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Schreiben wir bald so, wie es die Maschine vorgibt?

Ein schwedisches Startup will die redaktionelle Arbeit revolutionieren: Eine neue „Story Engine“ soll viel genauer als bisher vorgeben, welche Themen in welchen Darstellungsformen und mit welchen Mitteln den Lesern schmackhaft gemacht werden.

Nie zuvor in der Menschheitsgeschichte wusste man besser als heute, was die Leute gern lesen. Vor 30 Jahren fragte man die Leser einfach, was sie am liebsten lesen. Die Ergebnisse waren, natürlich, trügerisch: Wer gibt schon zu, dass er am liebsten die Unterwäscheanzeigen studiert und den Kulturteil gar nicht anguckt? Nach diesen Leserbefragungen („Copy-Tests“) kamen „Eyetracking“ und „Readerscan“. Aber auch hier befanden sich die Probanden in massiv verfälschenden Lesesituationen. Das ist inzwischen weitgehend Geschichte, man sieht im Internet viel besser, was die Leute wirklich lesen – und Analyseprogramme wie Google Analytics oder Chartbeat werten diese Daten passabel aus. Chartbeat tut das so gut, dass manche Redakteure regelrecht „chartbeatsüchtig“ sind.

Noch viel weiter als Chartbeat & Co. geht der Ansatz des Startups „Kit“ aus Stockholm. In einem Newsletter des Harvard-Instituts „NiemanLab“ haben die Gründer kürzlich die Prinzipien ihrer sogenannten „Story-Engine“ erklärt: Es geht darum, den redaktionellen Ablauf umzudrehen: erst die Maschine, dann der Autor! Gefüttert wird die Maschine zunächst mit unzähligen Daten zu bisherigen Artikeln und ihren Quoten. Erfasst wird dabei nicht nur, in welches Ressort ein Artikel fällt, etwa „Wissenschaft“. Sondern man differenziert und kategorisiert viel genauer, zum Beispiel nach „Krankheiten“ oder sogar nach „Krebs“ oder noch spezieller: „Bauchspeicheldrüsenkrebs“. Die Merkmale der Artikel werden laufend in 145 verschiedenen Klassifizierungen erfasst. Unter anderem enthalten sie auch so weiche Faktoren wie Darstellungsform, Ton, Absicht, Zielgruppe und so weiter, die man dann wieder mit den Themen kombiniert auswerten kann. Insgesamt sprechen Mitgründer Fredrik Srömberg und seine Mitstreiter von 43 Billionen Kombinationsmöglichkeiten.

Indem man die Merkmale genau erfasst, lässt sich auch besser sagen, was einen Artikel von anderen unterscheidet. Und natürlich zielt „Kit“ darauf ab, dass spätere Artikel die bisherigen Ergebnisse berücksichtigen und den Maßgaben der sich selbst aufbauenden „Story Engine“ folgen – übrigens nicht nur bei Artikeln, sondern auch auf Twitter, Facebook, Instagram oder YouTube. Die Gründer nennen als Beispiel ein Rezeptvideo, bei dem man aufgrund neuer Erkenntnisse die Darstellung stark verändert hat: Die Maschine hat nämlich herausgefunden, dass es schlecht ist, solche Videos mit einer Übersicht der Zutaten zu beginnen. Viel lieber haben es die Zuschauer, wenn die Videos direkt mit dem Rezept beginnen. Klar, dass diese Reihenfolge künftig die neue Maßgabe der „Story Engine“ für Rezeptvideos ist.

Trotz genauerer Vorgaben werden Autoren und Redakteure übrigens von der Maschine noch ermuntert, immer wieder Neues auszuprobieren. Nur so kann die „Story-Engine“ nämlich ermitteln, wie verschiedene Typen von Beiträgen bei den Nutzern ankommen. Innovation bleibt also Menschensache. Vielleicht ist das Traditionalisten ein kleiner Trost, wenn künftig die Story-Maschinen jedem Artikel Struktur und Ton vorgeben.

