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Wer entscheidet über die Regeln unserer Sprache?

„Wandalismus“ durfte man lange mit W schreiben. Dann erklärte ein Gremium von 41 Ehrenamtlichen aus 7 deutschsprachigen Ländern diese Schreibweise für falsch. Wer sind eigentlich diese Leute vom Rechtschreibrat und wie kommen sie an ihre Position?

Von Katrin Liffers

Wer gibt dem Rat die Macht?
Die Vollmacht stammt von sechs Staaten und Regionen, die den Rat 2004 einrichteten: Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Südtirol und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. Der Rat soll die Einheitlichkeit der Rechtschreibung bewahren und das Regelwerk pflegen. Gesetze macht er nicht. Er schlägt Anpassungen der Regeln an unseren aktuellen Sprachgebrauch vor.

Worüber genau wird entschieden?
Meist geht es um Feinheiten. 2017 ließ der Rat zum Beispiel das große ẞ neben ss zu. Im selben Zuge erlaubte er bei festen Fügungen Groß- und Kleinschreibung, etwa „goldene Hochzeit“ und „Goldene Hochzeit“. Und im Wörterverzeichnis räumte er unter den eingedeutschten Fremdwörtern auf: „Komplice“ und „Frotté“ etwa fielen dabei weg.

Wie viele Fachleute entsendet jedes Land?
Deutschland stellt 18 Mitglieder, Österreich und die Schweiz je 9, Liechtenstein, Südtirol und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens je eines. Luxemburg ist mit einem nur beratenden Mitglied vertreten. Von den 41 Mitgliedern sind also 40 stimmberechtigt.

Wer schickt diese Leute dorthin?
Die Sitze gehören Einrichtungen. Für Deutschland entsenden unter anderem das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, die Dudenredaktion, die Gesellschaft für deutsche Sprache, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Journalistenverbände und das PEN-Zentrum ihre Vertreter. Mit Froben Homburger (Nachrichtenchef der dpa) ist auch ein Vertreter der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen Teil des Rats. Österreich und die Schweiz besetzen ihre Plätze nach Bereichen wie Schule, Didaktik, Wörterbuch, Verlage und Autorenschaft.

Was bekommen die Mitglieder dafür?
Kein Honorar. Die Arbeit im Rat ist ein Ehrenamt, für die Kosten kommen die entsendenden Staaten auf. Getagt wird mindestens zweimal im Jahr, in der Regel am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, wo auch die Geschäftsstelle des Rats sitzt. Die Sitzungen sind nicht öffentlich. Gelegentlich reist das Gremium, etwa nach Eupen, Mainz oder Brixen.

Wie lange bleibt man im Rat?
Eine Amtsperiode dauert sechs Jahre, eine erneute Berufung ist möglich. Die laufende vierte Periode reicht von 2024 bis 2029. Da der Sitz der Einrichtung gehört und nicht der Person, bleibt er beim vorzeitigen Ausscheiden eines Mitglieds nicht leer: Die entsendende Institution benennt jemand anderen.

Wie wird aus einem Vorschlag eine Regel?
Im Plenum genügt eine Zweidrittelmehrheit, abweichende Positionen kommen als schriftliches Sondervotum dazu. Danach müssen die staatlichen Stellen aller beteiligten Länder zustimmen, in Deutschland die Kultusministerkonferenz. Erst dann veröffentlicht die Geschäftsstelle die neue Fassung des Amtlichen Regelwerks, verbindlich für Schulen und Behörden. Die Wörterbuchverlage legen sie danach aus und bringen sie unter die Leute. Nachzulesen ist alles beim Rat für deutsche Rechtschreibung.

 


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