Kategorie: Allgemein

Jeder Fehler bringt Dich der Hölle näher. Aber manche schneller als andere!

Wer oft Texte redigiert, weiß: Nicht jeder Fehler ist gleich schlimm. Rechtschreibfehler zum Beispiel hat man schnell eliminiert. Andere Fehler dagegen verursachen richtig viel Mühe. Wir haben einmal eine „Treppe zur Hölle“ aufgebaut …

Von Stefan Brunn

Die Idee einer Fehlertreppe für Texte stammt nicht von uns. Wir haben die Idee von einer Abteilungsleiterin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammarbeit (GIZ), die die Metapher in ein Seminar einbrachte – wir haben die Treppe dann ausgebaut. Im oberen Bereich befinden sich die fahrlässigen kleinen und großen Fehler, von denen die inhaltlichen Fehler meist die schlimmsten sind. Schon ein Zahlendreher kann an wichtiger Stelle verheerend sein. Dagegen verblassen solche Dinge wie eine schlechte Wortwahl oder mangelhafter Satzbau.

Im unteren Bereich der Treppe geht’s dann schon richtig zur Sache, so etwas würden Sie und wir natürlich sowieso nie machen! ☺

Von einem Satz zum andern – bloß wie?

Sätze elegant miteinander zu verbinden, ist eine Kunst für sich. In Stilistik-Ratgebern gibt’s dazu meist unsystematische Tipps. Wir haben solche „Konnektoren“ mal übersichtlich in 3 Kategorien sortiert!

Von Hannah Molderings

Um Sätze oder Gedanken logisch miteinander zu verknüpfen, braucht es immer ein Gelenk. Dieses Gelenk steht zwischen zwei Sätzen und zeigt dem Leser ganz klar an, in welcher gedanklichen Richtung es weitergeht. So führt man ihn süffig durch den Text.

Im Wesentlichen gibt es 3 Gruppen solcher Gelenke:

1. Verbindungssätze
Um einen Gedanken an den anderen anzuknüpfen, nutzt man einen ganzen Satz.

Beispiel:
„So wie Müller geht es in Deutschland vielen Ingenieuren.“
[Vorher war natürlich von Müllers Problem die Rede.]

2. Satzfragmente
Ein Satzfragment zeigt die folgende Richtung des Textes an. Diese Satzfragmente lockern häufig auch den Rhythmus eines Textes gut auf.

Beispiel:
„In Berlin wohnen viele prominente Schriftsteller. Ein Beispiel: Cees Nooteboom hat eine Wohnung in …“

Ähnliche Satzfragmente: „Der Grund: …“, „Das bedeutet: …“, „Hintergrund: …“ etc.

3. Gelenkwörter
Konjunktionen kennen wir alle aus dem Deutschunterricht. Sie werden leider nur oft mitten im Satz verwendet – als Gelenkwörter müssen sie natürlich am Anfang stehen.

Beispiele:
deshalb, daher, dort, später, aber, außerdem etc.
„Wir haben die Kühe nicht mehr in der Scheune. Dort war es zu eng.“

Gelenkwörter sind aber nicht zwangsläufig Konjunktionen. Zum Beispiel kann man auch Pronomen verwenden und damit den Gedanken des letzten Satzes aufgreifen:
„Schnell rief er nach seiner Schwester. Sie antwortete sofort.“

Oder man verbindet zwei Sätze mit einer Wortwiederholung:
„Die Mitarbeiter reagierten verzweifelt. Verzweifelt war aber auch die Abteilungsleiterin.“

Oder man verwendet ein Synonym als Ankerwort:
„Die Bundesregierung verabschiedet neue Gesetze. An diese Regeln für das Leben in Deutschland müssen sich alle BürgerInnen halten.“

Ähnlich funktioniert das mit einem Antonym, also einem entgegengesetzten Wort:
„Über dieses Geschenk war sie sehr glücklich. Traurig hingegen war ihr Bruder.