Die Firma Kit wurde 2014 gegründet und hat heute rund 30 Mitarbeiter, von denen etwa die Hälfte im redaktionellen Team arbeitet. Seit dem letzten Jahr bietet die Firma den Zugang zu ihren Informationen gewerblich an. Zur Gründung erhielt sie nach Angaben von „NiemanLab“ fünf Millionen Euro von dem schwedischen Medienunternehmen Bonnier.

Duden sorgt mit Adjektiv-Regeln für Verwirrung

Warum muss man ein stilles Wasser klein schreiben, darf aber ein Schwarzes Brett auch groß schreiben? Das wissen wir zwar auch nicht, aber so legt es der neue Duden fest. Unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat er eine neue Regel eingesetzt, die kaum jemand verstehen dürfte. Wir dröseln sie für Sie auf!

Von Laura Bertenburg und Stefan Brunn

Als kürzlich die 27. Auflage des Duden erschien, wurde viel über neue Wörter darin und das große Eszett diskutiert. Dabei enthält der neue Duden viel Wichtigeres: Die Großschreibung der Adjektive in Verbindung mit Substantiven wurde neu geregelt, und zwar so, wie es der Rat für deutsche Rechtschreibung vorgegeben hatte. Die neuen Regeln sind allerdings in mehrfacher Hinsicht schlecht. Sie widersprechen erstens dem bisherigen allgemeinen Sprachgebrauch. Zweitens sind sie in ihren Fallabgrenzungen so schwammig formuliert, dass man sie kaum anwenden, geschweige denn jemandem erklären kann.

Für Lehrer, die ja zwischen Richtig und Falsch genau unterscheiden müssen, sind die neuen Regeln ein echter Tritt vors Schienbein! Wenn Schüler künftig über Sicheres Verhüten schreiben oder den Einsatz Nachhaltigen Lernens fordern, könnte so mancher Pauker ganz schön ins Grübeln kommen – vielleicht sind das ja in bestimmten Fächern etablierte und feststehende Begriffe? Immerhin könnte er es nachschlagen, bevor er einen Fehler anstreicht. Allerdings nicht nur im Duden, denn der enthält längst nicht alle fachsprachlichen Begriffe.

Aber fangen wir mit der guten Nachricht zur neuen Duden-Regelung an: Wer es nicht sehr genau nimmt, für den sind die neuen Regeln eine Verbesserung. Dieser Zielgruppe raten wir: Schreiben Sie einfach alle Adjektive klein, dann machen sie recht selten Fehler. Der Duden hat nämlich viele Fälle freigegeben für die fakultative Großschreibung. Ausnahmen sind bestimmte Fälle wie Titel, Ehren- und Amtsbezeichnungen (Regierender Bürgermeister), Feier- und Gedenktage (der Erste Mai) sowie Namen aus der Botanik und Zoologie (Fleißiges Lieschen).

Eigentlich lassen sich die Problemfälle ja gut systematisieren:

1: nur klein erlaubt
2: nur groß erlaubt
3: beides erlaubt

Der Duden strukturiert die Regel D89 auch ungefähr so. Das Problem ist, dass er bei Punkt 1 auf einen gegenläufigen Punkt 3b verweist und dass diese beiden Punkte überhaupt nicht trennscharf sind. Wir ordnen die beiden Gruppen hier mal ganz sauber:

Gruppe 1 (nur Kleinschreibung erlaubt), Definition:
„Bildhafte Vergleiche, die in der Gegenwartssprache noch als solche wirken, sich also nicht verselbstständigt haben.“
Beispiele: die alten Sprachen, das stille Wasser, der blinde Passagier, die graue Maus

Gruppe 3b (sowohl Klein- als auch Großschreibung erlaubt), Definition:
„Verbindungen, die eine Gesamtbedeutung angenommen haben, die nicht ohne Weiteres aus ihren Teilen hervorgeht.“
Beispiele: der blaue (oder Blaue) Brief, der runde (oder Runde) Tisch, das schwarze (oder Schwarze) Brett

