Journalist*innen haben eine ganz einfache Methode, noch vor dem ersten Buchstaben zu klären, wohin bei einem Text die Reise geht: den Küchenzuruf. Die Methode ist alt und in ihrem Ursprung ganz schön macho. Unser Film erklärt’s in aller Kürze und schiebt den Mann in die Küche!
Kategorie: Allgemein
Kenner greifen zum besseren Trennstrich …
Trennstriche mitten in der Zeile sind eine böse Sache. Warum tut man uns das an? Wer die besseren Trennstriche kennt, schützt sich und andere. Also los!

Mannomann! Diesen Screenshot haben wir auf der Website eines Illustrators gemacht, der sich zu Deutschlands besseren oder gar besten zählen darf. Aber sowas? Nee! Kommunikation muss funktionieren! 😉
Was ist hier schiefgelaufen?
- Auf uns hört ja mal wieder keiner! Immer wieder predigen wir: Finger weg vom Blocksatz, der verursacht entweder große Lücken zwischen den Wörtern oder erfordert die Silbentrennung am Zeilenende. Das aber will gekonnt sein und klappt deshalb höchst selten.
- Wer es nun aber partout nicht lassen kann und Wörter trennen will, der sollte drei bessere Trenn-Möglichkeiten kennen und auch auseinanderhalten.
Der bedingte Trennstrich
Dieser Trennstrich erscheint nur, wenn er am Zeilenende steht. In der Mitte der Zeile unterdrückt WORD diesen Trennstrich. Das ist auf jeden Fall besser, als wenn Sie einfach nur das Minus verwenden. Tastenkürzel: Strg+Minus
Der geschützte Trennstrich
Dieser Trennstrich sorgt dafür, dass bestimmte Wörter nie getrennt werden, sondern immer gemeinsam in einer Zeile stehen. Das ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn Sie Wörter wie FFP2-Maske, RKI-Präsident oder EU-Kommission zusammenhalten wollen. Tastenkürzel: Shift+Strg+Minus
Das geschützte Leerzeichen
Hier geht’s nicht um einen Strich, sondern darum, bestimmte Leerzeichen zu erhalten, zum Beispiel zwischen Menge und Maßeinheit: 4 Meter. Gibt man das geschützte Leerzeichen ein, werden die beiden am Zeilenende nie auseinandergerissen. Tastenkürzel: Shift+Strg+Leertaste
Politiker streiten ums Pastiche: Aber was ist das eigentlich?
Die Bundesregierung wollte jüngst abstimmen über einen Entwurf zum neuen Urheberrecht. Die Abstimmung wurde aber abgeblasen, denn es gibt Ärger zwischen den Ressorts. Einer der Knackpunkte: das sogenannte „Pastiche“. Wir zeigen an lustigen Beispielen, was das überhaupt ist und welche Bedeutung es hat.
Wer denkt, es gehe um Unwichtiges, der irrt: Indem juristisch definiert wird, was ein „Pastiche“ ist, werden bestimmte Darstellungsformen im Internet als frei und kostenlos darstellbar eingestuft und andere nicht. Oder, wie es so mancher YouTuber sieht: Es geht um die Freiheit des Internets (sich bei fremden Werken zu bedienen).
Das Spannungsfeld liegt zwischen
• der Freiheit, sich kreativ auszudrücken und dabei Werke anderer benutzen zu dürfen und
• der Nutzung fremden geistigen Eigentums, ohne die Urheber zu entlohnen.



