Alle Artikel von Zeilenhacker

Modernes Ernährungsdeutsch – verstehen Sie es richtig?

Wenn sich irgendwo ein Trend auftut, schleichen sich auch immer neue Begriffe in unseren Sprachgebrauch ein. Wir haben einmal zehn solcher Ernährungs-Termini zusammengetragen – wissen Sie, was sie bedeuten?

Von Hannah Molderings

.

Nicht mal richtig Lesen und Schreiben!

Finden Sie auch klare Kante gut? Es ist doch nichts fader als Kommentare, die herumeiern! Das dachte sich auch ein Kommentator der Rheinischen Post, der kürzlich sprachgewaltig die Wirtschaftsprobleme seines Landes auf den Punkt brachte. Die Rechtschreibung war auch dabei …

Es stimmt natürlich, dass sich NRW in der Bildungspolitik seit Jahrzehnten gegenüber anderen Bundesländern schlechter stellt. Und dass viele Schulabgänger in Rechtschreibung derart schlecht sind, kann für die Wirtschaft nicht gut sein. Wenn sich aber in einer der größten Regionalzeitungen des Landes keiner findet, der solche Rechtschreibfehler verbessert, finden wir das auch kein gutes Zeichen.

Um es noch mal ganz ironiefrei zu sagen: Wenn jemand nicht lesen und schreiben kann, dann ist das eindeutig kein substantivierter Gebrauch des Lesens und Schreibens (wie hier am Ende des Satzes). Die beiden Wörter müssen also klein geschrieben werden.

„Zehntausende Schulabgänger“ ist übrigens nicht falsch: Seit der Rechtschreibreform kann man unbestimmte Zahlwörter sowohl klein als auch groß schreiben.

Regelmäßig liefern wir in unserem Newsletter ZEILEN|HACKER einen „Murx des Monats“ aus. Oft geht es um lustige Rechtschreibfehler, manchmal um Stilblüten oder auch um besonders dämliche Texte. Der Stoff dafür geht uns nie aus! Und ja: Wir wissen, dass man Murks nicht mit X schreibt!

Warum schreiben plötzlich alle Caffè?

Der Kaffee wurde ja schon immer gern falsch geschrieben. „Kaffee am Rathausplatz“ zum Beispiel. Oder „entkoffeinierter Café“. Jetzt aber schreiben immer mehr Cafés auf ihre Schilder und Getränkekarten „Caffè“. Dürfen die das?

Natürlich dürfen Gaststätten sich auch italienische Namen geben und unter allen möglichen Namen Kaffeezubereitungen verkaufen. Wir sind ein freies Land, und auch unsere Schreibung ist frei! Ja, wirklich: Die Normen des Rates für deutsche Rechtschreibung oder des Duden haben ja (mit ganz wenigen Ausnahmen) keine Rechtskraft oder ähnliches. Insofern steht es jedem frei, zum Beispiel ein „Kahve“ (Türkisch) am Marktplatz zu eröffnen und dort „Kahvi“ (Finnisch) auszuschenken.

Wer aber gern geregelt schreibt, möchte vielleicht trotzdem wissen, wie es der Duden mit den Kaffee-Café-Schreibweisen hält. Wir gehen also die drei verbreitetsten Schreibweisen im Folgenden strukturiert durch:

Kaffee:
Wenn mit Kaffee das Heißgetränk gemeint ist, gibt es laut Duden nur eine korrekte Schreibweise: „Kaffee“. In dieser Weise schreibt man auch „Kaffeebohnen“ oder „Kaffeestrauch“.
Café:
Mit dem Wort „Café“ wird laut Duden „eine Gaststätte bezeichnet, die in erster Linie Kaffee und Kuchen anbietet.“ Heute ist nur noch diese Schreibweise für das Wort dudenkonform.
Caffè:
Nicht dudenkonform ist auch die Schreibweise „Caffè“ für Kaffee. „Caffè“ ist das italienische Wort für Kaffee.

