Der Rechtschreibrat – ein unbekanntes Wesen!

Wer macht unsere Rechtschreib-Regeln? Es ist schon seit langem nicht mehr der Duden, sondern der Rechtschreibrat, den kaum einer kennt. Aber was macht der eigentlich? Wir haben es in sieben Punkten für Sie zusammengefasst.

Von Maren Tönisen

1. Was ist der Rat für deutsche Rechtschreibung?
Der Rat für deutsche Rechtschreibung (auch Rechtschreibrat) ist ein zwischenstaatliches Gremium, das unter anderem die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum bewahren soll. Außerdem ist der Rechtschreibrat für die Klärung von Zweifelsfällen der deutschen Rechtschreibung zuständig. Er hat das letzte Wort in Rechtschreibfragen, zu denen er auch Regelwerke veröffentlicht. Verlage wie der Duden interpretieren diese Regeln dann und publizieren ihre Auslegungen.

2. Wann wurde der Rechtschreibrat gegründet?
Der Rechtschreibrat wurde 2004 gegründet. Er ist der Nachfolger der „Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung“. Diese war von 1997 bis 2004 mit der Umsetzung der Rechtschreibreform beauftragt.

3. Seit wann hat der Duden in Rechtschreibfragen nichts mehr zu sagen?
Der Duden war bis 1996 maßgebend für die amtliche Schreibung in Deutschland. Daher resultiert noch die weitverbreitete (aber falsche) Annahme, dass der Duden auch heute noch das letzte Wort in Sachen Rechtschreibung habe.

4. Wer sitzt im Rat für deutsche Rechtschreibung?
41 Mitglieder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Südtirol und Belgien. Dabei handelt es sich um Wissenschaftler und Funktionäre. Aus Deutschland sitzen 18 Mitglieder im Rat. Die Funktionäre gehören zum Beispiel dem Deutschen Journalisten-Verband an, dem Börsenverein des deutschen Buchhandels, dem Bundesverband deutscher Zeitungsverleger oder der Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen. Wer genau alles im Rat für deutsche Rechtschreibung sitzt, kann man auch auf einer Liste einsehen.

5. Wie beobachtet der Rechtschreibrat aktuelle Entwicklungen der Rechtschreibung?
Die Basis sind elektronische Textsammlungen, die neben Texten aus Zeitungen und Zeitschriften auch Texte informellen Schreibens wie zum Beispiel Forenbeiträge enthalten. Außerdem führt der Rat Fallstudien durch. Die Ergebnisse hält er in periodisch erscheinenden Berichten alle fünf Jahre fest.

6. Welche Änderungen unserer Rechtschreib-Regeln wurden in der letzten Zeit vom Rechtschreibrat vorgenommen?
Der Rechtschreibrat hat zum Beispiel die Großschreibung von Adjektiven geändert. Er lässt jetzt mehr Freiheiten (wie in vielen anderen Fällen auch). Adjektive bei Funktionsbezeichnungen zum Beispiel können jetzt groß oder klein geschrieben werden: „erste Vorsitzende“ oder „Erste Vorsitzende“, „technischer Direktor“ oder „Technischer Direktor“, „goldene Hochzeit“ oder „Goldene Hochzeit“. Ein anderes Beispiel mit hoher öffentlicher Aufmerksamkeit war das großgeschriebene „ẞ“, das der Rechtschreibrat 2017 erlaubte.

7. Was sagt der „Rat für deutsche Rechtschreibung“ zum Gendern?
Im letzten Jahr ist der Rat in der Frage des Gender-Sternchens kurzfristig in vielen Medien aufgetaucht, weil er sich dazu beriet. Allerdings mochte er sich zum gendergerechten Schreiben letztlich dann doch nicht festlegen. Er wolle die Entwicklung „nicht durch vorzeitige Empfehlungen und Festlegungen beeinflussen“, ließ er öffentlich verlauten.

Weitere Infos: www.rechtschreibrat.com

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