Kategorie: Allgemein

Warum Prozente oft gar keine Prozente sind …

Wenn Leute Zahlen vergleichen, machen Sie einen Fehler immer wieder: Sie verwechseln Prozente und Prozentpunkte. Dabei ist der Unterschied riesig.

Die Grundregel lautet: Absolute Änderungen von Prozentsätzen gibt man in Prozentpunkten an, relative Änderungen in Prozenten. Wie groß der Unterschied ist, macht unser erstes (rein fiktives) Beispiel deutlich:

2021 wurden 20 Prozent aller Wildschweine abgeschossen, 2018 waren es nur 2 Prozent. 2021 wurden also 18 Prozentpunkte mehr Wild abgeschossen als noch 2018. Das bedeutet aber nicht, dass 18 Prozent mehr Wild geschossen wurde als noch 2018. Tatsächlich ist diese Steigerung viel, viel höher. Es wurden nämlich 900 Prozent mehr Wildschweine abgeschossen als noch vor vier Jahren.

Wie sind wir auf die Steigerung von 900 Prozent (statt fälschlich 18 Prozent) gekommen?
Um wie viele Prozentpunkte hat sich der Abschuss von Wildschweinen gegenüber 2018 geändert? Um das zu ermitteln, rechnet man: 20 – 2 = 18. Die 18 geben die Prozentpunkte an. Dann dividiert man die Differenz der Prozentpunkte durch den niedrigeren Prozentwert (18 : 2 = 9). Das Ergebnis nimmt man mal 100, um auf den neuen Prozentwert zu kommen (9 x 100 = 900). Ergebnis: Der Wildabschuss hat sich also von 2018 auf 2021 um 900 Prozent gesteigert. Natürlich rein fiktiv, wir haben nicht die geringste Ahnung von Jagd und Wildschweinen.

Von Politik haben wir schon etwas mehr Ahnung, und hier wird der Prozent-Prozentpunkte-Fehler unglaublich oft gemacht. Also auch hierzu noch ein Beispiel:

2021 hat die XY-Partei 12 Prozent erreicht, 2017 waren es 10 Prozent. 2021 hat die XY-Partei also 2 Prozentpunkte mehr erreicht als 2017. Die XY-Partei hat aber 20 Prozent mehr Stimmen bekommen als bei der letzten Wahl und nicht 2 Prozent mehr!

Wenn das mal keine Steilvorlage für politische Statements nach Wahlen ist: Eine Steigerung um 20 Prozent lässt sich doch viel besser verkaufen als eine um 2 Prozentpunkte und ist auch noch deutlich richtiger als eine um 2 Prozent ☺.

Sätze kann man auch malen!

Wie behält man bei Satzmonstern mit mehreren Köpfen und Schwänzen den Überblick? Manchmal weiß man ja gar nicht mehr, wo vorne und wo hinten ist! Analytisch geht das mit sogenannten „Satzbildern“. Wir zeigen Ihnen in aller Kürze, wie solche Satzbilder aussehen und wie man sie malt.

Von Hannah Molderings

Mit „Satzbildern“ zeichnet man sehr einfach Sätze nach und macht damit ihre Struktur deutlicher. Hauptsätze werden durch dickere Striche, Gliedsätze durch dünnere gekennzeichnet. So lässt sich ganz leicht visualisieren, wo ein Satzteil beginnt und wo er endet. Wir haben einige Beispielsätze aus der „vergnüglichen Sprach- und Stilkunde“ des ehemaligen Münchner Deutschlehrers und -trainers Hans Lobentanzer herausgesucht:

Der starke, kräftige, lange Regen machte uns nichts aus.

 

Meine Schwester konnte mir nicht helfen, weil sie immer absagte, wenn sie lästige Arbeiten machen sollte, die sie nicht mochte.

 

Alles, was wichtig ist, ist, dass man stets weiß, was man tut.

Und was merken wir uns?

Erstens: Um zu zeigen, wie kompliziert ein Satz ist, bieten sich solche Satzbilder wirklich an.

Zweitens: Je einfacher man schreibt, desto einfacher zeichnet es sich – vor allem aber die Leser/Zuhörer*innen profitieren davon!

Worum geht’s vordergründig? Bitte vollumfänglich klären!