Unterm Strich

Vermutlich ist das immer größere und internationalere Angebot an unterschiedlichen Kaffee-Zubereitungen daran schuld, dass die Schreibweisen so durcheinandergeraten sind. Wir freuen uns aber über jeden, der das Getränk (Kaffee) und die Gastbetriebe (Cafés) sprachlich auseinanderhält.

Große Zahlen trennen: Punkt oder Leerraum?

Wann setzt man bei größeren Zahlen Leerzeichen oder Trennpunkte? Wir haben uns die Regeln des Duden und der DIN 5008 angesehen und verglichen, wie es die renommierten Medien halten.

Sowohl laut Duden als auch laut DIN 5008 setzt man im Deutschen prinzipiell keine Zahlentrennpunkte (wie bei 50.000), sondern Leerzeichen zur Gliederung von Zahlen. Man schreibt also zum Beispiel „80 000 Zuschauer“.

Eine Ausnahme macht die DIN allerdings: Geldbeträge sollten „aus Sicherheitsgründen“ mit Trennpunkten geschrieben werden. Demnach müsste es also heißen: „Der Fußballer Neymar wechselte für eine Ablösesumme von 222.233.766 Euro vom FC Barcelona zu Paris St. Germain.“ Denn der Trennpunkt gliedert die Zahlen immer von hinten in dreistellige Gruppen.

Der Duden allerdings schreibt auch Geldbeträge mit Leerzeichen (sogenannten Viertel- oder Achtelgevierten). Sowohl in der aktuellsten Auflage des Rechtschreib-Dudens als auch im Online-Duden sowie im Handbuch des korrekten und stilsicheren Schreibens gliedert er Millionenbeträge so:

3 000 000

Zwar zitiert er also die DIN und deren Argument der Sicherheit, ignoriert es dann aber.

Und wie machen es die großen Zeitungen und Zeitschriften? Leider gibt es kein einheitliches Bild! Selbst in Berichten derselben Publikation schreiben die Mitarbeiter die Zahlen oft nicht einheitlich – wahlweise mit Punkten, Leerzeichen oder auch mal ganz ohne Gliederung.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat folgende Regel, jedenfalls laut einer erfahrenen Redakteurin, die wir danach gefragt haben:

„Wir schreiben 4578 zusammen, ab 10 000 mit Space, nie mit Punkt. Eine Million/Milliarde schreiben wir in Worten.“

Da sich fast alle Zeitungen in Deutschland an der dpa orientieren, weil sie von ihr viele Texte übernehmen, dürfte das eigentlich auch dort die Richtschnur sein.

Natürlich gibt es aber auch Medien wie den „Spiegel“, die eine eigene Linie haben. Beim „Spiegel“ ist sie wie folgt:

1. Gegliedert werden Zahlen überhaupt erst ab 5 Stellen. Vierstellige Zahlen wie in „4321 Zeilen“ stehen also ohne Punkt und ohne Leerzeichen.
2. In der Printausgabe werden Zahlen ab 5 Stellen mit einem Achtelgeviert gegliedert. Auch bei Geldbeträgen stehen nur diese Leerzeichen, keine Punkte.
3. In der Online-Ausgabe werden Zahlen ab 5 Stellen mit einem Trennpunkt gegliedert:
„Im Westen sank die Zahl um gut 16.000, im Osten um mehr als 8000.“

Unterm Strich

Wir sind für Zahlentrennpunkt bereits ab 4 Stellen – sowohl bei Geldbeträgen als auch bei anderen Größen. Wir finden „13.000 Einwohner“ oder „3.000.855 Einzelteile“ übersichtlicher und weniger riskant. Außerdem gelingt eine Übergabe von Texten von einer Plattform zu anderen sicherer, vor allem an Zeilenenden gibt es keine Probleme. Ein Vorteil des Zahlentrennpunkts gegenüber einem nicht-geschützten Leerzeichen ist, dass die Zahleneinheit nicht getrennt wird, wenn sie am Zeilenende steht und erst in der nächsten Zeile weiterläuft.

