Kategorie: Allgemein

Nein, kryptische Texte machen nicht neugierig!

Wenn schlechte Autoren sich für unverständliche Passagen rechtfertigen wollen, greifen sie seit Menschengedenken zu folgender Ausrede: „Aber das macht doch neugierig!“ Das war und ist aber Unsinn. Wir liefern ein eindrucksvolles Beispiel und eine geniale Studie dazu …

Von Stefan Brunn

Wir verraten nicht, wer es ist. Aber der Autor des folgenden Reportage-Beginns ist ein preisgekrönter Journalist, der regelmäßig Lesungen seiner Texte veranstaltet:

„Eine Geschichte ist kein Abstraktum. Das wäre wie ein Film ohne Darsteller. Die Gefahr: Manchmal identifiziert man den Inhalt mit den Darstellern: Eine irgendwie untrennbare Verquickung entsteht.“

Sicherheitshalber haben wir mal herumgefragt, aber niemand versteht, was das heißen soll. Man nennt so einen Stil „kryptisch“, abgeleitet vom griechischen Wort „kryptikós“, was so viel wie „verborgen“, „rätselhaft“ oder eben „unverständlich“ heißt.

Die Annahme, dass wir so etwas gerne lesen oder es uns neugierig macht oder dass wir die Verfasser:in für intelligent halten, ist aber nachweislich falsch.

Eine Forschungsarbeit des amerikanischen Psychologie-Professors Daniel M. Oppenheimer (unter anderem tätig in Princeton und Stanford) zeigt eindeutig, dass man bei gleichem Informationsgehalt einfachere Texte lieber liest und deren Verfasser:innen auch für intelligenter hält.

Um es noch einmal zu betonen: Die Hoffnung, wegen unverständlicher Äußerungen für schlau gehalten zu werden, ist wissenschaftlich widerlegt. Oppenheimer, übrigens ein wirklich genialer Forscher, hat für seine Studie immerhin den alternativen Nobelpreis erhalten.

What? So what? What now?

Wenn amerikanische Manager:innen sich von ihrem Stab für Entscheidungen informieren lassen, geschieht das oft nach dem gleichen Schema. Dahinter steht ein einfaches, aber sehr intelligentes Reflexions-Modell. Wir erklären, woher es stammt und wie es funktioniert.

Von Andrea Rayers

What? So what? What now?“ – wer sich beim Schreiben diese drei Fragen stellt, schafft dadurch saubere Prüfroutinen für Texte aller Art. Die Fragen gehören zu einem Reflexions-Modell, das der amerikanische Lehrer Terry Borton 1970 aufgestellt hat. Man reflektiert damit auf den drei wichtigsten Ebenen:

  • Um was geht es eigentlich? Beschreibung
  • Was geht uns das an? Interpretation, Analyse, Bewertung, Handlungsoptionen
  • Was ist jetzt zu tun? Entscheidung und Vorschlag

Wir stellen Ihnen die einzelnen Dimensionen einmal anhand eines ganz fiktiven Beispiels vor:

What?
Die Wissensdimension. Zunächst einmal muss geklärt werden: Worum geht es überhaupt? Zum Beispiel, wenn wir unser Firmengebäude gegen Überflutung schützen müssen. Welche Probleme kämen dann auf uns zu, wie ist unsere derzeitige Ausgangslage?

So what?
Die Interpretationsdimension. Nun ist es Zeit zu bewerten: Was bedeutet diese Ausgangslage oder dieses Problem für mich? Wie hoch ist zum Beispiel die Chance, dass der Standort überflutet wird, was würde das finanziell und organisatorisch bedeuten? Welche weiteren Konsequenzen ergäben sich daraus? Und natürlich: Welche Optionen stehen uns zur Verfügung, wie teuer sind sie, wie effizient werden sie funktionieren?

What now?
Die Handlungsdimension. Abschließend lautet die Frage: Welche Empfehlung ergibt sich daraus, was sollten wir jetzt tun? Bauen wir einen Wall, ziehen wir um, schließen wir eine Versicherung ab?

