Rechnerisch hat dieser Satz ein ganz niedriges Niveau!

Wie verständlich ist ein Text? Um das herauszufinden, gibt es im Internet verschiedene kostenlose Tools: zum Beispiel den Textinspektor, das Schreiblabor oder die Software LIX. In diese drei Maschinen haben wir eine Rede unseres Bundespräsidenten eingegeben. Was kam heraus? Beste Unterhaltung!

Von Maren Tönisen

Manchmal ist niedriges Niveau ja gut. Zum Beispiel, wenn man leicht verständliche Texte schreiben will. Die Wissenschaft hat dafür nachvollziehbare Maßstäbe entwickelt und so dafür gesorgt, dass die Verständlichkeit von Texten mathematisch messbar wird. Im Internet gibt es dafür verschiedene kostenlose Tools. Der Textinspektor, die Textanalyse vom Schreiblabor und die Software Lesbarkeitsindex (LIX) sind einige von denen, die es sich anzuschauen lohnt.

Ein Beispiel: So ein kurzer, einfacher Satz wie „Rechnerisch hat dieser Satz ein ganz niedriges Niveau!“ schneidet in all diesen Maschinen hervorragend ab. Lange, womöglich noch verschachtelte Bandwurmsätze mit vielen wissenschaftlichen Fachbegriffen dagegen landen in der Regel im roten Warnbereich.

Wir vom ZEILEN|HACKER haben testweise die Grußbotschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zum Fest des Fastenbrechens 2017 in alle drei genannten Maschinen eingegeben. Was ist herausgekommen und mit welcher Maschine waren wir am zufriedensten?

Textinspektor: Die Rede bekommt vom Textinspektor 11,8 von 20 möglichen Verständlichkeitspunkten. Damit liegt die Rede eindeutig im grünen Bereich. Von ihrer Verständlichkeit her ist die Rede vergleichbar mit Unterhaltungsliteratur. Gut am Textinspektor sind seine leichte Bedienbarkeit und sein klares grafisches Erscheinungsbild. Der Textinspektor teilt auch mit, wie viele Wörter pro Satz und wie viele Silben pro Wort sich in dem Text finden. Aber mehr Details verrät er nicht. Noch ein kleiner Haken: Man muss ganz zu Beginn einmal ein Werbefenster wegklicken.

Schreiblabor: Die Steinmeier-Rede wird hier als „durchschnittlich“ bewertet und als „vergleichbar mit Belletristik“ etikettiert, weil sie 59 von 80 möglichen Verständlichkeitspunkten erzielt. Gut am Schreiblabor ist, dass die einzelnen Auswertungsergebnisse genauer dargestellt werden als im Textinspektor. Dafür ist das Ergebnis nicht ganz so übersichtlich: Man muss den Punktwert ein bisschen suchen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man gleich im Textfenster etwas ändern kann und dann sieht, wie sich das Ergebnis verbessert.

LIX: Diese Software, die man kostenlos auf der Seite Psychometrica.de herunterladen kann, hat wiederum eine andere Skala. Sie reicht von 0 bis 100. Hier erhält die Rede 48 von 100 Punkten, wobei 100 die größtmögliche Kompliziertheit darstellt. Steinmeiers Rede liegt somit ebenfalls im Bereich „Belletristik“. Die Software verfügt nicht über die genannten Vorteile des Schreiblabors. Aber sie hat gegenüber der Konkurrenz auch Vorteile: keine Werbung, kein Schnickschnack, ein klares Ergebnis auf einer Skala von 1 bis 100. Außerdem kann man sie sowohl online als auch offline benutzen. Das bedeutet: Man muss den Text nicht ins Internet einstellen. Das dürfte für viele ein entscheidender Grund sein. Mitarbeiter von Regierungsbehörden beispielsweise dürfen ja ihre Verwaltungstexte nicht in solch private Maschinen einspeisen.


Fazit: Die Tools kommen zu relativ ähnlichen Ergebnissen und zeigen schnell und übersichtlich die Verständlichkeit eines Textes an. Am einfachsten und schnellsten geht es mit dem Textinspektor. Am detailreichsten und praktischsten ist das Schreiblabor. Wer Texte prüfen will, ohne dass andere sie sehen können, sollte die Software LIX verwenden.

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