Zudem hat man auch eine einheitliche Schreibweise, wenn man mehrere Zahlen verschiedener Art schreibt: „1.202.666 Kölner haben im vergangenen Jahr 4.000.566 Euro für 3.000.855 Autoteile ausgegeben.“

Und zu guter Letzt: Der Zahlentrennpunkt hilft auch bei vierstelligen Zahlen, diese von Jahreszahlen auseinanderzuhalten: „Die Reparaturen am Passat haben uns 2018 3.000 Euro an Reparaturen gekostet.“

Eltern haften für Ihre Kinder: Das wäre ja noch schöner!

Bei der Groß- und Kleinschreibung des „Du“ hat der Rat für deutsche Rechtschreibung ja seine Position im Wind gedreht und ordentlich für Verwirrung gesorgt. Keiner weiß mehr, was falsch und was richtig ist. Unser „Murx des Monats“ zeigt im Bild, was definitiv falsch ist.

„Eltern haften für Ihre Kinder“ – dieses Foto haben wir bei unserem Betriebsausflug gemacht und viel darüber gelacht. Wir haben uns vorgestellt, welche Eltern das eigentlich sind, die für unsere Kinder haften? Hat der Bürgermeister tatsächlich ein paar Eltern aufgetan, die für alles haften, was andere verbrochen haben? So etwas hat es ja schon gegeben: In Redaktionen beispielsweise gab es früher sogenannte „Sitzredakteure“, die immer dann ins Kittchen gingen, wenn einer Zeitung eine Haftstrafe aufgebrummt wurde. Das wäre mal ein toller Service der Stadtverwaltung!

Aber im Ernst: Man sieht an solchen Schildern, wie verunsichert die Leute in Fragen der Rechtschreibung inzwischen sind. Selbst Bürgermeister!

Übrigens: Wer mag, kann die Duden-Empfehlungen zur Schreibung von „du/Du“ und „ihr/Ihr“ in kurzer Form nachlesen. Aber Vorsicht: Vielleicht ändert der Rechtschreibrat seine Richtlinien bald wieder …

Regelmäßig liefern wir in unserem Newsletter ZEILEN|HACKER einen „Murx des Monats“ aus. Oft geht es um lustige Rechtschreibfehler, manchmal um Stilblüten oder auch um besonders dämliche Texte. Der Stoff dafür geht uns nie aus! Und ja: Wir wissen, dass man Murks nicht mit X schreibt!

Mit welchen Fragen stoppt man Trolle?

Kommentare zu Artikeln im Netz sind oft interessant. Manchmal sind sie sogar interessanter als die Beiträge selbst. Aber es gibt eben auch dumme, aggressive, nervtötende Kommentare. Wir haben jetzt ein Werkzeug ausprobiert, das solche Kommentare vermeiden soll.

Wie hält man Trolle aus den Kommentarspalten einer Website heraus? Das ist eine Frage, auf die viele eine Antwort suchen. Für die meisten Medien lautet die Antwort derzeit: Man fischt die schlimmsten Kommentare mit Hilfe vieler Online-Redakteure heraus, von Hand also. Das aber ist teuer oder personell gar nicht möglich.

Insofern war es eine interessante Neuigkeit, als im letzten Jahr mehrere deutsche Medien über eine norwegische Idee berichteten: Dort setzt der Rundfunksender NRK einen kleinen Multiple-Choice-Test ein. Man will so prüfen, ob jemand, der kommentieren möchte, überhaupt den Text gelesen hat. Kann er die Fragen nicht beantworten, darf er auch nicht kommentieren.

Nachteil dieser Methode ist natürlich, dass man zunächst mehr Mühe hat und nicht weniger: Für jeden Text bedarf es auch eines zusätzlichen Tests. Und ob sich dumme Kommentatoren auf diese Weise von ihrem Treiben abhalten lassen, steht auch infrage.