Der Letzte macht das Licht nicht aus …

Für unseren aktuellen Murx haben wir mal wieder einen richtig verschwurbelten Satz herausgesucht, der ziemlich alles falsch macht, was man so falsch machen kann. Und dahinter steckt sogar eine lustige Geschichte …

Von Hannah Molderings

Um diesen Satz geht es:

„Die Beleuchtungssteuerung über Bewegungsmelder in Verbindung mit der Vielzahl elektronischer Komponenten (elektronische Vorschaltgeräte, Notbeleuchtungsmodule etc.) führt infolge der hohen Schaltfrequenz durch die Bewegungsmelder zu einer extremen Beanspruchung der verbauten Komponenten, was in einem überproportionalen Instandsetzungsaufwand mündet.“

Wir haben uns aber nicht nur über diesen Satz amüsiert, der alles falsch macht, was geht. Die Geschichte dahinter ist mindestens genauso abstrus:

Gefunden hat diese Perle unser Kollege Jochen (realsatire.de). Regelmäßig veranstaltet er sogenannte Reporter-Slams, bei denen er ReporterInnen mit ihren lustigsten Geschichten auf die Bühne bringt. Bei einem geplanten Slam wollte ein Reporter darüber berichten, dass beim Bundesrechnungshof in Potsdam eine Zeit lang das Licht nicht mehr ausging.

Hier kann man sich die skurrile Geschichte einmal ansehen:

Jochen fragte daraufhin bei der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nach, wie das Problem denn gelöst werden solle. Und in der Antwort auf diese Anfrage steckte eben oben zitierter Satz. Wie genau das Problem jetzt also gelöst werden soll, wissen wir leider selbst noch nicht. Wir rätseln noch …

Stöhn, ächz: Wie nennt man eigentlich solche Wörter?

Erst tauchten sie in Märchen auf, dann in Comics, später in Foren und Chats, inzwischen sind sie aus Whatsapp und Co. nicht mehr wegzudenken: kreisch! Aber wie heißen solche Wörter eigentlich? In unserem 11-Fragen-Quiz lernt man das und viel mehr.

Von Stefan Brunn

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Braucht man bei Stichpunkten auch Satzzeichen?

Stichpunkte oder Bulletpoints nutzt man, um Inhalte kurz und übersichtlich darzustellen. Sie erhöhen auch die Lesefreundlichkeit. Aber wie geht man dabei mit Groß- und Kleinschreibung und den Satzzeichen um?

Ausgangspunkt von stichpunktartigen Aufzählungen sind die Dudenregeln für die Zeichensetzung in Aufzählungen. Gleichrangige Teile werden mit Komma getrennt und eine Konjunktion (und, oder, sowie …) vor dem letzten Glied der Aufzählung ersetzt das Komma. Beispiel:

In der Schule
• lernen wir Schreiben,
• lösen Rechenaufgaben und
• spielen mit dem Ball.

Für die korrekte Zeichensetzung sowie Groß- und Kleinschreibung kann man sich an folgenden Regeln orientieren:

1. Wenn die einzelnen Teile einer Aufzählung vollständige Sätze sind, behalten sie Großschreibung und Satzschlusszeichen.

Ein Text ist dann perfekt, wenn
• er keine Rechtschreib- und Grammatikfehler enthält,
• man ihn flüssig lesen kann,
• man den Inhalt auf Anhieb versteht.

Es kommt eine weitere Regel hinzu:

2. Wenn die einzelnen Teile einer Aufzählung nur aus einzelnen Wörtern oder Wortgruppen bestehen und zusammen keinen Satz bilden, dann haben Sie die Wahl:

a) Sie fassen die Aufzählungsglieder trotzdem als Teil eines Satzes auf. In diesem Fall werden Kommas und Satzschlusszeichen gesetzt. Beispiel:

Auf dem Wochenmarkt gibt es heute
• leckere Äpfel,
• saftige Pfirsiche und
• süße Kirschen.

b) Soll die Aufzählung kolumnenartig gestaltet werden, brauchen Sie keine Kommata und auch keine Satzschlusszeichen.