„What? So What? What now?“ hilft zum Beispiel bei der Gliederung von Entscheidungsvorlagen oder Positionspapieren. Aber diese Reflexionsdimensionen helfen auch bei allen anderen Texten, in denen Entscheidungen getroffen, vorbereitet oder auch nur dargestellt werden sollen.

Was ist ein Gedanke und wann werden daraus zwei?

Pro Satz nur ein Gedanke! Diese Grundregel des Satzbaus gilt auch für unsere Gesetze. Darauf hat sich Deutschland offiziell festgelegt. Aber was ist eigentlich ein Gedanke, woran erkennt man einen zweiten im Satz? Wir haben dazu eine übersichtliche Liste erstellt.

Von Andrea Rayers

Die Bundesregierung lässt sämtliche Gesetze und Verordnungen auf verständliche Sprache hin prüfen und verbessern. Das erledigt ein Team aus Sprachwissenschaftlern namens „Redaktionsstab Rechtssprache“, angesiedelt beim Justizministerium. Für deren Textprüfung gibt es klare Regeln: Beispielsweise darf nur ein Gedanke pro Satz geäußert werden. Vorbild ist die Schweiz, die bereits seit 40 Jahren eine intensive Gesetzesredaktion macht.

Nun wollen Linguisten natürlich gern genau wissen, was das denn heißt: ein Gedanke pro Satz. Der Leiter des deutschen Sprachdienstes der Schweizerischen Bundeskanzlei, Stefan Höfler von der Universität Zürich, hat sieben Indikatoren identifiziert, die einen Gedanken kennzeichnen. Anders ausgedrückt: An welchen Kennzeichen erkennen Linguisten, dass es sich wohl um zwei Gedanken handelt?

1. Satz
Ein Punkt oder ein Strichpunkt („Semikolon“) kennzeichnet nicht nur das Ende eines Satzes, sondern auch das eines Gedankens. Hier stimmt: ein Gedanke, ein Satz.
Beispiel: Die Amtsdauer der Rektorin beträgt vier Jahre. Die Amtsdauer der Prorektoren beträgt zwei Jahre.

2. Satzreihe
Sind zwei aufeinanderfolgende Hauptsätze lediglich durch ein Komma, einen Gedankenstrich oder eine Konjunktion (zum Beispiel und, oder) abgetrennt, zählen wir sie als separate Gedanken. Hier spricht man von einer sogenannten Satzreihe: mehrere Gedanken in einem Satz.
Beispiel: Die Amtsdauer der Rektorin beträgt vier Jahre, die Amtsdauer der Prorektoren beträgt zwei Jahre.

3. Zusammengezogene Sätze
Manchmal müssen wir unterscheiden: Ist das eine Aufzählung zu ein und demselben Thema? Oder sind hier zwei Sätze zusammengezogen worden, die jeweils eine eigene Aussage und deshalb einen eigenen Satz verdient haben?
Beispiel: Das Grundstudium dient der Vermittlung der Grundlagen und bildet die Voraussetzung für das Hauptstudium.
Diese Sätze haben zwar das geiche Subjekt („Grundstudium“), aber sie machen Aussagen zu unterschiedlichen Themen. Zwei Gedanken in einem Satz!

4. Schaltsatz bzw. Parenthese
Alsbald wir einen Satz in einen anderen einschieben, haben wir zwei eigenständige Aussagen. Dieser Einschub heißt Schaltsatz oder Parenthese. Er wird meist von Gedankenstrichen, Kommata oder Klammern umgeben.
Beispiel: Laut Unfallstatistik des Bundesamtes – sie ist vor wenigen Tagen erschienen – sind Unfälle im letzten Jahr weiter zurückgegangen.

5. Weiterführende Nebensätze
Wird ein Nebensatz zum Beispiel mit was, wobei, womit, wohingegen, weshalb oder wodurch eingeleitet, kann man davon ausgehen: Hier folgt ein zweiter Gedanke. Man spricht dabei von sogenannten weiterführenden Nebensätzen, die man ohne Probeme als eigenständigen Satz formulieren kann:
Beispiel: Die berufliche Vorsorge wird durch die Beiträge der Versicherten finanziert, wobei die Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Beiträge bezahlen.