Was sollen diese komplizierten Definitionen heißen? Man hätte sich sehr gewünscht, es wäre klarer formuliert worden, idealerweise sogar schülergerecht. Aber nun denn. Mutmaßlich ist Folgendes gemeint:

• Solange man bei einer grauen Maus wirklich an eine graue, mausähnliche Person denkt, muss man das Adjektiv klein schreiben.
• Wenn man aber überhaupt nichts mehr Blaues vor Augen hat, wenn man an blaue Briefe denkt, dann darf man sie sowohl groß als auch klein schreiben.

Folgt man dieser Interpretation, müsste man bei einem blinden Passagier ja wirklich denken, er sei blind – immerhin steht er als Beispiel zu Gruppe 1 im Duden. Das aber denkt nun wirklich niemand, nicht mal ansatzweise.

Umgekehrt dürfte man bei einem runden Tisch, der beispielhaft für Gruppe 3b steht, logischerweise nicht mehr an etwas Rundes denken. Das jedoch tun viele Leute ganz bestimmt.

In jedem Fall aber sind die beiden Definitionen so wenig trennscharf, dass sie für eine Regel nicht taugen. In Germanistenkreisen ist das bereits bemerkt worden, als der Rat für deutsche Rechtschreibung (der letztlich die Verantwortung für diese und etliche andere Verwirrungen trägt) die neuen Regeln im letzten Jahr in einem Bericht (PDF-Download) vorstellte. Die Sprachkritiker der deutschsprachigen Qualitätspresse haben die neuen Adjektiv-Regeln im Duden dagegen noch gar nicht gewürdigt respektive verhackstückt. Die Nachrichtenagenturen und somit Hunderte anderer Medien in Deutschland werden ihre Adjektivschreibung ja jetzt auch umstellen müssen. Haben sie es nur noch nicht gemerkt oder ignorieren sie inzwischen die Regeln von Rechtschreibrat und Duden einfach, was glauben Sie? Wir freuen uns über Ihre Einschätzung!

Wann kommt am Ende noch ein Punkt hin?

Muss eigentlich ein Punkt gesetzt werden, wenn ein Satz zum Beispiel mit etc. aufhört? Und wo genau muss ein Leerzeichen davor oder danach gesetzt werden? Wir haben die richtigen Antworten auf diese Fragen mal auf den Punkt gebracht!

Von Stefan Brunn

1. Du A… Um dies korrekt zu schreiben, muss man hier die drei Pünktchen ohne Leerzeichen davor verwenden! Sie stehen nämlich nicht für ausgelassene Wörter, sondern für ausgelassene Buchstaben. Übrigens werden immer drei Pünktchen verwendet, egal, wie viele Buchstaben das Wort noch hat. Und natürlich, Sie haben es sich gedacht: Hier ersetzen die Punkte den Rest vom Wort „Anmutige“ …
2. So wie am Ende des letzten Absatzes müssen Sie Leerzeichen vor und ggf. nach den Auslassungspunkten eingeben, wenn ein ganzes Wort oder gleich mehrere ausgelassen werden. Oder der Satz einfach abbricht ohne … Also bitte nicht so… Sondern so … Und auch mitten im … braucht man Leerzeichen um ein ausgelassenes Wort herum.
3. Die drei Punkte am Satzende ersetzen zwar einen abschließenden Punkt. Fragezeichen oder Ausrufezeichen bleiben aber erhalten. Beispiel: Das ist ja wohl das …!
4. Wenn man mit drei Pünktchen festhalten will, dass in einer Aufzählung noch etwas fehlt und diese Aufzählung innerhalb einer Klammer steht, wird nach der Klammer noch ein Punkt gesetzt. Beispiel: Sein größter Erfolg war ein Buch über Haustiere (Auswahl, Ernährung, Pflege, …).
5. Sie wollen Abkürzungen wie „u. a.“, „o. ä.“ oder „etc.“ ans Ende eines Satzes setzen, sind sich aber unsicher, ob danach noch ein zusätzlicher Punkt steht? Hier die Regel: Wird ein Wort am Ende des Satzes mit einem Punkt abgekürzt, folgt kein zusätzlicher Punkt. Es gibt also nie zwei Punkte am Ende eines Satzes. Beispiel: Ich kaufe Bananen, Äpfel, Trauben etc.

