Ist eine Bibliothek was anderes als eine Bücherei? Kann man einfach Apfelsine sagen, wenn man eine Orange will? Wir erklären in einem Drei-Minuten-Film die drei Arten von Synonymen!
Ist eine Bibliothek was anderes als eine Bücherei? Kann man einfach Apfelsine sagen, wenn man eine Orange will? Wir erklären in einem Drei-Minuten-Film die drei Arten von Synonymen!
Es gibt kein Regelwerk, das die Schreibweisen deutscher Medien festlegen würde. Klar, im Prinzip richten sich alle nach dem Duden, aber der lässt vieles unentschieden. Warum etwa sieht man in der Zeitung nie Prozentzeichen, warum schreiben die Medien „zum Beispiel“ aus und wer bestimmt darüber?
Der Grund, warum die allermeisten Medien in Deutschland in ihren Schreibweisen so einheitlich sind, ist ein ökonomischer: Der Austausch von Texten ist dadurch viel billiger. Man stelle sich vor, der „Hinterwäldler-Bote“ würde immer Prozentzeichen in seinen Texten verwenden – die Redakteur*innen müssten alle Nachrichtenagentur-Texte umarbeiten. Mal abgesehen davon, dass man auch nicht unbesehen die Texte anderer Redaktionen der gleichen Verlagsgruppe verwenden könnte. Dazu kommt: Indem alle die gleichen Schreibweisen irgendwann verinnerlicht haben, kann auch das Personal leichter wechseln.
Die Einheitlichkeit führt also zu vielen arbeitsökonomischen Vorteilen. Aber wie stellt man die Einheitlichkeit her und wie sichert man sie? Eine allgemein zugängliche Internet-Datenbank wäre am besten, weil sie sich immer wieder aktualisieren ließe. Aktuelle Schreibweisen (Robert-Koch-Institut oder Robert Koch Institut) könnten dort laufend eingepflegt werden. Nur: Diese Datenbank gibt es nicht.
Zwar gibt es eine Seite die-nachrichtenagenturen.de, die sogar Regeln und Wortlisten enthält – allerdings sind die hoffnungslos veraltet. Dasselbe gilt für das dpa-Handbuch „Alles über die Nachricht“, das auf 275 Seiten versuchte, diese Schreibweisen auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In der letzten gedruckten Ausgabe von 1998 wurde allerdings noch die alte Rechtschreibung verwendet – und ein Wort wie „Zigeuner“ als okay eingestuft. Zu guter Letzt gibt es bei der dpa sogar eine Wissensdatenbank (Wiki), in der man allerlei Schreibweisen nachschlagen kann. Jedoch ist die wiederum nur dpa-Mitarbeitern zugänglich.
Pressestellen müssen sich notgedrungen an den einzelnen Nachrichten der Agenturen orientieren. Das macht man zum Beispiel, indem man einem veröffentlichten dpa-Ticker folgt, etwa dem der Rhein-Zeitung.
In einigen eher unwesentlichen Details liegen übrigens auch die Agenturen, der Duden und andere Normen wie die DIN manchmal auseinander. Am Beispiel des Zahlentrennpunkts haben wir einen solchen Unterschied mal im Detail nachgezeichnet.
Mithilfe einer Software der Uni Regensburg haben wir Spielberichte des 14. Bundesliga-Spieltags ausgewertet. Dabei stand auch die Prüfung eines alten Vorurteils an: Pflegt die BILD wirklich einen einfacheren Stil als andere Zeitungen?
Ja, die Fußball-Spielberichte der BILD sind tatsächlich erheblich einfacher zu verstehen als die in FAZ, Süddeutscher Zeitung, im Kicker und auf Sportschau.de. Das hat unsere Textanalyse nach dem 14. Spieltag der laufenden Bundesliga-Saison recht eindeutig gezeigt. Während die Berichte der BILD von der Software schon für Sechstklässler als geeignet klassifiziert werden, sollte man für Berichte aus dem Sportmagazin Kicker mindestens neun Schuljahre absolviert haben. Das haben wir mit einer Spezialsoftware der Universität Regensburg herausgefunden, in die wir 45 Spielberichte von fünf Medien eingespeist haben.