Das gibt es heute auf dem Wochenmarkt:
• leckere Äpfel
• saftige Pfirsiche
• süße Kirschen

Aber wie sieht es jetzt mit der Groß- und Kleinschreibung am Anfang jedes Stichpunktes aus? Es gibt auf diese Frage leider keine eindeutige Antwort. Der Duden nennt als Beispiel nur eine Aufzählung von Substantiven – hier wird natürlich groß geschrieben:

Unser Sonderangebot:
• Kartoffeln
• Möhren
• Radieschen

Viele Verlage orientieren sich hier an der Regel für sogenannte freistehende Zeilen und behandeln die Aufzählungspunkte deshalb wie eine Überschrift:

Das gibt es heute auf dem Wochenmarkt:
• Leckere Äpfel
• Saftige Pfirsiche
• Süße Kirschen

Genauso häufig findet man aber auch folgenden Fall (der Duden selbst geht in seiner „amtlichen Regelung“ mit Aufzählungen so um):

Der Kennzeichnung des Schlusses von Ganzsätzen dienen:
• der Punkt
• das Ausrufezeichen
• das Fragezeichen

Auf jeden Fall gilt: Machen Sie es einheitlich – entweder durchgehend groß oder klein, aber keinesfalls wild durcheinander!

Schreiben wie Greta Thunberg ist jetzt ganz einfach!

Greta Thunberg ist das Idol Millionen junger Menschen. Jetzt kann jeder so schreiben wie die Aktivistin: Eine Werbeagentur hat ihre Handschrift nachgebaut und als freien Font verfügbar gemacht. Wir haben es natürlich gleich ausprobiert mit unserem Logo …

Von Stefan Brunn

Sieht gar nicht mal so übel aus, oder? Eben weil die handschriftlichen Buchstaben sich für große Plakatflächen gut eignen, habe man ja die Schrift angefertigt, wird die New Yorker Werbeagentur Uno vom Designmagazin PAGE zitiert. Oder hat da vielleicht eine Agentur geahnt, dass sie vom Ruhm der jungen Frau etwas abbekommt?

Im Bild unten sieht man Greta Thunberg mit einem der beiden Plakate, die der Agentur als Vorbild dienten.

Foto: Anders Hellberg (Wikipedia)

Um Plakate zu setzen, ist die Schrift sogar halbwegs brauchbar. Allerdings sollte man bei seinen Forderungen tunlichst auf Umlaute verzichten, denn im Gegensatz zu Greta Thunbergs tatsächlicher Handschrift gibt der Font „Greta Grotesk“ weder Ös noch Äs oder Üs her! 😉

Download der „Greta Grotesk“ bei Google Drive

Warum man Deutsch viel leichter liest als Englisch

Ein französischsprachiges Kind liest mit neun Jahren immer noch schlechter als ein siebenjähriges deutschsprachiges Kind. Experten erklären das mit der „Transparenz der Sprache“: Die Umwandlung von Buchstaben in Laute ist im Deutschen viel regelmäßiger. Eine Europakarte zeigt große Unterschiede.

Von Stefan Brunn

Deutsche Sprache, schwere Sprache: Das stimmt so pauschal nicht und beim Lesenlernen schon gar nicht. Verglichen mit anderen Sprachen ist Deutsch nämlich eine sehr regelmäßige Sprache. „Leseanfänger können schon nach wenigen Monaten nahezu jedes Wort lesen, da es praktisch keine unregelmäßigen Lautformungen gibt“, erklärt die Kommunikationsdesignerin Antonia M. Cornelius. Sie veranschaulicht in ihrem Buch „Buchstaben im Kopf“ die Lese-Fehlerquote der Kinder nach den ersten beiden Schuljahren in einer Grafik, die wir hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin abbilden.

In dem Schaubild liegt Englisch mit weitem Abstand vor allen anderen Sprachen – die Kinder dort machen also beim Lesen anfänglich viel mehr Fehler als Kinder zum Beispiel in Finnland, das mit 2 Prozent die niedrigste Quote hat. Mit vier Wortpaaren verdeutlicht Cornelius in ihrem Buch, wo im Englischen konkret die Probleme liegen:

HAS – WAS
TOUGH – DOUGH
FLOUR – TOUR
HEADER – READER

Wenn Sie diese Wörter einmal selbst sprechen, fällt Ihnen auf, dass sie zwar gleich geschrieben, aber völlig anders ausgesprochen werden.

