Alle Artikel von Zeilenhacker

Warum ist auf einmal alles dunkel?

Das Wort „Dark“ ist in aller Munde: Neben dem Darknet gibt’s den Dark Mode, Dark Social und Dark Data, dazu Dark Martech und sogar Dark Tourism. Wir machen mal Licht im Dunkel-Dickicht!

Von Stefan Brunn

Dark Mode: Wohl der geläufigste und harmloseste der vielen Dark-Begriffe. Es geht um den dunklen Bildschirmmodus bei Smartphones, Tablets und dergleichen. Das heißt einfach nur, dass der Hintergrund dunkel ist und die Schrift hell. Man verspricht sich davon unter anderem einen geringeren Energieverbrauch und eine gesundheitliche Entlastung der Augen.

Darknet: Das Darknet ist ein versteckter Teil des Internets, den man nur mit besonderen Browsern betreten kann. Der Datenverkehr wird dabei verschlüsselt und über mehrere Rechner umgeleitet, so dass man die handelnden Akteure nicht nachverfolgen kann. Bekannt ist das Darknet vor allem durch Händler, die illegale Dinge vertreiben, oder Kriminelle, die sich hier austauschen. Aber das Darknet dient in manchen Ländern auch dazu, dass Dissidenten, Oppositionelle, Whistleblower oder Journalisten Informationen austauschen können.

Dark Social: Der Begriff klingt wie etwas, bei dem man vorsichtig sein sollte, dabei bezeichnet Dark Social einfach jene Formen von Social Media, die nicht öffentlich stattfinden. Das sind zum Beispiel SMS oder Whatsapp-Nachrichten zwischen zwei oder mehreren Nutzern. Oder jede geschlossene Kommunikation auf Facebook, Twitter, Instagram, über Messenger, Snapchat und so weiter. Also eigentlich über 80 Prozent der Internetkommunikation. Was soll daran dunkel sein? Nun, die Gesellschaft insgesamt hat keinen Blick darauf. Leute tauschen sich aus, ohne dass Medien, Politik oder Wirtschaft wüssten, was hier passiert. Das finden manche gerade gut. Andere befürchten, dass es zum Beispiel politisch-gesellschaftlich negative Folgen hat – zum Beispiel, wenn böswillige Kräfte mehr oder schnell und vor allem im Dunkeln Einfluss auf andere gewinnen.

Dark Data: Die Digitalisierung führt dazu, dass Firmen immer mehr Daten generieren. Ihre Datenberge wachsen rasant, und zwar auch um inhaltlichen Beifang – also Infos, deren Inhalt und Geschäftswert unbekannt sind. Nur ein Beispiel: Abwesenheitsnotizen, die per E-Mail eingehen. Diese eigentlich unbeabsichtigt gewonnenen Informationen nennt man Dark Data. Das können völlig belanglose Inhalte sein oder hochsensible Infos, die Unternehmen wissen es schlicht nicht. Vielleicht jedoch stecken darin wertvolle Informationen, die mit künftigen technischen Lösungen nutzbar gemacht werden können …

Dark Martech: Auch hier ist das Dunkle erst mal nichts Schlechtes: Es geht bloß um Marketing-Technologien, die Unternehmen selbst entwickeln. Das kann alles Mögliche sein, aber es ist keinesfalls transparent – zum Beispiel dann, wenn die Preisgestaltung in Shops sich dem Nutzerverhalten anpasst oder E-Mails geschickt werden, wenn man den Warenkorb vorzeitig verlässt oder dergleichen. Klar ist nur, dass dieser Bereich des Marketings stark wächst …

Dark Tourism: Tja, sogar der Tourismus hat inzwischen eine dunkle Seite, gemeint sind aber nicht Umweltsünden wie gerodete Wälder, verbaute Meeresküsten oder künstliche Schneepisten. Hier geht es um einen Trend, als Tourist Orte mit düsterer Geschichte aufzusuchen. Zum Beispiel Stätten eines Völkermords, Rekordsuizid-Brücken, Geisterdörfer, Schlachtfelder und ähnliches.

Quiz: Erkennen Sie, wofür dieses Wort stehen sollte?

Manche Sprachwahrer sind ja der Meinung, man müsse für jedes Fremdwort eine deutsche Alternative finden. Viele von ihnen erfundene Vorschläge sind jedoch nie im Sprachgebrauch angekommen und längst vergessen. Wir haben aus den gescheiterten Alternativen ein Quiz gemacht!

