Schlagwort: spruch

E-Mails: Wen rede ich zuerst an?

Wer eine Mail an mehrere Personen schreibt, steht oft vor der Frage: Wer kommt zuerst? Frauen vor Männern? Chef vor Kollegin? Oder einfach alphabetisch? Wir räumen die häufigsten Zweifelsfälle auf.

Von Hannah Molderings

Unser erster Gedanke: Die Regeln für Anreden in E-Mails sind doch bestimmt irgendwo klar geregelt. Im Protokoll Inland der Bundesregierung zum Beispiel. Das ist der offiziellen Ratgeber des Bundesinnenministeriums für Anschriften und Anreden. Wer zum Beispiel wissen will, wie man einen Botschafter oder eine Staatssekretärin korrekt anschreibt: Da steht es drin.

Unsere konkrete Frage wird hier aber leider nicht beantwortet. Im Protokoll Inland steht sogar wörtlich: „Für die Gestaltung der schriftlichen und mündlichen Anrede lassen sich keine festen Regeln aufstellen.“ Klar geregelt ist das Ganze also nicht, auch nicht in einer DIN oder im Knigge. Es gibt aber ein paar Konventionen, auf die man sich verständigen kann.

Wer wird zuerst genannt?

Wenn eine Hierarchie erkennbar ist: In diesem Fall spricht man die ranghöhere Person zuerst an, unabhängig vom Geschlecht.

Beispiel:
Sehr geehrter Herr Dr. Bergmann, sehr geehrte Frau Töller,

Wenn alle gleichrangig sind: Hier gilt Frauen vor Männern. Sind mehrere Frauen oder mehrere Männer dabei, sollte man die Nachnamen alphabetisch sortieren. Dieser Kniff hilft auch dann, wenn man die Hierarchie der Personen nicht kennt.

Beispiel:
Sehr geehrte Frau Cruz, sehr geehrter Herr Fink, sehr geehrter Herr Aschenbrenner, sehr geehrter Herr Zarrella,

Wie gehe ich mit Duzen und Siezen um?

Manchmal wird die Chefin mitadressiert und gesiezt, während man mit den Kolleg*innen längst beim Vornamen ist. Kein Problem: Die gesiezte, ranghöhere Person kommt zuerst, danach folgt die Gruppe in der vertrauten Form.

Beispiel:
Hallo Frau Ionescu, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wie gehe ich mit vielen Empfänger*innen um?

Ab vier oder mehr Personen wird die namentliche Aufzählung unpraktisch. Je nach Tonfall können verschiedene Sammelformeln helfen:

Formell, unbekannte Gruppe: Sehr geehrte Damen und Herren,
Intern, vertraut: Liebe Kolleginnen und Kollegen, / Hallo zusammen, / Liebes Team, …
Genderneutral ohne Sonderzeichen: Liebe Mitarbeitende,
Mit Genderzeichen: Liebe Kolleg:innen, / Liebe Kolleg*innen,
• …

Was genau Sie verwenden, ist letztlich auch eine Frage der Unternehmenskultur. Selbst außergewöhnliche Formulierungen wie Liebe alle oder Liebe drei sind mittlerweile in einigen Teams etabliert.

Was ist mit den Personen im CC-Feld?

Wenn der eigentliche Gesprächspartner im An-Feld steht, die Vorgesetzte aber im CC mit informiert wird, gilt folgendes: Die Person im CC-Feld muss in der Anrede nicht zwingend auftauchen, sie soll ja in der Regel nur in Kenntnis von etwas gesetzt werden. Möchte man sie jedoch trotzdem persönlich ansprechen, gilt wieder die Rangfolge der Personen als maßgeblich.

 


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Bitte nicht immer auf der Glatze Locken drehen!

„Auf einer Glatze Locken drehen“ – dieser Spruch wird oft gebraucht, um Bewunderung auszudrücken: Boah, hier schafft’s jemand, auch bei dünnster Faktenlage einen brillanten Text zu schreiben. In Wirklichkeit gelingt das selten.

Von Stefan Brunn

Erfunden hat den Spruch Karl Kraus, der österreichische Satiriker und Pressekritiker. Vor mehr als hundert Jahren schrieb er: „Ein Feuilleton schreiben heißt auf einer Glatze Locken drehen.“ Kraus verspottete Leute, die aus heißer Luft viel Wirbel machten, aber es schwang auch Anerkennung mit: Die aus dem Nichts frisierten Locken gefielen dem Publikum sogar mitunter besser als eine „Löwenmähne der Gedanken“.

Heute überwiegt bei denen, die den Spruch erwähnen, der anerkennende Aspekt. Wer den Satz im Kollegenkreis fallen lässt, schwingt sich damit sogar meist selbst aufs Podest: Andere würden an diesem dürren Thema verzweifeln, ich aber mache aus den paar Härchen noch eine Dauerwelle! 

Der elegante Weg: brillant schönschreiben
Noch häufiger dient der Spruch als Ausrede – um sich vor der lästigen, langwierigen Arbeit der Recherche zu drücken. Wer brillant genug schreibt, der hat es doch gar nicht nötig, lange in Quellen zu wühlen! Wozu tief in die Archive eintauchen, Experten anrufen oder Daten prüfen?

Mit Glanz lässt sich Gehalt aber selten ersetzen. Wer sich darauf verlässt, brillant zu frisieren, geht ein hohes Risiko ein, denn brillante Schreiber sind selten – ich zum Beispiel bin keiner. Auch Kurt Tucholsky hat das Phänomen erkannt und mit einem anderen Bild beschrieben: Banalitäten aufblasen zu Kinderballons. „Stich mit der Nadel hinein, und es bleibt ein runzliges Häufchen Grammatik“, warnte Tucholsky. 

Der sicherere Weg: gründlich recherchieren
Es gibt einen Weg zu guten Texten, der sicherer ist und auch Nicht-Genies offensteht: gründlich recherchieren. Wer so lange sucht, bis er wirklich überraschende und passgenaue Informationen zusammen hat, der braucht keine Brillantine mehr.

Beim Redenschreiben zeigt sich das besonders deutlich. Wer einen Vortrag hört, in dem alle halbe Minute eine neue, überraschende Info auftaucht, stört sich bestimmt nicht an mittelmäßiger Rhetorik. Der Stoff fesselt, der Stil kann schlicht sein. Umgekehrt gehen die großen Formulierungskünstler ein hohes Risiko ein, wenn sie eigentlich nichts zu sagen haben. Das Publikum spürt das nämlich durchaus.

Lieber genug eigene Haare auf dem Kopf
Natürlich sind die allerbesten Texte die, die starke Infos liefern plus brillant geschrieben sind. Das ist die Königsklasse. Sie ist aber selten, eben weil sowohl überraschende Tatsachen als auch geniale Autoren selten sind. Leider nur gibt es viele, die sich zwar für brillant halten, es aber nicht sind. Wenn diese ihre Arbeitszeit vom Feilen an den Formulierungen ins Recherchieren umleiten würden, wären ihre Texte schlagartig besser. Und Hand aufs Herz: Eine üppige Mähne lässt sich doch auch viel schöner in Form bringen!

 

 


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