Schlagwort: Regel

Muss Prof. gegendert werden?

In der Wissenschaft wird der Titel „Prof.“ inzwischen häufig als „Prof.in“ gegendert. Bei Promovierten heiß es dann auch „Dr.in“. In Österreich ist „Prof.in“ an den Unis und in deren Sprachregeln sogar der Regelfall geworden – ähnlich wie in deutschen Behörden die „RL’in“. Ist das korrekt?

Von Katrin Liffers

Es gibt hier zwei Lager, die sehr unterschiedliche Philosophien haben:

Sichtweise A:
Die Regeln unserer Sprache sind uns heilig, daran müssen sich alle halten!

Nach dieser Sichtweise ist „Prof.in“ schlicht falsch. Zum einen grammatikalisch: „Prof.“ ist ein sogenanntes Kopfwort, also eine Abkürzung, bei der der hintere Teil des ursprünglichen Wortes weggelassen wird. Dann folgt ein Punkt, der das Wort abschließt und alle denkbaren Endungen umfassen kann. „Prof.“ kann zum Beispiel für „Professors“, Professorinnen“ und auch „Professor:in“ stehen – ganz ohne zusätzliche Flexionsendung. Ähnlich wie „Fachkraft“ oder „Mitarbeitende“ ist die Abkürzung folglich per se genderneutral. Zum anderen ist „Prof.in“ auch orthografisch nicht korrekt: Der Rat für deutsche Rechtschreibung und der Duden sehen „Prof.in“ nicht vor. Die Schreibweise entspricht also auch nicht unseren Rechtschreibregeln.

Sichtweise B:
Regeln sind gestaltbar! Sprache wandelt sich und der aktuelle Sprachgebrauch der Menschen ist wichtiger als Normen.

Neben der vorschreibenden Sichtweise A gibt es eben auch eine andere Sichtweise, die für die dauernde Anpassung unserer Regeln an den Sprachgebrauch eintritt. Innovationen und Regelverletzungen sind hier nichts Schlechtes, sondern das natürliche Ergebnis von Sprachen in ihrem Gebrauch. Für diese Gruppe ist die Sicht- und Hörbarkeit (durch das zusätzliche Suffix „-in“) wichtiger als grammatikalische oder orthografische Regeln. In Österreich hat sich diese Sichtweise an vielen Unis durchgesetzt, in Deutschland (jedenfalls noch) nicht, obwohl man „Prof.in“ auch in der deutschen Presse immer mal wieder sieht (Beispiel). So ganz neu und einzigartig ist das Gendern nach einem Abkürzungszeichen übrigens nicht: In der Welt der deutschen Behörden haben sich ganz ähnliche Gender-Regeln auch für Positionen etabliert: ORR’in für Oberregierungsrätin oder RL’in für Referatsleiterin wird hier schon lange gesagt und geschrieben.

Unterm Strich stehen wir hier also vor einer durchaus grundlegenden sprachphilosophischen Frage: Ist mir Regeltreue wichtiger oder eine sicht-/hörbare sprachliche Repräsentation von Frauen? Das kann/muss jeder für sich selbst beantworten. Die Ausgangsfrage aber, nämlich ob „Prof.“ gegendert werden muss, lässt sich außerhalb bestimmter Unis klar verneinen.

 


Seminare Icon

Neugierig geworden?

Wir von IMKIS lieben es, Entwicklungen rund um Kommunikation und Sprache zu durchleuchten – und geben dieses Wissen auch in Seminaren weiter. Vielleicht finden auch Sie etwas in unserem Portfolio?

UNSERE SEMINARE

Wer ist eigentlich dieser Herr Koch-Institut?

Bei Eigennamen richtet man sich nicht nach Rechtschreib-Regeln! Das wissen die meisten Journalisten und übernehmen zum Beispiel das R K-I-Deppenleerzeichen in ihre Berichte. Manchmal geht’s aber auch ganz schön durcheinander …

Wortzusammensetzungen schreibt man im Deutschen entweder zusammen oder mit Bindestrich: Garagentor oder Garagen-Tor. Das ist semantisch wichtig, denn es gibt einen Zusammenhang: Die Wörter hängen logisch zusammen, indem das hintere Grundwort vom vorderen Bestimmungswort näher bestimmt wird.

Viele Unkundige machen das falsch, was oft Anlass zu Spott bietet: „24 Monate ohne Grund Gebühr“ oder „Trink Wasser für Hunde“ sind beliebte Beispiele, um gegen das sogenannte Deppenleerzeichen anzukämpfen. Weitere Beispiele unter www.deppenleerzeichen.info.

Sogar Ämter halten sich nicht immer an die amtlichen Rechtschreibvorgaben, meist wohl aus Unwissenheit:
Schild aus Wuppertal, das von Halle über 400 Kilometer entfernt ist … Gemeint ist: Uni-Halle.

Aber was ist mit den Journalisten großer Nachrichtenanstalten, bei denen Rechtschreibung zum Beruf gehört? Selbst die Tagesschau schreibt kontinuierlich Robert Koch-Institut, obwohl es sich ja nicht um ein Koch-Institut mit dem Vornamen Robert handelt!

Nun, die Tagesschau fügt sich den amtlichen Regeln. Diese Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung lauten so:

„Die Schreibung mit Bindestrich bei Eigennamen entspricht nicht immer den folgenden Regeln, so dass nur allgemeine Hinweise gegeben werden können. Zusammensetzungen aus Eigennamen und Substantiv zur Benennung von Schulen, Universitäten, Betrieben, Firmen und ähnlichen Institutionen werden so geschrieben, wie sie amtlich festgelegt sind.“

Amtlich festgelegt wiederum sind beim Robert-Koch-Institut zwei Schreibweisen, einmal eben „Robert Koch-Institut“ als Wortmarke und sogar „Robert Koch Institut“ als Bildmarke. Insofern handelt die Tagesschau amtlich korrekt und auch konsequent. Sie schreibt ja zum Beispiel auch „Mercedes-Benz Museum“. Das machen auch Spiegel und Zeit so.

Ganz konsequent sind die deutschen Redaktionen aber auch wieder nicht, wie dieses Zusammenspiel von Süddeutscher Zeitung und Deutscher Presse-Agentur zeigt:


Oben pfui, unten hui: Es kennen eben auch nicht alle Journalisten die Eigennamen-Ausnahme von der Regel. Andere halten sich einfach nicht dran, vielleicht weil das Leerzeichen sie stört. Das hat durchaus Tradition. Schon das große Journalisten-Vorbild Kurt Tucholsky (1890–1935) hatte sich über das Deppenleerzeichen lustig gemacht: „Welch ein Bock Mist.“