“

Die Wissenschaftler:innen um Fuchs haben untersucht, ob Sprecher:innen ganz unterschiedlicher Sprachen überall auf der Welt 30 verschiedene Bedeutungen anhand von Lautmalereien verstehen können. Dafür wurden Bedeutungen gewählt, die in allen Kulturen vorkommen und die in der frühen Sprachevolution relevant gewesen sein könnten. Wortbeispiele: Kind, Mann, Frau, Tiger, Messer, Feuer, Stein, Wasser, Fleisch, Frucht, sammeln, kochen, verstecken, schneiden, klein, gut, schlecht, eins, viele, dies, das.

Es zeigte sich, dass die von englischen Sprecher:innen produzierten Lautmalereien von knapp 1.000 Studienteilnehmer:innen aus 12 Sprachfamilien in 28 Sprachen verstanden werden konnten. Darunter waren auch Gruppen aus Kulturen ohne Schriftsprache aus dem Amazonaswald. Die Erkenn-Genauigkeit reichte von 98 Prozent für das Verb „schlafen“ bis zu 35 Prozent für das Demonstrativpronomen „das“.

Von Arschkarte bis Zuckerbrot

Ein neues Online-Lexikon erklärt Kindern, woher bestimmte Redewendungen stammen. Auch Erwachsene können sich noch manche Scheibe vom Zuckerbrot abschneiden!

Von Hannah Molderings

Dauernd reden wir in Wendungen und Bildern. Nur ein Beispiel: „Jetzt hat der wieder Oberwasser!“ Wir wissen irgendwie und ungefähr, was das bedeuten soll. Kinder wissen das oft nicht – und fragen sich, was wir Erwachsene da für ein komisches Zeug zusammenreden. Was für einen Faden hat sie denn verloren? Hat sie ihm echt einen Floh ins Ohr gesetzt?

Das Magazin Geolino hat für Kinder (und alle, die die Herkunft solcher Redewendungen auch nicht kennen) ein sehr schönes Online-Lexikon erstellt:

https://www.geo.de/geolino/redewendungen

In dem Lexikon wird in kindgerechter (also sehr verständlicher) Sprache erklärt, woher Krokodilstränen kommen und was sie eigentlich bedeuten sollen – und viele andere rätselhafte Elternsprüche mehr.

Screenshot der GEO-Seite mit Redewendungen für Kinder

3 Gründe, warum Deutsch so klingt wie Gebell

Let’s face it: Wenn andere uns reden hören, klingt das für sie elegant wie Hundegebell. Natürlich sagt uns das niemand ins Gesicht. Obwohl: Der Luxemburger Sprachforscher François Conrad traut sich das. Und er kann sogar erklären, warum unsere Sprache sich anhört wie Hasso am Gartenzaun.

Von Andrea Rayers

„Warum Deutsch bellt und Französisch schnurrt“ heißt bezeichnenderweise das Buch, das François Conrad im Duden-Verlag geschrieben hat. Als Luxemburger hat er naheliegende Vergleichsmöglichkeiten, als promovierter Linguist besitzt er die notwendigen analytischen Kenntnisse. Wir listen seine drei Gründe nur auf – und betten unten einen Vortrag zum Thema ein, mit dem er Deutscher Vize-Meister im „Science Slam“ geworden ist.

Grund 1: der deutsche Knacklaut
Am Anfang der deutschen Wörter knackt’s. Conrads Beispiel: Wenn wir „Alles ist in Ordnung“ sagen, machen wir zwischen den Wörtern immer eine ganz kleine Pause. Das ist in den meisten Sprachen anders, wodurch die Wörter nicht so stark getrennt wahrgenommen werden wie im Deutschen.
Grund 2: die Auslautverhärtung
In der Entwicklung des Deutschen kam es irgendwann zur sogenannten Auslautverhärtung. Das bedeutet, dass wir Geräuschkonsonanten am Ende von Silben hart sprechen. Beispiel: Wir sagen kein weiches d bei „Hund“ (wie im Plural „Hunde“ oder wie beim englischen „dog“), sondern ein hartes t.
Grund 3: die deutschen Silbenstrukturen
Die deutschen Silben seien die komplexesten der Welt, glaubt Conrad. Sein Beispiel: „Strumpf“ bestehe aus drei Konsonanten vor einem Vokal und dann noch mal drei Konsonanten danach. Insgesamt seien das also sechs Konsonanten in einer Silbe – offenbar ein bisschen zu viel, um wohlmelodisch zu klingen …

Weitere Infos: Audio-Interview mit François Conrad im Deutschlandfunk Nova

Und hier sein preisgekrönter Vortrag zum Thema (11 Minuten):

Weltrekord im Verkomplizieren

Behörden schaffen es ja, auch einfachste Vorgänge so kompliziert auszudrücken, dass kein Mensch sie kapiert. Wir haben den weltweit widernatürlichsten Vorgang dieser Art gefunden und zeigen ihn in zwei unglaublichen Bildern.

Das deutsche behördliche Ausschreibungswesen hat einen neuen Weltrekord aufgestellt: Nie zuvor ist es jemandem gelungen, die einfachste aller Aufgaben dermaßen kompliziert darzustellen. Zugegeben: Der Rekord steht nicht im Guinness-Buch. Aber er ist völlig unzweifelhaft – es folgt unser Beweis.

