Kategorie: Allgemein

Schreiben wie im Marketing: das Muster hinterm Teaser

Das Geheimnis des schnellen Schreibens liegt in klar definierten Textmustern. Deshalb geben Verlage ihren Autoren bewährte Muster vor. Wir zeigen Ihnen anhand von Beispielen das häufigste Muster, das zum Beispiel auch der Spiegel nutzt.

Von Stefan Brunn

Erstens: Schnell schreiben kann nur, wer über die Struktur seines Textes nicht lang nachdenken muss.

Zweitens: Erfolgreich werden Texte nur, wenn Sie eine Struktur besitzen, die sich in der Evolution der Texte (also bei Leserinnen und Lesern) durchgesetzt hat.

Unterm Strich
können Verlage also am Informationsmarkt dann erfolgreich sein, wenn sie eine erfolgreiche Textstruktur identifizieren und alle Autoren danach schreiben. Und genau dieses Ziel verfolgen die Verlage auch.

Im Hintergrund dieser Überlegungen stehen kognitionspsychologische Theorien, die sich das Marketing schon lange zunutze macht. Zwei sind besonders erwähnenswert:

Information Scent
Diese Theorie beruht auf einer Metapher: Raubtiere optimieren bei der Jagd das Kosten-/Nutzen-Verhältnis zwischen aufgewendeter und verbrauchter Energie. Übertragen heißt das zum Beispiel, dass NachrichtenkonsumentInnen immer genau gucken, wie viel Zeit und Mühe sie aufwenden müssen, um möglichst viel Wissen/Nutzen/Unterhaltung als Beute zu erhalten. Es kann also durchaus sein, dass sie nicht den großen Kaninchen nachjagen, obwohl diese nahrhafter sind: Sie sind eben auch schwerer zu erlegen. Die Informationsfährten-Theorie von Peter Pirolli und Stuart Card beinhaltet auch, dass die Fährte mit jedem Schritt für den Nutzer stärker werden muss, sonst bricht er die Jagd ab.

Conversion Trinity
Eine Art heiliger Dreifaltigkeit, auf den Punkt gebracht von Marketing-Guru Bryan Eisenberg: 1. Das Problem muss relevant für mich sein (Relevance). 2. Die Lösung muss mich überzeugen (Value). 3. Wie komme ich jetzt leicht an die Lösung (Call-to-Action)?

Einen sehr ähnlichen Dreischritt geben etwa auch die „Textstandards“ von Spiegel online vor. Hier heißen sie allerdings „Reiz-These-Rampe“:

1. Reiz: Man macht den Leser heiß, indem man ein relevantes Thema mit Reizwörtern attraktiv darstellt.
2. Kernthese: Dem Leser wird eine Nachricht präsentiert, die einen oder mehrere sogenannte Nachrichtenfaktoren enthält: Neuheit, Bedeutung, Nähe, Nutzwert, Konflikt, Kuriosität, Prominenz, Humor, Erotik …
3. Rampe: Man macht Lust auf mehr, verspricht beim Weiterklicken die tollsten Sachen und lässt es so aussehen, als wäre man an der fetten Beute schon ganz nah dran …

Genau nach diesem Schema sind auch die Teaser bei Spiegel online und vielen, vielen anderen Online-Medien geschrieben. Überprüfen Sie die Struktur an folgenden Echtbeispielen aus Spiegel online:

„Geschäftsmäßige Suizidhilfe ist in Deutschland verboten. Ein Arzt hält das Gesetz für schlecht gemacht – und will es vor dem Bundesverfassungsgericht kippen. Hier erklärt er, warum.“

„Im australischen Queensland ist auf der Windschutzscheibe eines Autos plötzlich eine Schlange aufgetaucht. Das Reptil erwies sich als außerordentlich anhänglich – zum Entsetzen der Insassen. Das Video.“

„In wenigen Wochen will Samsung das erste faltbare Smartphone auf den Markt bringen – nach zehnjähriger Entwicklungszeit. Wir konnten es ausprobieren. Eine Frage bleibt ungeklärt.“

So klar und erfolgreich dieses Muster auch ist – manchmal übertreiben es Leute auch, die den Teasern von Spiegel & Co. nacheifern:

„Haben sie eine Wand zuhause? Dann sind diese drei Minuten Fitness-Übungen perfekt für Sie. Jetzt als Gratis-PDF sichern!“

Aufs richtige Pferd gesetzt, aber aufs falsche Foto!