Von Hannah Molderings

.

Bitte Bürste benutzen!

Wie drückt man es am besten aus, dass eine Toilette nicht verdreckt werden soll? Diese Frage treibt Putzkräfte in deutschen Behörden immer wieder zu originellen Appellen. Die Formulierungen, die dabei herauskommen, sind aber nicht immer bis ins Letzte durchdacht.

Von Stefan Brunn

Prägnantes Formulieren ist ja eine Kunst für sich. Das gilt auch oder sogar besonders für Anweisungen neben Toiletten: Wer will da schon Details lesen? Andererseits liegt in der Prägnanz auch immer eine Gefahr: Es lauern logische Leerstellen in den Informationen!

Etwas zu knapp geraten ist etwa das weit verbreitete „Bitte Bürste benutzen!“ auf deutschen Amtstoiletten – es muss ja eben nicht jeder nach jedem Toilettengang die Bürste benutzen! Eine Vorschrift dieser Art ergibt keinen Sinn (auch wenn man natürlich weiß, dass damit der kleine Gang gar nicht gemeint ist).

Deutlich zu umständlich scheint uns aber folgende Anweisung zu sein, die wir in einer deutschen Bundesbehörde vorgefunden haben: „Es wird gebeten, im Bedarfsfalle zur zusätzlichen Reinigung der WC-Schüssel die Toilettenbürste zu benutzen.“ Hier wiehert der Amtsschimmel schon ganz schön.

Eine andere Variante fanden wir zwar charmant, aber wenig erfolgversprechend: „Es dürfen auch die Toilettenbürsten benutzt werden, um eventuelle Rückstände zu beseitigen.“ Hier ist die Statusinformation einfach falsch: Die Bürste „darf“ in einem solchen Fall ja nicht nur benutzt werden, sie „soll“ oder „muss“ sogar benutzt werden. Ironie ist hier am falschen Örtchen!

Als grafisch ausgefuchst (man beachte „Bitte“ und „Danke“ in Rot), aber inhaltlich unfreiwillig komisch empfanden wir die Variante, die Sie hier im Bild sehen: „Bitte verlassen Sie die Toilette in einem sauberen Zustand. Danke“. Zwar ist es sicher auch im Interesse des Dienstherrn, dass alle Mitarbeiter nach einem Toilettenbesuch in sauberem Zustand an ihre Arbeitsplätze zurückkommen. Wenn daran jedoch ernsthafte Zweifel bestehen, dann reichen sanfte Hinweise ganz sicher nicht mehr aus.

Kunst am Satzbau ist auch Kunst am Bau!

Kunst am Bau und Satzbaukunst sind zwei Dinge, die selten zusammenkommen. Einer unserer Leser hat jedoch ein Beispiel gefunden, das in seiner leisen parodistischen Art wirklich höchsten dichterischen Ansprüchen genügt – und das auf einer städtischen Schautafel!

Von Stefan Brunn

Das Foto dieser Schautafel am Bopparder Römerkastell verdanken wir unserem lieben Leser Silvio – er hat diese „administrative art“ entdeckt, fotografiert und uns freundlicherweise überlassen. Weil die Schautafel von Schmierfinken besprüht worden und damit schwer lesbar geworden ist, haben wir den Text für die Nachwelt transkribiert:

 

 

Pfeilerbau (vor dem 15. Jahrh.?)
………………………………………
Von einem zweischiffig (geplanten) Bau sind Reste der Fundamentierung seiner Pfeiler erhalten. Die sorgfältig gemauerten Fundamente messen 2,4 x 2,4 m. Sie reichen von der jetzigen Abbruchkante noch knapp 3 m tief in den anstehenden Auelehm. Ihre Stärke, die Tiefe Fundamentierung, die zusätzlich nach oben bis aus Schwellenhöhe des Kaufhauses zu verlängern wäre, falls sie zu diesem Haus gehören würden und die Tatsache, dass die Pfeilerreihe aus der Längsachse des Kaufhauses nach Süden verschoben ist, legen die Vermutung nahe, dass mit diesen Pfeilern ein älterer Bau begonnen wurde, der jedoch micht weiter zur Ausführung gelangte. Dann wäre zuerst an einen zur Propstei gehörenden Bau zu denken. Die Rasenfläche entspricht der Laufhöhe im Kastellinneren (4. – 5. Jahrh.) Die Basaltquader stammen von der Rossmühle (15. Jahrh.).

