Tracing statt Tracking: Was heißt das?

Die App, die bald gegen das Corona-Virus helfen soll, soll uns nicht tracken. Dafür setzt sie auf sogenanntes „Contact-Tracing“. Ein Buchstabe weniger und der Datenschutz ist gerettet! ☺ Wir erklären kurz und schmerzlos, was die beiden Wörter und die Folgen bedeuten.

Ans „Tracking“ (deutsch: Verfolgung) haben wir uns in manchen Bereichen gewöhnt. Es hat ja seine Vorteile, wenn man die Bewegungen von etwas oder jemanden digital nachvollziehen kann. Zum Beispiel kann man damit seinen Schlüsselbund wiederfinden oder sein geklautes Fahrrad. Manche Leute tracken auch ihre Kinder, damit die nicht vom rechten Schulweg abkommen. Und wir Redakteure haben über die Jahre das Tracking richtig liebgewonnen, weil wir so viel besser wissen, was und wie die Leute lesen.

Inzwischen haben aber selbst wir Redakteure das Tracking auch hassen gelernt: Alle möglichen Online-Shops schicken uns kundenspezifische Angebote, weil wir irgendwann mal nach etwas Ähnlichem gesucht haben …

Die weitverbreitete Abneigung gegen das Tracking war es auch, die dieses Mittel im Kampf gegen Corona verhindert hat. Nach diversen Protesten lässt das Gesundheitsministerium jetzt eben keine Tracking-, sondern nur eine Tracing-App entwickeln.

Tracing kommt von „trace“, also „Spur“, die man allerdings auch nachverfolgen will. Wo also ist jetzt der Unterschied, mal abgesehen von der Wortbedeutung?

Die Tracing-App wird vor allem keine Bewegungsdaten nachvollziehen. Stattdessen erfasst sie über Bluetooth, wie nah sich zwei Geräte kommen. Kommen sich zwei oder mehr Smartphones für längere Zeit nahe (vermutete Ansteckungsgefahr), dann registriert die App das. Stellt sich jemand als infiziert heraus und meldet das seiner App, werden alle benachrichtigt, die ihm kürzlich nahe waren. Wo genau diese Begegnung stattgefunden hat, ist nicht nachvollziehbar. Auch, wer genau die infizierte Person war, wird nicht kommuniziert. Und entgegen den ersten Tracking-Planungen der Bundesregierung sollen die Daten überhaupt nicht Dritten zugänglich gemacht werden. Es handele sich um ein komplett dezentrales System, heißt es. Außerdem werde niemand gezwungen, die App zu installieren.

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