Unser Hausblatt des unfreiwilligen Humors hat uns einmal mehr mit einer tollen Metapher beglückt: „Aufs richtige Pferd gesetzt“ heißt es in einer Überschrift, geschickt mit einer Redewendung spielend. Der Texter hatte hier aber die Rechnung ohne den Layouter gemacht – sehen Sie selbst!

Von Stefan Brunn

Da hatte sich der Texter der XY-Nachrichten (Titel ist der Redaktion mehr als bekannt) bei der Überschrift solche Mühe gegeben: Eine passende Metapher gesucht, sie geschickt abgewandelt, sogar auf den falschen Apostroph bei „aufs“ verzichtet. Und dann das: Im Layout ergibt sich ein ganz, ganz unglücklicher Zusammenhang. So kann schlechtes Layout ziemlich diskriminierend rüberkommen …

Wer die ganze Zeitungsseite betrachtet (siehe zweites Bild), versteht eine der wichtigsten Regel guten Designs besser: Nahestehende Objekte werden als zusammengehörig interpretiert. Diese Regel sollte der Texter dem Layouter vielleicht mal an den Monitor pinnen …

Synonyme: Nicht jedes Ei ist ein Hühnerei!

Im Deutschunterricht hieß es oft: Wortwiederholung ist schlechter Stil, Synonyme machen den Text lebendiger! Für die Verständlichkeit eines Textes ist dieser Rat aber oft Quatsch. Wir haben mal aufgeräumt: Welche Arten von Synonymen gibt’s und welche bringen Probleme mit sich?

Von Hannah Molderings

Drei Arten von Synonymen gibt‘s: Vollsynonyme, Quasisynonyme und Teilsynonyme.

Diese klare Ordnung verdanken wir einem Medizin-Professor, der ein Faible für Dokumentation und Ordnung hatte. In seinem Buch „Dokumentations- und Ordnungslehre“ hat Wilhelm Gaus nachfolgenden Generationen diese sehr kluge Systematik geschenkt:

Vollsynonyme
Vollsynonyme sind Wörter, denen identische Sachen zugrunde liegen. Das sind oft die Dinge, für die es eine volkstümliche und eine wissenschaftliche Bezeichnung gibt:

Beispiele:
Leberentzündung – Hepatitis
Bücherei – Bibliothek

Hier müssen Kommunikationswissenschaftler allerdings einhaken: Weiß der Leser meines Textes überhaupt, dass Bücherei und Bibliothek dasselbe sind? Möglicherweise verleiten wir den Leser durch das Synonym sogar dazu, einen Unterschied zu suchen, der gar nicht da ist. Will man alle Missverständnisse vermeiden, verwendet man besser immer den gleichen Begriff.

Quasisynonyme
In der Umgangssprache viel häufiger sind die sogenannten Quasisynonyme. Das sind Wörter, die zwar die gleiche Sache meinen wie ihre Pendants, aber doch feine Unterschiede ausdrücken.

Beispiele:
Pferd – Gaul
Frau – Weib

Hier ist zwar die gleiche Sache oder die gleiche Person gemeint, aber mit einer Wertung verbunden. Es ist ja doch ein Unterschied, ob man von Gesicht, Fresse oder Antlitz spricht. ☺

Teilsynonyme
Diese letzte Gruppe bezeichnet Dinge, die in Teilen übereinstimmen, aber eben nicht identisch sind. Sie entstehen dann, wenn ein allgemeiner Begriff nur einen ganz bestimmten Begriff ausdrücken soll – wenn also ein Teil eines Ganzen für die Bezeichnung des Ganzen benutzt wird.