6. Attribute
Sobald ein Substantiv durch ein Attribut näher beschrieben wird, müssen wir aufpassen: Oft ist das Attribut (etwa in Form eines Adjektivs oder Relativsatzes) ein eigener Gedanke – aber eben nicht immer.
Ein eigener Gedanke ist das Attribut, wenn es Informationen trägt, die nicht zwingend zur Hauptsaussage gehören und die sich in einen separaten Satz auslagern lassen:
Beispiel: Die Universitätsleitung setzt eine Berufungskommission ein, der mindestens zwei externe Expeten angehören.
Anders sieht es aus, wenn das Attribut inhaltlich unbedingt zur Hauptaussage gehört – dann ist es kein eigener Gedanke. In dem Fall wäre der Hauptgedanke ohne das Attribut unvollständig.
Beispiel: In das Berufungsverfahren können auch Personen einbezogen werden, die sich nicht beworben haben.

7. Präsupposition
Ein zweiter Gedanke kann in einem Satz mitschwingen, ohne dass er explizit ausformuliert wird – er wird einfach als gegeben vorausgesetzt. In dem Fall spricht man von einer Präsupposition.
Beispiel: Die Mitarbeiterin prüft, ob die Forschungsstätte nicht kommerziell ausgerichtet und ob sie beitragsberechtigt ist, nach folgenden Kriterien: …
In diesem Beispiel wird nicht gesagt, sondern lediglich impliziert, dass nur Forschungsstätten beitragsberechtigt sind, die nicht kommerziell ausgerichtet sind.

Slappen entwickelt sich zur Landplage

Im Koalitionsvertrag taucht erstmals das Wort SLAPP auf – dieses Akronym steht für eine wirklich hässliche juristische Strategie. Wir verraten in aller Kürze, um was es dabei geht und nennen drei Beispiele von Opfern.

Von Stefan Brunn

Auf Seite 124 des Koalitionsvertrags hat sich die deutsche Ampel-Regierung festgelegt:

„Wir werden europaweit Maßnahmen gegen Einschränkungen der Freiheitsrechte wie z. B. durch missbräuchliche Klagen (Strategic Lawsuits against Public Participation, SLAPP) unterstützen.“

Aber was heißt das, worum geht’s eigentlich?

Man könnte SLAPP ganz gut mit „Einschüchterungsklage“ übersetzen. Aber weil es inzwischen so viele davon gibt, hat sich hier schon eine internationale Fachbezeichnung etabliert. Es geht um oft völlig aussichtslose Klagen, die aber einen hohen Streitwert haben und deshalb das Potenzial, kleine Akteure einzuschüchtern.

Diese kleinen Akteure sind meist Journalist:innen oder Aktivist:innen, denen bei fünf-, sechs- oder siebenstelligen Beträgen, mit denen sie bedroht werden, mulmig wird. Manchmal gelingt es mithilfe dieser Klagen, die Kritiker mundtot zu machen. Manchmal auch nicht. Meist jedenfalls sind die Summen völlig unverhältnismäßig und die Absicht dahinter leicht ersichtlich.

Natürlich muss es jederzeit möglich sein, legitime Ansprüche gegen Kritiker durchzusetzen. Und es ist sicherlich nicht einfach, berechtigte von unberechtigten Ansprüchen zu unterscheiden. Der Punkt ist aber: Der Charme dieser Klagen liegt darin, dass sie schon wirken, ohne dass etwas bewiesen werden muss – der Kläger also kaum ein Risiko hat, der Beklagte aber ein zum Teil existenzgefährdendes. Und deshalb ist es sehr sinnvoll, dass die Bundesregierung dieser Asymmetrie einen Riegel vorschiebt.

Damit man das Problem besser versteht, folgen hier drei Fälle von Betroffenen, über die sich SLAPP-Gegner empören:

Der Umweltaktivist
Nach einer Plakataktion gegen den Pestizideinsatz in den Apfelplantagen Südtirols war der Umweltaktivist Karl Bär vom Umweltinstitut München von Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe bedroht. Er war von mehr als 1.370 Landwirten wegen übler Nachrede und Markenfälschung angezeigt worden.