Die Texte der BILD ragen dabei aus dem Feld der übrigen Berichte stark heraus. Sind zum Beispiel die Sätze der BILD-Berichte im Durchschnitt 14,2 Wörter lang, kommen die Sätze der Konkurrenz auf 16,5 bis 20 Wörter. Auch die Wörter selbst sind bei der BILD signifikant kürzer. Ein weiterer Faktor ist die Anzahl der Sätze mit Nebensatz. Bei der BILD liegt er bei 41 Prozent, im Kicker bei 62 Prozent. Auch Passiv-Konstruktionen verlangsamen das Lesen und machen Texte schwerer verständlich. Hier liegt wiederum der Kicker mit fast 10 Prozent an letzter Position, während die BILD nur auf knapp über 5 Prozent kommt.
Allerdings sind selbst die Kicker-Texte vergleichsweise leicht verständlich: Sie liegen ungefähr auf dem Niveau der letzten Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin. Ganz anders sieht es bei der Coronaschutzverordnung aus: Deren Text sprengte das Ampelsystem der Software: Verständlich wäre er allenfalls für Schüler der Jahrgangsstufe 16!
Übrigens: Die längsten Spielberichte findet man bei FAZ und Kicker. Dort sind die Texte mit etwas über 500 Wörtern am ausführlichsten. Die Lesedauer für diese Textlänge liegt für einen Neuntklässler bei rund drei Minuten. Die Spielberichte der BILD dagegen sind mit knapp über 300 Wörtern deutlich kürzer, die Lektüre ist in zwei Minuten geschafft. Dafür enthält der Text natürlich auch weniger Informationen – was die Software jedoch nicht bewertet.
Das von uns verwendete Regensburger Analysetool für Texte (kurz: RATTE) misst mehrere linguistische Faktoren der Textverständlichkeit. Die Angemessenheit des Stils oder journalistische Kriterien können mit der Software natürlich nicht beurteilt werden. Für eine solch differenziertere Analyse haben wir ein eigenes System entwickelt, das zum Beispiel auch typografische Faktoren, die Gliederung eines Textes oder seine inhaltliche und politische Korrektheit berücksichtigt.
Amtsdeutsch hat keinen guten Ruf. Aber es gibt Firmen, die bewusst Amtsdeutsch schreiben, um so offizieller daherzukommen. Wir arbeiten uns mal an einem Beispiel ab.
Was stellen Sie sich unter einem Goldbarren vor? Ein Plättchen von 15 mal knapp 9 Millimetern? Eher nicht. Aber die MDM Münzhandelsgesellschaft wird offenbar nicht gezwungen, in ihren „Ausgabeinformationen für alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland“ auch nur eine einzige Abbildung in Originalgröße zu veröffentlichen. Stattdessen sieht der Goldbarren auf den Bildern riesig aus und wird auch viel dicker dargestellt, als er in Wirklichkeit ist – das Plättchen ist nur fingernagelgroß und nicht mal ein Drittelgramm schwer!

Beeindruckend ist allerdings, was diese GmbH & Co. KG alles tut, um ihr Produkt so amtlich wie möglich erscheinen zu lassen. Lassen wir mal das schwarz-rot-goldene Band auf der Titelseite beiseite. Schweigen wir von der Schreibmaschinen-Proportionalschrift im Innenteil. Vergessen wir den Stempel-Fake im Formularfeld „Antwort erforderlich bis“. Und ignorieren wir die Allgegenwärtigkeit des Wortes „Deutschland“ in den Postwurfsendungen dieses Münzverkäufers – uns vom Zeilenhacker interessiert natürlich viel mehr der Umgang mit der Sprache!

Besonders dreist finden wir den Versuch, sperriges Behördendeutsch nachzuahmen und so den Anschein von Staatlichkeit zu erwecken: „Zur Beachtung: Aus Gründen der Chancengleichheit wurde die Abgabemenge pro Haushalt begrenzt.“ Das klingt ja fast wie bei den FFP2-Masken. Drei Stück darf man bloß haben. 😉

Aber auch die Rubrik „Zweck und Ziel der Ausgabe“ könnte sehr gut einer ministeriellen Entscheidungsvorlage aus den Siebzigerjahren entstammen: „Der mehrwertsteuerfreie Börsenbarren Deutschland wird ausgegeben, um jeder Bundesbürgerin und jedem Bundesbürger die Möglichkeit zu geben, reinstes Gold zu erwerben.“ Immerhin: Gegendert wird!