Beispiele:
Ei – Hühnerei

Bei diesem Beispiel haut es vielleicht noch hin: Die meisten Menschen denken wohl an ein Hühnerei, wenn wir von einem Ei sprechen. Aber auch da können wir nie sicher gehen, was beim Leser ankommt. Noch schlimmer wird’s bei folgendem Beispiel:

Beispiele:
Fahnder – Polizist

Es mag ja sein, dass ein Polizist gleichzeitig als Fahnder arbeitet oder ein Fahnder gleichzeitig Polizist ist. Es ist aber nun mal nicht dasselbe. Schreibe ich in einem Text also mal von Fahndern und an anderer Stelle von Polizisten, kommt der Leser schnell zu dem Schluss, dass hier zwei unterschiedliche Gruppen gemeint sind.

Fazit:
Synonyme machen den Text vielleicht abwechslungsreicher. Die Verständlichkeit eines Textes behindern sie aber mindestens genauso oft. Wir raten allen Lehrern, ihren Schülern „Wortwiederholungen“ höchstens dann anzukreiden, wenn es tatsächlich gute Vollsynonyme gegeben hätte. Höchstes Ziel guten Stils bleibt nämlich gelingende Kommunikation – und diesem Ziel stehen Synonyme oft im Weg.

6 Regeln: So zerlegt man Bandwurm-Wörter

„Vermeiden Sie Bandwurm-Wörter!“ Diese Regel steht in jedem Schreib-Ratgeber – und das zu Recht. Aber wie genau geht man mit langen Wort-Kombinationen am besten um? Wir nennen sechs praktische Regeln und Beispiele.

Von Hannah Molderings

1. Die Grundregel: Wenn ein Wort zu lang wird, dürfen und sollten Sie es auftrennen oder mit Bindestrich koppeln.
Beispiel: Nichtraucherschutzmaßnahmen ⇨ Nichtraucherschutz-Maßnahmen

2. Ist ein Begriff ohne Bindestrich sehr etabliert, trennen Sie ihn nicht auf.
Beispiel: Gleichstellungsbeauftragte bleibt ungetrennt stehen. Lateinamerika-Beauftragte hingegen sollten Sie koppeln.

3. Anstelle eines Bindestrichs können Sie ein Bandwurm-Wort auch anders zerlegen – oft liest sich das noch besser.
Beispiel: Facharbeiterecklohn ⇨ Ecklohn für Facharbeiter

4. Je länger das Wort, desto nötiger wird das Aufspalten.
Beispiel: Pflanzenschutzmittelrückstandshöchstgehaltsüberschreitungen ⇨ Höchstgehalts-Überschreitungen bei Pflanzenschutzmittel-Rückständen

5. Trennen Sie so, dass die Bedeutung des Wortes erhalten bleibt. So nicht:

Beispiel: Eisenbahninfrastrukturunternehmen ⇨ Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen anstatt Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen

 

 

 

6. Trennen Sie Wörter, wenn die Gefahr besteht, dass man sie sonst falsch ausspricht.
Beispiel: Garantieinstrumentarium ⇨ Garantie-Instrumentarium

Was ist eigentlich Rausatz?

Wer einen Text optisch aufbereiten möchte, muss sich entscheiden: Setze ich den Text im Blocksatz oder im Flattersatz? Dessen Schwester, den Rausatz, kennt kaum jemand.

Von Hannah Molderings

Das Prinzip des Blocksatzes ist einfach: Er sorgt dafür, dass alle Zeilen rechts auf gleicher Höhe enden. Dafür nimmt man in Kauf, dass die Abstände zwischen den Wörtern unterschiedlich groß werden und so größere Löcher im Text entstehen. Vermeiden kann man das wiederum mit einer Silbentrennung am Zeilenende – die aber auch Tücken hat.