Cornelius weist darauf hin, dass beispielsweise chinesische Kinder es noch schwerer haben: Das Mandarin habe nur etwa 1.300 verschiedene Silben, aber insgesamt 87.000 Schriftzeichen (von denen man im Alltag 3.000 bis 5.000 beherrschen müsse). Insofern werde jede Silbe auf viele sehr verschiedene Begriffe verwendet.

Cornelius‘ Buch „Buchstaben im Kopf“ versammelt auf 180 Seiten sehr viele lesenswerte Informationen über das Lesen und die dafür beste Schriftgestaltung. Im Untertitel heißt das Buch „Was Kreative über das Lesen wissen sollten, um Leselust zu gestalten“. Unter anderem räumt Cornelius auch mit lang bestehenden populären Irrtümern auf, zum Beispiel damit, dass wir Wörter vor allem anhand ihrer Umrisse erkennen. Diese Annahme sei längst widerlegt. Der wirkliche Leseprozess sei deutlich komplexer, schreibt Cornelius: Er finde simultan auf drei Erkennungsebenen statt: der Merkmal-, Buchstaben- und Wortebene. Wie genau das geschieht, kann man in ihrem Buch nachlesen.

Antonia M. Cornelius: Buchstaben im Kopf. Was Kreative über das Lesen wissen sollten, um Leselust zu gestalten. Verlag Hermann Schmidt: Mainz, 2017. 180 Seiten; 35 Euro.
www.antoniacornelius.com/buchstaben-im-kopf

Was ist aus juristischer Sicht lesbar und was nicht?

„Wenn Ihre Werbung ein weiteres Mal eine zu kleine Schrift verwendet, setzt es ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft bis zu 6 Monaten!“ So las sich jüngst ein Urteil eines Landgerichts gegenüber einem Einzelhändler. Aber was heißt eigentlich „kleine Schrift“ in Punkt oder Millimetern?

Von Stefan Brunn

Die schlechte Nachricht zuerst: Weder ist die Frage zulässiger Schriftgrößen gesetzlich geregelt noch setzen die obersten Gerichte Deutschlands eine einheitliche Mindestgröße voraus. Was also als Kleingedrucktes zu klein gedruckt ist, interpretieren die Gerichte unterschiedlich.

Die gute Nachricht lautet: Wer einen Text in mehr als 8 Punkt (also über 3 Millimeter hohe Buchstaben) druckt, ist im Regelfall auf der sicheren Seite. Das gilt zum Beispiel für Produktverpackungen, Zeitungsanzeigen oder Flyer. Das gilt natürlich nicht für Plakatwände – hier wären ja 8 Punkt aus der normalen Lesedistanz überhaupt nicht wahrnehmbar.

Bei dem eingangs erwähnten Urteil des Landgerichts Coburg ging es um die Werbung für einen drahtlosen Bluetooth-Lautsprecher, genauer: die Darstellung eines Testurteils in der Zeitschrift „Video“. Die Quelle „Video“ unter der Testnote („überragend“) erschien einem Wettbewerber zu klein angebracht, so dass er auf Unterlassung klagte – und gewann. Das Gericht setzte in seiner Begründung die Untergrenze von 6 Punkt an. Diese Grenze findet sich im letzten Jahrzehnt in mehr und mehr Urteilen wieder, begleitet von Faktoren wie Kontrast oder „üblicher Laufweise“ (Bundesgerichtshof).

Wirklich konkrete und verbindliche Punkt- oder Millimeterangaben findet man nur in so exotischen Normen wie der Fertigverpackungsverordnung der EU oder etwa in Urteilen des Bundesgerichtshofs zum Heilmittelwerberecht. Einzelne Verpackungsverordnungen wiederum unterscheiden sich aber auch wieder voneinander: Zwischen einer Schriftgröße von zwei (EU-Fertigpackungsverordnung) und einer von vier Millimetern (vorgeschriebene Schriftgröße der Füllmenge im Honigtopf!) liegt ja eine ganze Zeile!