Bericht des Bayerischen Rundfunks

Der Karikaturist
Der Zeichner Renato Aroeira hatte es gewagt, den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro mit Farbtopf und Pinsel in der Hand zu zeigen – nachdem dieser das Rote Kreuz in ein Hakenkreuz verwandelt hatte. Das Justizministerium leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Zeichner wegen Verleumdung des Präsidenten ein. Für Aroeira hätte dies eine mehrjährige Haftstrafe bedeuten können.

Bericht im Tagesspiegel

 Die Investigativjournalistin
Das bekannteste SLAPP-Opfer lebt nicht mehr: Als die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia 2017 durch eine Autobombe ermordet wurde, waren ihre Bankkonten eingefroren und eine Schadensersatzforderung wegen Rufschädigung über 40 Millionen Dollar stand im Raum.  Zum Zeitpunkt ihrer Ermordung war sie mit 47 verschiedenen zivil- und strafrechtlichen Verleumdungsklagen konfrontiert, die in verschiedenen Gerichtsbarkeiten weltweit eingereicht wurden.

Bericht im Deutschlandfunk

Welcher Browser übersetzt am smartesten?

Um fremdsprachige Texte im Web zu verstehen, muss man sie längst nicht mehr umständlich in einen Übersetzer kopieren: Mittlerweile erledigt das der Browser fast automatisch. Wir stellen die Übersetzungstools der verschiedenen Browser einmal gegenüber.

Von Hannah Molderings

Dass sich Texte mittlerweile live im Browser übersetzen lassen, hat viele Vorteile. Der offensichtliche: Man spart sich den Schritt, eine Passage herauszukopieren und woanders zum Übersetzen einzusetzen. Viel wertvoller ist aber folgender Punkt: Die fremdsprachige Webseite wird sprachlich übersetzt, behält aber gleichzeitig Layout, Zwischenüberschriften, Fettungen und alle anderen Hervorhebungen. Dieses Gesamtbild lässt uns eine Webseite annähernd originalgetreu konsumieren.

Aber wie gut sind die Browser-internen Übersetzungsmaschinen? Unterm Strich werden alle Texte sehr gut übersetzt. Hin und wieder passieren zwar kleine Pannen, wenn zum Beispiel das Hauptmenü einer Webseite mit „Speisekarte“ übersetzt wird. Insgesamt machen die Tools aber durchweg einen guten Job.

Und so lassen sich Webseiten in den verschiedenen Browsern übersetzen:

1. Firefox
Im Firefox funktioniert die Live-Übersetzung nur durch ein Add-On. In der Datenbank sucht man dafür nach dem Add-On namens „Webseiten übersetzen“. Sobald das installiert ist, kann man die Übersetzung über einen kleinen Knopf oben rechts ein- und ausschalten. Wahlweise kann man durch ein Häkchen auch die automatische Übersetzung aller Webseites dauerhaft aktivieren.

Das Add-On basiert übrigens auf dem Google-Übersetzer. Deshalb führt die Übersetzung zum gleichen Ergebnis wie beim nächsten Browser, dem Google Chrome.

2. Google Chrome
Beim Chrome ist die Übersetzung direkt mit an Bord: Man klickt mit rechts auf einen beliebigen Text und wählt dann die Option „Auf Deutsch übersetzen“. Und schon erscheint die ganze Seite auf Deutsch.

3. Microsoft Edge
Auch hier kommt man ohne eine Erweiterung aus: Der Edge bringt den Übersetzer direkt mit. Es gibt mehrere Optionen, die Übersetzung anzufordern. Entweder man nutzt einen Rechtsklick und den Befehl „In Deutsch übersetzen“. Oder man nutzt den kleinen Knopf oben hinter der URL-Zeile. Der Edge bietet einem zudem auch aktiv die Übersetzung an, sobald man auf eine fremdsprachige Seite surft.

Das Übersetzungsergebnis vom Edge unterscheidet sich hin und wieder in kleinen Details von den Übersetzungen von Firefox und Chrome. Das liegt daran, dass der Edge im Hintergrund den Microsoft Translator nutzt.