Beim Flattersatz ist es ganz anders: Hier sind die Enden der Zeilen alle unterschiedlich lang. Worttrennungen am Zeilenende sind tabu – erst dadurch entsteht ja ein „flatterndes“ Schriftbild.

Der sogenannte Rausatz, bei dem man Wörter am Zeilenende von Hand trennt, ist so ein Mittelding zwischen Blocksatz und Flattersatz: Hier flattert der Text zwar noch ein bisschen, allerdings sind die Unterschiede der Zeilenlängen nicht so stark wie beim Flattersatz. Man erhält ein halbwegs gleichmäßiges Schriftbild wie beim Blocksatz und gleichmäßige Abstände zwischen den einzelnen Wörtern. Um Worttrennungen am Zeilenende kommt man allerdings nicht herum.

In normalen Textverarbeitungsprogrammen gibt es keinen Automatismus oder Standardbefehl für Rausatz. Handarbeit ist angesagt. In jeder Zeile wählt man die Stelle für einen neuen Zeilenbeginn selbst aus. Dazu kann man geschützte Zeilenumbrüche (Shift + Enter) verwenden. Außerdem kann man einzelne Wörter am Zeilenende mit Bindestrichen trennen. Aber Vorsicht! Wenn sich danach am Text noch etwas ändert, rutschen die selbstgetrennten Wörter vielleicht an andere Stellen – dann muss der Bindestrich wieder entfernt werden. Beide händischen Trennungen sind aber problematisch: Der so fabrizierte Rausatz steht responsivem Design im Weg, bei dem sich der Zeilenlauf stets dem Endgerät anpasst. Und weil immer mehr Texte heute gleich fürs Web geschrieben werden oder irgendwann dorthin wandern, ist der Rausatz inzwischen selten geworden. Nur in reinen Druckprodukten ist er an der einen oder anderen Stelle noch sinnvoll.

Flattersatz, Rausatz und Blocksatz im Bildbeispiel:

Der „beste“ Handwerker der Stadt

Wer nicht weiß, wie man Anführungszeichen richtig nutzt, schießt damit schon mal ein Eigentor, indem er sich von der eigenen Aussage distanziert. Wir zeigen ein Echtbeispiel, wie sich ein Handwerker verbal ins Knie schießt …

Von Hannah Molderings

Anführungszeichen nutzt man vor allem, um ein wörtliches Zitat anzubringen. Manche benutzen die Tüttelchen auch zur Ironisierung. Und die Dritten distanzieren sich damit von ihrer eigenen Wortwahl. Diese drei möglichen Lesarten führen oft zu unfreiwilligem Humor, wenn nämlich jemand etwas Positives über sich oder andere äußert, die Attribute aber in Anführungszeichen setzt. Jetzt lesen darin nämlich viele Ironie oder wenigstens eine Distanzierung. Der Dienstleister, der den Lieferwagen in unserem Bild beschriftet hat, wollte seine Leistungen sicher nicht ironisch als „zuverlässig und preiswert“ bezeichnen. Bei uns kam es aber genau so rüber! Als wenn er sich über seine Eigenzuschreibungen lustig machen wollte …

Entschuldigen Sie bitte übrigens das etwas unscharfe Foto. „Mario“ war verdammt schnell unterwegs und wir hatten alle Mühe, ihm in „angemessenem“ Tempo durch die Innenstadt zu folgen und vor Lachen noch die Kamera ruhig zu halten.