Was würden Sie sagen: Sollte, wer solche Bilder schafft oder verbreitet, dafür etwas zahlen müssen? Zum Beispiel an Erben, Verwertungsgesellschaften, Firmen wie die Walt Disney Company etc.? Oder sollten solche Werke kostenlos darstellbar sein?
Es handelt sich hierbei um sogenannte „Pastiches“. Das Wort schlummert seit mindestens 50 Jahren im Fremdwörter-Duden, ist in der Allgemeinbevölkerung aber unbekannt. Am besten lässt sich der Begriff definieren durch eine Abgrenzung von Parodien:
Bei einer Parodie behält man die äußere Form eines Werks bei, verändert den Inhalt aber so, dass ein komischer Effekt entsteht. Die Parodie dient dazu, sich über etwas oder jemanden lustig zu machen und vielleicht auch Kritik zu üben. Der Film „Tropic Thunder“ etwa ist eine Parodie auf die Darstellung des Krieges in Hollywood-Filmen. Es geht um Humor, aber auch um Kritik.

Beim Pastiche ist es anders als bei der Parodie. Es geht erst einmal weder um Unterhaltung noch um Kritik, sondern nur um die Nachahmung des Stils und der Ideen eines Autors. Das ist, wie man sieht, sehr weit gefasst. Ein Pastiche kann sich zusammensetzen aus verschiedensten Elementen, die man sich von anderen Werken besorgt und die man irgendwie verändert hat. Es handelt sich aber nicht um Plagiate – jedenfalls dann nicht, wenn man entweder den ursprünglichen Schöpfer erwähnt oder ihn als bekannt voraussetzen darf (wie bei da Vincis Mona Lisa). Man nutzt die Vorlagen einfach, um daraus etwas Neues zu schaffen. In diesem vorgeblichen Filmplakat etwa geht es gar nicht um den James-Dean-Klassiker oder sein Genre.

Warum ist überhaupt das „Pastiche“ als Phänomen auf einmal relevant? Weil die europäische „Pastiche-Schranke“ definiert, was erlaubt ist und was nicht. Deutsche Musiker protestierten kürzlich in einem offenen Brief gegen den aktuellen Gesetzesentwurf. Sie befürchten „einen deutschen Selbstbedienungsladen, in dem unsere Werke an jeden verschenkt werden, der ,Pastiche‘ sagt.“ Wörter definieren eben Tatsachen.
Bis Mitte 2021 muss Deutschland die europäischen Urheberrechtsvorgaben in nationales Recht umgesetzt haben. Das ist viel schwieriger, als es klingt: Vor allem muss möglichst konkret definiert werden, was man im Internet verbreiten darf, ohne mit Urhebern die Verwendung abgesprochen zu haben. Zum Beispiel kursiert derzeit ein Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums, der die Schranken recht genau justieren würde: Bis zu 20 Sekunden eines Films, bis zu 20 Sekunden einer Tonspur und bis zu 1000 Zeichen eines Textes sollen künftig frei wiedergegeben werden dürfen. Konkret würde das zum Beispiel bedeuten, dass kurze Nachrichten bis zu 30 Zeilen wortwörtlich und ungestraft von Dritten weiterverbreitet werden dürften. Folglich könnte jeder beliebige Aggregator im Netz die Meldungen der Lokalpresse weiterverbreiten, völlig kostenlos.
Bei Bildern soll eine Grenze von 250 Kilobyte gelten. Das würde zum Beispiel fast alle Memes (die Kachelbilder bei Facebook und Instagram mit Schrift darin) erlauben. Unsere hier gezeigten Bilder liegen auch alle weit unter einem Viertelmegabyte – aber soll dieses profane Größen-Kriterium wirklich entscheidend sein?
Inhaltlich mischen wir uns in diese (mit sehr harten Bandagen geführten) Auseinandersetzung lieber nicht ein, zumal beide Seiten gute Argumente haben.
Tolle Toilettenlektüre: Trumps gesammelte Tweets