Wenn Wörter unterschiedlich verstanden werden, wird Kommunikation gefährlich. Unzählige Male haben wir das in Seminaren schon am Beispiel „grundsätzlich“ gezeigt. Ähnlich sieht’s bei dem trendigen Wort „vordergründig“ aus.

Von Stefan Brunn

Das folgende Beispiel stammt aus dem Anlegermagazin „Der Aktionär“. Es geht in einem Interview um einen Aktionär, der sich durch die Berichterstattung eines Journalisten der „Financial Times“ über das DAX-Unternehmen Wirecard um viel Geld gebracht sieht. Uns geht es aber nur um die Verwendung des Wortes „vordergründig“:

„Vordergründig“ so zu benutzen wie hier – das ist gerade in Mode, jedenfalls sehen wir es immer häufiger. Ähnlich wie bei „grundsätzlich“ oder „vollumfänglich“ wollen die Benutzer*innen offenbar damit weismachen, dass es sich um einen juristischen Fachterminus handelt. Aber das ist natürlich Quatsch.

Wie der Gebrauch des Wortes „grundsätzlich“ ist auch der Gebrauch von „vordergründig“ unsicher in der Kommunikation – weil einige Menschen den Begriff anders verstehen als andere. Nach wie vor werden die meisten Leute „vordergründig“ so verstehen wie hier:

„Russlands Präsident Wladimir Putin besucht wieder einmal Budapest. Vordergründig geht es bei dem Treffen mit Ungarns Regierungschef Viktor Orbán um den Schutz verfolgter Christen – in  Wahrheit um Strom, Gas und Geld.“

Bei „grundsätzlich“ verstehen die einen es so, dass es um einen Grundsatz geht, vom dem man jederzeit Ausnahmen machen kann. Die anderen aber verstehen genau das Gegenteil: dass man nämlich gerade hier nie eine Ausnahme macht. Wer zum Beispiel sagt: „Ich bin grundsätzlich gegen die Todesstrafe!“, der meint ganz sicher nicht, dass er es heute so, morgen so sieht. Sondern er ist immer gegen die Todesstrafe und wird sie nie akzeptieren.

Ähnlich sieht es bei allen aus, die „vordergründig“ wie im obigen Wirecard-Beispiel benutzen: Gemeint ist vermutlich, dass man sich „hauptsächlich“ gegen Unbekannt wendet und „hauptsächlich“ bisher unbekannte Mittäter ermitteln wolle. Aber gerade diese Formulierung/Übersetzung legt natürlich nahe, dass es „eigentlich“ um etwas ganz anderes geht. Und das nährt durchaus Zweifel an der Lauterkeit der eigenen Aussage, ganz ungewollt vermutlich.

Ein Schelm könnte zum Beispiel denken, dass es nur „vordergründig“ darum geht, gegen Unbekannt zu ermitteln. „Hauptsächlich“, würde dieser Schelm denken, geht es vielleicht darum, den Journalisten Dan McCrum und die „Financial Times“ in dieser Sache abzuschrecken bzw. mundtot zu machen. Aber wie gesagt: Das würde natürlich nur ein Schelm denken!



Unser Rat unterm Strich
: Packen Sie die Wörter „grundsätzlich“, „vordergründig“ und „vollumfänglich“ in den Giftschrank – durch die unterschiedliche Verwendung besteht einfach zu viel Verwechslungsgefahr. Und wichtigtuerische Sprache ist auch kein guter Stil.

Der orthographische Arm des Rechtsradikalismus?

Die FDP wollte ein witziges Video machen und sich darin einerseits gegen Neonazis stellen und andererseits für mehr Bildung werben. Man kann nicht sagen, dass das gut geklappt hätte, denn es gibt nur Verlierer – einer davon ist die Orthographie.

Von Stefan Brunn

Machen wir es anders als viele Leute, die sich an Shitstorms beteiligen: Wir sehen uns erst mal an, worum es geht:

Die FDP bedient sich hier einer alten Idee, die sogar mal lustig war: Man nimmt Parolen ihren Ernst, indem man sie auf einer ganz anderen Ebene korrigiert. In Giovanni Guareschis „Don Camillo und Peppone“ geschieht das einigen Kommunisten, denen man die Parolen an den Wänden berichtigt. Auch Brian in Monty Pythons „Das Leben des Brian“ muss sich korrigieren lassen, als er „Römer, geht nach Hause!“ an die Wand schreibt: Ein Centurio lässt ihn sein falsches „Romanes eunt domus“ 100 Mal neu (und richtig) schreiben.