 

 

Kieselsteine in meinen Socken: Top Ten der bösen Metaphern

Franck Ribéry, extrovertierter Star des FC Bayern München, hat jüngst mit einer wirklich hässlichen Metapher in den sozialen Netzwerken für viel Unmut gesorgt. Die bildhafte Sprache in seinem Kommentar zeugte neben Arroganz auch von Kreativität. Wir haben mal recherchiert, ob es nicht schon häufiger derart böse Metaphern für Mitmenschen gab …

1. „Ihr seid nicht mehr als die Kieselsteine in meinen Socken.“
Franck Ribéry vom FC Bayern München zur Verteidigung gegenüber Angriffen in den sozialen Netzwerken, er habe damit geprotzt, ein sündhaft teures Steak mit Blattgold zu essen.

2. „Sie geistiges Eintopfgericht!“
Herbert Wehner (SPD) 1956 zu Georg Kliesing (CDU)

3. „Du Seuchenvogel! Interview? Da habe ich Bock drauf wie Zahnweh.“
Jürgen Klopp nach einem Fußballspiel zu einem SWR-Reporter

4. „Monatelang haben Seehofer und Söder den FDP-Gesundheitsminister angebrüllt wie bayerische Löwen – jetzt miauen sie wie kastrierte Kater.“
Florian Pronold (SPD) über Horst Seehofer und Markus Söder (CSU)

5. „Er ist der berühmteste Eierkrauler dieses Parlaments.“
Barbara Hendricks (SPD) 2012 über Martin Lindner (FDP)

6. „Wild gewordener Gartenzwerg!“
Ottmar Schreiner (SPD) über Hansheinz Hauser (CDU)

7. „Sie können sich wahrscheinlich mit dem Titel des größten Schönredners aller Zeiten schmücken. Ihnen gelingt es sogar, ein Stück Kuhscheiße in einen Goldklumpen zu reden …“
Ottmar Schreiner, SPD, zum damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm, CDU/CSU

8. „Jubeljaulende Hofhunde“
Franz Josef Strauß’ Bezeichnung für Journalisten

9. „Dem Kubicki ist wohl die Schweinegrippe aufs Gehirn geschlagen.“
Alexander Dobrindt (CSU) zu Wolfgang Kubicki (FDP)

10. „Sie hat einen braunen Strich in der Hose.“
Kommentator Carsten Sostmeier bei Olympia 2016, nachdem eine Reiterin auf der Geländestrecke nach drei Verweigerungen ihres Pferdes disqualifiziert worden war.

Erst zum Chirurg, dann zum Fotograf!

Passend zur Jahreszeit haben wir einen kleinen Weihnachts-Murx für Sie gesucht, aus dem man etwas lernen kann. Was ist falsch an folgender Überschrift einer großen Regionalzeitung: „Weihnachtshaus wird zum Besuchermagnet“? Die sogenannte n-Deklination! Nie gehört? Wir erklären sie Ihnen …

Von Hannah Molderings

Einige maskuline Substantive werden mit der so genannten n-Deklination gebeugt. Diese Substantive haben in allen Kasusformen außer im Nominativ Singular die Endung -(e)n.

Das Wort Dirigent wird zum Beispiel so dekliniert:

Nominativ: Der Dirigent spielt nächste Woche ein Konzert.
Akkusativ: Ich habe einen Dirigenten kennen gelernt.
Dativ: Sie haben dem Dirigenten zugeschaut.
Genitiv: Das Konzert des Dirigenten war sehr schön.

Die n-Deklination kommt bei vielen Substantiven zum Einsatz. Bei einigen Wörtern wird sie aber immer wieder verbockt:

Maskuline Substantive, die männliche Personen bezeichnen, mit folgenden Endungen:
-and: der Doktorand – des Doktoranden
-ant: der Praktikant – des Praktikanten
-at: der Kandidat – des Kandidaten
-ent: der Absolvent – des Absolventen
-et: der Magnet – des Magneten
-ist: der Journalist – des Journalisten
-oge: der Pädagoge – des Pädagogen
-nom: der Ökonom – des Okönomen
-soph: der Philosoph – des Philosophen
-graf: der Fotograf – des Fotografen
-urg: der Chirurg – des Chirurgen

Übrigens: Auch viel größere Zeitungen machen es in ihren Überschriften manchmal falsch.