Auch Gerichte selbst berücksichtigen übrigens Argumente nur, wenn sie groß genug geschrieben sind. Das ist kein Witz: Das Bundessozialgericht wies schon eine Anhörungsrüge als unzulässig zurück, weil die vorgebrachten Argumente eines Beteiligten in praktisch nicht mehr zu entziffernder Schriftgröße formatiert waren (B 13 R 17/15 C). Die Richter empfanden das offenbar als Manipulationsversuch oder Schikane. Vielleicht war es ihnen auch einfach zu blöd, sich durch so kleine Texte zu quälen.

Wir lesen nach bestimmten Mustern, nur welchen?

Die Annahme, dass Texte vom Anfang bis zum Ende gelesen werden, war schon immer naiv. Stattdessen gibt es diverse konkurrierende Muster, nach denen man sich Texten zuwendet – und diese sind von vielen Faktoren abhängig.

Von Maren Tönisen

Jahrhundertelang basierte die Leseforschung auf Spekulationen. Erst in den letzten 50 bis 100 Jahren nähert sie sich von mehreren Seiten halbwegs wissenschaftlichen Erkenntnissen an. Manche kommen aus der Kognitionspsychologie, andere von Techniken wie dem Eyetracking oder dem Readerscan, vor allem aber hat man gelernt aus dem Tracking mit Google Analytics, Chartbeat und anderer Software.

Aufbauend auf diesen Ergebnissen entwickeln Forscher, Praktiker und Berater jetzt Theorien, nach welchen Mustern die Leute lesen – beziehungsweise scannen. Diese Annahmen konkurrieren mit teils netten Namen wie „Layer-Cake-Pattern“ um Anerkennung in der Wissenschaftsgemeinschaft. Wir haben ein paar dieser Lese-Muster-Modelle ausgewählt und uns deutsche Übersetzungen für ihre Namen ausgedacht:

Commitment-Pattern

Das „Kohldampf-Schema“ tritt dann auf, wenn Leser sich extrem für eine Sache interessieren. Sie saugen einen Text dann vom ersten bis zum letzten Wort begierig auf. Richtige Fans zum Beispiel tun das, wenn das Objekt ihrer Begierde etwas verkündet. Das passiert auch schon mal, wenn in Suchtreffern, Betreffzeilen oder Überschriften etwas ganz Großartiges versprochen wurde. Zum Beispiel, wie man ein schlimmes Computerproblem löst. Oder wie man sich einen geldwerten Vorteil verschafft. Oder, umgekehrt, bei Post vom Abmahnanwalt, von der Staatsanwaltschaft, der Polizei oder von Aufsichtsbehörden: Solche Texte lesen selbst Lesefaule oft sehr intensiv vom ersten bis zum letzten Wort 😉

Leider glauben aber zu viele Autoren, dass ihre Leser jedes Wort verschlingen – es stimmt nämlich meist nicht. Trotzdem scheinen unzählige Vorstände, Präsidenten und andere wichtige Funktionäre zu glauben, dass man jedes ihrer Worte sehnsüchtig erhofft. Anders kann man sich die ellenlangen Vor- und Geleitworte in Broschüren jedenfalls kaum erklären.

Z-Pattern

Das „Z-Muster“ ist für alle ein alter Hut, die ihr Handwerk im Zeitungsgewerbe erlernt haben. Angeblich fängt der Leser demzufolge eine gedruckte Seite links oben zu lesen an und schwenkt vom oberen rechten Teil der Seite nach links unten, um dann nach rechts unten zu blicken. Diese Annahme widerspricht allerdings einer anderen Theorie: dass nämlich in Zeitungen und Zeitschriften immer zuerst die Bilder angesprungen werden. Die Blattmacher bauen ihre Seiten deshalb nach dem Henne-Küken-Prinzip auf: Ein großes Bild zieht das Auge an, zwei bis vier weitere lenken den Blick weiter und verführen den Leser zum Verweilen auf der Seite.

