Schlagwort: literatur

Wieso wird „Prosa“ oft falsch verwendet?

Viele, die das Wort „Prosa“ benutzen, denken dabei an Literatur, anspruchsvolle Texte oder hohe Kunstfertigkeit. Dabei bedeutet Prosa eher das Gegenteil von Poesie oder Dichtung und schließt Polizeiberichte genauso ein wie Romane. Woher kommt also die Verwechslung?

Von Hannah Molderings

Definition 1: Prosa als formaler Begriff

Prosa bedeutet zunächst ganz einfach: Sprache, die nicht in Versform gebunden ist. So steht es auch im Duden. Das Gegenteil von Prosa ist Lyrik: also Verse, Reime und alle Texte mit Rhythmus. Ein Sitzungsprotokoll ist also genauso Prosa wie eine Novelle von Kleist. Das Adjektiv „prosaisch“ bedeutet nüchtern, trocken oder alltäglich. Prosa ist also in erster Linie ein neutraler Formbegriff.

Definition 2: Prosa als literarischer Begriff

Daneben existiert eine zweite Bedeutung. Im Deutschunterricht lernt man drei literarische Gattungen: Lyrik, Epik, Dramatik. Die Epik, also Romane, Novellen, Erzählungen, ist fast immer in Prosa geschrieben. Deshalb wird „Prosa“ im Literaturkontext schnell zum Synonym für Erzählkunst. Wenn jemand also sagt: „Seine Prosa ist großartig“, meint er nicht: „Er schreibt ohne Reime.“ Sondern er findet Stil, Satzführung oder Rhythmus toll.

Und was raten wir Ihnen?

Es ist kein Fehler, „Prosa“ für literarische Texte zu verwenden. Der Fehler liegt eher darin, Prosa pauschal als Gegenteil von schlichter Sprache zu verstehen. Vermutlich hat die Schule den Begriff auf eine Gattung verengt. Im Ergebnis verstehen viele die Bedeutung des Begriffs falsch: Wer „Prosa“ zum Gütezeichen für Texte erhebt, sitzt gedanklich also noch ein bisschen in der Schule fest und hat den Pausengong nicht gehört. Naja, dieser Schluss war jetzt vielleicht nicht der poetischste.

 


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Storys schreiben nach Rezept

Wie weckt man Emotionen beim Publikum? PR- und Marketing-Experten schwören seit 20 Jahren aufs Storytelling. Jetzt gibt es sogar ein Kochbuch für gute Business-Storys …

Von Stefan Brunn

Eine Geschichte zu erzählen statt sachlich zu beschreiben oder sich selbst zu rühmen: Das ist der Ansatz des Storytelling. In PR und Marketing raten Experten seit inzwischen 20 Jahren dazu. Der Grund: Die Leute hören lieber Geschichten, sie merken sie sich besser und man kann ihre Gefühle damit besser bewegen. Kein Wunder, dass sogar Discounter-Ketten wie Aldi, Lidl oder Penny jedes Jahr zu Weihnachten für teures Geld rührselige Filmchen produzieren lassen. Kaum jemand würde sich ja bei YouTube freiwillig Filme angucken, in denen Qualitäts- oder Preisunterschiede bei Backmatten oder LED-Kerzen vorgerechnet werden.

Aber wie funktioniert dieses Storytelling und wie macht man es selbst? Das erklärt der Schweizer PR-Texter Matthias Nold in einem neuen Buch namens „Die Storyküche: Das Rezeptbuch für gute Business-Storys“. Der Ansatz des Buches ist zugleich pragmatisch wie kreativ: Nold strukturiert sein Buch vom Einkauf der Zutaten über die Zubereitung und das Abschmecken bis zum Dessert. Auch das Auftischen der Storys gehört dazu.

Im Zentrum des Buches steht die Entwicklung der Plots. Nold referiert hier 10 Masterplots, die sich für Unternehmen eignen:

• die Suche
• die Verfolgung
• die Rettung
• die Rache
• das Rätsel
• die Rivalität
• der Außenseiter
• die Reifung
• die verbotene Liebe
• die Entdeckung

Der Autor schildert, wie man diese Plots ausarbeitet, welche Entwicklungen Geschichten gut machen und wie man sie sprachlich gut in Szene setzt. Wer eine strukturierte Einführung ins Storytelling braucht, findet sie hier.

Leider kommen zwei Dinge in dem Buch etwas kurz. Zum einen das kritische Hinterfragen des Storytelling. In Teilen der Gesellschaft hat sich längst ein gewisser Überdruss am Storytelling eingestellt: Bitte wieder Tatsachen und keine Geschichtchen! Manche bringen das Storytelling sogar in Zusammenhang mit journalistischen Lügengeschichten wie denen des Spiegel-Autors Claas Relotius.

Und das andere, was etwas zu kurz kommt: gute und schlechte Beispiele des Storytelling. Nold schreibt in seinem Blog zum Buch selbst, dass ihm in der PR zu viel schön getan und schöngeredet wird. Da wäre es nur konsequent gewesen, auch beim Storytelling einen kritisch-konkreten Blick auf die Praxis zu werfen.

Nolds „Storyküche“ ist übrigens sehr leicht verständlich geschrieben und auf eine besondere Art strukturiert: Man erhält am Ende jedes Abschnittes mehrere Optionen, wie man weiter durchs Buch navigieren kann: Vertiefen? Springen? Ausprobieren? Das wäre beim Backen übrigens deutlich problematischer als in einem Buch! 

Matthias Nold: Die Storyküche: Das Rezeptbuch für gute Business-Storys. Zürich: Midas-Verlag, 2021. 224 Seiten; 22 Euro.