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Corona: Merkels Ansprache in der Klartext-Edition

Es ist bekannt, dass die Sprache in Reden und Ansprachen Angela Merkels immer recht abstrakt bleibt. In der Corona-Krise ist es aber sehr wichtig, dass wirklich ALLE Bürger verstehen, was gemeint ist. René Steinberg hat die Ansprache der deutschen Kanzlerin deshalb in eine einminütige Klartext-Edition übersetzt.

Hier die Rede zur Nation in der Original-Übersetzung von René Steinberg für WDR 2:

Rapper am Pranger: Kampagne gegen sexistische Texte

„Baller der Alten die Drogen ins Glas / Hauptsache, Joe hat seinen Spaß.“ Rapper singen oft sexistisches und gewaltverherrlichendes Zeug. Eine Frauenrechts-Organisation will das nicht hinnehmen und geht mit einer Kampagne dagegen vor.

Warum nehmen wir es mit der politisch korrekten Sprache in manchen Bereichen so genau, während in anderen Bereichen millionenfach die übelsten menschenverachtenden Sprüche rausgehauen werden dürfen? Die Nichtregierungsorganisation „Terre des Femmes“ hat sich einen dieser Bereiche herausgepickt und stellt jetzt Rapper öffentlich an den Pranger – auf Plakaten und in Videos werden deren Verszeilen gedruckt beziehungsweise vorgelesen.

Wir zeigen Ihnen auf unserer Seite drei von etlichen solcher Plakate und betten ein Video ein, auf dem Frauen derartige Texte vorlesen. Achtung: Die Texte sind nicht jugendfrei. Weitere Infos auf www.unhate-women.com.



 

Wer ist der Gregor Gysi der FDP?

Tempo steht für Taschentücher. Manchmal tritt solch ein bekannter Markenname an die Stelle eines Gattungsbegriffs. Ganz selten geschieht das auch mit Menschen. Eine Forschungsarbeit zeigt, welche Promis dafür am häufigsten verwendet werden.

Fast zwei Millionen Dokumente aus fast 25 Jahren „New York Times“ und „Die Zeit“ haben die vier Forscher Robert Jäschke, Jannik Strötgen, Elena Krotova und Frank Fischer auf der Suche nach sogenannten „Vossianischen Antonomasien“ untersucht. Diese rhetorischen Perlen kommen nicht allzu häufig vor, aber wenn, dann sorgen sie für viel Aufmerksamkeit. Kein Wunder, denn ihre Wirkung ist stark: Man kann damit Menschen ganz schön niedermachen oder erhöhen, je nachdem. „Er ist der Galileo Galilei der Formel 1“ oder „Das ist ein Steve Jobs für Arme“ sind Beispiele für derlei Vossianische Antonomasien.

Bevor wir die Ergebnisse verraten, schildern wir noch in wenigen Worten, warum dieses rhetorische Mittel einen so verrückten Namen trägt und was eigentlich sein Charakteristikum ist:

1. Die Vossianischen Antonomasien sind benannt nach dem niederländischen Gelehrten Gerhard Johannes Vossius (1577-1649), der sie als erster beschrieben hat. „Vossantos“, wie sie von den Forschern liebevoll genannt werden, gibt’s mindestens seit der Antike. Platon etwa wurde einmal „Homer der Philosophie“ genannt.

2. Es handelt sich um eine Spezialform der Antonomasie. Diese funktioniert so: Man ersetzt den Namen einer Person durch eine Eigenschaft, um den Namen nicht zu oft zu benutzen: „Der Leimener“ anstatt „Boris Becker“. Die Vossianische Antonomasie allerdings verwendet wiederum einen Eigennamen, um eine Bezeichnung zu ersetzen: „Der Boris Becker unter den Philosophen“. Bei manchen, wie unserem titelgebenden „Gregor Gysi der FDP“, bleibt zunächst offen, welche Eigenschaft eigentlich gemeint ist. Seine Redekunst? Seine Körpergröße? Sein Charme?

Aber wer sind nun heute die Namen, die für Vossantos am häufigsten verwendet werden? In ihrer Studie „Der Helmut Kohl unter den Brotaufstrichen“ listen die Forscher die Promis nach Ländern geteilt auf – in den USA werden natürlich andere Namen verwendet als in Deutschland.