In dieser feinen Parodie stimmt einfach alles! Wenn Dichtung im vulgäretymologischen Sinne bedeutet, dass sich rhetorische Stilmittel höchst verdichtet präsentieren, so ist dieses Gedicht kaum zu toppen. Neben der Kühnheit im Satzbau begeistert unter anderem die fast schon ironische Gliederung der Gedanken, die üppig-ausufernde Darstellung unerheblicher Details, die innovative Wortwahl (allem voran natürlich der geniale Neologismus „micht“ aus „mich“ und „nicht“), der schmale Blocksatz mit seinen luftig gesperrten Abständen, die rebellische Rechtschreibung und natürlich die Sorgfalt in solchen Details wie unkonventionellen Abkürzungen. Wundervoll, dass der Text ganz unverdächtig beginnt, noch dazu mit einem kurzen Satz, wie ihn jeder von uns auch benutzen könnte. Aber dann!

Noch eindrucksvoller ist aber, wie der Verfasser auf so kurzer Strecke und wie nebenbei Passiv-Konstrukte, Partizipien, Substantivierungen und Streckverben versammelt. Kaum jemand dürfte jemals in einem so kurzen Text so viele antirhetorische Mittel vereint haben.

Es handelt sich bei diesem Bopparder Fund um eine ganz, ganz seltene Art der stilistischen Parodie am (Satz-)Bau, die noch in Jahrh. den subtilen Humor unserer heutigen Verwaltung beweisen wird. Micht!

Regelmäßig liefern wir in unserem Newsletter ZEILEN|HACKER einen „Murx des Monats“ aus. Oft geht es um lustige Rechtschreibfehler, manchmal um Stilblüten oder auch um besonders dämliche Texte. Der Stoff dafür geht uns nie aus! Und ja: Wir wissen, dass man Murks nicht mit X schreibt!

Schreiben wie im Marketing: das Muster hinterm Teaser

Das Geheimnis des schnellen Schreibens liegt in klar definierten Textmustern. Deshalb geben Verlage ihren Autoren bewährte Muster vor. Wir zeigen Ihnen anhand von Beispielen das häufigste Muster, das zum Beispiel auch der Spiegel nutzt.

Von Stefan Brunn

Erstens: Schnell schreiben kann nur, wer über die Struktur seines Textes nicht lang nachdenken muss.

Zweitens: Erfolgreich werden Texte nur, wenn Sie eine Struktur besitzen, die sich in der Evolution der Texte (also bei Leserinnen und Lesern) durchgesetzt hat.

Unterm Strich
können Verlage also am Informationsmarkt dann erfolgreich sein, wenn sie eine erfolgreiche Textstruktur identifizieren und alle Autoren danach schreiben. Und genau dieses Ziel verfolgen die Verlage auch.

Im Hintergrund dieser Überlegungen stehen kognitionspsychologische Theorien, die sich das Marketing schon lange zunutze macht. Zwei sind besonders erwähnenswert:

Information Scent
Diese Theorie beruht auf einer Metapher: Raubtiere optimieren bei der Jagd das Kosten-/Nutzen-Verhältnis zwischen aufgewendeter und verbrauchter Energie. Übertragen heißt das zum Beispiel, dass NachrichtenkonsumentInnen immer genau gucken, wie viel Zeit und Mühe sie aufwenden müssen, um möglichst viel Wissen/Nutzen/Unterhaltung als Beute zu erhalten. Es kann also durchaus sein, dass sie nicht den großen Kaninchen nachjagen, obwohl diese nahrhafter sind: Sie sind eben auch schwerer zu erlegen. Die Informationsfährten-Theorie von Peter Pirolli und Stuart Card beinhaltet auch, dass die Fährte mit jedem Schritt für den Nutzer stärker werden muss, sonst bricht er die Jagd ab.

Conversion Trinity
Eine Art heiliger Dreifaltigkeit, auf den Punkt gebracht von Marketing-Guru Bryan Eisenberg: 1. Das Problem muss relevant für mich sein (Relevance). 2. Die Lösung muss mich überzeugen (Value). 3. Wie komme ich jetzt leicht an die Lösung (Call-to-Action)?