Und so sieht eine beispielhafte Übersetzung in den drei Browsern aus:

Die sieben Einstiege des Grauens

„Eine gute Ausbildung ist die beste Voraussetzung, um später auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein.“ Wer Binsenweisheiten wie diese an den Anfang seines Textes setzt, hat sein Publikum im Nu eingeschläfert. Wir nennen noch einige andere Tricks, wie man es gleich ganz vorn im Text versemmelt!

Von Stefan Brunn

Wir haben für Sie einmal sieben „Einstiege des Grauens“ aufgelistet. Die Einstiege kann man wahlweise in Reden oder Pressemitteilungen verwenden, in Berichten, bei Statements oder in Podiumsdiskussionen …

Nummer 1, der Klassiker, der gleich anzeigt, dass es nur um olle Kamellen geht:

Der historische Einstieg
„Ich erzähle Ihnen sicher nichts Neues, wenn ich Ihnen sage, dass es schon Bismarck nur teilweise gelang, die Öffentlichkeit aus politischen Entscheidungsprozessen herauszuhalten oder in seinem Sinne zu beeinflussen.“

Nummer 2 macht das Lesen von Anfang an zur Tortur:

Der Stolperstein-Einstieg
„Das Projekt NQ RuK – Nachqualifizierung rund um Karlsberg der Handwerkskammer für Mittelhessen hat es sich im Rahmen des Programmes ,Perspektive Berufsabschluss‘ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Ziel gesetzt, …“

Nummer 3 arbeitet sich erst mal an unwichtigsten Details ab:

Der Rahmen-Einstieg
„Anstatt der Mitglieder der Kreistagsausschüsse trafen sich am 29. November um 11 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes Bernhausen Vertreterinnen und Vertreter örtlicher Sportvereine, um …“

Nummer 4 verscherzt sich sofort alle Sympathien durch stinkendes Eigenlob:

Der Selbstbeweihräucherungs-Einstieg
„Lassen Sie mich als Experten mit meiner langjährigen Erfahrung als Chief Executive Officer, die mich prädestinieren für …“

Nummer 5 fängt weit vor dem Anfang an, gern zum Beispiel bei Begriffsklärungen:

Der Definitions-Einstieg
„Zunächst einige wichtige Überlegungen zu den Termini, die im Folgenden verwendet werden …“

Nummer 6 will sich ohne Zögern ranschmeißen ans Publikum:

Der schwülstige Einstieg
„Ich habe lange darauf gewartet und es ist mir eine besondere Ehre, aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums der Taxifahrerinnung Offenbach-Ost zu Ihnen zu sprechen …“

Nummer 7 hat das Geschäftsmodell, Eulen nach Athen zu tragen:

Der Klischee-Einstieg
„Ich begrüße Sie ganz herzlich in Frankfurt, der Stadt Goethes, der Banken und des Apfelweins …“

Wenn Sie NICHT wollen, dass jemand Ihnen zuhört oder Ihren Text liest oder Sie positiv kennenlernt, wählen oder kombinieren Sie unbedingt einen dieser sieben Einstiege – der Misserfolg ist Ihnen sicher!

Storys schreiben nach Rezept

Wie weckt man Emotionen beim Publikum? PR- und Marketing-Experten schwören seit 20 Jahren aufs Storytelling. Jetzt gibt es sogar ein Kochbuch für gute Business-Storys …

Von Stefan Brunn

Eine Geschichte zu erzählen statt sachlich zu beschreiben oder sich selbst zu rühmen: Das ist der Ansatz des Storytelling. In PR und Marketing raten Experten seit inzwischen 20 Jahren dazu. Der Grund: Die Leute hören lieber Geschichten, sie merken sie sich besser und man kann ihre Gefühle damit besser bewegen. Kein Wunder, dass sogar Discounter-Ketten wie Aldi, Lidl oder Penny jedes Jahr zu Weihnachten für teures Geld rührselige Filmchen produzieren lassen. Kaum jemand würde sich ja bei YouTube freiwillig Filme angucken, in denen Qualitäts- oder Preisunterschiede bei Backmatten oder LED-Kerzen vorgerechnet werden.