DIE ZEIT (1995 bis 2011):
1. Robin Hood
2. Bill Gates
3. Franz Beckenbauer
4. Daniel Düsentrieb
Heinz Rühmann
James Dean
Jesus Christus
Norbert Blüm
Willy Brandt

NEW YORK TIMES (1987 bis 2007):
1. Michael Jordan
2. Michelangelo
3. Babe Ruth
4. Don Quixote
Elvis
Neil Young
Rodney Dangerfield
Zelig

In der Studie wird übrigens auch ausgewertet, welche Ressorts am häufigsten Vossantos verwenden: Hier liegt in beiden Ländern das Feuilleton weit vorn, dahinter folgen in der ZEIT die Politik, in der NYT hingegen der Sport.

Wer sich an Vossianischen Antonomasien erfreut, findet in dem Blog „Der Umblätterer“ fast 500 Beispiele eines Sammlers …

Pressemitteilungen sind in drei Jahren um 15 Prozent länger geworden!

Pressemitteilungen werden tendenziell länger, während ihre Überschriften kürzer werden. Das legt eine neue Studie nahe. Wir fassen die Ergebnisse kurz zusammen.

438 Wörter ist eine Pressemitteilung durchschnittlich lang. Wem das nicht viel sagt: Es entspricht ungefähr 3.000 Zeichen. Und wem auch das nicht viel sagt: Gibt man einen Text in dieser Länge in eine gut formatierte Muster-PM ein, erreicht man knapp das dritte Blatt, so wie in dieser Abbildung:

Woher stammt die Zahl 438? Eine Tochter der Deutschen Presse-Agentur namens „news aktuell“ hat über 30.000 Pressemitteilungen ausgezählt, um diesen Durchschnitt zu berechnen. Außerdem hat man ermittelt, wie lang die Überschriften sind: 90 Zeichen im Durchschnitt. Wenn wir so eine Überschrift in eine Muster-PM einsetzen, sieht das Ergebnis so aus:

Offenbar kümmert Pressestellen die alte Faustregel wenig, dass eine Meldung nur dann die dritte Seite erreichen sollte, wenn es wirklich etwas Wichtiges zu vermelden gibt. Und auch die Regel, dass die Hauptzeile nicht länger sein sollte als einzeilig, schert wohl die wenigsten. Beides ist übrigens dann unproblematisch, wenn es sich um gute Texte handelt: Dann lässt sich ein Text ja leicht von hinten kürzen und die Überschrift vom Redakteur auch leicht anpassen.

Gleichwohl denken viele Redakteur*innen jetzt vermutlich: Die wenigsten Pressemitteilungen sind wirklich so gut geschrieben, dass man sie von hinten kürzen und die Überschriften nur auskürzen muss. In Zeitungen jedenfalls sind Hauptzeilen deutlich kürzer.

Übrigens hat „news aktuell“ bei dieser Gelegenheit auch herausgefunden, dass die Headlines gegenüber einer vergleichbaren Erhebung vor drei Jahren leicht kürzer geworden sind: Damals war die Headline noch durchschnittlich 100 Zeichen lang.

Umgekehrt sieht es bei der Gesamtlänge von PM aus: Hier wurden aus 381 Wörtern 438 Wörter – eine Steigerung von satten 57 Wörtern oder 15 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis der Auszählung betrifft den Versandzeitraum: Die meisten Pressemitteilungen werden donnerstags zwischen 10 und 12 Uhr verbreitet, gefolgt von Dienstag und Mittwoch. Deutlich unattraktiver sind Montag und Freitag, am wenigsten aktiv seien Kommunikatoren am Samstag, beschreibt Dr. Beatrix Ta von „news aktuell“ in ihrem Blogeintrag „Sieben Fakten zur Pressemitteilung“.

Ausgewertet wurde letztlich auch, wie stark die Zahl der Zugriffe auf Pressemitteilungen steigt, wenn diese von audiovisuellem Material begleitet werden, siehe Infografik:

Grafik: news aktuell – ein Unternehmen der dpa-Gruppe

Und das viel uns auf: fiele Fehler beim Marktführer

Würden Sie jemandem Ihr Geld anvertrauen, der Rechtschreibfehler macht wie Fritzchen in der dritten Klasse? Wer „fiel Geld“ mit f schreibt und „viel geringer aus“ mit v, der beschädigt durchaus auch das Vertrauen in seine Kernkompetenzen.

Finanzen.net ist nach eigenen Angaben das reichweitenstärkste Finanz- und Börsenportal in Deutschland. Kern-Zielgruppe sind qualitätsbewusste, einkommensstarke und luxusaffine Nutzer. Mehrere Millionen Besucher informieren sich auf dem Axel-Springer-Portal jeden Monat über Wirtschafts- und Finanzthemen.

