Schlagwort: Anrede

Alternativen zu „Damen und Herren“ gesucht

Kaum eine Formel steht so oft über Briefen und klingt so wenig nach Mensch: „Sehr geehrte Damen und Herren“ wirkt distanziert und teilt die Welt in Frauen und Männer. Aber welche Anrede ist besser? Wir nennen ein paar Alternativen.

Von Stefan Brunn

Den einen klingt „Sehr geehrte Damen und Herren“ nach Serienbrief. Die anderen stört, dass sie Menschen in zwei Gruppen teilt und andere ausschließt. Aber viele alternative Begrüßungsformeln haben auch Nachteile, viele wie „Guten Tag allerseits“ sind einfach zu informell. Aber es geht auch anders!

„Sehr geehrt“ bleibt, die Damen und Herren gehen!

Die förmlichste Alternative behält „Sehr geehrt“ und benennt die Empfänger konkreter. Das geht auf zwei Arten.

Nummer 1: Man schreibt an eine Stelle:

  • Sehr geehrtes Team der Stadtbibliothek,
  • Sehr geehrte Redaktion,
  • Sehr geehrter Kundenservice,

Nummer 2: Man schreibt an einen Personenkreis:

  • Sehr geehrtes Kollegium,
  • Sehr geehrte Mitglieder des Fördervereins,
  • Sehr geehrte Führungskräfte,

Das wirkt persönlicher als „Damen und Herren“ und schließt alle ein.

Einfach „Guten Tag“ sagen!

Die Formel ist höflich, teilt niemanden ein und klingt trotzdem nicht zu locker. Sie eignet sich für die Anfrage an eine Behörde ebenso wie für die Antwort an einen Kunden. Allein kann „Guten Tag“ allerdings sehr knapp wirken. Am besten gleicht man das mit einem zugewandten ersten Satz etwas aus:

  • Guten Tag,

vielen Dank für Ihre Anfrage zum Herbstseminar. Gern beantworte ich Ihre Fragen.

Schreibt man an eine Gruppe, ergänzt man: Guten Tag zusammen! Oder man verbindet „Guten Tag“ mit der angeschriebenen Stelle oder dem Personenkreis:

  • Guten Tag, liebes Team der Stadtbibliothek,

Übrigens: Darf man anstelle des Kommas auch ein Ausrufezeichen benutzen? Ja, beides ist richtig. Das Komma ist der Standard, und alle Beispiele der DIN 5008 setzen es, aber das Ausrufezeichen ist nicht falsch. Im Geschäftsbrief wirkt das Ausrufezeichen allerdings ein wenig laut.

Vertraut grüßen, wo man sich kennt!

Für Gruppen, mit denen man regelmäßig zu tun hat, gibt es Formeln, die sehr vertraut wirken:

  • Hallo zusammen,
  • Liebe alle,
  • Liebes Projektteam,

Für den Erstkontakt mit einer Behörde oder einem Unternehmen sind diese Formeln natürlich zu locker. 

Und wie löst man das in anderen Sprachen?

Wir haben uns mal international umgesehen. Ergebnis: Das Problem kennen viele Sprachen. Die Lösungen sind teils elegant, teils erstaunlich.

  • Niederlande: Unternehmen schreiben an ihre Kunden gern „Geachte relatie“. Wörtlich heißt das „Sehr geehrte Beziehung“. Romantisch wird die Geschäftspost dadurch aber nicht.
  • Italien: Hier beginnt der Brief mit „Spettabile Ditta“, also „Achtbare Firma“. Da fühlt sich die Buchhaltung doch sofort stärker respektiert!
  • Dänemark: „Til rette vedkommende“ bedeutet etwa „An die richtige betreffende Person“. Wer das ist, soll der Brief unterwegs selbst herausfinden …
  • England: „To whom it may concern“ heißt ungefähr „An wen immer es betreffen mag“. Klingt nach Flaschenpost.
  • Japan: Förmliche Briefe beginnen mit „Haikei“, sinngemäß „Ehrerbietig beginne ich“. Danach folgt traditionell ein Satz über die Jahreszeit. Am Schluss steht das Gegenstück „Keigu“, etwa „Ehrerbietig“.