Uns hat aber die Idee inspiriert zu einem Gedankenspiel: Wäre es nicht viel besser, eine gewisse Basisintelligenz abzufragen? Technisch jedenfalls ist das sehr einfach: Es gibt ganz einfache Werkzeuge für Websites, die einem Möchtegern-Kommentator immer eine von beliebig vielen vorher formulierten Fragen stellen, und zwar nach dem Zufallsprinzip. Wir haben ein solches Plugin ausprobiert und erfolgreich installiert. Wenn Sie nun auf unserer Website etwas kommentieren wollen, müssen Sie zuvor eine Frage beantworten.

Leider allerdings haben wir ein Problem unterschätzt: Nicht die Technik ist schwer zu finden, sondern gute Fragen. Wir haben gesucht und gesucht, aber fast alle Fragen haben Haken. Fragt man zum Beispiel nach dem ersten deutschen Bundespräsidenten, schaffen das viele junge Nutzer nicht zu beantworten. Fragt man mathematisches Wissen ab (Was ist 3 + 2 x 9?), filtert man viele Leute heraus, die keine Ahnung von Punkt-vor-Strich haben, aber zu anderen Problemen durchaus Kluges zu sagen hätten. Zehn dieser Fragen veröffentlichen wir nun und hier, so dass unsere Leser das Problem sofort erkennen dürften:

  • Wie lautet der Nachname des Schriftstellers, der den Roman „Die Blechtrommel“ verfasste?
  • Wie heißt das Organ, das in Deutschland den Bundespräsidenten wählt?
  • Wie heißt das deutsche Wort für Hypertonie?
  • Wie hieß der erste deutsche Bundespräsident mit Nachnamen?
  • Wie kürzt man die Anstalt ab, die das erste deutsche Fernsehprogramm macht?
  • Welcher der folgenden Staaten grenzt nicht an die Bundesrepublik Deutschland: Tschechien, Luxemburg, Polen, Slowenien?
  • Welche der folgenden Zahlen lässt sich nur durch sich selbst und 1 teilen: 9, 14, 17, 22?

Diskutieren Sie doch mit uns, welche Art von Fragen am ehesten das Zeug hätte, wütende Trolle herauszufiltern oder sie zumindest zu beruhigen. Allerdings dürfen einstweilen eben nur die mitdiskutieren, die ie jeweilige Zufallsfrage auch beantworten können …

Wie setzt man Links richtig? Hier sind 7 einfache Regeln.

Seit über 50 Jahren gibt es Hyperlinks. Trotzdem hat sich nie richtig etabliert, wie man sie setzt. Dauernd tappt man in Fallen und ist genervt. Es mögen sich doch bitte alle an unsere 7 Regeln halten!

1. Wer einen Link setzt, zeigt dem Leser an: Wenn Du auf diesen Link klickst, bekommst Du dies oder das. Das ist ein Versprechen! Links sollten also nie zu einem Ziel führen, das der Nutzer nicht erwartet.
2. Achten Sie darauf, dass der Nutzer normalen Text nicht mit Links verwechselt. Das ist zum Beispiel der Fall bei Unterstreichungen, die keine Links sind. Oder bei blauer Schrift. Sowohl Unterstreichung als auch blaue Schriftfarbe assoziieren die meisten Nutzer mit Links.
3. Benennen Sie die Textstelle sinnig, die unterstrichen bzw. verlinkt wird. Heben Sie also nicht wie folgt hervor:
„Eine Liste mit vielen tollen Sehenswürdigkeiten am Niederrhein finden Sie hier.“
Und auch nicht so:
„Der Niederrhein hat viele tolle Sehenswürdigkeiten.“
Sondern so:
„Wir haben Ihnen eine Liste mit tollen Sehenswürdigkeiten des Niederrheins zusammengestellt.“
4. Ganz wichtig: Falls Sie nicht auf eine Website verlinken wollen, sondern direkt auf ein Dokument (PDF, JPG, DOC), machen Sie das ganz deutlich, zum Beispiel so:
„Details finden Sie in unserer PDF-Liste mit den zehn beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Niederrheins.“ User hassen es, ahnungslos auf einen Link zu klicken und ungewollt etwas herunterzuladen. Je größer die Datei, desto schlimmer dieser Fehler!
5. Setzen Sie nicht zu viele Links, der Text soll ja noch lesbar bleiben.
6. Wenn Sie einen Link zu einer anderen Seite setzen, sollten Sie dafür den Öffnen-in-neuem-Tab-Befehl nutzen. Jedenfalls meistens. So hat der Nutzer immer die Chance, zu Ihnen zurückzukehren. Anders sieht es nur aus, wenn Sie den Nutzer wirklich weiterleiten wollen – das ist ja meistens intern auf der eigenen Seite so gewollt.
7. Manche Seitenbetreiber setzen auch Links, die beim Nutzer ein komplett neues Browserfenster öffnen. Wozu das gut sein soll, erschließt sich uns überhaupt nicht. Schreiben Sie uns bitte einen Kommentar, wenn Sie eine plausible Erklärung haben!