Vielleicht gab es diesen Witz ja bei den alten Römern schon, er ist eigentlich zeitlos. Was aber passiert im Herbst 2019? Die FDP wärmt diese alte Idee auf und wendet sie auf Neonazis an – man hätte bei diesem Feind ja allseitigen Beifall der Netzgemeinde erwartet. Stattdessen erntet die FDP einen Shitstorm bei Facebook & Co., in vielen Zeitungen und im Fernsehen. Sie verharmlose Rechtsradikalismus, heißt es, irgendeiner twittert sogar: „FDP, der orthographische Arm des Rechtsradikalismus“. In der Folge greifen andere wiederum diese böse Parole auf, unter anderem der Moderator Klaas Heufer-Umlauf in „Late Night Berlin“. Die rechten Parolen aufzuwerten, indem man sie richtig schreibe, sei ja wohl das Dümmste, lautet der Tenor.

Vielleicht ist die Idee der FDP nicht neu und vielleicht ist sie auch nicht mehr witzig. Aber die These hinter dem Video ist nun wirklich nicht: „Wenn man sowas richtig schreibt, dann ist es okay.“ Sondern die These lautet doch wohl unzweifelhaft: „Wenig Bildung führt zu Dummheit.“

Ob man nun Rechtschreibung als Indikator für Dummheit bewerten darf – fraglich. Aber die Absicht, durch gute Bildung weniger dumme Menschen und somit auch weniger Neonazis zu erhalten, ist nicht die schlechteste. Sie ist jedenfalls besser als der Vorsatz vieler Shitstormer, die FDP durch bewusstes Missverstehen zu diskreditieren. Beide Seiten verlieren bei dieser Auseinandersetzung an Kredit. Und übrigens wird auch die Orthographie selbst abgewertet: In der Kritik wird sie zu einer völlig unwichtigen Sache herabgewürdigt. Das war bei „Don Camillo und Peppone“ und „Leben des Brian“ noch ganz anders. Seinerzeit galt sie als durchaus taugliches Mittel, um unausgegorene Gedanken auf einfachster Ebene zu entlarven.

Welche Wörter liegen bei Politikern im Trend?

Welche Wörter fallen in Bundestagsreden erst seit kurzem – und über welche Themen spricht man gar nicht mehr? Mit einem tollen neuen Tool kann man das ganz einfach selbst checken.

Von Hannah Molderings

Die „Zeit“ hat alle Protokolle der Bundestags-Plenarsitzungen der letzten 70 Jahre aus einer Datenbank durchsuchbar gemacht. Mit einem extrem einfach zu bedienenden grafischen Online-Tool (ohne Download) kann man nun in allen Wörtern suchen, die jemals in einer Bundestagsrede gefallen sind. Für jedes Jahr kann man in einer Kurve sehen, wie oft dieses Wort in den Reden der Abgeordneten vorkam. Es lassen sich bis zu fünf Wörter gleichzeitig suchen – in verschiedenfarbigen Kurven kann man die Häufigkeiten dann sofort miteinander vergleichen.

Wir haben das Ganze an einem Beispiel getestet:

Hier sieht man die Kurve zum Wort „zeitnah“. Insgesamt wurde dieses Wort in all den Jahren 1.257 Mal gesagt – in den letzten 10 Jahren deutlich häufiger als früher. Seinen Höhepunkt erreichte diese Floskel im letzten Jahr, mit 102 Erwähnungen.

Uns hat aber auch interessiert, wann solch ein diskriminierender Begriff wie „Neger“ zuletzt im Bundestag benutzt wurde:

Auf den ersten Blick meint man: 1953 war dieses Wort noch verbreitet. Da täuscht die Grafik allerdings, denn sie zeigt die relative Häufigkeit an: Auch im Jahr 1953 wurde das Wort nur 3 Mal erwähnt, in all den 70 Jahren waren es insgesamt 29 Erwähnungen. Außerdem gibt diese Zahl natürlich noch keine Auskunft darüber, in welchem Kontext ein Begriff verwendet wurde. Und von wem ein Begriff gesagt wurde, geht aus den Zahlen auch nicht hervor.

