Wie geht wertschätzen eigentlich korrekt?

In Politik und Wirtschaft und auch sonst wird immer mehr wertgeschätzt. Oder heißt es gewertschätzt? Im Duden steht jedenfalls nur eine der beiden Formen.

Von Stefan Brunn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wurde kürzlich vom Focus zitiert mit den Worten: „Ich fühle mich von der Gesellschaft gewertschätzt.“ Überhaupt breitet sich in Politik und Wirtschaft das Wort „Wertschätzung“ in seinen diversen Formen derzeit sehr aus, obwohl es im Duden als „veraltend“ steht. Ob und warum das so ist, darüber könnte man lang diskutieren. Aber ist es überhaupt grammatikalisch korrekt, wenn der Tagesspiegel über einen Fußballer schreibt, er fühle sich bei seinem Verein nicht mehr gewertschätzt? Oder wenn Trendforscher Mathias Horx in einem Interview mit der Welt sagt: „Wir wollen angenommen und gewertschätzt werden.“

Konjugationstabellen im Internet geben da widersprüchliche Auskünfte. Im „Wordmirror“ etwa steht als Partizip Perfekt eindeutig „gewertschätzt“. Im „Woxikon“ dagegen lautet die gleiche Form, auch Partizip 2 genannt, „wertgeschätzt“. Im Duden steht ebenfalls nur „wertgeschätzt“. Wer also ganz sicher richtig schreiben möchte, verwendet nur „wertgeschätzt“.

Übrigens klingt das Verb umso komischer, je weiter man seine Teile auseinanderstellt: „Ich schätze alle ehrenamtlichen Kirchenhelferinnen und Kirchenhelfer wert.“ Der Duden erlaubt aber auch die Alternative: „Ich wertschätze alle ehrenamtlichen Kirchenhelferinnen und Kirchenhelfer.“ Hier ist der Satzbau besser. Dafür jedoch wirkt die Ausdrucksweise ganz schön künstlich beziehungsweise aufgesetzt … Echte Wertschätzung sieht anders aus!

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