Der, die, das – welcher Artikel ist der häufigste?

Für deutsche Substantive gibt es drei verschiedene Artikel: der, die und das. Aber welcher von ihnen kommt wohl am häufigsten vor? Und wie viele Wörter können sogar zwei oder drei Artikel haben?

Von Hannah Molderings

1. Die
Der weibliche Artikel ist im deutschen der häufigste. 46 Prozent aller deutschen Substantive haben diesen Artikel.

2. Der
Auf Platz zwei rangiert der männliche Artikel. Er steht vor 34 Prozent aller deutschen Substantive.

3. Das
Der neutrale Artikel liegt auf dem dritten Platz. Nur 20 Prozent der deutschen Substantive tragen diesen Artikel.

Übrigens: Es gibt einige wenige Worte, die zwei Artikel haben können (1,4 Prozent). Beispiele dafür sind „Virus“ (der oder das) oder „E-Mail“ (die oder das). Ein ganz kleiner Teil der deutschen Substantive kann sogar mit allen drei Artikeln benutzt werden (0,04 Prozent): „Joghurt“, „Spam“ oder „Triangel“ gehören dazu. Es gibt sogar Substantive, die ganz ohne Artikel auskommen (0,1 Prozent). Beispiele dafür sind die Wörter „Aids“, „Allerheiligen“ oder „Fernost“.

5 Buchtipps zum Fest – für die wichtigsten 5 Zielgruppen

Bücher zu verschenken ist gut. Die Auswahl ist aber nicht einfach: Es gibt schlicht zu viele davon. Wir haben die Sache mal aufs Wesentliche reduziert: jeweils einen Buchtipp für die häufigsten Fälle …

Zielgruppe 1: der eigene Partner, dem man etwas Erheiterndes schenken möchte
Es gibt Buchgeschenke, die sind eine Last. Gerade wenn ein Buch vom eigenen Partner kommt, weiß man ja, dass man es lesen muss. Um genau diesen Konflikt zu vermeiden, schenken Sie Ihrem Partner lieber etwas, was wenig Geld und wenig Zeit kostet – aber Spaß macht. Unser Tipp fürs Fest: ein fröhlich-hintergründiges Buch mit lauter Piktogrammen der chinesischen Design-Professorin Yang Liu.

Yang Liu: Mann trifft Frau. Lach- und Sachgeschichten zur Geschlechterdifferenz. 128 Seiten, 12 Euro.
+ Hintergrund
+ Alternative

Zielgruppe 2: ein guter Freund oder eine gute Freundin
In Jean-Jacques Sempés „Freundschaften“ geht’s um die vielen Facetten von Freundschaften – dargestellt in wundervollen Bildern. Dazu spricht Sempé hier mit dem französischen Kulturjournalisten Marc Lecarpentier über Freundschaften. Übersetzt hat das Buch übrigens kein Geringerer als Patrick Süskind.

Jean-Jacques Sempé: Freundschaften. 152 Seiten; 40 Euro.

+ Hintergrund
+ Alternative

Zielgruppe 3: ein Kind, das man fürs Lesen begeistern möchte
Die Geschichten vom kleinen Nick sind zu Spielfilmen und Zeichentrickfilmen verarbeitet worden. Aber vergessen Sie diese Filme – vom kleinen Nick muss man die Geschichten selbst lesen! Sie gehören zum Besten, was es in der Kinderliteratur gibt. Auch für Erwachsene lesen sie sich köstlich.