Einen sehr ähnlichen Dreischritt geben etwa auch die „Textstandards“ von Spiegel online vor. Hier heißen sie allerdings „Reiz-These-Rampe“:

1. Reiz: Man macht den Leser heiß, indem man ein relevantes Thema mit Reizwörtern attraktiv darstellt.
2. Kernthese: Dem Leser wird eine Nachricht präsentiert, die einen oder mehrere sogenannte Nachrichtenfaktoren enthält: Neuheit, Bedeutung, Nähe, Nutzwert, Konflikt, Kuriosität, Prominenz, Humor, Erotik …
3. Rampe: Man macht Lust auf mehr, verspricht beim Weiterklicken die tollsten Sachen und lässt es so aussehen, als wäre man an der fetten Beute schon ganz nah dran …

Genau nach diesem Schema sind auch die Teaser bei Spiegel online und vielen, vielen anderen Online-Medien geschrieben. Überprüfen Sie die Struktur an folgenden Echtbeispielen aus Spiegel online:

„Geschäftsmäßige Suizidhilfe ist in Deutschland verboten. Ein Arzt hält das Gesetz für schlecht gemacht – und will es vor dem Bundesverfassungsgericht kippen. Hier erklärt er, warum.“

„Im australischen Queensland ist auf der Windschutzscheibe eines Autos plötzlich eine Schlange aufgetaucht. Das Reptil erwies sich als außerordentlich anhänglich – zum Entsetzen der Insassen. Das Video.“

„In wenigen Wochen will Samsung das erste faltbare Smartphone auf den Markt bringen – nach zehnjähriger Entwicklungszeit. Wir konnten es ausprobieren. Eine Frage bleibt ungeklärt.“

So klar und erfolgreich dieses Muster auch ist – manchmal übertreiben es Leute auch, die den Teasern von Spiegel & Co. nacheifern:

„Haben sie eine Wand zuhause? Dann sind diese drei Minuten Fitness-Übungen perfekt für Sie. Jetzt als Gratis-PDF sichern!“

Aufs richtige Pferd gesetzt, aber aufs falsche Foto!

Unser Hausblatt des unfreiwilligen Humors hat uns einmal mehr mit einer tollen Metapher beglückt: „Aufs richtige Pferd gesetzt“ heißt es in einer Überschrift, geschickt mit einer Redewendung spielend. Der Texter hatte hier aber die Rechnung ohne den Layouter gemacht – sehen Sie selbst!

Von Stefan Brunn

Da hatte sich der Texter der XY-Nachrichten (Titel ist der Redaktion mehr als bekannt) bei der Überschrift solche Mühe gegeben: Eine passende Metapher gesucht, sie geschickt abgewandelt, sogar auf den falschen Apostroph bei „aufs“ verzichtet. Und dann das: Im Layout ergibt sich ein ganz, ganz unglücklicher Zusammenhang. So kann schlechtes Layout ziemlich diskriminierend rüberkommen …

Wer die ganze Zeitungsseite betrachtet (siehe zweites Bild), versteht eine der wichtigsten Regel guten Designs besser: Nahestehende Objekte werden als zusammengehörig interpretiert. Diese Regel sollte der Texter dem Layouter vielleicht mal an den Monitor pinnen …

Synonyme: Nicht jedes Ei ist ein Hühnerei!

Im Deutschunterricht hieß es oft: Wortwiederholung ist schlechter Stil, Synonyme machen den Text lebendiger! Für die Verständlichkeit eines Textes ist dieser Rat aber oft Quatsch. Wir haben mal aufgeräumt: Welche Arten von Synonymen gibt’s und welche bringen Probleme mit sich?

Von Hannah Molderings

Drei Arten von Synonymen gibt‘s: Vollsynonyme, Quasisynonyme und Teilsynonyme.

