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Leicht ist nicht einfach

Texte in Einfacher oder Leichter Sprache zu schreiben, klingt erst einmal – nun ja – einfach. Ist es aber nicht. Gerade deshalb sind Übersetzungstools eine willkommene Unterstützung. Eines davon kommt von unerwarteter Seite, dem FC St. Pauli. Doch was liefert das Tool eigentlich: Leichte Sprache oder Einfache Sprache?

Von Katrin Liffers

Übersetzungstools für alle möglichen Sprachen sind längst Alltag. Seit ein paar Jahren gibt es auch KI-basierte Angebote, die Texte in verständlicheres Deutsch übertragen. Ein Beispiel hierfür ist www.einfachesprache.xyz vom FC St. Pauli, das Texte von „Alltagssprache“ in „Einfache Sprache“ übersetzt. Es ist ein Ergebnis des Inklusionsprojekts KLARTEXT St. Pauli und kann seit 2023 kostenlos online verwendet werden. Nach Angaben des Vereins basiert die Übersetzung auf einem speziell entwickelten Prompt. Dieser berücksichtigt Regeln der Leichten Sprache und wurde zusätzlich mit bereits übersetzten Texten des FC St. Pauli optimiert.

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Warum beschreibt das Tool die übersetzten Texte als „Einfache Sprache“, wenn es doch mit den Regeln von Leichter Sprache arbeitet? Um die Frage zu beantworten, schauen wir uns einmal an, was überhaupt der Unterschied zwischen Einfacher und Leichter Sprache ist:

Leichte Sprache
Stellt man sich Verständlichkeit als Skala vor, reicht sie von „leicht verständlich“ bis „komplett unverständlich“. Die Leichte Sprache steht dabei ganz am verständlichen Ende – leichter geht es sprachlich kaum. Entwickelt wurde sie vor allem für Menschen mit Lernschwierigkeiten, geistigen Behinderungen oder geringen Deutschkenntnissen.

Die Regeln sind streng: Die Sätze sind sehr kurz und enthalten immer nur eine Aussage pro Satz. Fachbegriffe, Fremdwörter, Metaphern oder andere sprachliche Stolpersteine werden möglichst vermieden oder erklärt. Und auch optisch erkennt man Leichte Sprache schnell: Jeder Satz bekommt eine eigene Zeile, lange Wörter werden durch Bindestrich oder Mediopunkt aufgetrennt und häufig helfen Illustrationen oder Piktogramme dabei, den Inhalt besser zu verstehen. Und nicht nur die sprachliche Form wird stark vereinfacht. Auch der Inhalt wird auf das Wesentliche reduziert.

Die Regeln findet man in verschiedenen Regelwerken, sie sind auch in einer Deutschen Industrie-Norm festgehalten, der DIN SPEC 33429.

Einfache Sprache
Einfache Sprache liegt auf der Verständlichkeits-Skala zwischen Leichter Sprache und unserer Alltagssprache. Sie macht Texte leichter zugänglich, ohne sie so stark zu vereinfachen wie die Leichte Sprache. Sie richtet sich an alle Menschen, denen komplexe Texte Schwierigkeiten bereiten. Das kann an geringer Lesekompetenz liegen, an fehlendem Fachwissen oder daran, dass Deutsch nicht die Erstsprache ist.

Anders als die Leichte Sprache folgt sie keinem strengen Regelwerk. Die Sätze sind klar und übersichtlich, dürfen aber auch mal etwas länger sein und Nebensätze besitzen. Fachbegriffe und Co. können verwendet werden, wenn sie erklärt werden. Und ein ganz wichtiger Punkt: In Einfacher Sprache bleibt der Inhalt in der Regel vollständig erhalten. Vereinfacht wird vor allem die Form – nicht der Inhalt.

Und warum spricht der FC St. Pauli jetzt von „Einfacher Sprache“?
Leichte Sprache ist anspruchsvoll. Wer sie ernst nimmt, braucht nicht nur klare Regeln, sondern auch sorgfältige Prüfung – idealerweise durch Menschen aus der Zielgruppe. Genau hier wird es bei KI schwierig.

Ein KI-Tool kann Texte verständlicher machen. Es kann Sätze kürzen, Fremdwörter ersetzen und Strukturen glätten. Aber es kann nicht zuverlässig garantieren, dass ein Text alle Anforderungen der Leichten Sprache erfüllt. Dafür braucht es fachliche Kontrolle, Erfahrung und Prüfung. Deshalb ist „Einfache Sprache“ für KI-generierte Texte oft die ehrlichere Bezeichnung. Sie verspricht Verständlichkeit, ohne den Anspruch zu erheben, geprüfte Leichte Sprache zu sein.

 


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Diese Wörter haben zwei Gesichter

Wörter mit verschiedenen Bedeutungen gibt es viele. Spannend sind aber gerade die Wörter, deren Bedeutung genau entgegengesetzt sein kann. Von diesen sogenannten Januswörtern haben wir mal ein paar zusammengesucht.

Von Hannah Molderings

Was steckt hinter dem Begriff?
Der Begriff geht auf den römischen Gott der Türen und Übergänge zurück. Der Gott Janus wird häufig mit zwei Gesichtern dargestellt: Eines schaut vorwärts, eines rückwärts. Deshalb tragen auch Wörter, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen, seinen Namen. In der Linguistik nennt man sie auch Autoantonym und Antagonym.