René Goscinny und Jean-Jacques Sempé: Das große Buch vom kleinen Nick. 364 Seiten; 30 Euro.
+ Hintergrund
+ Alternative

Zielgruppe 4: die eigenen Eltern
Früher war alles besser! Von wegen: Früher war vieles schlechter! Das ist Titel und These eines Infografiken-Buchs von Guido Mingels. Der Spiegel-Redakteur hat in dem Nachrichtenmagazin die Serie „Früher war alles schlechter“ betreut, in der es um Entwicklungen über lange Zeiträume geht. In dem Buch sieht man, dass sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten doch so einiges zum Besseren gewandelt hat. Am Ende des Jahres 2019, einem Jahr voller Zukunftsängste und sozialer Streitigkeiten, sorgt dieses sachliche Buch für den einen oder anderen Lichtblick.

Guido Mingels: Früher war alles schlechter. 128 Seiten; 14,99 Euro.
+ Hintergrund
+ Alternative

Zielgruppe 5: jemand, den man nicht gut kennt …
Dieses Buch gehört zu den 10 meistverkauften Büchern in den USA. Manche behaupten sogar (siehe Hintergrund), dass sich dort nur die Bibel besser verkaufe. Das Buch stand auch in Deutschland mal auf der Besteller-Liste, aber das ist Jahrzehnte her. „Wer die Nachtigall stört …“ von Harper Lee ist immer noch ein aktuelles Buch mit einer spannenden Story, berührenden Botschaften und einer einfachen, aber starken Sprache. Das Buch hat seinerzeit den Pulitzer-Preis gewonnen, es wurde mit großen Hollywood-Stars verfilmt, vor kurzem ist dazu eine ebenfalls sehr lesenswerte Graphic Novel erschienen (siehe Alternativ-Tipp). Viele Beschenkte werden es gern lesen. Es gibt zwar auch Menschen, die das Buch am liebsten verbieten würden. Aber wenn sie es so jemandem schenken, haben Sie erst recht etwas Gutes getan.

Harper Lee: Wer die Nachtigall stört … 448 Seiten; 9,99 Euro.
+ Hintergrund
+ Alternative

So viel kostet ein falscher Friedrich …

Prüfe jeden Namen zweimal, auch wenn Du sicher bist, er ist richtig! So lernen es Journalisten. An dieses Motto hätten sich besser auch einige rheinland-pfälzische Verwaltungsbeamte gehalten. Der Bund der Steuerzahler hat sie für ihre teuren Fehler bundesweit an den Pranger gestellt.

Von Stefan Brunn

Jede siebte Korrektur der New York Times gilt einem falsch geschriebenen Namen. Ja, das Blatt korrigiert tatsächlich jeden falsch geschriebenen Namen. Einen Namen in der Zeitung zu korrigieren ist allerdings auch viel billiger, als wenn man zum Beispiel einen Wahlzettel neu drucken muss. Genau das ist zuletzt in Rheinland-Pfalz mehrmals geschehen, wie der Steuerzahlerbund jüngst meldete.

Bei Wahlzetteln sind falsche Kandidaten-Namen gefährlich: Jemand könnte ja die Wahl anfechten. Eine „Aexandra“ zum Beispiel oder ein „Freidrich“. Deshalb entschlossen sich die Landeshauptstadt Mainz und einige Landkreise zum Neudruck. Das aber ist nicht ganz billig: Insgesamt wurden mehr als eine halbe Million Stimmzettel für rund 80.000 Euro neu gedruckt, berichtet der Steuerzahlerbund in seinem aktuellen Schwarzbuch. „Für das Steuergeld, das in Form der fehlerhaften Stimmzettel im Reißwolf landete, hätten sogar zwei Lektoren in Vollzeit ein Jahr lang beschäftigt werden können“, rechnet der Steuerzahlerbund vor und mahnt eine größere Sorgfalt an.

80.000 Euro: Sparsam, wie er ist, würde der Steuerzahlerbund offenbar zwei recht günstige Lektoren einstellen – aber ob die dann auch die Fehler fänden?