Im Internet gelten ganz andere Regeln – schon deshalb, weil die User dort Bilder anders bewerten: Oft erwarten sie nämlich, dass Bilder entweder Werbung beinhalten oder nur informationslose Stockfotos sind. Und solche Bilder blenden Leser unheimlich gern aus.

F-Pattern

Das „F-Schema“ ist ein ebenfalls recht bekanntes und auch anerkanntes Muster. Es tritt auf, wenn der Leser überhaupt noch nicht weiß, was er von einem Text erwarten darf. Der Leser testet den Text in Form eines F an: Die erste Zeile liest er noch recht weit, dann probiert er einen anderen Absatz, liest dessen erste Worte und fliegt dann mit den Augen nach unten. Sieht man sich die Fixationspunkte aus der Distanz an, bildet sich eine F-Form aus. Leser benutzen diese Art zu lesen, weil sie so mit wenig Aufwand und schnell prüfen können, ob ihnen ein Text weiterhilft. Für Autoren heißt das: sofort liefern! Wer nicht spätestens mit dem Beginn des zweiten Absatzes überzeugt, kriegt keine dritte Chance.

Layer-Cake-Pattern

Dieses „Schichtkuchen-Muster“ tritt auf, wenn der Leser zunächst alle Überschriften und Zwischenüberschriften liest, nicht aber die Absätze dazwischen. Das ist für ihn vor allem dann sinnvoll, wenn der Text viele und gut strukturierte Überschriften enthält. Typischerweise ist das bei FAQ-Texten (Frequently Asked Questions) der Fall, aber auch dann, wenn sich ein Autor viel Mühe mit der Struktur eines Textes und den Überschriften gegeben hat. Aus unserer Sicht sollten Texter dieses Lesemuster immer erwägen: Die Gruppe der potenziellen Leser ist sicher zig Mal so groß wie die der Fans, die nach jedem Wort des Autors lechzen.

Spotted-Pattern

Das „Trüffelschwein-Muster“ tritt auf, wenn der Leser extrem gezielt nach einer bestimmten Information sucht – das kann zum Beispiel eine Wortdefinition sein oder eine Preisinformation oder bestimmte Öffnungszeiten oder ein Link. Genau genommen kann man dieses Scannen nicht mal Lesen nennen, denn es handelt sich nur um eine Suche. Dieses Muster kommt vermutlich viel häufiger vor, als Texter es wahrhaben wollen. Leser, die nur nach Trüffeln suchen, wollen diese nicht tief verbuddelt in Textmengen sehen, sondern eher grafisch hervorgehoben, gern auch in Listen oder Tabellen.

Mehr über das F- und das Schichtkuchen-Muster gibt’s auf den Seiten der Norman-Nielsen-Group zu lesen oder im folgenden Video:

Und der Doktortitel gehört doch nicht zum Namen!

Hat jemand, der einen Doktortitel trägt, das Anrecht darauf, dass er mit „Dr.“ angesprochen oder angeschrieben wird? Nein, das hat er nicht – es handelt sich aber um eine weit verbreitete Annahme. Wir verraten Ihnen, wo man solche und viele andere Klärungen von Anreden etc. findet.

Vermutlich glaubt eine Mehrheit der Deutschen, dass der Doktortitel zum Namen gehört. Er steht ja auch oft genug in der Namenszeile des Personalausweises. Aber: Träger eines Doktortitels haben keinen Anspruch darauf, dass ihnen gegenüber der Doktortitel in einer Anrede oder in einer Anschrift gebraucht wird. Akademische Grade gehören generell nicht zum Familiennamen. Auf Personalausweisen kann der Doktortitel jedoch vor dem Familiennamen eingetragen werden – auf Wunsch des Trägers.

Wer mehr Informationen zu Anschriften und Anreden haben möchte, wird beim „Protokoll Inland der Bundesregierung“ fündig: www.protokoll-inland.de