Wer es selbst einmal ausprobieren möchte: Darüber spricht der Bundestag

Neben dem Tool selbst findet man hier noch viele weitere Erklärungen und interessante Beispiele.

Kryptische Werbe-Claims: So geht‘s in die Hose!

„Damit es zumindest zu Hause läuft.“ Diesen Werbe-Claim lasen wir kürzlich in riesigen Lettern auf einem LKW. Und jetzt raten Sie mal, wofür er wirbt?

Von Stefan Brunn

Einen guten Claim zu schreiben ist anspruchsvoll: Der Claim muss alles zusammenfassen, sexy rüberkommen, das eigene Image stärken und doch auch richtig und repräsentativ bleiben – und das alles in ganz wenigen Worten. Das ist auch für Profis keine leichte Aufgabe, wie man immer wieder an misslungenen Beispielen auch von großen Firmen sieht.

Ein häufiges Problem ist, dass Claims kryptisch bleiben, sich einfach nicht erklären lassen, jedenfalls nicht auf Anhieb. Bei diesem Beispiel hier aus der Blumenbranche blieben wir jedoch bis heute völlig ratlos zurück: „Damit es zumindest zu Hause läuft.“ Was will uns der Absender damit wohl sagen? Einige mögliche Interpretationen haben wir herausgearbeitet:

A: Im Beruf hast Du viel Stress und Zoff und wenig Erfolg. Bring Deinem Partner Blumen mit, dann kriegst Du wenigstens daheim keinen Ärger!

B: Du stehst schon wieder im Stau? Es geht nicht voran auf der Autobahn? Dann kauf Dir doch mal ein paar Blumen, dann läuft’s wenigstens daheim beim Gießen flüssig!

C: Anmacher dieser Welt, macht Euch nichts draus, wenn es draußen bei den Flirts nicht läuft – kauft Euren Frauen daheim ein paar Blumen, dann kommt ihr wenigstens da mal wieder zum Zuge!

Leider verrät auch die Website 1000gutegruende.de nicht, was wirklich gemeint ist. Wir tippen mal auf eine Mischung zwischen A und C. ☺

Schriftenklau – viele begehen Diebstahl und wissen es gar nicht!

Was, jetzt soll ich auch noch für Schriften zahlen?! Diesen naiven Ausruf hört man oft. Wir räumen in aller Kürze mit fünf weitverbreiteten Unwahrheiten auf! *

Von Stefan Brunn

Unwahrheit Nummer 1: Schriften sind frei, daran gibt’s keine Rechte!
Oh doch, auch für Schriften muss man Nutzungsrechte erwerben. Ausnahmen gelten zum Beispiel für Systemschriften (die man zugleich mit einem Rechner erworben hat) oder für explizit frei verfügbare Schriften. Aber im Grundsatz gilt: Man kann nicht irgendwo eine Schrift herunterladen und glauben, Urheberrechte würden für Schriften nicht gelten.

Unwahrheit Nummer 2: Man kauft sich die Schrift.
Auch diese Aussage ist falsch: Wenn man in einem Fontshop für eine Schrift etwas bezahlt, dann handelt es sich nur um Nutzungsrechte. Es ist hier nicht wie beim Kofferkauf! Der Koffer gehört einem, die Schrift eben nicht, man darf sie nur benutzen …

Unwahrheit Nummer 3: Eine Agentur darf eine Schrift nur für einen einzigen Kunden nutzen.
Falsch. Wenn eine Agentur für einen Kunden eine Schrift kauft, dann erwirbt sie die Nutzungsrechte. Diese Nutzungsrechte hat sie dann für all ihre Kunden. Was die Agentur hingegen nicht tun kann: die Schrift(en) weitergeben an die Kunden. Nur die damit erstellten Produkte (meist ja PDF) darf sie weitergeben an Kunden, Druckereien etc.