Regelmäßig liefern wir in unserem Newsletter ZEILEN|HACKER einen „Murx des Monats“ aus. Oft geht es um lustige Rechtschreibfehler, manchmal um Stilblüten oder auch um besonders dämliche Texte. Der Stoff dafür geht uns nie aus! Und ja: Wir wissen, dass man Murks nicht mit X schreibt – das ist ja der Witz!

Die Firma, die in Handschrift übersetzt

Ja, das gibt’s wirklich: eine Firma, die im Kundenauftrag Texte von Hand abschreibt – und zwar in Schönschrift. „Manufaktur für handgeschriebene Kommunikation“ definiert Inhaber Thorsten Petzold seine „Schreibstatt“. Wir haben ihn dazu interviewt.

Herr Petzold, 90 Prozent Ihrer Kunden, die etwas in schöner Handschrift geschrieben haben möchten, sind Unternehmen, 10 Prozent Privatpersonen. Was möchten diese beide Parteien überwiegend in Schönschrift verfasst haben?
Bei den Unternehmen ist das dreigeteilt. Sie möchten entweder Paket-Beileger, Einladungen oder Akquise-Briefe haben. Mit Paket-Beilegern sind Karten gemeint, die Online-Shops mit einer Bestellung verschicken. Dort steht dann zum Beispiel drauf: „Vielen Dank für Ihre Bestellung“. Davon verfassen unsere 80 Mitarbeiter rund 30.000 Stück im Monat – auch in verschiedenen Sprachen, neben Deutsch in Englisch und Französisch. Manche Unternehmen möchten Einladungen personalisiert haben, zum Beispiel für Firmenevents. Der Text ist also schon fertig, wir tragen aber handschriftlich die Namen ein. Das können auch schon mal 5.000 Stück sein.

Wie sieht’s bei den Akquise-Briefen aus?
Normale Akquise-Briefe für Neukunden landen ja oft im Müll. Wenn Kunden aber einen handgeschriebenen Brief bekommen, kommt die Besonderheit des Handgeschriebenen zum Tragen. Es wird wertgeschätzt, dass jemand sich Zeit genommen hat. Und wenn man Kunden Wertschätzung entgegenbringt, kommt diese in der Regel zurück.

Was geben denn Privatpersonen bei Ihnen in Auftrag?
Hauptsächlich Liebesbriefe, Verzeih-mir-Briefe und Glückwunschkarten zum Muttertag oder auch Karten zum Valentinstag. Einmal kam ein 17-Jähriger zu uns. Er hatte in der Disco eine junge Frau kennengelernt, wollte ihr seine Daten übergeben und ihr sagen, wie toll er sie findet.

Nutzen viele Jüngere Ihren Service?
Man denkt es nicht, aber es kommen viele Jüngere zu uns, gerade in ihren Zwanzigern. Viele können nämlich nicht mehr schön schreiben, weil sie das nur noch an der Computertastatur oder auf ihrem Handy machen, also E-Mails verfassen oder per WhatsApp kommunizieren. Das Schreiben mit der Hand haben sie also quasi verlernt. Trotzdem schätzen sie eine schöne Handschrift noch sehr. Wir haben aber auch ältere Kunden, die können zwar in der Regel noch ordentlich schreiben, möchten aber was Besonderes. Junge und alte Kunden halten sich ungefähr die Waage.

Wie stellen Sie sicher, dass dem Empfänger nicht auffällt, dass der Absender den Brief gar nicht selbst verfasst hat?
Auf unserer Internetseite haben wir „Das kleine Buch schöner Handschriften“ bereitgestellt. Das kann man online durchblättern und sich aussuchen, in welche Richtung die Handschrift gehen soll. Wenn ein Mann etwas geschrieben haben möchte, empfehlen wir eher eine sachlichere Schrift; die Ober- und Unterlängen der Buchstaben sind dann nicht so lang, das heißt, die Buchstaben sind nicht so ausgeprägt wie bei einer Frauenhandschrift. Wenn Sie aber jemandem schreiben, den Sie gut kennen, wird derjenige natürlich trotzdem wissen, dass es nicht Ihre Handschrift ist. Oder nehmen wir das Beispiel des jungen Mannes, der den Kennenlern-Brief geschrieben hat: Spätestens, wenn er diejenige besser kennenlernt, wird sie erfahren, dass es nicht seine eigentliche Handschrift war.

