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Wahr wirkt, was oft wiederholt wird

Kommt uns eine Aussage bekannt vor, halten wir sie schneller für wahr. Dabei kann dieser Effekt erstaunlicherweise sowohl bei richtigen als auch bei falschen Aussagen auftreten. Psychologen der Universität Marburg zeigen, warum bloße Wiederholung unser Urteil so stark beeinflusst.

Von Hannah Molderings

Was haben die Forschenden untersucht?
In drei Experimenten zeigte man Versuchsteilnehmern kurze Aussagen und ließ sie entscheiden, ob diese wahr oder falsch sind. Einige Aussagen sahen die Teilnehmer zum ersten Mal, andere kannten sie schon. Beispiel: die Behauptung, der Name der russischen Raumstation MIR bedeute „Frieden“ (wahr). Entscheidend war allerdings nicht nur, ob es stimmt, sondern auch, ob die Aussage den Teilnehmern bekannt vorkam.

Was war das Ergebnis?
In einem der drei Experimente zeigt sich das Ergebnis am stärksten. Hier hielten die Teilnehmer neue Aussagen zu 50 Prozent für wahr. Aussagen, die sie schon einmal gesehen hatten, hielten sie dagegen zu 67 Prozent für wahr. Allein das vorherige Sehen reichte aus, um eine Aussage glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Der Effekt zeigte sich in allen drei Experimenten. Und er war deutlich stärker als der untersuchte Einfluss der sprachlichen Schwierigkeit der Sätze. Überspitzt könnte man sagen: Die Wiederholung von Aussagen sorgt eher dafür, dass etwas geglaubt wird, als die leichte Verständlichkeit von Texten.

Gilt die Wiederholungs-These auch für falsche Aussagen?
Ja, und genau das ist ein zentraler Befund der Studie: Wiederholung macht falsche Behauptungen fast so glaubwürdig wie wahre. Oder, anders ausgedrückt: Vertrautheit macht eine Aussage glaubwürdiger, unabhängig davon, ob sie stimmt. Allerdings fanden die Forschenden keinen statistisch nachweisbaren Unterschied darin, wie stark die Wiederholung  wirkte.

Warum wirkt Wiederholung?
Eine wichtige Erklärung liegt in der sogenannten processing fluency. Was uns bereits bekannt ist, verarbeiten wir leichter. Diese Leichtigkeit kann unser Urteil beeinflussen und dazu beitragen, dass uns etwas eher richtig erscheint – frei nach dem Motto: Das kommt mir bekannt vor, also wird es wohl stimmen! Entsprechend beurteilten die Teilnehmenden wiederholte Aussagen auch schneller als neue.

Was bedeutet das für uns?
Wenn man etwas häufig hört, ist das kein Beleg für Qualität oder Richtigkeit, auch wenn es sich so anfühlt. Man sollte also auch bei häufig gehörten Aussagen immer schön skeptisch bleiben. Der Zweifel, hat ein berühmter Journalist mal gesagt (ich erinnere mich bloß nicht, wer das war 😉), sei der Schmuck des Intellektuellen. Für die eigene Kommunikation gilt das Gegenteil: Eine wichtige Botschaft nur einmal zu verbreiten, reicht oft nicht aus. Durch Wiederholung kann sie vertrauter werden – und diese Vertrautheit kann dazu beitragen, dass man uns mehr Glauben schenkt.


Hier gibt’s die Original-Studie zum Nachlesen.

 


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Gut ausgebildete Lügner

Was denken Sie über jemanden, der sich selbst als „Storyteller“ bezeichnet? Viele Journalist:innen glauben, dass sie mit diesem Etikett besonders realitätsnah wirken. Eine neue Studie zeigt, wie es wirklich ist …

Von Hannah Molderings

Journalist:innen, die sich in ihren Profilen als „Storyteller“ beschreiben, werden als unglaubwürdig oder sogar voreingenommen eingeschätzt. Vermutlich also genau das Gegenteil von dem, was sie sich erhoffen. Eigentlich wollen sie mit diesem Begriff deutlich machen, wie nah an der Realität sie ihre Themen aufbereiten, glaubt Brian Calfano, einer der drei Autoren der US-amerikanischen Befragung über 2.000 Erwachsener.

Und so lief die Befragung genau ab: Die Proband:innen wurden in zwei Gruppen geteilt. Beiden Gruppen wurde der identische Zeitungsartikel gezeigt. Die Proband:innen aus der einen Gruppe erhielten aber eine zusätzliche Info über den Autor des Artikels: die Profilbeschreibung aus seinem LinkedIn-Profil. Dort bezeichnete er sich selbst als „Storyteller“. Die Ergebnisse waren eindeutig: Diese Gruppe bewertete den Artikel signifikant häufiger als unglaubwürdig, sensationsgierig oder schlecht recherchiert.

Bei der offenen Frage „Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie den Begriff ‚Storyteller‘ in der Biografie eines Journalisten sehen?“ wurde es dann fast schon persönlich: „Klingt für mich wie ein gut ausgebildeter Lügner“ oder „Ich habe das Gefühl, dass seine Geschichten erfunden sind“. Insgesamt enthielten von den 1.733 Antworten zwei Drittel solche negativen Beurteilungen. In nur 13 Prozent positiven Antworten hieß es dagegen, diese Journalist:innen „können eine Geschichte gut beschreiben“ oder „erzählt so gut, dass es einen hineinzieht“.

Das Niemanlab der Universität Harvard hat ausführlich über die Studie berichtet.

Die komplette Studie zum Nachlesen:
Bad Impressions: How Journalists as “Storytellers” Diminish Public Confidence in Media, Brian Calfano, Jeffrey Layne Blevins, Alexis Straka