Ob wohl der Trick klappt, so amtlich daherzukommen und die Abgabe der Goldbarren angeblich zu begrenzen? Vermutlich, sonst würde die Firma die teure Werbung nicht lang durchhalten. Für die Kunden sieht’s aber weit weniger attraktiv aus: Wer sich den aktuellen Goldkurs einmal ansieht und das Gewicht der „Barren“ nachrechnet, stellt schnell fest: Hier bezahlt man als Kunde viel Werbung mit. Und man beteiligt sich noch am Ausnutzen naiver Zeitgenossen.
Die einen sagen so, die anderen so: Genau so ist es leider bei den Definitionen von Korrektorat, Lektorat und Redigat. Wir trennen in einem 4-Minuten-Film einmal die beiden Auslegungs-Arten.
Querdenken war bis vor einigen Monaten was Gutes, jetzt steht der Begriff für Zweifelhaftes. Manche aber können sich von dem Wort nicht so leicht trennen, weil sie die eigene Firma oder Produkte so genannt haben. Einer hat noch Glück gehabt, weil seine Fernsehsendung rechtzeitig auslief … Wir zeigen an sieben Beispielen, wie es schiefquerlaufen kann.







Die Grünen wollen ab nächstem Herbst (mit)regieren. Baerbock, Habeck & Co. formulieren das gern so: „Macht kommt von Machen.“ Inhaltlich mag das richtig sein, etymologisch ist es aber falsch!
Seit fast drei Jahren sagen die Grünen-Chefs immer dieses Sprüchlein auf, das gut klingt, aber falsch ist. Sie wandeln es dabei schon mal ein bisschen ab. Schon im Januar 2018 rief Robert Habeck den Delegierten auf einem Parteitag zu: „Macht kommt von machen, nicht von wollen!“ Ein paar Monate später, im Oktober 2018, griff Annalena Baerbock den Satz auf und wiederholte ihn mehrfach, zuletzt in der Talkshow „Anne Will“. Auch die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat ihn sich inzwischen angeeignet: „Macht kommt von machen. Wenn man machen und gestalten will, muss man regieren“, wurde sie Ende November 2020 von der Deutschen Presse-Agentur zitiert.
Was ist nun falsch daran?
Der Begriff „Macht“ kommt eben nicht von „machen“, sondern vom altgermanischen „maht“, was eher so viel wie „vermögen“ im Sinne von „können“ bedeutete.
Das Wort „machen“ wiederum geht auf eine indogermanische Wurzel „mag“ zurück, die erst mal so viel wie „kneten“ bedeutete.
Die Brüder Grimm (bzw. ihre Nachfolger, beim Buchstaben „M“ lebten die beiden schon lange nicht mehr) haben sich in ihrem „Deutschen Wörterbuch“ seitenlang dazu ausgelassen. Hier nur jeweils der erste Absatz im Bild:


Zugegeben: Wahlentscheidend sollte das nicht sein! Aber irgendwie ist es auch doof, Deutschland regieren zu wollen, aber immer wieder dieselbe falsche Tatsache vor sich herzupostulieren. Murx eben!
Journalist*innen haben eine ganz einfache Methode, noch vor dem ersten Buchstaben zu klären, wohin bei einem Text die Reise geht: den Küchenzuruf. Die Methode ist alt und in ihrem Ursprung ganz schön macho. Unser Film erklärt’s in aller Kürze und schiebt den Mann in die Küche!
Trennstriche mitten in der Zeile sind eine böse Sache. Warum tut man uns das an? Wer die besseren Trennstriche kennt, schützt sich und andere. Also los!