Was kostet mich denn so ein Brief in Schönschrift?
Ein Brief mit 100 Wörtern kostet für Privatpersonen 16,99 Euro, inklusive des Papiers und eines schönen Kuverts. Unternehmen zahlen für einen Brief mit 100 Wörtern 5,95 Euro. Da geht es dann aber natürlich auch um die Masse. Außerdem stellen die Unternehmen das Papier selbst.

Wie lange braucht ein Schönschreiber für einen Brief?
Zwanzig Minuten für 100 Wörter. Meine Mitarbeiter, 78 Frauen und 2 Männer, arbeiten circa zwei Stunden am Tag und können sich die Zeit frei einteilen.

Sie beschäftigen Schönschreiber und Kalligraphen. Wo liegt da der Unterschied?
Schönschreiber arbeiten in der Regel mit Füllern und benutzen die eigene Handschrift. Kalligraphen dagegen arbeiten mit Schreibfedern oder Pinseln und benutzen in der Regel feste Schriften wie zum Beispiel die „Copperfield“ oder die „Gothic Faktura“. Und Kalligraphen beherrschen die Schriften, die sie eingeübt haben. In der Regel zeichnen Kalligraphen – oben an den Buchstaben finden sich dann eher dünne Strichstärken und unten dicke. Außerdem brauchen Kalligraphen in der Regel das Fünffache an Zeit wie die Schönschreiber. Unsere Kunden möchten übrigens eher Schönschrift als Kalligraphie, aber auch Kalligraphie-Anfragen haben wir regelmäßig. Deswegen suchen wir auch immer wieder Schönschreiber und Kalligraphen. Die Schönschreiber müssen allerdings aus Berlin kommen, da es oft schnell gehen muss und die Briefe nicht erst noch lange verschickt werden können. Kalligraphen suchen wir aber aus ganz Deutschland.

Wie bewirbt man sich bei Ihnen?
Jobs sind auf unserer Internetseite www.schreibstatt.de aufgeführt. Dort finden die Bewerber ein Gedicht von Hermann Hesse, das sie abschreiben und an uns schicken müssen. Anhand dessen gucke ich, ob es passen könnte, ob beispielsweise die Feder locker fließt.

Korrigieren Ihre Schönschreiber eigentlich auch Fehler?
Bei uns gilt bei jedem Brief das Vier-Augen-Prinzip: Einer schreibt, einer redigiert und schaut, ob optisch alles stimmt und alles korrekt ist. Es geht darum, eigene Fehler zu vermeiden – oft finden wir aber auch welche in den Unternehmensdatenbanken, wenn zum Beispiel eine Frau versehentlich mit „Herr“ aufgeführt wurde. Sowas korrigieren wir natürlich auch. Bei Privatleuten sind es aber eher die Rechtschreibfehler …

Mehr Infos: www.schreibstatt.de.

Pronomen: Wann heißt es was und wann heißt es das?

Welche der folgenden Formulierungen ist richtig? „Es gibt vieles, was ich gerne mag.“ Oder: „Es gibt vieles, das ich gerne mag.“ Ist der Unterschied nur eine Frage des Sprachgefühls oder ist es sogar egal, ob man „was“ oder „das“ benutzt? Nein: Für diese Pronomen gibt es glasklare Regeln!

Von Hannah Molderings

Das wird gebraucht, wenn das Bezugswort ein Substantiv im Neutrum ist.