Unwahrheit Nummer 4: Die Schrift darf nur auf einem einzigen Rechner installiert werden.
Hier kommt es natürlich auf den Vertrag mit dem Fontshop an. In aller Regel jedoch dürfen Agenturen die Schrift auf mehreren Rechnern installieren und benutzen. Eine Lizenz gilt oft für bis zu 5 Arbeitsplätze. Wer die Schrift(en) dann auf mehr als 5 Rechnern benutzen will, muss eine andere (Volumen-)Lizenz erwerben.

Unwahrheit Nummer 5: Auf der Rechnung an den Fontshop muss der Kunde der Agentur vermerkt sein.
Wieder falsch! Es kommt nicht auf den Endkunden an, sondern allein auf den Lizenznehmer. Wie er die Kosten mit dem Kunden abrechnet, ist dabei egal: Er kann sie in der Rechnung gegenüber dem Kunden explizit ausweisen oder die Summe mit anderen Dienstleistungen verrechnen. Der Endkunde hat in beiden Fällen nicht das Recht, die Schrift(en) auf seinen Rechnern zu installieren. Er muss also, wenn er die Schrift(en) später selbst auch noch nutzen will, eine weitere Lizenz erwerben. Das ist insofern problematisch, als er sie dann letztlich zweimal bezahlt: einmal für die Nutzung durch die Agentur und einmal für die eigene Nutzung. Bei kleineren Projekten kann es bisweilen möglich sein, dass die Agentur sich für die Entwürfe im Fontshop kostenlose Testschnitte besorgt (zeitlich begrenzter Einsatz) oder entsprechende Plug-ins von Fontshops nutzt.

* Dieser Artikel ist keine Rechtsauskunft oder -beratung! Weder ist der Autor Rechtsanwalt noch besitzt er fundierte juristische Kenntnisse. Die Informationen in diesem Text beruhen auf eigenen Erfahrungen und Recherchen des Autors. Für tiefergehende Informationen empfehlen wir drei weitere Quellen:

• eine von dem Schriftgestalter Ralf Herrmann,
• eine von der Deutschen Anwaltshotline,
• eine von der Informationsplattform iRights.info

Was ist eigentlich eine Normseite und was kostet sie?

Die „Normseite“ ist die Maßeinheit schlechthin fürs Korrektorat. Wie man sie ermittelt und was sie ungefähr kostet, lesen Sie bei uns auf weniger als anderthalb Normseiten …

Von Stefan Brunn

Was ist eine Normseite?
Mit „Normseiten“ ermitteln Autoren, Übersetzer, Korrektorate und andere den Umfang von Texten. Eine Normseite enthält 30 Zeilen je maximal 60 Anschläge. Leider kann man aber nicht die Gesamtzeichenzahl eines Manuskripts einfach durch 1.800 teilen. Stattdessen wird der Text in eine tatsächliche Normseite eingefügt, dann werden die Seiten gezählt. Und so kommen tatsächlich deutlich mehr Seiten zustande. Wer mit zwischen 1.500 und 1.700 Zeichen je Seite rechnet, kommt der Sache schon näher …

Wenn Sie es mal ausprobieren wollen: Wir stellen hier eine Normseite-zum-Download zum Download zur Verfügung.

Was kostet eine Normseite Korrektorat?
Tja, günstige Anbieter fangen bei 1,50 Euro oder 2 Euro je Normseite an, gemeint ist hier aber wirklich das reine Ausmerzen von Rechtschreibfehlern, Grammatikfehlern und Zeichensetzungsfehlern. Stilistische Überarbeitungen sind mindestens doppelt so teuer, von Lektoraten ganz zu schweigen. Außerdem spielt natürlich eine Rolle, wie gut oder schlecht der Ausgangstext ist: 30 Fehler pro Seite machen natürlich mehr Aufwand als 3. Für eine 300-normseitige Doktorarbeit sollte man jedenfalls nicht mehr bezahlen als 500 Euro.

Was ist der Unterscheid zwischen Lektorat, Redigat und Korrektorat?
Ganz vereinfacht ausgedrückt, handelt es sich um Überarbeitungsstufen.

Beim Korrektorat werden nur Fehler ausgemerzt, stilistisch werden überhaupt keine Änderungen vorgenommen.

Beim Redigat achtet man bereits auf Probleme des Ausdrucks, auf stilistische Dinge – und man weist sogar auf inhaltliche Schwächen hin oder beseitigt sie sogar. Wenn der Redakteurin oder dem Redakteur zum Beispiel auffällt, dass eine erwähnte Person gar nicht eingeführt worden ist, dann werden die Verfasser sicher darauf hingewiesen – beim Korrektorat gehört das nicht zum Aufgabenfeld.