Diese klare Ordnung verdanken wir einem Medizin-Professor, der ein Faible für Dokumentation und Ordnung hatte. In seinem Buch „Dokumentations- und Ordnungslehre“ hat Wilhelm Gaus nachfolgenden Generationen diese sehr kluge Systematik geschenkt:

Vollsynonyme
Vollsynonyme sind Wörter, denen identische Sachen zugrunde liegen. Das sind oft die Dinge, für die es eine volkstümliche und eine wissenschaftliche Bezeichnung gibt:

Beispiele:
Leberentzündung – Hepatitis
Bücherei – Bibliothek

Hier müssen Kommunikationswissenschaftler allerdings einhaken: Weiß der Leser meines Textes überhaupt, dass Bücherei und Bibliothek dasselbe sind? Möglicherweise verleiten wir den Leser durch das Synonym sogar dazu, einen Unterschied zu suchen, der gar nicht da ist. Will man alle Missverständnisse vermeiden, verwendet man besser immer den gleichen Begriff.

Quasisynonyme
In der Umgangssprache viel häufiger sind die sogenannten Quasisynonyme. Das sind Wörter, die zwar die gleiche Sache meinen wie ihre Pendants, aber doch feine Unterschiede ausdrücken.

Beispiele:
Pferd – Gaul
Frau – Weib

Hier ist zwar die gleiche Sache oder die gleiche Person gemeint, aber mit einer Wertung verbunden. Es ist ja doch ein Unterschied, ob man von Gesicht, Fresse oder Antlitz spricht. ☺

Teilsynonyme
Diese letzte Gruppe bezeichnet Dinge, die in Teilen übereinstimmen, aber eben nicht identisch sind. Sie entstehen dann, wenn ein allgemeiner Begriff nur einen ganz bestimmten Begriff ausdrücken soll – wenn also ein Teil eines Ganzen für die Bezeichnung des Ganzen benutzt wird.

Beispiele:
Ei – Hühnerei

Bei diesem Beispiel haut es vielleicht noch hin: Die meisten Menschen denken wohl an ein Hühnerei, wenn wir von einem Ei sprechen. Aber auch da können wir nie sicher gehen, was beim Leser ankommt. Noch schlimmer wird’s bei folgendem Beispiel:

Beispiele:
Fahnder – Polizist

Es mag ja sein, dass ein Polizist gleichzeitig als Fahnder arbeitet oder ein Fahnder gleichzeitig Polizist ist. Es ist aber nun mal nicht dasselbe. Schreibe ich in einem Text also mal von Fahndern und an anderer Stelle von Polizisten, kommt der Leser schnell zu dem Schluss, dass hier zwei unterschiedliche Gruppen gemeint sind.

Fazit:
Synonyme machen den Text vielleicht abwechslungsreicher. Die Verständlichkeit eines Textes behindern sie aber mindestens genauso oft. Wir raten allen Lehrern, ihren Schülern „Wortwiederholungen“ höchstens dann anzukreiden, wenn es tatsächlich gute Vollsynonyme gegeben hätte. Höchstes Ziel guten Stils bleibt nämlich gelingende Kommunikation – und diesem Ziel stehen Synonyme oft im Weg.

6 Regeln: So zerlegt man Bandwurm-Wörter

„Vermeiden Sie Bandwurm-Wörter!“ Diese Regel steht in jedem Schreib-Ratgeber – und das zu Recht. Aber wie genau geht man mit langen Wort-Kombinationen am besten um? Wir nennen sechs praktische Regeln und Beispiele.

Von Hannah Molderings

1. Die Grundregel: Wenn ein Wort zu lang wird, dürfen und sollten Sie es auftrennen oder mit Bindestrich koppeln.
Beispiel: Nichtraucherschutzmaßnahmen ⇨ Nichtraucherschutz-Maßnahmen

2. Ist ein Begriff ohne Bindestrich sehr etabliert, trennen Sie ihn nicht auf.
Beispiel: Gleichstellungsbeauftragte bleibt ungetrennt stehen. Lateinamerika-Beauftragte hingegen sollten Sie koppeln.

3. Anstelle eines Bindestrichs können Sie ein Bandwurm-Wort auch anders zerlegen – oft liest sich das noch besser.
Beispiel: Facharbeiterecklohn ⇨ Ecklohn für Facharbeiter

4. Je länger das Wort, desto nötiger wird das Aufspalten.
Beispiel: Pflanzenschutzmittelrückstandshöchstgehaltsüberschreitungen ⇨ Höchstgehalts-Überschreitungen bei Pflanzenschutzmittel-Rückständen

5. Trennen Sie so, dass die Bedeutung des Wortes erhalten bleibt. So nicht:

Beispiel: Eisenbahninfrastrukturunternehmen ⇨ Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen anstatt Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen

 

 

 

6. Trennen Sie Wörter, wenn die Gefahr besteht, dass man sie sonst falsch ausspricht.
Beispiel: Garantieinstrumentarium ⇨ Garantie-Instrumentarium

Was ist eigentlich Rausatz?