Beispiele:
Das ist ein Gericht, das ich gerne mag.
Ich komme mit dem Auto, das ich mir heute gekauft habe.

Was verwendet man, wenn das Bezugswort ein substantiviertes Adjektiv (Partizip) ist, das etwas Allgemeines, Unbestimmtes oder Abstraktes bezeichnet.

Beispiele:

Es gibt vieles, was ich gerne mag.
Das ist das Einzige, was noch zu tun ist.

Auch wenn das Bezugswort ein Indefinitpronomen, Zahlwort oder ein substantivierter Superlativ ist, nutzt man was.

Beispiele:

Du bist das Beste, was mir je passiert ist.
Das ist das Erste, was ich von ihm höre.

E-Mails: Heute ist NICHT der beste Tag!

Wann erreichen E-Mails ihre Empfänger am besten? Zu dieser Frage gibt es eine große neue Studie. Den Ergebnissen dieser Studie zufolge schicken wir Ihnen unseren ZEILEN|HACKER weder am richtigen Tag noch im richtigen Moment – weil wir das sogenannte „Perfect Timing“ noch nicht aktiviert haben …

Von Stefan Brunn

Mehrere Milliarden E-Mails aus 126 Ländern hat der weltweit operierende Marketing-Dienstleister Getresponse.com für die Frage nach dem optimalen Versandzeitpunkt ausgewertet. Was kam bei der Studie heraus?

Der richtige Tag
Montag und Dienstag erwiesen sich als die erfolgversprechendsten Tage. Aber: Die Unterschiede zu Mittwoch, Donnerstag und Freitag sind gering. Der Freitag lag bei einer früheren Studie sogar einmal auf dem ersten Platz. Die Hauptsache ist, E-Mails nicht am Wochenende zu schicken. Oft werden sie dann erst am Montag gelesen – und dann liegen sie alt und versteckt inmitten vieler frischerer Nachrichten.

Der richtige Moment
Zwei Zeitfenster scheinen am meisten Erfolg zu versprechen: vormittags ab 10 Uhr und nachmittags ab 14 Uhr. Das gilt aber nur für das Öffnen der Mails. Erstaunlicherweise klicken die Leute die Links oft erst später an, nämlich signifikant häufiger nach 17 Uhr. Das liegt vermutlich daran, dass sie manche Dinge aus der Kernarbeitszeit heraushalten – sie tun es lieber erst nach 17 Uhr. Wer also wie wir seine E-Mails an einem Donnerstag gegen 16 Uhr schickt, macht einerseits nichts ganz ideal, aber andererseits auch vieles richtig. ☺

Auto-Timing
Anbieter wie Getresponse werben übrigens damit, jeden einzelnen Empfänger auf Grundlage seines bisherigen Öffnungsverhaltens automatisch zum idealen Zeitpunkt zu beliefern. Monika Mustermann wird also am Mittwoch um 15 Uhr beliefert, weil sie die letzten E-Mails zu diesem Zeitpunkt verarbeitet hat. „Perfect Timing“ nennt sich dieser Service, der für naive Gemüter fast ein bisschen gespenstisch daherkommt. Andererseits ist das „Perfect Timing“ ja für beide Seiten eine sinnvolle Anwendung von Künstlicher Intelligenz und Big Data. Getresponse sieht darin sogar einen „Game-Changer“: Die Öffnungsraten könne man damit um 23, die Klickraten um immerhin 20 Prozent steigern.

Vielleicht erhalten Sie irgendwann auch unseren ZEILEN|HACKER nicht mehr zur gleichen Zeit wie alle anderen Empfänger, sondern zu dem Zeitpunkt, der am besten in Ihren Tag passt.

Raus mit Euch! Diese Wörter gebraucht keiner mehr.

Der Duden hat den Anspruch, die Gegenwartssprache abzubilden. Deshalb werden immer wieder Wörter aus dem Duden gestrichen, die niemand mehr benutzt. Wissen Sie noch, was diese veralteten Wörter bedeuten?

Von Hannah Molderings

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