Wer nun aber meint, dass die Berichte über diese Themen stets sauber redigiert würden, der täuscht sich: Zum Teil finden sich auf der Seite haarsträubende Rechtschreibfehler. Das schlimmste Beispiel aus jüngster Zeit:

Sechs Fehler in sieben Zeilen: Das ist einerseits fiel. Andererseits vermissen wir bei diesem tapferen Schreiberlein den siebten Vehler dann doch ein bisschen!

Bitte Stufenschnitt, aber nicht zu knapp!

Gesicht und Apfel in gleicher Größe

Gesicht und Apfel in gleicher GrößeWenn Sie ein Bild von einem Apfel und einer Person malen, darf dann der Apfel so groß sein wie der, der ihn isst? Natürlich nicht, so würde es niemand malen. In der Typografie machen diesen Größenverhältnis-Fehler auch Profis. Dabei lässt sich das Problem mit drei Grundregeln leicht vermeiden.

Nach dieser offiziellen Vorgabe sollen sich Schülerinnen und Schüler an bayerischen Gymnasien richten:

Das ist typografischer Unsinn! Zweck des Abstufens mit Schriftgrößen ist doch, dass man inhaltliche Hierarchien sofort erkennt. Und deshalb stuft man nicht nur um 1 pt ab – der Unterschied ist nicht leicht genug erkennbar.

Wie aber stuft man richtig ab? Wir geben Ihnen 3 Grundregeln an die Hand:

1. Nicht zu viele Stufen! 3 sind okay, 4 sind schon anspruchsvoll, 5 registriert niemand mehr. Ausnahme: zum Beispiel Fachgutachten und wissenschaftliche Aufsätze. Aber Sie kennen es selbst: 3.4.3.2. ist ein untrüglicher Hinweis darauf, dass es jemand übertreibt mit der Ordnung. ☺


2. Niemals mit nur 1 pt in der Überschrift einen Hierarchie-Unterschied kennzeichnen. Sowas müsste eigentlich gesetzlich verboten werden. Selbst 2 pt an Größenunterschied (wie oben zwischen Ebene 1 und Ebene 2) sind ohne Fettsatz knapp.


3. Greifen Sie bei Überschriften (nicht unbedingt beim Fließtext) nur auf gerade Schriftgrößen zurück. Erstens kommen Sie dann nicht durcheinander, zweitens dilettieren Sie nicht mit Kommazahlen herum und drittens lässt sich eine solche Ordnung für andere Dokumente leicht merken.


Für eine Gliederung zum Beispiel in Thema, Kapitel und Fließtext bietet sich folgende Abstufung an:

– 24 pt fürs Thema
– 18 pt für die Kapitel
– 12 pt für den Fließtext

Bei 4 Stufen (zum Beispiel mit Zwischenüberschriften) bietet es sich an, so abzustufen:

– 24 pt fürs Thema
– 18 pt für die Kapitel
– 14 pt (fett) für die Zwischenzeilen
– 12 pt für den Fließtext

Übrigens gelten andere Abstufungen, wenn die Überschriften zweizeilig werden: Zwei fette 14-pt-Überschriften wirken massiver als eine magere mit 18 pt.

Wie Graphic Recorder Worte in Bilder übersetzen …

Haben Sie schon mal gesehen, wie Graphic Recorder funktionieren? Sie übersetzen zum Beispiel bei Kongressen all das in Zeichnungen, was gesprochen wird – und zwar simultan!

Vermutlich haben die meisten jetzt gedacht, so ein Graphic Recorder sei ein Gerät, oder? Von wegen: Es handelt sich um einen echten Beruf! In den vergangenen Jahren werden immer mehr solcher Graphic Recorder angefragt, bei Kongressen und Meetings oder auch bei Seminaren oder Messen live zu zeichnen.

Am schwierigsten für die Recorder sind Tempo und Struktur: Sie dürfen natürlich nicht abwarten, bis sie alles gehört haben – sondern müssen simultan malen. Aber meist wissen sie noch gar nicht, auf welche Ergebnisse eine Veranstaltung hinausläuft. Am Ende erwarten die Veranstalter jedenfalls eine Art zeichnerisches Ergebnisprotokoll.

Im folgenden Video erklärt die Zeichnerin Gabriele Schlipf, wie sie ihre Arbeit versteht und wo der Nutzen für Veranstaltungen liegt – nach weniger als drei Minuten sind Sie schlauer!

Wo leben meine Namensvettern?