Sven Lindhorst-Emme: Overtrump. 128 Seiten; 12,95 Euro. Bielefeld: Kerber-Verlag, 2020. ISBN 978-3-7356-0735-5
Ein deutscher Gestalter hat in einem Büchlein namens „Overtrump“ die dümmsten Sprüche des Donald Trump gesammelt. Etwa: „Ich habe noch nie eine schlanke Person Diät-Cola trinken sehen!“ Oder: „Es würde anderthalb Stunden dauern, um alles über Raketen zu lernen, aber das meiste davon weiß ich sowieso.“ Mehr über sein Buch verrät Gestalter Sven Lindhorst-Emme im SWR-Interview.
10 der dämlichsten Trump-Tweets und -Zitate haben wir für Sie einmal gesammelt und übersetzt:
- „Die Globale Erwärmung wurde von und für die Chinesen erfunden, um die US-Produktion wettbewerbsunfähig zu machen.“
- „Es schneit und friert in New York. Wir brauchen globale Erwärmung!“
- „Ich tweete gar nicht gerne, ich habe andere Sachen, die ich tun könnte. Aber ich bekomme sehr unehrliche Presse.“
- „Ich treffe meine eigenen Entscheidungen, überwiegend aufgrund von gesammelten Daten, und alle wissen das.“
- „Ich könnte jemanden mitten auf der 5th Avenue in New York erschießen und die Leute würden mich trotzdem wählen.“
- „Wenn Ivanka nicht meine Tochter wäre, würde ich sie wahrscheinlich daten.“
- „Meine Finger sind lang und schön, und, wie gut dokumentiert wurde, auch andere Teile meines Körpers.“
- „Der beste Präsident, den Gott je erschaffen hat.“
- „Wenn Hillary Clinton nicht einmal ihren Ehemann befriedigen kann, was lässt sie glauben, sie könnte Amerika befriedigen?“
- „Ich kenne mich mit China aus. Immerhin haben die eine Bank bei mir im Tower.“
Kann Typografie sexy sein? Eine Künstlerin beweist es!
In der Sprache der Emojis übernehmen vor allem Früchte delikate Anspielungen, Pfirsiche etwa oder Auberginen. Das hat eine französische Künstlerin auf den Gedanken gebracht, auch mit Buchstaben erotische Botschaften zu schaffen. Arte stellt ihre Idee bildhaft vor.
Überblick: Welche Arten von Protokollen gibt es?
Wir vom Zeilenhacker machen ja jetzt auch YouTube-Videos. Dabei liefern wir wichtiges Wissen in ganz kleinen Portionen. Neueste Produktion: Unser Erklär-Genie Andrea erläutert die Unterschiede zwischen den verschiedenen Protokoll-Arten in 3 Minuten!
Explizit und implizit: ein Unterschied wie Tag und Nacht!
Es gibt Infos, die ausdrücklich genannt sind. Und es gibt Infos, die muss man mitdenken. Wir zeigen das Problem an einem einzigen (besonders blöden) Schild …
Beantworten Sie bitte folgende Frage: An welchen Nachmittagen ist die Praxis geschlossen?