Das Lektorat geht sogar noch weiter und betreut Autorin oder Autor von Anfang an, mischt sich also auch ins Konzept ein.

Aber Achtung: Die hier unterschiedenen Begriffe sind keineswegs trennscharf. Sie werden von den Anbietern auch durchaus unterschiedlich definiert oder munter durcheinandergeworfen …

10 Zutaten, die politische Texte erfolgreich machen

Manchmal geht es bei einem Text wirklich um die Wurst. Ein Beispiel war zuletzt die Rede Ursula von der Leyens im Europäischen Parlament – ihre ganze Zukunft hing daran. Für solche Fälle haben wir einmal ein Listicle-to-go vorbereitet.

Von Stefan Brunn

1. Versprechen Sie was!
Ihr Erfolg hängt vor allem davon ab, ob Sie viel versprechen. Außerdem davon, ob man Ihnen das glaubt/zutraut. Und schließlich davon, ob dem Publikum selbst etwas an Arbeit aufgebürdet wird. Halten Sie dieses Kosten-Nutzen-Verhältnis immer im grünen Bereich.

2. Sie müssen selbst sympathisch sein.
Egal, wie gut Ihr Text ist: Als Kotzbrocken werden Sie niemals politischen Erfolg haben! Bloß: Wie wird man den Leuten sympathisch? Dazu gehört zum Beispiel, nicht offensichtlich anzugeben – daran scheitern schon viele. Stattdessen sind Bescheidenheit und Originalität gefragt, vielleicht sogar gepaart mit einer ganz kleinen Prise Tollpatschigkeit bei gleichzeitiger zarter Selbstironie. Ach, wenn wir das so genau wüssten …

3. Liefern Sie neue Informationen, überraschende Perspektiven, irgendwas Interessantes!
Wenn Sie alte Hüte verkaufen, ist Ihnen der Misserfolg sicher! Recherchieren Sie deshalb so lang, bis Sie viel Interessantes haben. Ganz sicher gibt’s da was, aber es erfordert eben Fleiß und Einfallsreichtum, es auszubuddeln.

4. Vergessen Sie die Viral-Bonbons nicht!
Von 500 Zuhörern sind oft nur 5 für den Erfolg entscheidend: die Leute von der Presse oder sonst jemand, der den Kreis vertausendfacht. Für diese Gruppe bereiten Sie zum Beispiel eine mitreißende Metapher vor, die zwar nur einen Bruchteil Ihrer Rede ausmacht, aber wegen ihrer Originalität weitergepostet wird ohne Ende. In die Rede selbst stecken Sie nur zwei Stunden Arbeit, in das Suchen nach der tollen Metapher (es können auch coole Sprüche sein oder schockierende Zahlenspielereien o. ä.) stecken Sie dagegen zwei Leute für zwei Arbeitstage.

5. Vergessen Sie trotzdem das Handwerk nicht!
Was hilft das schönste Mosaik, wenn die Fliesen am Boden krumm liegen?! Jeder erfolgreiche politische Text sollte den gängigen handwerklichen Regeln professionellen Schreibens genügen. Also solch profanen Dingen wie Satzbau, Wortwahl, Gliederung, Ton, Rhythmus und so weiter. Wenn Sie sich dann noch kurz fassen und die Leute nicht langweilen, dann ist schon vieles gewonnen. Die wenigsten halten sich dran.

6. Überschätzen Sie nicht die Aufmerksamkeit Ihres Publikums!
Die meisten politischen Texte werden in der völlig irrigen Annahme geschrieben, dass jeder sie zu 100 Prozent konzentriert aufnimmt. Als wenn jeder jeden Text gedanklich mitschneiden und nebenbei noch auslegen würde wie der Pfarrer die Bibelstellen. Von wegen! Ein erfolgreicher Text geht vom Gegenteil aus: dass nämlich immer nur ein Ohr hinhört. Und deshalb braucht Ihr Text eine glasklare Gliederung, die Sie elegant immer wieder aufnehmen. Geschickt bauen Sie außerdem gewisse Redundanzen ein, wiederholen in unterschiedlichen Worten Ihre Kernbotschaft immer wieder und bauen mit Aufmerksamkeitsfängern etliche Brücken, um zumindest das Wesentliche in Kopf und Herz des Publikums zu versenken.