Onomastik ist nichts Fieses. Im Gegenteil: Dieser Zweig der Sprachwissenschaft bringt sehr vergnügliche Sachen zustande. Sehr nett sind zum Beispiel Websites, auf denen man sich die Verbreitung von Familiennamen anschauen kann. Gucken Sie sich doch mal an, wo sich Ihre Namensvettern tummeln …

Zwei solcher Websites können wir Ihnen empfehlen:

Forebears zeigt die Namensverbreitung auf der Grundlage von Daten sowohl weltweit als auch deutschlandweit an. Außerdem werden die statistischen Ergebnisse mithilfe künstlicher Intelligenz in Sätze gepackt. Wie wenig verlässlich die Daten allerdings sind, sieht man beim Blick auf Details: Zum Beispiel wird angegeben, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand eines bestimmten Namens zu den Demokraten oder zu den Republikanern tendiert: „In The United States those holding the Schneider last name are 14.52% more likely to be registered Republicans than The US average, with 61.29% registered with the party.“ Und auch die Einkommens-Schätzung steht wohl eher auf wackligen Beinen: „The amount Schneider earn in different countries varies greatly. In Norway they earn 27.87% more than the national average, earning 442,536 kr per year; in Peru they earn 464.43% more than the national average, earning S/. 109,415 per year.” Nun ja, auf die Zuverlässigkeit dieser Daten würden wir vom ZEILEN|HACKER keine Wetten abschließen.

Geogen zeigt die Namensverteilung nur in Deutschland, aber das sehr schick. Man sieht die Verbreitung eines Namens auf der Deutschlandkarte (in unserem Screenshot alle, die „Merkel“ heißen) und an der Höhe der Stapel auch die Häufigkeit. Man kann die Karte mit Links bzw. Rechtsklick auch drehen oder verschieben und mit dem Scrollrad vergrößern. Beim Klick auf eine links eingeblendete Landkarte kann man sich auch die Verteilung auf Landkreise anschauen. Ein sehr schöner Service, wie wir finden!

Vorsicht, Verwechslungsgefahr bei Vereinen!

Institute und Vereine zur Deutschen Sprache gibt’s etliche, und viele tragen recht offiziell klingende Namen. Der mitgliederstärkste Verein, dem auch viele namhafte Promis angehören, erregt immer wieder die Gemüter. Wir halten die Organisationen mal sauber auseinander!

Allgemeiner Deutscher Sprachverein
Dieser Verein wurde 1885 in Braunschweig gegründet und hatte sich der Bekämpfung von Fremdwörtern im Wortschatz der deutschen Sprache verschrieben. Mit wechselhaftem Erfolg: In manchen Bereichen gelang es ihm durchaus, Fremdwörter auszumerzen, zum Beispiel im Verkehrswesen (etwa „Fahrkarte“ statt „Billett“ oder „Bahnsteig“ statt „Perron“). Viele Eindeutschungsversuche gingen den Menschen aber auch zu weit oder erschienen ihnen lächerlich. Paradoxerweise endete der Verein unter Hitler. In einem Minister-Erlass von 1940 heißt es wörtlich: „Der Führer wünscht nicht derartige gewaltsame Eindeutschungen und billigt nicht die künstliche Ersetzung längst ins Deutsche eingebürgerter Fremdworte.“ Rechtsnachfolgerin des ADSV wurde die Gesellschaft für deutsche Sprache, deren Ziel jedoch keineswegs die Abschottung des deutschen Vokabulars ist.

Gesellschaft für deutsche Sprache
Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) soll die deutsche Sprache pflegen und erforschen sowie ihre Funktion im globalen Zusammenhang erkennbar machen. Finanziert wird sie hauptsächlich von der deutschen Kultusministerkonferenz und dem Kulturstaatsminister. Die GfdS unterhält einen Sprachberatungsdienst, der Privatpersonen, Firmen, Behörden und Institutionen bei Fragen zu Rechtschreibung, Grammatik oder Stil unterstützt. Die GfdS wählt jährlich sehr publikumswirksam die „Wörter des Jahres“ und berät Bundestag und Bundesrat sowie Ministerien und Behörden der Länder in Sprachfragen. Nach eigenen Angaben hat die GfdS rund 3.000 Mitglieder.