Essenmarke oder Essensmarke? Des Streites nächster Akt!

Heißt es Gedichtanalyse oder Gedichtsanalyse, Essenmarke oder Essensmarke? Wann man das sogenannte Fugen-S setzt, ist umstritten. Der Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling zufolge wandle sich der Gebrauch derzeit „dramatisch“.

Die Zahl der Zweifelfälle, pardon Zweifelsfälle, wird größer: Immer mehr Menschen setzen zwischen zwei zusammengesetzte Wörter ein sogenanntes Fugen-S. Habe man früher bloß um ein paar wenige Wörter gestritten (vor allem Essen(s)marke und Einkommen(s)steuer), gebe es inzwischen Dutzende von Zweifelsfällen, sagt die Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling von der Universität Mainz. Die Gedichtsanalyse ist eines ihrer Beispiele.

Ein Autor der Badischen Zeitung hat schon vor drei Jahren zu diesem Problem weitere Linguisten gefragt und überaus aufschlussreiche Antworten erhalten. Sein Bericht in der Badischen Zeitung kommt zu dem interessanten Befund, dass es keineswegs eine klare Genitiv-Logik gibt. Stattdessen helfe das Fugen-S dem Hörer, bei der Zusammensetzung beide Wörter getrennt wahrzunehmen.

Selbst bei Dreier-Zusammensetzungen wird manchmal vorn eine S-Fuge angebracht und hinten nicht („Betriebsratmitglied“ versus „Betriebsratsmitglied“). Diese Uneinheitlichkeit gefällt vielen Leuten natürlich nicht. Besonders Leute, die es gern klar geregelt haben, leiden offenbar darunter. Damit liegen sie auf einer Linie mit Jean Paul. Der Dichter habe im Fugen-S einen Übellaut gesehen und von der „s-Krätze“ gesprochen, erzählt Andreas Frey in der Badischen Zeitung. Jean Paul wollte übrigens insgesamt die Doppelwörter abschaffen. Vielleicht hat es auch eine Rolle gespielt, dass er selbst Lehrer und Lehrer(s)sohn war …

Rechnerisch hat dieser Satz ein ganz niedriges Niveau!

Wie verständlich ist ein Text? Um das herauszufinden, gibt es im Internet verschiedene kostenlose Tools: zum Beispiel den Textinspektor, das Schreiblabor oder die Software LIX. In diese drei Maschinen haben wir eine Rede unseres Bundespräsidenten eingegeben. Was kam heraus? Beste Unterhaltung!

Von Maren Tönisen

Manchmal ist niedriges Niveau ja gut. Zum Beispiel, wenn man leicht verständliche Texte schreiben will. Die Wissenschaft hat dafür nachvollziehbare Maßstäbe entwickelt und so dafür gesorgt, dass die Verständlichkeit von Texten mathematisch messbar wird. Im Internet gibt es dafür verschiedene kostenlose Tools. Der Textinspektor, die Textanalyse vom Schreiblabor und die Software Lesbarkeitsindex (LIX) sind einige von denen, die es sich anzuschauen lohnt.