Wir haben mal eine Auswahl dieser kuriosen Begriffe zusammengestellt:

abdecken
Wer etwas abdeckt, legt etwas darüber, um es zu schützen. Oder aber er nimmt etwas weg, um es freizulegen. „Einen Pool abdecken“ und „ein Dach abdecken“ sind entgegengesetzte Handlungen.

anhalten
„Etwas hält an“ bedeutet: Es dauert fort. Gleichzeitig heißt es: Es kommt zum Stillstand. Das Wort beschreibt also Bewegung und deren Ende gleichzeitig.

aufheben
„Etwas aufheben“ kann heißen: es aufbewahren. Oder: es abschaffen. Ein Gericht könnte beispielsweise ein Urteil aufheben und es somit beseitigen. Andererseits könnte aber auch gemeint sein, dass jemand einen Zettel aufhebt und ihn verwahrt.

ausbauen
„Sie müssen das ausbauen.“ lässt zwei Lesarten zu: etwas vergrößern oder etwas herausnehmen. Nur der Kontext entscheidet hier, was gemeint ist: eine Wohnung oder eine Komponente eines Motors?

einstellen
„Eine Firma stellt ein.“ Das heißt: Sie nimmt jemanden auf. Wenn eine Firma allerdings den Betrieb einstellt, bedeutet das: Sie beendet ihn. Auch hier geht’s ganz schön auseinander!

erlassen
Wieder ein Begriff aus dem juristischen Kontext. „Ein Gesetz erlassen“ heißt: es einführen. „Eine Strafe erlassen“ heißt hingegen: auf sie verzichten.

grundsätzlich
Auch dieses Wort kann zwei entgegengesetzte Bedeutungen haben: „Das gilt grundsätzlich“ kann heißen: ausnahmslos. Es kann aber auch heißen: im Allgemeinen, mit Vorbehalt. Der Duden nennt sogar beide Lesarten gleichberechtigt.

sanktionieren
Dieses Wort meint sowohl bestrafen als auch billigen. „Die EU sanktioniert Russland“ ist genauso korrekt wie „Der Vorstand sanktioniert eine neue Richtlinie“. Je nach Kontext kann es also etwas ganz Unterschiedliches heißen.

umfahren
Je nach Betonung ist „umfahren“ entweder ein Ausweichmanöver oder ein Verkehrsdelikt. Wer „etwas umfährt“, weicht ihm aus. Wer „jemanden umfährt“, trifft ihn mit dem Fahrzeug.

Übrigens können auch Substantive Januswörter sein:

Bescherung
Das meint einerseits die große Bescherung an Weihnachten oder aber eine unangenehme Überraschung.

Untiefe
Dieser Begriff steht in der Nautik für gefährlich seichtes Wasser. Im allgemeinen Sprachgebrauch meint das Wort jedoch eine besonders große Tiefe.

Platzangst
Auch dieser Begriff kann zwei Bedeutungen haben: In der Psychologie meint er die Angst vor weiten, offenen Plätzen. Umgangssprachlich ist aber fast immer das Gegenteil gemeint: die Angst vor Enge. Das Wort hat seine klinische Bedeutung im Alltag vollständig umgekehrt.

Kleiner Fun Fact zum Schluss: Eines der Verkehrsdelikte mit der höchsten Strafe (738,50 Euro, 2 Punkte, 3 Monate Fahrverbot) lautet „Bahnschranke unerlaubt umfahren“. Wer ist denn so blöd und fährt gegen eine geschlossene Schranke?


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Wieso wird „Prosa“ oft falsch verwendet?

Viele, die das Wort „Prosa“ benutzen, denken dabei an Literatur, anspruchsvolle Texte oder hohe Kunstfertigkeit. Dabei bedeutet Prosa eher das Gegenteil von Poesie oder Dichtung und schließt Polizeiberichte genauso ein wie Romane. Woher kommt also die Verwechslung?

Von Hannah Molderings

Definition 1: Prosa als formaler Begriff

Prosa bedeutet zunächst ganz einfach: Sprache, die nicht in Versform gebunden ist. So steht es auch im Duden. Das Gegenteil von Prosa ist Lyrik: also Verse, Reime und alle Texte mit Rhythmus. Ein Sitzungsprotokoll ist also genauso Prosa wie eine Novelle von Kleist. Das Adjektiv „prosaisch“ bedeutet nüchtern, trocken oder alltäglich. Prosa ist also in erster Linie ein neutraler Formbegriff.

Definition 2: Prosa als literarischer Begriff

Daneben existiert eine zweite Bedeutung. Im Deutschunterricht lernt man drei literarische Gattungen: Lyrik, Epik, Dramatik. Die Epik, also Romane, Novellen, Erzählungen, ist fast immer in Prosa geschrieben. Deshalb wird „Prosa“ im Literaturkontext schnell zum Synonym für Erzählkunst. Wenn jemand also sagt: „Seine Prosa ist großartig“, meint er nicht: „Er schreibt ohne Reime.“ Sondern er findet Stil, Satzführung oder Rhythmus toll.

Und was raten wir Ihnen?

Es ist kein Fehler, „Prosa“ für literarische Texte zu verwenden. Der Fehler liegt eher darin, Prosa pauschal als Gegenteil von schlichter Sprache zu verstehen. Vermutlich hat die Schule den Begriff auf eine Gattung verengt. Im Ergebnis verstehen viele die Bedeutung des Begriffs falsch: Wer „Prosa“ zum Gütezeichen für Texte erhebt, sitzt gedanklich also noch ein bisschen in der Schule fest und hat den Pausengong nicht gehört. Naja, dieser Schluss war jetzt vielleicht nicht der poetischste.

 


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