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Wenn groß schreiben großer Mist ist …

Sehen wir Kleingedrucktes, sagt unser Gehirn: Dieser Teil des Textes scheint nicht die Hauptsache zu sein. Größere Schrift dagegen sagt uns: Achtung, hier kommt das Wichtigste! Aber selbst ganz große Läden wie Lidl ignorieren dieses einfache Designprinzip gern …

Von Hannah Molderings

Wenn Lidl einen seiner Läden wegen Umbaus schließt, greift das Personal gern auf ein Plakat zurück, um es seinen Kunden so sanft wie möglich beizubringen: „Wir sind weiter für Dich da“ heißt es darauf in großen Lettern. Dass der Laden in Wirklichkeit für ein Weilchen geschlossen bleibt, steht bloß im Kleingedruckten, siehe unser Foto:

Plakat im LIDL-Schaufenster
Wer jetzt nur die vermeintliche Hauptaussage gelesen hat, steht vermutlich bald vor geschlossenen Türen. Schuld sind die Gestalter, die eines der wichtigsten Prinzipien des Textdesigns ignoriert haben:

Was größer ist, wird als Hauptsache interpretiert. Was kleiner ist, wird somit zur Nebensache.

Wir alle tragen solche Interpretationsregeln in uns, haben sie von Kindesbeinen an gelernt und verinnerlicht. Beim Lesen wenden wir sie intuitiv an. Trotzdem gelingt es Plakatgestaltern nicht immer, diese Regeln adäquat umzusetzen. Auf Armin Laschets Plakat „Damit Deutschland stark bleibt“ zum Beispiel war typografisch die Hauptaussage: „Stark bleibt.“ Aber ist nicht eher gemeint: „Deutschland bleibt stark“? Mit etwas Naivität könnte man bei dem Plakat glauben, ein Politiker namens Stark solle im Amt bleiben …

CDU-Wahlplakat mit Armin Laschet

Sehr ähnlich lautete der Slogan von Markus Söder: „Damit Deutschland stabil bleibt“. Hier sind die Schriftgrößen gleichbleibend, aber der Fettsatz prägt die Kernaussage heraus: „Deutschland stabil“. Deutschland bleibt also stabil, während Bayern stark gemacht wird …

CSU-Plakat mit Markus Söder

Schreiben wir bald alle in der Bierstadt?

In Word-Dokumenten ist seit 2007 die Calibri als Standardschrift voreingestellt. Im kommenden Jahr ändert Microsoft die Standardschrift. Infrage kommen einige Fonts – mit wenigen, aber bedeutsamen Unterschieden.

Von Stefan Brunn

Wenn Microsoft den Schrift-Standard ändert, dann ist das keine Kleinigkeit. Word, Powerpoint und Excel sind weltweit auf Milliarden Rechnern installiert. All diejenigen, auf deren Rechnern die neue Schrift dann nicht installiert ist, sehen den Text anders, ersetzt durch eine andere Schrift.

Was aber noch viel wichtiger ist: Die Entscheidung über die neue Schrift wird auf viele Jahre hinaus unser Lesen beeinflussen, entweder zum Besseren oder zum Schlechteren. Wie man an obigem Bildbeispiel sieht, halten sich die Unterschiede gottlob in engen Grenzen: Wirklich vom gewohnten Bild abweichende Buchstaben gibt es hier nicht.

Aber: Man sieht auch, dass zum Beispiel die Grandview deutlich größer ausfällt als die Konkurrenz – bei gleich eingestellter Schriftgröße. Da die Schriftgröße der entscheidende Faktor bei der Lesegeschwindigkeit ist, betrifft uns das alle, besonders natürlich die Sehschwächeren. Hier hätte also die Grandview deutlich die Nase vorn. Leider ist sie typografisch wohl der schlechteste Griff. Der weltweit bekannte Schriftexperte Erik Spiekermann bezeichnet sie als „Gurke“, als eindeutig schlechteste in der Auswahl. Spiekermanns Empfehlung wäre dagegen die Seaford, die er sehr lebendig findet.

Unsere Empfehlung dagegen wäre die Bierstadt, die sehr nah an Arial/Helvetica ist. Unser Argument: Ähnliche Buchstaben unterscheidet die Bierstadt besser als die Konkurrenz. In unserem Bildbeispiel sieht man das beim großen I und beim kleinen l und auch beim g im Unterschied zum q ganz gut:

Die Bierstadt ist übrigens nach einem Berg in Colorado benannt. „Wer will keine Schrift haben, die Bierstadt heißt?“, spottete Spiekermann in einem DLF-Interview, „Bierzelt fände ich noch besser!“ Der Experte glaubt aber durchaus, dass die Bierstadt das Rennen machen werde …

Das Interview mit Erik Spiekermann (knapp 7 Minuten) können Sie hier hören:

 

Wo finde ich die Schriften?

Die genannten Schriftarten sind bei allen Word-Benutzern mit einem Microsoft365-Abo bereits enthalten. Andere Nutzer können sie noch nicht legal herunterladen. Auf Twitter führt Microsoft auch eine Diskussion mit Usern über die Gebrauchstauglichkeit der Schriften: https://twitter.com/Microsoft/status/1387421384582733827

Wir empfehlen 5 schöne Schriften, die nichts kosten

Mit viel Fleiß und Fachkenntnis hat die Grafikdesignerin Jill M. Sheehan Dutzende kostenlose Schriftarten zusammengestellt, die man auch kommerziell verwenden darf. Wir zeigen 5 davon.

Sheehans tolle Liste mit 70 freien Fonts führt auch viele Schmuck- und reine Headline-Schriften auf, charakterisiert jede Schrift ein bisschen und gibt allgemeine Hinweise zur Verwendung. Wir beschränken uns auf wenige schicke Fonts, die sich auch als Brotschriften eignen und zeigen die wichtigsten Buchstaben in einem Pangramm. Unten drunter nennen wir die Links für den Download. Alle Schriften haben wir ohne jede Anmeldung selbst herunterladen und erfolgreich installieren können. Viel Spaß damit!


Download Blogger Sans


Download Cabin


Download Elaine


Download Noto


Download Vollkorn