Die n-Endung kann man in manchen Fällen auch weglassen. Im oberen Beispiel, wenn man die Präposition weglässt. Die Überschrift aus der Rheinischen Post hätte man also auf zwei Arten korrekt schreiben können:

WEIHNACHTSHAUS IN MOERS WIRD BESUCHERMAGNET
oder
WEIHNACHTSHAUS IN MOERS WIRD ZUM BESUCHERMAGNETEN

Aber eindeutig falsch ist, was Sie oben gelesen haben:
WEIHNACHTSHAUS IN MOERS WIRD ZUM BESUCHERMAGNET

Regelmäßig liefern wir in unserem Newsletter ZEILEN|HACKER einen „Murx des Monats“ aus. Oft geht es um lustige Rechtschreibfehler, manchmal um Stilblüten oder auch um besonders dämliche Texte. Der Stoff dafür geht uns nie aus! Und ja: Wir wissen, dass man Murks nicht mit X schreibt!

Von erntefrischen Erdbeerkuchen und vierköpfigen Familienvätern

Für Adjektive vor zusammengesetzten Substantiven gibt es eine einfache Regel: Das Adjektiv sollte sich immer auf den hintersten Teil des Nomens beziehen. Wenn man diese Regel nicht beachtet, entstehen häufig sehr lustige Sprach-Pannen. Eine davon findet sich schon in einem Lehrbuch von 1830.

Von Hannah Molderings

So macht man es nicht:

• erntefrischer Erdbeerkuchen
• baldige Genesungswünsche
• atomares Müllproblem
• Konferenz nachwachsender Rohstoff-Experten
• vierköpfiger Familienvater
• silbernes Hochzeitspaar
• chemischer Fabrikbesitzer
• siebenstöckiger Hausbesitzer
• ängstliche Persönlichkeitsstörung
• schwere Unwetterwarnungen
• gedörrter Obsthändler (dieses Beispiel findet sich sogar schon in einem Lehrbuch von 1830 wieder)

Bei diesen Beispielen bezieht sich das Adjektiv eben nicht auf den ersten Teil des Wortes. Aus erntefrischem Erdbeerkuchen muss also ein Kuchen aus erntefrischen Erdbeeren werden und mit einem vierköpfigen Familienvater ist natürlich der Familienvater einer vierköpfigen Familie gemeint.

Hier ein paar Beispiele für korrekt eingesetzte Adjektive:

• leckerer Erdbeerkuchen
• liebevoller Familienvater
• schwere Persönlichkeitsstörung
• erfolgreicher Obsthändler

Es gibt allerdings auch einige Fälle, die zwar grammatikalisch nicht korrekt sind, sich in unserem Sprachgebrauch aber längst gefestigt haben. Solange man beim Lesen nicht in Gelächter ausbricht oder den Satz falsch verstehen kann, können Sie diese Ausdrücke ohne Bedenken weiter benutzen.

Beispiele dafür sind:

• geheimes Wahlrecht
• Bürgerliches Gesetzbuch
• evangelisches Pfarramt
• katholische Bischofskonferenz
• mündlicher Prüfungstermin
• sozialer Wohnungsbau

Hätte, hätte, Fahrradkette …

Was täten wir nur ohne den Konjunktiv! Gäbe es ihn nicht, wüssten wir oft nicht, wer genau etwas gesagt hat. Denn der Konjunktiv zeigt ja, wann jemand die Meinung eines Dritten wiedergibt – oder, im Konjunktiv ausgedrückt: Das sollte er zumindest.