In dem betreffenden Ausschreibungsformular taucht irgendwann folgende Aufgabe auf:

Das Formularfeld

Das klingt noch nicht halb so absurd, wie es ist. Noch ahnen wir nicht, WIE EINFACH die Aufgabe ist. Wir müssen schließlich noch im Bürgerlichen Gesetzbuch nachschlagen bei Paragraph 126b. Dort finden wir eine genaue Erläuterung:

Tja, und jetzt? Fest steht: Wir brauchen einen Text! Das hätten wir uns ja fast schon gedacht … Bloß welchen? Ein lesbarer Text muss es offenbar sein. Das schränkt allerdings die Auswahl nur unwesentlich ein! Aber jetzt kommt’s: Es muss eine Erklärung sein, in der die Person des Erklärenden genannt ist. Haben Sie eine Vorstellung, welcher Text das sein könnte? Ich verrate es Ihnen: Mein Text hieß einfach:

Stefan Brunn

 

Was Julia Klöckner unter heimischem Obst versteht …

Schon kleinste Fehler werden bei Facebook, Twitter & Co. mit Hohn und Spott bestraft. Unsere Landwirtschaftsministerin hat so einen kleinen Fehler begangen und wird dafür durch den Kakao gezogen – bzw. durch den Orangensaft.

Von Stefan Brunn

Da hat der liebe Kollege Klaus Schrage natürlich Recht. 🍌 🍊 Wenigstens einen Kohlkopf hätte Frau Klöckner noch auf dem Tisch platzieren können!

Schreiben wir bald alle in der Bierstadt?

In Word-Dokumenten ist seit 2007 die Calibri als Standardschrift voreingestellt. Im kommenden Jahr ändert Microsoft die Standardschrift. Infrage kommen einige Fonts – mit wenigen, aber bedeutsamen Unterschieden.

Von Stefan Brunn

Wenn Microsoft den Schrift-Standard ändert, dann ist das keine Kleinigkeit. Word, Powerpoint und Excel sind weltweit auf Milliarden Rechnern installiert. All diejenigen, auf deren Rechnern die neue Schrift dann nicht installiert ist, sehen den Text anders, ersetzt durch eine andere Schrift.

Was aber noch viel wichtiger ist: Die Entscheidung über die neue Schrift wird auf viele Jahre hinaus unser Lesen beeinflussen, entweder zum Besseren oder zum Schlechteren. Wie man an obigem Bildbeispiel sieht, halten sich die Unterschiede gottlob in engen Grenzen: Wirklich vom gewohnten Bild abweichende Buchstaben gibt es hier nicht.

Aber: Man sieht auch, dass zum Beispiel die Grandview deutlich größer ausfällt als die Konkurrenz – bei gleich eingestellter Schriftgröße. Da die Schriftgröße der entscheidende Faktor bei der Lesegeschwindigkeit ist, betrifft uns das alle, besonders natürlich die Sehschwächeren. Hier hätte also die Grandview deutlich die Nase vorn. Leider ist sie typografisch wohl der schlechteste Griff. Der weltweit bekannte Schriftexperte Erik Spiekermann bezeichnet sie als „Gurke“, als eindeutig schlechteste in der Auswahl. Spiekermanns Empfehlung wäre dagegen die Seaford, die er sehr lebendig findet.

Unsere Empfehlung dagegen wäre die Bierstadt, die sehr nah an Arial/Helvetica ist. Unser Argument: Ähnliche Buchstaben unterscheidet die Bierstadt besser als die Konkurrenz. In unserem Bildbeispiel sieht man das beim großen I und beim kleinen l und auch beim g im Unterschied zum q ganz gut:

Die Bierstadt ist übrigens nach einem Berg in Colorado benannt. „Wer will keine Schrift haben, die Bierstadt heißt?“, spottete Spiekermann in einem DLF-Interview, „Bierzelt fände ich noch besser!“ Der Experte glaubt aber durchaus, dass die Bierstadt das Rennen machen werde …

Das Interview mit Erik Spiekermann (knapp 7 Minuten) können Sie hier hören:

 

Wo finde ich die Schriften?

Die genannten Schriftarten sind bei allen Word-Benutzern mit einem Microsoft365-Abo bereits enthalten. Andere Nutzer können sie noch nicht legal herunterladen. Auf Twitter führt Microsoft auch eine Diskussion mit Usern über die Gebrauchstauglichkeit der Schriften: https://twitter.com/Microsoft/status/1387421384582733827

So zaubert man ganz fix einen Kaffee herbei!

Wo kriege ich während eines Meetings mal schnell einen virtuellen ☕ und einen 🍩 her? Wir haben eine tolle Datenbank gefunden, die sogar zeigt, wie die Zeichen auf welchen Plattformen genau aussehen.

Von Hannah Molderings

Emojis waren mal eine Sache für Kids. Inzwischen werden sie auch in den virtuellen Besprechungen deutscher Bundesministerien benutzt – weil sie Kommunikation abkürzen oder die Sache auflockern. Zum Beispiel, wenn man dezent auf die Kaffeepause hinweist ☕ oder sich bei jemandem bedankt, indem man ihm ein virtuelles 🍦 spendiert.

Die Zeichen kommen allerdings nicht auf jedem Kommunikationskanal formgleich an. Hier mal eine Erdbeere bei Microsoft, WhatsApp, Twitter und Facebook im Überblick:

Unter Emojipedia.org findet man Tausende solcher Zeichen und sieht genau, wie sie sich auf welcher Plattform darstellen. Man kann sie ganz einfach kopieren und auf der entsprechenden Plattform bzw. in der entsprechenden Software einfügen. Sogar innerhalb der Versionsgeschichte zeigt die Plattform die Entwicklung:

Wer auch etwas über die Codierung dieser Zeichen wissen will, findet auf selfthtml.org eine sehr ausführliche und gute Darstellung.