Mannomann! Diesen Screenshot haben wir auf der Website eines Illustrators gemacht, der sich zu Deutschlands besseren oder gar besten zählen darf. Aber sowas? Nee! Kommunikation muss funktionieren! 😉
Was ist hier schiefgelaufen?
Der bedingte Trennstrich
Dieser Trennstrich erscheint nur, wenn er am Zeilenende steht. In der Mitte der Zeile unterdrückt WORD diesen Trennstrich. Das ist auf jeden Fall besser, als wenn Sie einfach nur das Minus verwenden. Tastenkürzel: Strg+Minus
Der geschützte Trennstrich
Dieser Trennstrich sorgt dafür, dass bestimmte Wörter nie getrennt werden, sondern immer gemeinsam in einer Zeile stehen. Das ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn Sie Wörter wie FFP2-Maske, RKI-Präsident oder EU-Kommission zusammenhalten wollen. Tastenkürzel: Shift+Strg+Minus
Das geschützte Leerzeichen
Hier geht’s nicht um einen Strich, sondern darum, bestimmte Leerzeichen zu erhalten, zum Beispiel zwischen Menge und Maßeinheit: 4 Meter. Gibt man das geschützte Leerzeichen ein, werden die beiden am Zeilenende nie auseinandergerissen. Tastenkürzel: Shift+Strg+Leertaste
Die Bundesregierung wollte jüngst abstimmen über einen Entwurf zum neuen Urheberrecht. Die Abstimmung wurde aber abgeblasen, denn es gibt Ärger zwischen den Ressorts. Einer der Knackpunkte: das sogenannte „Pastiche“. Wir zeigen an lustigen Beispielen, was das überhaupt ist und welche Bedeutung es hat.
Wer denkt, es gehe um Unwichtiges, der irrt: Indem juristisch definiert wird, was ein „Pastiche“ ist, werden bestimmte Darstellungsformen im Internet als frei und kostenlos darstellbar eingestuft und andere nicht. Oder, wie es so mancher YouTuber sieht: Es geht um die Freiheit des Internets (sich bei fremden Werken zu bedienen).
Das Spannungsfeld liegt zwischen
• der Freiheit, sich kreativ auszudrücken und dabei Werke anderer benutzen zu dürfen und
• der Nutzung fremden geistigen Eigentums, ohne die Urheber zu entlohnen.



Was würden Sie sagen: Sollte, wer solche Bilder schafft oder verbreitet, dafür etwas zahlen müssen? Zum Beispiel an Erben, Verwertungsgesellschaften, Firmen wie die Walt Disney Company etc.? Oder sollten solche Werke kostenlos darstellbar sein?
Es handelt sich hierbei um sogenannte „Pastiches“. Das Wort schlummert seit mindestens 50 Jahren im Fremdwörter-Duden, ist in der Allgemeinbevölkerung aber unbekannt. Am besten lässt sich der Begriff definieren durch eine Abgrenzung von Parodien:


Warum ist überhaupt das „Pastiche“ als Phänomen auf einmal relevant? Weil die europäische „Pastiche-Schranke“ definiert, was erlaubt ist und was nicht. Deutsche Musiker protestierten kürzlich in einem offenen Brief gegen den aktuellen Gesetzesentwurf. Sie befürchten „einen deutschen Selbstbedienungsladen, in dem unsere Werke an jeden verschenkt werden, der ,Pastiche‘ sagt.“ Wörter definieren eben Tatsachen.
Bis Mitte 2021 muss Deutschland die europäischen Urheberrechtsvorgaben in nationales Recht umgesetzt haben. Das ist viel schwieriger, als es klingt: Vor allem muss möglichst konkret definiert werden, was man im Internet verbreiten darf, ohne mit Urhebern die Verwendung abgesprochen zu haben. Zum Beispiel kursiert derzeit ein Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums, der die Schranken recht genau justieren würde: Bis zu 20 Sekunden eines Films, bis zu 20 Sekunden einer Tonspur und bis zu 1000 Zeichen eines Textes sollen künftig frei wiedergegeben werden dürfen. Konkret würde das zum Beispiel bedeuten, dass kurze Nachrichten bis zu 30 Zeilen wortwörtlich und ungestraft von Dritten weiterverbreitet werden dürften. Folglich könnte jeder beliebige Aggregator im Netz die Meldungen der Lokalpresse weiterverbreiten, völlig kostenlos.
Bei Bildern soll eine Grenze von 250 Kilobyte gelten. Das würde zum Beispiel fast alle Memes (die Kachelbilder bei Facebook und Instagram mit Schrift darin) erlauben. Unsere hier gezeigten Bilder liegen auch alle weit unter einem Viertelmegabyte – aber soll dieses profane Größen-Kriterium wirklich entscheidend sein?
Inhaltlich mischen wir uns in diese (mit sehr harten Bandagen geführten) Auseinandersetzung lieber nicht ein, zumal beide Seiten gute Argumente haben.