Von Andrea Rayers

Wenn Konjunktiv I und Konjunktiv II falsch verwendet werden, verliert man schnell den Überblick, um wessen Meinung es sich eigentlich handelt. So etwa in einer kürzlich erschienenen Passage im „Morning Briefing“ des Journalisten Gabor Steingart:

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat sich auf Friedrich Merz festgelegt. „Es wäre das Beste für das Land, wenn er eine Mehrheit auf dem Parteitag erhielte“, sagte Schäuble der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Eine Wahl von Merz würde das politische System stabilisieren und die politischen Ränder wieder schwächen.

Analysieren wir es doch mal: Der Autor zitiert zunächst Wolfgang Schäuble in direkter Rede. Dieser wiederum formuliert seine Gedanken in einer Konjunktiv-II-Konstruktion – die ja aussagt: Hier handelt es sich um einen Wunsch, um eine Hoffnung, die vielleicht sogar irreal ist. So weit, so korrekt.

Der Knackpunkt liegt im nächsten Satz: Eine Wahl von Merz würde das politische System stabilisieren und die politischen Ränder wieder schwächen. Möchte der Autor hier die Aussagen Schäubles in indirekter Rede fortführen? Oder handelt es sich gar um Steingarts eigene Gedanken, die er hier preisgibt? Das ist hier alles andere als klar!

Schuld daran ist der Konjunktiv – beziehungsweise der Autor, der den Konjunktiv irreführend eingesetzt hat. Denn sowohl Konjunktiv I als auch Konjunktiv II haben ihre ganz eigenen Aufgabengebiete:

Konjunktiv I:

• Er wird verwendet, wenn etwas in indirekter Rede wiedergegeben wird.
• Die Bildung ist recht simpel. Er leitet sich von der Infinitiv-Form ab: stabilisieren – er stabilisiere.

Konjunktiv II:

• Er wird verwendet, um einen (irrealen) Wunsch zu kennzeichnen, bei höflichen Fragen oder Aufforderungen oder bei Zweifeln am Gesagten.
• Gebildet wird er, indem man sich die Präteritum-Form des Verbs anschaut und davon ableitet: hatte – er hätte.
• Der Konjunktiv II lässt sich auch mit einem „würde“-Satz umschreiben. Diese Form gehört zwar eher zur gesprochenen Umgangssprache, ist aber auch im Schriftlichen nicht verboten:

– Als Ersatzform, wenn der Konjunktiv I nicht vom Indikativ zu unterscheiden ist (wir haben – wir haben). Das trifft in unserem Beispiel allerdings nicht zu.
– Als Ersatzform, wenn der Konjunktiv II und der Indikativ im Präteritum nicht zu unterscheiden sind – wie in unserem Beispiel: stabilisierte, schwächte.
– Wenn die Verben im Konjunktiv II ungebräuchlich und allzu verstaubt klingen, wie zum Beispiel: klänge, löge, schmölze, vergösse, führe, wüsche …

Angenommen, der Autor wollte lediglich wiedergeben, was Wolfgang Schäuble gesagt hat. Dann müssten also sämtliche Verben im Konjunktiv I stehen, und der Satz würde lauten: Eine Wahl von Merz stabilisiere das politische System und schwäche die politischen Ränder wieder.

Unser Beispiel-Satz steht aber nun mal im Konjunktiv II – und lässt deshalb rein grammatikalisch vermuten, dass es sich nicht um indirekte Rede, sondern um eine Aussage des Autors handelt. Noch dazu ist es eben gar kein reiner Konjunktiv II, sondern eine Umschreibung mit „würde“. Wir vermuten also, dass hier Gabor Steingart selbst bewertet – oder?

Der Konjunktiv ist und bleibt ein Sorgenkind der deutschen Sprache: ungeliebt, gern umgangen, teils mit Verbformen aus der Mottenkiste. Richtig angewendet zeigt er uns aber genau an, ob eine Aussage die eigene Meinung wiedergibt, aus der Feder eines Dritten stammt oder nur ein Wunschtraum ist: Ach, wäre es doch immer so eindeutig!