Aber wie funktioniert dieses Storytelling und wie macht man es selbst? Das erklärt der Schweizer PR-Texter Matthias Nold in einem neuen Buch namens „Die Storyküche: Das Rezeptbuch für gute Business-Storys“. Der Ansatz des Buches ist zugleich pragmatisch wie kreativ: Nold strukturiert sein Buch vom Einkauf der Zutaten über die Zubereitung und das Abschmecken bis zum Dessert. Auch das Auftischen der Storys gehört dazu.

Im Zentrum des Buches steht die Entwicklung der Plots. Nold referiert hier 10 Masterplots, die sich für Unternehmen eignen:

• die Suche
• die Verfolgung
• die Rettung
• die Rache
• das Rätsel
• die Rivalität
• der Außenseiter
• die Reifung
• die verbotene Liebe
• die Entdeckung

Der Autor schildert, wie man diese Plots ausarbeitet, welche Entwicklungen Geschichten gut machen und wie man sie sprachlich gut in Szene setzt. Wer eine strukturierte Einführung ins Storytelling braucht, findet sie hier.

Leider kommen zwei Dinge in dem Buch etwas kurz. Zum einen das kritische Hinterfragen des Storytelling. In Teilen der Gesellschaft hat sich längst ein gewisser Überdruss am Storytelling eingestellt: Bitte wieder Tatsachen und keine Geschichtchen! Manche bringen das Storytelling sogar in Zusammenhang mit journalistischen Lügengeschichten wie denen des Spiegel-Autors Claas Relotius.

Und das andere, was etwas zu kurz kommt: gute und schlechte Beispiele des Storytelling. Nold schreibt in seinem Blog zum Buch selbst, dass ihm in der PR zu viel schön getan und schöngeredet wird. Da wäre es nur konsequent gewesen, auch beim Storytelling einen kritisch-konkreten Blick auf die Praxis zu werfen.

Nolds „Storyküche“ ist übrigens sehr leicht verständlich geschrieben und auf eine besondere Art strukturiert: Man erhält am Ende jedes Abschnittes mehrere Optionen, wie man weiter durchs Buch navigieren kann: Vertiefen? Springen? Ausprobieren? Das wäre beim Backen übrigens deutlich problematischer als in einem Buch! 

Matthias Nold: Die Storyküche: Das Rezeptbuch für gute Business-Storys. Zürich: Midas-Verlag, 2021. 224 Seiten; 22 Euro.

Den Leser zur Schnecke machen

Wenn wir chatten, was ist dann schneller zu lesen: ein geschriebenes Wort oder ein Bildzeichen? Forscher:innen mehrerer deutscher Unis haben das jetzt nachgemessen und klare Ergebnisse erzielt.

Von Stefan Brunn

Wer Emojis schreibt, macht das Lesen deutlich langsamer. Während die durchschnittliche Lesezeit für ein ausgeschriebenes Wort etwa 450 Millisekunden beträgt, benötigt man zur Lektüre eines entsprechenden Emojis zwischen 800 und 900 Millisekunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Potsdam und der Berliner Charité.

© RUB, Marquard

Die Forscher:innen hatten 61 deutschsprachigen Proband:innen (überwiegend Bachelor-Studierende an der Universität Potsdam) diverse Sätze vorgelegt und zweierlei geprüft: Ob das Verständnis jeweils auch mit Emojis funktioniert und wie lang der Leseprozess dauert. Ergebnis 1: Die Proband:innen verstehen die Emojis fast immer gut. Ergebnis 2: Sie brauchen deutlich länger, um den Inhalt aufzunehmen. Ein Beispiel für die zwei Vergleichssätze:

A: Wir sitzen im Auto und kommen bald nach Hause.
B: Wir sitzen im 🚗 und kommen bald nach Hause.

Tendenziell stimmen die Ergebnisse mit anderen Ergebnissen für Emoji-Lesezeiten überein.  Emojis selbst werden etwa 50 Prozent langsamer gelesen als Wörter. Das bedeutet jedoch nicht, dass der ganze Satz nur halb so schnell gelesen würde.

Differenzieren muss man auch zwischen sehr geübten Emoji-Nutzern und anderen. „Proband:innen, die nach ihrer Selbsteinschätzung Emojis häufiger verwenden, lesen die inhaltlich passenden Emojis durchschnittlich schneller“, erklärt die Studienleiterin Tatjana Scheffler, Juniorprofessorin für Digitale Forensische Linguistik an der Uni Bochum.