Dienstagnachmittag? Richtig, das steht da jedenfalls. Aber was ist mittwochs? Und was ist freitags?
Das steht da auch, nämlich in Zeile 2: Da ist auch geschlossen. Es steht allerdings nicht explizit da, sondern implizit, und das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht!
Wenn wir kein Rätselspiel wollen, sondern gelingende Kommunikation, dann sagen wir am besten alles explizit und gut aufgeräumt. Implizite Informationen funktionieren sehr oft nicht. Sie sind vor allem dann angeraten, wenn man möchte, dass etwas übersehen wird. Zum Beispiel, dass man an drei von fünf Werktagen nur vormittags öffnet …
Stefan Brunn
Was macht Texte flüssig?
US-Psychologen erforschen seit Jahrzehnten die „fluency of information“, wie flüssig also Informationen von einem Menschen zum anderen gelangen. Einen spannenden Baustein stellen wir Ihnen in einem dreiminütigen Filmchen vor. Es geht um die „Thema-Rhema-Theorie“.
Warum man manche Zitate einfach nicht glaubt!
Politik braucht mehr Glaubwürdigkeit. Deshalb wäre es schön, wenn wir Politiker:innen glauben könnten, wenn sie uns Zitate zur Veröffentlichung schicken. Vielen Zitaten sieht man aber an drei Kriterien sofort an, dass sie nie ausgesprochen wurden.
An folgendem Ausschnitt aus einem Zitat eines MdB der SPD (Person und Partei sind uns aber egal, unglaubwürdige Zitate findet man allerorten) lassen sich die drei wichtigsten Kriterien der Unglaubwürdigkeit ganz gut zeigen:
„Auf wiederholten Druck der SPD legte der verantwortliche Bauminister Seehofer (CSU) im Juni 2020 einen Entwurf zur BauGB-Novelle vor, der diese Vereinbarung auch endlich umsetzt. Damit sollen, wie es auch in der Gesetzesbegründung heißt, Mieter*innen vor Verdrängung durch Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen geschützt werden. Nicht nur diese Einigung wurde nunmehr eigenständig vom Bauminister entfernt. Auch bei der enthaltenen Regelung zur Erleichterung der Anwendung von Baugeboten wird unser Koalitionspartner wortbrüchig.“
1. Kriterium: Niemand spricht mit Klammern. Anstatt „Bauminister Seehofer (CSU)“ hätte man wenigstens „Bauminister Seehofer von der CSU“ sagen können. Oder, noch besser, die beiden Infos in zwei Sätze packen.
2. Kriterium: Niemand spricht derart geschwollen – und wenn doch, dann sollte er es ändern. „Regelung der Erleichterung der Anwendung“ ist gemeißeltes Schriftdeutsch!
3. Kriterium: Das Präteritum ist im Mündlichen seit Jahrzehnten ausgestorben. Jeder normale Mensch sagt „Seehofer hat vorgelegt“ und nicht „Seehofer legte vor“. Wer das nicht glaubt, googelt mal „Präteritumschwund“.
Wir wissen natürlich auch, dass viele Zitate nicht von den MdB selbst stammen, sondern von ihrem Stab. Aber der sollte die Zitate wenigstens so schreiben, dass sie wirken wie gesprochen.
Und wo wir schon mal dabei sind: Ein solches Zitat ist viel zu lang, es müsste wenigstens mal unterbrochen werden. Außerdem sind auch die Sätze selbst zu lang. Die Einschübe müssten verschwinden. Und letztlich wäre es nicht schlecht, den Höhepunkt am Ende in einen ganz kurzen Satz zu kleiden, der hängen bleibt. Diesen hier kann sich vermutlich nicht mal der Abgeordnete selbst merken.
Stefan Brunn
Krass: DIESE typografische Marotte schreit uns an!
Mit einem kleinen typografischen Eingriff kann man viel bewegen. Das wissen inzwischen auch Online-Redaktionen – und wenden den Trick in jeder dritten Nachricht an.

SO hast Du sie noch nie gesehen!
HIER zeigt sie sich splitterfasernackt.
Plötzlich mischt SIE sich ein und tadelt den Moderator.
Der Trick liegt auf der Hand: Man lege die Betonung in ein kurzes Wort und schreibe es dann groß. Schon weiß das Publikum, wo es laut werden soll im Satz. Und genau das ist auch das Problem: Dauernde Schreierei nervt, zumal dann, wenn die Marotte so durchschaubar ist.

Im Satz einzelne Wörter komplett groß zu schreiben, ist selten notwendig. Es kann schon mal nützlich sein, wenn man zum Beispiel in Reintext-E-Mails keine andere Möglichkeit zur Hervorhebung hat. Dann hilft‘s schon mal, ein ODER oder ein NICHT groß zu schreiben, um etwas zu verdeutlichen.
Ansonsten sollte man wissen, dass der sogenannte Versalsatz das Lesetempo reduziert. Man sollte also weder unmotiviert mitten im Satz Wörter groß schreiben noch ganze Textzeilen. Außer natürlich, man will gar nicht schreiben, sondern SCHREIEN!
Stefan Brunn