Ein Beispiel: So ein kurzer, einfacher Satz wie „Rechnerisch hat dieser Satz ein ganz niedriges Niveau!“ schneidet in all diesen Maschinen hervorragend ab. Lange, womöglich noch verschachtelte Bandwurmsätze mit vielen wissenschaftlichen Fachbegriffen dagegen landen in der Regel im roten Warnbereich.

Wir vom ZEILEN|HACKER haben testweise die Grußbotschaft des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zum Fest des Fastenbrechens 2017 in alle drei genannten Maschinen eingegeben. Was ist herausgekommen und mit welcher Maschine waren wir am zufriedensten?

Textinspektor: Die Rede bekommt vom Textinspektor 11,8 von 20 möglichen Verständlichkeitspunkten. Damit liegt die Rede eindeutig im grünen Bereich. Von ihrer Verständlichkeit her ist die Rede vergleichbar mit Unterhaltungsliteratur. Gut am Textinspektor sind seine leichte Bedienbarkeit und sein klares grafisches Erscheinungsbild. Der Textinspektor teilt auch mit, wie viele Wörter pro Satz und wie viele Silben pro Wort sich in dem Text finden. Aber mehr Details verrät er nicht. Noch ein kleiner Haken: Man muss ganz zu Beginn einmal ein Werbefenster wegklicken.

Schreiblabor: Die Steinmeier-Rede wird hier als „durchschnittlich“ bewertet und als „vergleichbar mit Belletristik“ etikettiert, weil sie 59 von 80 möglichen Verständlichkeitspunkten erzielt. Gut am Schreiblabor ist, dass die einzelnen Auswertungsergebnisse genauer dargestellt werden als im Textinspektor. Dafür ist das Ergebnis nicht ganz so übersichtlich: Man muss den Punktwert ein bisschen suchen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man gleich im Textfenster etwas ändern kann und dann sieht, wie sich das Ergebnis verbessert.

LIX: Diese Software, die man kostenlos auf der Seite Psychometrica.de herunterladen kann, hat wiederum eine andere Skala. Sie reicht von 0 bis 100. Hier erhält die Rede 48 von 100 Punkten, wobei 100 die größtmögliche Kompliziertheit darstellt. Steinmeiers Rede liegt somit ebenfalls im Bereich „Belletristik“. Die Software verfügt nicht über die genannten Vorteile des Schreiblabors. Aber sie hat gegenüber der Konkurrenz auch Vorteile: keine Werbung, kein Schnickschnack, ein klares Ergebnis auf einer Skala von 1 bis 100. Außerdem kann man sie sowohl online als auch offline benutzen. Das bedeutet: Man muss den Text nicht ins Internet einstellen. Das dürfte für viele ein entscheidender Grund sein. Mitarbeiter von Regierungsbehörden beispielsweise dürfen ja ihre Verwaltungstexte nicht in solch private Maschinen einspeisen.


Fazit: Die Tools kommen zu relativ ähnlichen Ergebnissen und zeigen schnell und übersichtlich die Verständlichkeit eines Textes an. Am einfachsten und schnellsten geht es mit dem Textinspektor. Am detailreichsten und praktischsten ist das Schreiblabor. Wer Texte prüfen will, ohne dass andere sie sehen können, sollte die Software LIX verwenden.

Das gibt’s auch: Fälle, in denen Passiv besser ist als Aktiv!

Aktiv top, Passiv flop? Ohne „Täter“ muss der Leser oft Detektivarbeit leisten, um der Satzlogik zu folgen. Deshalb ist in den meisten Fällen das Aktiv besser. Manchmal ist trotzdem das Passiv vorzuziehen – dazu drei Beispiele.

Von Laura Bertenburg

1. Der Akteur spielt keine Rolle

„Der Bahnhof wird um 2 Uhr nachts geschlossen.“ Hier spielt es keine Rolle, wer den Schlüssel am Bahnhofstor umgedreht hat. „Das Passiv kann dazu dienen, eine Aussage mit geringerem sprachlichen Aufwand zu formulieren“, heißt es zurecht in einer „Stilistik für Journalisten“.