Die Studie „The processing of emoji-word substitutions“ wurde veröffentlicht in der Wissenschaftszeitschrift „Computers in Human Behavior“.

Unverhofft kommt allzu oft!

Die Floskel „unverhofft gestorben“ war schon immer dumm: Wer hofft schon darauf, dass jemand stirbt?! Wenn ein Newsportal diese Formulierung quasi im Wochentakt und sogar in Überschriften nutzt, deutet das nicht nur auf bedenkenloses Herumtexten hin …

Von Stefan Brunn

Hermann Understöger von der Süddeutschen Zeitung hat sich im Namen des Kulturteils seiner Zeitung einmal dafür entschuldigt, den Tod eines Schauspielers als „unverhofft“ beschrieben zu haben. Richtig so! Zwar kommt diese Floskel in Todesanzeigen und Nachrufen immer mal wieder vor, das macht’s aber nicht besser.

Das Portal News.de verwendet die Formel in gefühlt jeder dritten Todesmeldung, oft sogar in der Headline. Hier nur drei Beispiele von vielen:


Irgendwie drängt sich der Verdacht auf, dass hier mit einem Template gearbeitet wird. Dieses „Template des Todes“ könnte und sollte News.de vielleicht einmal überarbeiten. Schon ein neutraleres „unerwartet“ würde helfen!

Er hat gesagt, sie hat gesagt!

Wer wiedergeben möchte, was ein anderer gesagt hat, kommt oft ins Straucheln: Wie macht man sprachlich klar, dass man hier eine fremde Meinung übermittelt und sie selbst nicht unbedingt teilt? Wir zeigen einige unmissverständliche Beispiele.

Von Andrea Rayers

Wenn Sie eine fremde Aussage wiedergeben, kann es extrem wichtig sein, dass Sie klar machen: Das ist nicht meine Meinung, sondern ich informiere bloß über die Aussagen anderer. Andernfalls kann man Sie (oder zum Beispiel Ihren Arbeitgeber) so zitieren, als hätten Sie sich derart geäußert: Das wiederum kann verheerende Folgen haben. Mit den diversen Modi unserer Sprache ist es aber ja nicht immer ganz einfach. Wir zeigen in den folgenden drei Punkten, wie man es immer ganz zweifelsfrei schafft:

1. Wählen Sie das passende Verb
Bevor Sie mit einer fremden Meinung loslegen, sollten Sie sich ein passendes Verb für Ihre Redeeinleitung suchen. In der Regel ist es eine neutrale Form wie „er sagte/meinte/stellte dar“ oder eine kommentierende wie „er warnte/drohte/befahl“. Wenn Sie allerdings ein sehr wertendes Verb wie „klarstellen“, „nachweisen“ oder „verdeutlichen“ nehmen, schlagen Sie sich bewusst auf die Seite des Sprechers – und lassen keinen Zweifel daran, dass Sie seine Meinung teilen.

2. Verwenden Sie den Konjunktiv
Nach der Redeeinleitung folgt dann der Inhalt, den Sie möglichst neutral wiedergeben wollen. Damit Ihre Distanz klar wird, verwenden Sie den Konjunktiv: „Sie sagte, sie habe den Hund gesehen.“ Sie können stattdessen auch einen dass-Satz anschließen: „Sie sagte, dass sie den Hund gesehen habe.“ Möglich ist sogar ein dass-Satz ohne Konjunktiv: „Sie sagte, dass sie den Hund gesehen hat.“ Aber Vorsicht: Mit dieser Formulierung deuten Sie immerhin an, dass Sie von der Richtigkeit der Aussage überzeugt sind.

3. Nutzen Sie einen einleitenden Satz
Vor allem bei langen Texten können Sie auch durch einen einleitenden Satz verdeutlichen, dass Sie nun eine fremde Meinung wiedergeben. Zum Beispiel so: „Astrid Meier sieht dies folgendermaßen“. Oder: „Im Folgenden gebe ich Astrid Meiers Meinung wieder“. Die darauf folgende Aussage steht dann übrigens nicht im Konjunktiv, sondern im Indikativ.