Verein Deutsche Sprache
Mit mehr als 36.000 Mitgliedern ist der Verein Deutsche Sprache mehr als zehn Mal so zahlreich wie die GfdS. Man sollte den VDS aber schon deshalb nicht mit den anderen verwechseln, weil er in den vergangenen Jahren immer wieder in Zusammenhang gebracht wurde mit Positionen der AfD und anderen Akteuren des rechten Spektrums. 2016 protestierten 30 SprachwissenschaftlerInnen beim Deutschen Hochschul-Verband, weil der seinem Magazin „Forschung & Lehre“ das VDS-Blatt „Sprachnachrichten“ beigelegt hatte. Der VDS bediene immer wieder nationalistische Tendenzen, heißt es in dem Brief unter anderem, und: „Die provokanten und teils politisch gefährlichen Thesen des Vereins haben wenig bis nichts mit (Sprach-)Wissenschaft zu tun. Im Gegenteil: Sie widersprechen größtenteils den Erkenntnissen der Linguistik.“ Gleichwohl hat der VDS sehr prominente Unterstützer, unter anderem Dieter Hallervorden, Ottmar Hitzfeld, Hape Kerkeling, Peter Kraus, Jürgen von der Lippe, Christian Quadflieg oder sogar Stilistik-Experten wie Wolf Schneider oder Bastian Sick. In den letzten Jahren war der VDS immer dann in den Schlagzeilen, wenn es um sprachliche Gleichberechtigung ging. Seinem Aufruf „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ schlossen sich auch einige namhafte SchriftstellerInnen an. Gegründet wurde der VDS 1997 als „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“. 2000 wurde er in „Verein Deutsche Sprache“ umbenannt.

Institut für deutsche Sprache
Das Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim hat die Aufgabe, die deutsche Sprache zu dokumentieren und zu erforschen. Das IDS verfügt über die größte existierende Sammlung von Tonaufnahmen und den größten deutschsprachigen Textkorpus (mehr als 43 Milliarden Wörter). Das IDS wird jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Land Baden-Württemberg getragen. Seit 2019 gehört das IDS zur Leibniz-Gemeinschaft und heißt offiziell Leibniz-Institut für Deutsche Sprache. Das IDS beschäftigt rund 225 Mitarbeiter, davon sind über 100 wissenschaftliche Angestellte.

Rat für deutsche Rechtschreibung
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat vor allem die Aufgabe, das Regelwerk des Deutschen weiterzuentwickeln. Der Rat gehört eben nicht zu Deutschland, sondern er ist ein zwischenstaatliches Gremium der Länder, in denen Deutsch gesprochen wird. Er formuliert das amtliche Regelwerk für die deutsche Rechtschreibung, das dann von privaten Verlagen (wie dem Duden) interpretiert und in größerem Rahmen veröffentlicht wird. Im Rechtschreibrat stimmen rund 40 Experten aus 7 Ländern und Regionen über alte und neue Regeln ab. Neben WissenschaftlerInnen sind auch SprachpraktikerInnen ehrenamtlich für den Rat tätig.

Geschmacklos durch Dativ

Schon kleine grammatikalische Fehler können die Aussage böse verdrehen. Das erfuhr Ralf Stegner (SPD) kürzlich am eigenen Leib. In einem Tweet hatte er den Islam – ganz versehentlich – als Geschmacklosigkeit bezeichnet …

Zigtausende Twitter-Meldungen hat Ralf Stegner schon abgesetzt. Ein paar waren dabei, die er bereut hat – kürzlich kam wieder eine hinzu, anlässlich des Sarrazin-Parteiausschlusses:

Tweet von Ralf Stegner (SPD) zum Parteiausschluss von Thilo Sarrazin

Jedem ist klar: Diese Geschmacklosigkeit ist ein grammatikalisches Versehen. Stegner wollte natürlich ausdrücken, dass Thilo Sarrazin außer seinen „Ergüssen“ zu Flüchtlingen oder dem Islam auch noch andere Geschmacklosigkeiten von sich gebe. Hier reiht aber Stegner selbst den Islam und die Flüchtlinge als Geschmacklosigkeiten ein. Schwamm drüber, so etwas passiert eben auch studierten Germanisten, ehemaligen Pressesprechern und sogar Harvard-Absolventen – Stegner ist alles in einer Person!

Wo genau lag nun der Fehler?
Die Präposition „für“ fordert den Akkusativ, während „zu“ den Dativ verlangt – Ergüsse „zu wem oder was?“ Stegner setzt, indem er „anderen“ schreibt, die Flüchtlinge und den Islam in eine Reihe mit „anderen“ Geschmacklosigkeiten. Stattdessen hätte er „für wen oder was?“ fragen und demzufolge „andere“ schreiben müssen. Oder einfach einen klareren Satz bilden!