„Die Ampel fiel aus und der Sachbereich 3 des Verkehrsamts ließ sie noch am selben Tag reparieren“ ist allenfalls amtsintern korrekt formuliert. Für den Bürger wäre Passiv gerade durch die Täterverschweigung einfacher und dadurch besser: „Die ausgefallene Ampel wurde noch am selben Tag repariert.“ Wer die Reparatur der Ampel veranlasst oder durchgeführt hat, wird dem Bürger wurscht sein. Wichtig ist, dass sie rasch repariert wurde.

Ähnlich sieht‘s in folgendem Beispiel aus:
„Der Staudamm wurde weggerissen.“ Das ist stark genug auch im Passiv. Man könnte natürlich auch schreiben: „Die Fluten rissen den Staudamm weg.“ Stärker wäre das jedoch nicht, denn das Wegreißen des Staudamms ist stark genug – und kürzer.

2. Das Opfer ist wichtiger als der Täter

Auch wenn der Akteur keine Rolle spielen soll, ist Passiv eine gute Wahl. In den Vordergrund gestellt werden soll manchmal ja gerade derjenige, dem etwas widerfahren ist. Auch hier ein Beispiel aus dem Buch „Stilistik für Journalisten“: „Die Gestapo verhaftete ihn, misshandelte ihn grausam und verschleppte ihn in ein Konzentrationslager.“ In diesem Satz geht es um die Taten der Gestapo. Im Endeffekt soll der Satz jedoch das Leiden des Opfers ausdrücken. Um darauf zu fokussieren, kann man das Passiv verwenden. Hat man die Gestapo zuvor bereits genannt, wäre also ein Passivsatz wie der folgende besser: „Er wurde verhaftet, grausam misshandelt und in ein Konzentrationslager verschleppt.“

3. Das Entscheidende muss nach vorne – zum Beispiel für SEO-Zwecke

Auch beim Schreiben fürs Internet und insbesondere bei der Suchmaschinenoptimierung SEO (Search Engine Optimization) kann eine Passiv-Konstruktion vorteilhaft sein. Eyetracking-Studien haben ergeben, dass Internetnutzer Texte im F-förmigen Muster (an)lesen. Dabei blicken Leser zunächst nur auf die ersten zwei oder drei Wörter eines Absatzes. Ist das Interesse geweckt, stehen die Chancen gut, dass dem restlichen Text mehr Zeit geschenkt wird. Wenn die ersten zwei Wörter eines Absatzes aber keinerlei Anreiz bieten, dann wird über den Rest hinweggescrollt oder gleich das ganze Fenster weggeklickt.

Das Objekt muss also oft an den Satzanfang. Nehmen wir dazu einen Beispielsatz: „Unsere Firma hat die 12 wichtigsten SEO-Gebote formuliert.“ So ausgedrückt, steht die Firma am Anfang – die interessiert die meisten Zielgruppen aber vermutlich weniger als die 12 SEO-Gebote. Deshalb ist es schlauer, die Gebote an den Anfang zu setzen: „Die 12 wichtigsten SEO-Gebote wurden jetzt von unserer Firma formuliert.“

Das klingt nicht so schön? Stimmt! Genau das ist der Preis, den man für eine Suchmaschinenoptimierung der Texte bezahlen muss. Theoretisch bräuchte man hier übrigens nicht mal das Passiv: „Die 12 wichtigsten SEO-Gebote hat jetzt unsere Firma formuliert.“ Hier hat man das Passiv vermieden. Stilistisch schöner geworden ist’s dadurch aber nicht.


Unterm Strich

Der Rat, Passiv müsse man immer vermeiden, ist allzu pauschal. Man darf das Passiv durchaus benutzen, wenn es gute Gründe dafür gibt.

Kennen Sie noch andere Anlässe, warum Passiv-Konstellationen manchmal von Vorteil sind? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!