Wer einen Text optisch aufbereiten möchte, muss sich entscheiden: Setze ich den Text im Blocksatz oder im Flattersatz? Dessen Schwester, den Rausatz, kennt kaum jemand.

Von Hannah Molderings

Das Prinzip des Blocksatzes ist einfach: Er sorgt dafür, dass alle Zeilen rechts auf gleicher Höhe enden. Dafür nimmt man in Kauf, dass die Abstände zwischen den Wörtern unterschiedlich groß werden und so größere Löcher im Text entstehen. Vermeiden kann man das wiederum mit einer Silbentrennung am Zeilenende – die aber auch Tücken hat.

Beim Flattersatz ist es ganz anders: Hier sind die Enden der Zeilen alle unterschiedlich lang. Worttrennungen am Zeilenende sind tabu – erst dadurch entsteht ja ein „flatterndes“ Schriftbild.

Der sogenannte Rausatz, bei dem man Wörter am Zeilenende von Hand trennt, ist so ein Mittelding zwischen Blocksatz und Flattersatz: Hier flattert der Text zwar noch ein bisschen, allerdings sind die Unterschiede der Zeilenlängen nicht so stark wie beim Flattersatz. Man erhält ein halbwegs gleichmäßiges Schriftbild wie beim Blocksatz und gleichmäßige Abstände zwischen den einzelnen Wörtern. Um Worttrennungen am Zeilenende kommt man allerdings nicht herum.

In normalen Textverarbeitungsprogrammen gibt es keinen Automatismus oder Standardbefehl für Rausatz. Handarbeit ist angesagt. In jeder Zeile wählt man die Stelle für einen neuen Zeilenbeginn selbst aus. Dazu kann man geschützte Zeilenumbrüche (Shift + Enter) verwenden. Außerdem kann man einzelne Wörter am Zeilenende mit Bindestrichen trennen. Aber Vorsicht! Wenn sich danach am Text noch etwas ändert, rutschen die selbstgetrennten Wörter vielleicht an andere Stellen – dann muss der Bindestrich wieder entfernt werden. Beide händischen Trennungen sind aber problematisch: Der so fabrizierte Rausatz steht responsivem Design im Weg, bei dem sich der Zeilenlauf stets dem Endgerät anpasst. Und weil immer mehr Texte heute gleich fürs Web geschrieben werden oder irgendwann dorthin wandern, ist der Rausatz inzwischen selten geworden. Nur in reinen Druckprodukten ist er an der einen oder anderen Stelle noch sinnvoll.

Flattersatz, Rausatz und Blocksatz im Bildbeispiel:

Der „beste“ Handwerker der Stadt

Wer nicht weiß, wie man Anführungszeichen richtig nutzt, schießt damit schon mal ein Eigentor, indem er sich von der eigenen Aussage distanziert. Wir zeigen ein Echtbeispiel, wie sich ein Handwerker verbal ins Knie schießt …

Von Hannah Molderings

Anführungszeichen nutzt man vor allem, um ein wörtliches Zitat anzubringen. Manche benutzen die Tüttelchen auch zur Ironisierung. Und die Dritten distanzieren sich damit von ihrer eigenen Wortwahl. Diese drei möglichen Lesarten führen oft zu unfreiwilligem Humor, wenn nämlich jemand etwas Positives über sich oder andere äußert, die Attribute aber in Anführungszeichen setzt. Jetzt lesen darin nämlich viele Ironie oder wenigstens eine Distanzierung. Der Dienstleister, der den Lieferwagen in unserem Bild beschriftet hat, wollte seine Leistungen sicher nicht ironisch als „zuverlässig und preiswert“ bezeichnen. Bei uns kam es aber genau so rüber! Als wenn er sich über seine Eigenzuschreibungen lustig machen wollte …

Entschuldigen Sie bitte übrigens das etwas unscharfe Foto. „Mario“ war verdammt schnell unterwegs und wir hatten alle Mühe, ihm in „angemessenem“ Tempo durch die Innenstadt zu folgen und vor Lachen noch die Kamera ruhig zu halten.