Tja, zwar helfen uns diese Formeln im Deutschen nicht wirklich weiter. Für den Schluss dieses Beitrags leihen wir uns trotzdem etwas aus Japan:

Der Herbst hat begonnen, und wir wünschen Ihnen gute Briefe! 😉

 


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E-Mails: Wen rede ich zuerst an?

Wer eine Mail an mehrere Personen schreibt, steht oft vor der Frage: Wer kommt zuerst? Frauen vor Männern? Chef vor Kollegin? Oder einfach alphabetisch? Wir räumen die häufigsten Zweifelsfälle auf.

Von Hannah Molderings

Unser erster Gedanke: Die Regeln für Anreden in E-Mails sind doch bestimmt irgendwo klar geregelt. Im Protokoll Inland der Bundesregierung zum Beispiel. Das ist der offiziellen Ratgeber des Bundesinnenministeriums für Anschriften und Anreden. Wer zum Beispiel wissen will, wie man einen Botschafter oder eine Staatssekretärin korrekt anschreibt: Da steht es drin.

Unsere konkrete Frage wird hier aber leider nicht beantwortet. Im Protokoll Inland steht sogar wörtlich: „Für die Gestaltung der schriftlichen und mündlichen Anrede lassen sich keine festen Regeln aufstellen.“ Klar geregelt ist das Ganze also nicht, auch nicht in einer DIN oder im Knigge. Es gibt aber ein paar Konventionen, auf die man sich verständigen kann.

Wer wird zuerst genannt?

Wenn eine Hierarchie erkennbar ist: In diesem Fall spricht man die ranghöhere Person zuerst an, unabhängig vom Geschlecht.

Beispiel:
Sehr geehrter Herr Dr. Bergmann, sehr geehrte Frau Töller,

Wenn alle gleichrangig sind: Hier gilt Frauen vor Männern. Sind mehrere Frauen oder mehrere Männer dabei, sollte man die Nachnamen alphabetisch sortieren. Dieser Kniff hilft auch dann, wenn man die Hierarchie der Personen nicht kennt.

Beispiel:
Sehr geehrte Frau Cruz, sehr geehrter Herr Fink, sehr geehrter Herr Aschenbrenner, sehr geehrter Herr Zarrella,

Wie gehe ich mit Duzen und Siezen um?

Manchmal wird die Chefin mitadressiert und gesiezt, während man mit den Kolleg*innen längst beim Vornamen ist. Kein Problem: Die gesiezte, ranghöhere Person kommt zuerst, danach folgt die Gruppe in der vertrauten Form.

Beispiel:
Hallo Frau Ionescu, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Wie gehe ich mit vielen Empfänger*innen um?

Ab vier oder mehr Personen wird die namentliche Aufzählung unpraktisch. Je nach Tonfall können verschiedene Sammelformeln helfen:

• Formell, unbekannte Gruppe: Sehr geehrte Damen und Herren,
• Intern, vertraut: Liebe Kolleginnen und Kollegen, / Hallo zusammen, / Liebes Team, …
• Genderneutral ohne Sonderzeichen: Liebe Mitarbeitende,
• Mit Genderzeichen: Liebe Kolleg:innen, / Liebe Kolleg*innen,
• …

Was genau Sie verwenden, ist letztlich auch eine Frage der Unternehmenskultur. Selbst außergewöhnliche Formulierungen wie Liebe alle oder Liebe drei sind mittlerweile in einigen Teams etabliert.

Was ist mit den Personen im CC-Feld?

Wenn der eigentliche Gesprächspartner im An-Feld steht, die Vorgesetzte aber im CC mit informiert wird, gilt folgendes: Die Person im CC-Feld muss in der Anrede nicht zwingend auftauchen, sie soll ja in der Regel nur in Kenntnis von etwas gesetzt werden. Möchte man sie jedoch trotzdem persönlich ansprechen, gilt wieder die Rangfolge der Personen als maßgeblich.

 


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