7. Bringen Sie sich selbst als Person ein!
Die Geschichte vom eigenen Bruder, vom Freund eines Freundes, von Ihnen selbst: Sowas gehört einfach dazu. Wenn Sie sich selbst und Ihr Umfeld immer außen vorlassen, dann wundern Sie sich nicht, wenn man Sie auch außen vorlässt.

8. Lassen Sie rhetorisch die Muskeln spielen!
Es ist ja so einfach, die Leute zu beeindrucken: Schon bei einem kleinen Dreisatz plus Anapher glauben die Leute, dass Sie professionell schreiben können: „Unsere Expertinnen sind nah dran an der Sache. Unsere Expertinnen kennen sich aus mit der Sache. Und unsere Expertinnen helfen auch Ihnen mit der Sache!“ Oder Sie hauen mal eine Vossianische Antonomasie raus: „Der Albert Hopfner, das ist doch bloß ein Tim Wiese der FDP!“ Es gibt zahllose rhetorische Mittel, die Sie in der Schule gelernt haben – warum verwenden Sie davon nicht mal ein paar im Berufsleben?

9. Weg mit „Zeitnah“ und „Schienenersatzverkehr“ – werden Sie konkret!
Die allermeisten politischen Texte bleiben viel zu blass, weil man sich mit ihnen nicht festlegen will. Abstrakte Formeln statt konkrete Zahlen, Oberbegriffe statt Beispiele, Personen statt Menschen. Wer unanschaulich schreibt, wer keine Bilder in den Köpfen der Leute entstehen lässt, dessen Text geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. So hat man zurecht keinen Erfolg.

10. Ihre Argumentation muss plausibel sein.
Niemand sagt, dass Sie Recht haben müssen. Aber Sie müssen gute Argumente haben und sie in sich schlüssig miteinander verbinden. Eine gute argumentative Basis kann man letztlich allein durch die anderen Punkte nicht wettmachen. Und das ist ja auch irgendwie beruhigend!

Warum der Deppenbindestrich viel schlimmer ist als der Deppenapostroph

Der Deppenapostroph ist ein alter Hut, und wer sich drüber aufregt, vergisst eines: Die Kommunikation leidet unter diesem Fehler nicht. Das sieht beim Deppenbindestrich anders aus, wie wir an einem Beispiel zeigen!

Von Stefan Brunn

In der Redaktion des „ZEILEN|HACKER“ haben wir lange gerätselt, was der Shop seinen Kunden mitteilen will mit dem Schild auf unserem Bild. Zwei Optionen konkurrieren:

A: Wir akzeptieren nur Bargeld-Scheine bis 50 Euro.
Das wäre eine klare Sache, schon 100-Euro-Scheine würden an der Kasse abgelehnt. Aber warum steht dann drüber: „Für Kartenzahler“?

B: Wir akzeptieren nur Bargeld – Scheine bis 50 Euro.
Das wäre auch eine klare Sache: Man kann in diesem Shop nur mit Bargeld zahlen, allerdings nur bis 50 Euro, wenn man Scheine zückt. Zwei Haken gibt’s an dieser Logik allerdings: Wer würde ernsthaft Verkäufe oberhalb von 50 Euro lieber mit Münzen bezahlt bekommen? Außerdem bekäme bei dieser Interpretation der Hinweis „Für Kartenzahler“ einen lächerlich-diskriminierenden Subtext, der ganz sicher nicht gewollt ist.

Unterm Strich tendieren wir zu A: Für diese Auslegung spricht auch, dass das Schild rechts daneben die liebsten Kund*innen ähnlich adressiert: Offenbar möchte man nur Kund*innen, die schnell rechnen können, denn Reklamationen sind ja ausgeschlossen.

Aber mal ernsthaft: So ein Deppenbindestrich ist doch viel übler als der Deppenapostroph, über den sich die Leute immer so aufregen. An unserem Beispiel sieht man glasklar, dass darunter sogar die Klarheit der Bedeutung leiden kann.